Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Sk. 12 Dr. Bloches WmhensttzrM. «Sette 187 und jeden Diurnisten ehrfurchtsvoll aus dem Wege gehen; hier zersplittern keine Existenzen an der Rauheit eines Dorfpaschas, hier kann man unangefochten leben, wenn man — zahlt. Allerdings vermögen dies nicht Alle. Unter den jüdischen Zuzüglern aus Wien, aus Galizien, Polen und Rußland gibt es sehr viele, welche wohl die Mittel aufbrachten, die Reise nach Meran zu bestreiten, weiter aber nichts mitbrachten als ein Krankheits- und Armuthszeugniß, mitunter auch den Creditbrief eines Rabbiners, gezogen auf die Mildthätigkeit der Glaubensgenossen. Von diesen Werthpapieren allein kann man nicht leben, wenn man nicht unterstützt wird. Nun zählen die Armen, die Herkommen, daraus, im „Israelitischen Asyl", in der sogenannten Königswarter- Stiftung — weil Königswarter den Grundstein dazu legte — Aufnahme zu finden. Leider aber ist dies Krankenhaus ein sehr winziges, schlecht fundirtes, wenig unterstütztes Institut mit blos 14 Betten für Internisten und für sechs Tischgeher, für die kein Belegraum mehr vorhanden. Von den Hunderten armen Kranken, können somit blos zwanzig Berücksichtigung finden und selbst diese nicht ganz unentgeltlich, indem die Pfleglinge des Asyls sechzig Kronen monatlich entrichten müssen; ein Capital, das die Wenigsten aufzubringen vermögen! Das Israelitische Asyl findet eben nicht jene auswärtige Unterstützung, die es verdiente und speciell von jüdischen Cultusgemeinden wohl erwarten dürfte. Die Leiter desselben verstehen es nicht, die Trommel zu rühren; sie drängen sich an die Mildthätigkeit nicht heran, sie warten, bis sie zu ihnen kommt. Die Wiener Cultusgemeinde mit ihrem Millionenbudget liefert einen Beitrag von hundert, Prag von fünfzig, Brünn und Lemberg blos von je fünfzehn Gulden jährlich! Gemeinden wie Krakau, Tarnow, Czernowitz, Pilsen, Kolomea, Warschau, Lodz fehlen gänzlich, ebenso die Wiener Millionäre, die nicht säumen würden, ihre Gaben darzubringen, wenn es einer Stiftung gilt, zu der Fürstin P. und Gräfin K. den Aufruf erlassen und aus der später jüdische Functionäre und jüdische Kranke gewiß ausgeschlossen werden, oder wenn dem Dr. Lueger ein Monument errichtet werden soll. Ist es nicht eine heilige Pflicht für Menschen, die, vom Schicksal begünstigt, an der vollen Tafel des Lebens sitzen, jenen minder glücklichen Brüdern zu helfen, die, arm und krank, mit dem Elend ringen und die sich abfinden, wenn sie einen Teller Grütze und einen Strohsack haben? Soll man nicht an die Häuser der Reichen die Heyse'sche Mahnung schreiben: „Sei zum Geben stets bereit, miß nicht kärglich deine Gaben — Bedenk, dein letztes Kleid wird keine Taschen haben." Wer hier die Noth der Leute sieht, die aus weiter Ferne in der meist trügerischen Hoffnung hergekommen sind, die verlorene Gesundheit wieder zu finden, kann nicht umhin, oft genug und warm genug für sie an die Munificenz der Gemeinden, Logen, Vereine und glückgesegneten Privaten zu appelliren, welche durch Dotationen, Jahresbeiträge und Spenden das Curatorium der hiesigen Stiftung in die Lage setzen mögen, eine viel größere Zahl von Kranken und Pflegebedürftigen aufzunehmen und die Pensionsbeiträge derselben aufzulass,en! Aus dem gedruckten Ausweise seien noch folgende Geber, ihrer großmüthigen Spenden wegen, hervorgehoben: Herr Leopold Löwy in Wien mit 1000 K, Herr Moritz Sohr in Prag mit 500 K, Frau Betti Wodianer 400 K, Herr Philipp Bauer in Wien 500 K, Herr Otto Feist in Berlin 350 K. Alle Anerkennung verdienen die Männer, welche unter so schwierigen Verhältnissen