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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 188 Dr. BLoch's Wochvnfchrrfl. Nr. 12 thatkrästig anzunehmen und für die nächste Sitzung schon Material zu sammeln und zur Berathung zu bringen, da das ganze Wirken der Bezirkscommission von den Vorarbeiten der Referenten abhängen werde. Herr Director Hecht stellt sodann den Antrag, die Bezirkscommiffion möge den Cultusvorstand um Bekanntgabe der Liste und Adressen der im Bezirke wohnenden Armenkinder ersuchen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Ferner weist derselbe Antragsteller auf die Vortheile des Elberselder Systems in der Armenpflege hin und beantragt, sämmtliche Obmänner der humanitären Vereine der Bezirke behufs Centratisation des Armenwesens zu einer Besprechung einzuberufen. Der Herr Obmann spricht seine Ansichr dahin aus, daß es am zweckmäßigsten wäre, gemäß einem vorhergegangenen aufklärenden Vortrage des Herrn Directors Hecht in der einzuberufenden Versammlung über dieses Thema eine Discussion einzuleiten, welche zu einer Reform des Armenwesens der Bezirke Xll—XV führen könnte. Nach längerer Debatte, an welcher sich nebst dem Herrn Obmann die Herren Neufeld und Hecht betheiligen, wird beschlossen, die Anregung des Herrn Directors Hecht als Gegenstand eingehender Berathung auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Der Herr Obmann weist hierauf auf die Wichtigkeit der Besetzung des erlebigten Rabbinerpostens hin und hält die Ernennung eines Seelsorgers schon für die nächste Zukunft für wahrscheinlich. Ueber Antrag des Herrn Neufeld wird beschlossen, an den löblichen Cultusvorstand eine Eingabe zu richten, mit dem Ersuchen, die vorgeschlagenen Herren noch vor der definitiven Entscheidung zu einer Probepredigt im Tempel, XV. Bezirk, Turnergasse 22 zu veranlassen, damit auch die Besucher dieses Gotteshauses ihre Wünsche bekanntgeben können. Hierauf erfolgt Schluß der Sitzung um halb 9 Uhr Abends. Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender. Die 14. Generalversammlung dieses Vereines hat am Vorabende des Purimfestes stattgefunden und sowohl die Erinnerung an diese Feier als besondere Tagesereignisse trugen dazu bei, die Stimmung der zahlreichen Theilnehmer der Versammlung erhebend zu beeinflussen. Die hervorragendsten Humanitären Vereine der Residenz batten ihre Vertreter entsendet, die Cuilusgemeinde wurde osftciell durch den k. k. Baurath R. v. Goldfchmidt repräsentirt, es waren jedoch auch der Bicepräsident Dr. Gustav Ko hn und die Herren Oberingenieur v. Mises undSalo Cohn erschienen, während die Herren Baurath Stiaßny, Hofrath Sigmund Taussig und Architekt Fleischer als Vereins- Vorstandsmitglieder an der Versammlung theilnahmen. Der Vereinsvorstand Baurath Stiaßny eröffnete die Versammlung mit der Begrüßung der Delegirten der Cultusgemeinde und der Vereine und widmete der Ernennung des Mitgliedes S. Taussig zum Hofrathe herzliche Worte, wobei er hervorhob, daß Hofrath Taussig in seiner Bescheidenheit und Weisheit jede Ovatwn, die man ihn gern dargebracht hätte, abgelehnt habe. Der Schriftführer Dr. Bßla Taussig trug sodann den Geschäftsbericht vor, dem mrr nachfolgende Stellen entnehmen: „Im abgelaufenen Vereinsjahre sind an den Vereinsvorstand 362 Darlehens- und Unterstiitzungsgesuche (um 113 mehr als im Vorjahre) gerichtet worden. Von diesem mußte eine Anzahl von 138 Gesuchen abgewiesen werden, weil dieselben nicht in den Rahmen des Vereines paßten oder sonst nach den Statuten nicht weiter behandelt werden konnten, so daß also insgesammt 224 Gesuche zur Behandlung verblieben. Hievon wurden 45 Gesuche (44 Darlehen und 1 Unterstützung) in zustimmendem Sinne erledigt, 102 ablehnend beschieden und 77 zur Behandlung in das nächste (XV.) Vereinsjahr übernommen. Außerdem wurden von den aus dem Vorjahre stammenden Gesuchen heuer 19 (18 Darlehen und 1 Unterstützung) bewilligt. Die Summe der im Vereinsjahre 1902 laut vorstehender Detaillirung insgesammt bewilligten 62 Darlehen beträgt X 7750.—, von welchen jedoch im genannten Jahre nur X 7090.— zur Auszahlung gelangt find. Die bewilligten und zur Auszahlung gebrachten 2 Unterstützungen betragen zusammen X 20.—. Seit dem Bestände des Vereines wurden bis Ende 1902, also während eines Zeitraumes von 14 Jahren, 558 Darlehen mit dem Gesammtbetrage von X 83.670.— bewilligt, von welchen bis zu dem genannten Zeitpunkte jedoch insgesammt nur X 76.889-84 zur Auszahlung gelangten. Hierauf wurden Rückzahlungen in der Gesammthöhe von X 41.713-15 geleistet. Die Auslagen für die gesammte Verwaltung des Vereines betrugen im Berichtsjahre X 1193*15. Der Summe der Einnahmen per X 16.345-93 stehen Ausgaben im Betrage von X 15.843-75 gegenüber; der Verein verfügte daher zum Jahresschluß über einen Baarsaldo von X 502-18. Das Stammvermögen ist, seitdem das stiftende Mitglied Herr Salo Cohn in großmüthiger Weise, anläßlich der XI. ordentlichen Generalversammlung am 10. Mai 1900 den namhaften Betrag von X 5000.