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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloch's Wochrnfttzrist. «eite 179 ihrer Handlungsweise aufmerksam macht, leert sich langsam der Saal. Nach dem Drama im Krankenhaus das Satyrspiel der Verhandlungen mit den Studenten. Auch hier führen wir die Thatsachen nach dem Bericht der Freien Presse an; sind sie doch so ungeheuerlich, daß sie unwahr erscheinen müßten, wenn nicht ein so „ruhiges" Blatt als Quelle diente. Der Herr Rector, Hofrath Tschermak, verhandelte zunächst mit den farbentragenden Studenten. „In väterlich warmen" Worten forderte er sie auf, bei ihren Commilitonen einzuwirken. Die Herren antworteten: „Daß die Angehörigen der einzelnen Verbindungen durch ihre bloße Mitgliedschaft zu nichts verpflichtet werden könnten." Wer weiß, welchen Zwang die Verbindungen auf ihre Mitglieder ausüben, wird diese Antwort äußerst diplomatisch finden. Die Studenten gaben „durch Stillschweigen" zu, daß die Erregung künstlich genährt ist, aber einige „Exaltados" verlangen, „der Rector möge seinen Einfluß dahin aufbieten, daß Hofrath Nothnagel seine ProvocatorischeHaltung aufgebe, dann werde sofort Ruhe eintreten. Auf Befragen des Rectors, was sie unter Provocationen Nothnagells verstehen, erklärten die jungenHerren, daßsich dies auf die liberale politische Haltung N o t h n a g e lls beziehe". Man sollte meinen, der Herr Rector hätte den Interpellanten wegen ihrer Frechheit ordentlich heimgegeigt — fehlgeschossen! Was statt dessen Herr Hofrath Tschermak that, darüber, berichtet die Freie Presse folgendermaßen: „Dem naiven (!) Ansinnen der „Herren" Hochschüler . . . trat Hofrath Tschermak, ohne sich zu echauffiren, mit ruhiger Logik (!) entgegen. Er verwies vor allem darauf, daß die Thätigkeit und die Haltung der Mitglieder deS Professoren- Collegiums außerhalb des Bereiches der Universität sich seinerJngerenzvollständigentziehe.." Dieser gemüthlichen Stellung entsprach auch das sonstige Verhalten der Universitätsbehörden. Statt Ordnung zu erzwingen, wurden die Kliniken geschlossen, um die Studenten nicht in Versuchung zu führen. Auch am 27. Juni suchte der Rector, wie die Freie Presse bemerkt, auf die Couleurstudenten „beschwichtigend" einzuwirken. „und warnte sie besonders vor jeder Demonstration auf der Klinik, da eine solche die sofortige Schließung der Facultät zur Folge haben würde." Jedenfalls ein äußerst geeignetes Mittel, Diejenigen zu strafen, die an den Demonstrationen nicht theilgenommen hatten, und auch deshalb an dieser Stelle sehr angebracht, weil bekanntlich gerade unter den Couleurstudenten Abneigung dagegen besteht, auf Kosten ihrer Eltern lange zu studiren. Von dieser Ansprache an die Verbindungs-Studenten versprach man sich eine gewisse Wirkung, denn: „Obwohl die farbentragenden Verbindungen — so schreibt die Freie Presse — nur einen Bruchtheil der ganzen Studentenschaft bilden, so ist doch durch deren Vermittlung die Einwirkung auf weitere Kreise möglich, weil die Angehörigen der Verbindungen eine gewisse Diseiplin halten." Wegen dieser Disciplin hatten ja auch die Herren einige Tage vorher erklärt, „daß die Angehörigen der Verbindungen durch ihre Mitgliedschaft zu nichts verpflichtet seien". Andererseits wollte man den Herren doch ihre kleinen Morgenscherze nicht mißgönnen, deshalb wird „der Versuch gemacht werden, die Abhaltung einer oder mehrerer Studentenversammlungen außerhalb der Universität zu ermöglichen. Maßgebenderseits sieht man diese Versammlungen als ein vorzügliches Ventil für die Ableitung der erregten Leidenschaften an." LV£ Wenn das der Metternich e rlebt hätte Inzwischen bekam man vor dem eigenen Muth Angst. Dem jüdischen Stndenten-Verein Kadimah wurde die Abhaltung einer Versammlung nicht gestattet; Professor Nothnagel, dem Einzigen, der sich in der allgemeinen Anarchie wie ein Mann benommen hat, wurde die Eröffnung seiner Klinik verboten. Damit hatte die Studentenschaft vorläufig gesiegt, und sie machte sich daran, ihren Sieg auszunutzen. Am 30. Juni fand in der Aula der Universität eine erneute Demonstration der antisemitischen Studentenschaft statt, an der bezeichnender Weise ein Freund der Verbindungen in Staatsuniform theilnahm. Unter „tausendstimmigem Heil" begab sich eine Deputation zum Rector und übergab ihm ein Schriftstück. Die „ruhige Logik" des Rectors, der sich dreiviertel Stunden mit der Deputation unterhielt, muß den demonstrirenden Studenten sehr gut gefallen haben, denn nach der Wiederkehr der Deputation zog diese die Schläger und ließ das „Gaudeamus" anstimmen. Hierauf wurden unter Absingung der Wacht am Rhein (!) diverse „Pereat" auf Nothnagel und ein Hoch auf den Rector ausgebracht. Die Absingung der Wacht am Rhein bildete den Wendepunkt des Dramas. Der Hofrath Tschermak war seit diesem Augenblick von der Richtigkeit seiner ruhigen Logik nicht mehr überzeugt; als k. k. Staatsbeamten hatte ihn die Wacht am Rhein aus dem Schlummer an der Donau erweckt. Der ReÄor erklärte einem Redacteur der Freien Presse: „er könne die Eingabe, wegen der ungebührlichen Ausdrücke, die darin enthalten seien, nicht dem Senate unterbreiten . . . und werde dieser Behörde darum nur den Inhalt des Schriftstückes bekannt geben." Er habe der Deputation erklärt, „es sei seine Pflicht, ein von Studenten überreichtes Memorandum entgegenzunehmen" .... Zeitungsnachrichten, wonach er versichert habe, „der Senat werde über die Demonstrationen möglichste Milde walten lassen, und es werde dafür Sorge getragen werden, daß der antisemitischen Studentenschaft kein Anlaß zu Beunruhigungen mehr geboten werde, seien durch Auslassung oder Hinzufügung von Worten entstellt." „Selbstverständlich habe er keine Ahnung davon gehabt, daß gerade auf diesen Empfang eine demonstrative Kundgebung folgen werde, wie sie unmittelbar nachher in der Aula durch die Absingung der Wacht am Rhein (!) und der verschiedenen Rufe erfolgte." Daß er die Wacht am Rhein nicht geahnt hat, darf man überzeugt sein. Die Demonstration überhaupt hätte der Rector aber ahnen können — sintemal sie ja schon bei Uebergabe des Memorandums zum Theil erfolgt war. In der Ansammlung der Studenten, den Heilrufen, dem Aufmarsch der Deputationen hätte ein weniger harmlose- Gemüth als der Rector eine Demonstration geahnt. Ein weniger harmloses Gemüth hätte sich auch nicht so ausgedrückt, daß er von den Demonstranten so sehr mißverstanden werden konnte. Ein weniger harmloser Mann hätte wohl schon gegen ein ähnliches Mißverständniß bei der ersten Conferenz Protest eingelegt und hätte seine Erklärung an den Redacteur der Neuen Freien Presse etwas anders gefaßt — falls nicht

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