das Asyl leiten. Als Obmann functionirt der Chef der hiesigen Bankfirma Biedermann, Herr Stransky, der in strammer Weise nicht nur dieses humanitäre Institut, sondern auch Tempel und Friedhof verwaltet und dem ein großer Theil der erlangten Spenden zu danken ist. Dann folgt Sanitätsrath Dr. Hausmann, ein warmer Jude der älteren, gediegenen Schule, der dem Asyl und dem Tempel wiederholt namhafte Beträge zugewendet hat. Mitglied der Verwaltung und ärztlicher Ordinarius ist Dr. K o r e f, der trotz ausgedehnter Praxis den Pfleglingen des Instituts alle Sorgfalt zuwendet und zu diesem Opfer an Zeit auch noch Geldopfer bringt. — Noch zwei Herren wirken in lobenswerther Weise als Mitglieder des Curatoriums: der Eine ist ein Meraner Bürger, Kaufmann Herr Adolf Weil; der Andere Herr Gustav Katzenstein aus Kassel. Der Erste führt in umsichtiger Weise die Verwaltung, der Zweite soll ein talentirter Bettelmönch sein, der dem Institute schon manche schöne Beträge zuführte. Leo Herzberg-Fränkel. Correspondenzen. Aus den Bezirkseommiffionen. Protokoll der am 9. März 1903 abgehaltenen Sitzung der Bezirkscommiffion für die Bezirke XU—XV. Beginn der Sitzung 6 Uhr Abends: Vorsitzender: Herr Obmann S. Beer; Anwesende: Herren Duschinsky. Hecht, Mohr, Neufeld, Reichenfeld, Sonnenfeld, Spitzer. Stern. Wrinberger, Pick, Bernhard, Turner; Abwesend: Herren Dr. Bars, Hofbauer, Kühner (Letzterer entschuldigt). Tagesordnung: I. Mitlheilung des Obmannes; II. Angelobung; Ul. Wahl der Referenten; IV. Eventualia. Der Herr Obmaun begrüßt die erschienenen Herren und drückt seine Genugthuung aus, daß diese so zahlreich erschienen sind, um die Bezirksangelegenheiten zu berathen. Bon Herrn Kühner ist ein Schreiben eingelangt, worin er sein Ausbleiben von der Sitzung entschuldigt. Der Herr Obmann macht den Versammelten Mitthcilung von seinen Unterredungen, die er anläßlich der nicht entsprechenden Geschäftsordnung mit Herren aus dem Cultusvorstande gepflogen und als deren Resultat die Einberufung der Obmänner sämmtlicher Bezirkscommissionen vom Cultusvorstand schon für die nächste Zeit anzusehen sei. In dieser Obmännerconferenz werde dann die vom Cultusvorstand erlassene Geschäftsordnung einer eingehenden Berarhung unterzogen und sicherlich ergänzt werden. Der Herr Obmann theilt ferner mit, daß es usuell sei, in Steuerangelegenheiten und personellen Fragen durch Handschlag Stillschweigen nach Außen zu geloben, und bittet, diesen Vorgang auch in der unter seinem Vorsitze stehenden Bezirkscommission einzuhalten. Die Anwesenden geloben sodann durch Handschlag unverbrüchliches Schweigen. Zum 3. Punkte der Tagesordnung übergehend, entspinnt sich eine lebhafte Debatte, ob überhaupt eine Wahl der Referenten vorgenommen werden solle, da die Geschäftsordnung viel zu mangelhaft abgefaßt sei, ja einer der wichtigsten Punkte, das Armenwesen, gänzlich ausgelaffen sei. An dieser Debatte betheiligen sich die Herren Mohr, Neufeld, Pick, Reichenfeld und Director Hecht. Eine Einigung findet endlich dahin statt, die Wahl der Referenten für alle im Bezirke nothwendigen Angelegenheiten vorzunehmen. In dem hierauf folgenden Wahlgange werden einstimmig folgende Herren als Referenten gewählt: Cultüswesen: die Herren Stern, Neufeld, Turner; Armenwesen: die Herren Mohr, Sonnenfeld, Weinberger; Schulwesen: die Herren Hecht, Pick, Spitzer; L e i ch e n w e s e n : die Herren Duschinsky. Neufeld, Reichenfeld. Conf. Vereinswesen: die Herren Bernhard, Stern und Weinberger. Indem der Herr Obmann das Wahlresultat verkündet, bittet er die Herren Referenten, sich ihres speciellen Refforts