— diesem Fond zugewendet hat, in stetem Wachsen begriffen, so daß zu Ende 1902 ein Stand von Nominale X 13.900-— Rente und 2 Stück Ungarische Hypotheken-Lose ausgewiesen erscheint. Am 15. October 1902 wurde aus Anlaß des 60. Geburtstages des Präsidenten, k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny. vom Vereinsvorstande unter Mitwirkung zahlreicher Mitglieder des Vereines und vieler Freunde des Jubilars eine Stiftung im Betrage von X 4000-— unter dem Namen „Vaurath Stiaßny-Stiftung" in's Leben gerufen. Die Spende von X 20.000 —, welche ein vorerst ungenannt bleiben wollender Wohlthäter zum Zwecke der Gründung und Erhaltung einer jüdischen Pflegerinnenschule dem Präsidenten eingehändigt hat, bot den Anlaß, ein Co mite, bestehend aus dem Präsidenten Herrn Baurath Stiaßny, den Vorstandsmitgliedern Herren Gustav Frankl, kais. Rath Johann L i ch t e n st a d t, Dr. Bela Taussig, Hofrath Taussig, endlich aus Herrn Hofrath Dr. O s e r und Herrn Med.- Dr. Sigm Wahrmann einzusetzen, welches mit allen Vollmachten ausgestattet wurde. Dieses Comitä wird seine Thätigkeit aufnehmen und selbstständig die Bildung des neuen Vereines durchführen, sobald die Verhandlungen mit der Spitalsdirection zu einem gedeihlichen Abschlüsse gelangt sein werden. Der diesem Zwecke gewidmete Betrag ist vorläufig in Staatsrenten bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank deponirt. Während der 14jährigen Thätigkeit ist es gelungen, 558 Darlehen im Gesammtbetrage von X 83.670 zu bewilligen, damit 558 jüdischen Handwerkern und Kleingewerbetreibenden aufzuhelfen, viele von ihnen wurden vom sicheren Untergange errettet, manchem zu gesicherter ehrenvoller Existenz verholfen." Der Bericht klingt in dringende Bitte aus, dem Vereine eine weitere umfangreiche Thätigkeit zu ermöglichen. Nachdem der von Herrn Steiner vorqetragene Bericht der Revisoren genehmigt und dem Vorstande des Absolutorium ertheilt worden war, wurden per acclamationem die ausscheidenden Vorstandsmitglieder und die Revisoren wiedergewählt. Baurath R. v. G o l d s ch m i d t gab namens des Cultusvorstandes dem Danke für das gemeinnützige Wirken des Vereines Ausdruck. Er resumirte, wie viel Gutes der Verein mit bescheidenen Mitteln geleistet, wie viele Existenzen er gerettet, wie viele fleißige arbeitswillige Hände er erwerbsfähig erhalten habe. Es sei dies ein Verdienst der unermüdlichen, opferbereiten Thätigkeit der Vorstandsmitglieder, insbesondere der hingebungsvollen Arbeit des Damencomites. Von diesen Arbeiten gebe der geringe Regieaufwand Zeugniß, denn er beweise, wie Vieles die Vorstandsmitglieder, insbesondere der Präsident, auf ihre Schultern nehmen. Eine solche Thätigkeit sei eine sichere Gewähr für eine gedeihliche Zukunft, für welche er dem Vereine auch die besten Wünsche ausspreche. Baurath Stiaßny dankte dem Vertreter der Cultusgemeinde für seine den Verein hochehrenden, von tiefer Sympathie erfüllten Worte und lud sodann den kais. Rath I. L i cy t e n st a d t ein, den angekündigten Vortrag über „Systematische Wohlthätigkeit" zu halten. Kais. Rath Lichten st adt knüpfte an die Worte des Baurathes R. v. Goldschmidt an, „es sei heute ein Freudentag", das sei er allerdings, aber nicht blos in religiöser B?^ ziehung und im Hinblick auf das Gedeihen des Vereines, sondern auch um zweier Ereignisse willen, an denen man nicht vorübergehen könne, ohne seine Freude zu äußern. Das Eine ist das Manifest des Kaisers von Rußland, der zum erstenmale Toleranz proclamirt. Wenn auch die Kundgebung des Czaren nicht die Hoffnungen erfüllt, die man gehegt hat, so scheine doch ein neuer Geist in die russische Verwaltung einzuziehen, der hoffentlich auch das Los der Juden bessern wird. Die bürgerliche Gleichberechtigung ist ihnen leider noch versagt, aber die religiöse Toleranz bilde doch den ersten Lichtstrahl, der ihr dunkles Dasein erhellt. Das zweite Ereigniß, das gerade an dieser Stelle Freude erregen muß, ist die Auszeichnung, die den beiden Säulen des Vereines, dem Präsidenten Baurath Stiaßny und dem Vicepräsidenten Hofrath Taussig durch unseren Kaiser zutheil geworden ist. In diesem Saale entfalten sie ja auch ihr dem Gemeinwohl gewidmetes Wirken als Vertreter der Cultusgemeinde. Es wäre vielleicht zeitgemäßer gewesen, aus diesem Anlasse eine Festrede zu halten, allein das hätte die Bescheidenheit der beiden Männer nicht gestattet. Doch könne auch der Vortrag über „Systematische Wohlthätigkeit" als eine ihnen dargebrachte Huldigung gelten, weil die darin ausgesprochenen Ideen von ihnen gethetlt, vielfach von ihnen angeregt wurden. Kaiser!. Rath Lichten st adt entwickelte dann die Noth- Wendigkeit, die verschiedenen Wohlthätigkeitsvereine mit einander

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