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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 174 Dr. Bloch's Wochvnschrrfl. Nr. 11 .Erhebet euch", sprach er, .urtb wenn Gott uns beisteht, wird die Stunde des Florus geschlagen haben/ * * * Doch die übrigen Einwohner Jerusalems waren entgegengesetzter Ansicht. »Za, ja/ sagten sie, .Florus strebt nach Krieg, so müssen wir, im Gegentheil, Geduld und Ergebenheit bewahren, um des Wenigen, was uns übrig geblieben, nicht verlustig zu werden/ So sprachen die Priester und die Vornehmen, und Alle, die vom Tempel sich ernährten, und die Reichen, die ihren Reichthum zu verlieren sürchteten. Sie gingen unter's Volk, sielen selbst den einfachen Leuten zu Füßen und umschlangen demüthig sogar die Knie der Armen, um sie zur Geduld und zum Ertragen zu bewegen. Und es gelang ihnen schließlich, das Volk für den Frieden zu gewinnen. * * * Mittlerweile kehrte in Begleitung seiner Krieger Florus von Cäfarea zurück. Die Einwohner Jerusalems gingen ihm eine Sttecke außerhalb der Stadt entgegen und boten den Legionen einen freundlichen Willkommsgruß. Doch Florus brach in Zorn aus. .Wie verächtlich seid ihr!" sprach er voller Wuth. .Ich weiß, daß in seinem Herzen Jeder von euch mich haßt, eure Lippen jedoch umspielt ein freundliches, falsches Lächeln .... Wäret ihr ehrenhafte, aufrichtige Männer, mit Waffen in der Hand würdet ihr uns entgegenkommen. Sieh' Aulus, das sind die Männer, die du fürchtest/ Und er befahl seinen Kriegern, über die Judäer herzufallen. Da geschah es, daß die friedlichen Menschen, die zum Begrüßen der Legionen hinausgekommen waren, einer erschreckten Heerde gleich zur Stadt zu fliehen begannen, indeß die Römer, wie nach Blut lechzende Wölfe ihnen nachsetzten. Und so senkte sich, inmitten von Geschrei, Verwirrung, Mord, Raub, lautem Lachen und hilflosem Wehgeschrei die Nacht auf die Stadt herab... * * * Tags darauf befahl Florus seinen Kriegern, den Markt zu plündern, und die Krieger plünderten, und wer ihnen in den Weg kam, der wurde mitleidslos ermordet. In den Straßen der Stadt begann ein ängstliches Hin- und Herrennen. Die Männer wurden erschlagen, die Frauen geschändet, Unschuldige zum Verhör geschleppt. Die Zahl der an diesem Tage ermordeten Judäer betrug, Frauen und Kinder inbegriffen, sechstausenddreihundert. *) Da versammelte sich auf dem Markte das Volk in so großer Zahl, daß kein Platz, wo ein Apfel zur Erde hätte fallen können, mehr vorhanden war. Verzweiflung über die Qual des Volkes in ihren Herzen, schaarten sich die Männer um Gamaliel, und suchten in der Menge das Gefühl der Empörung zu erwecken, und den Wunsch, für die unschuldig Gemordeten Rache an den Mördern zu üben. Und mit lauten Klagerufen beweinten alle Versammelten die Opfer römischer Tyrannei. Jndeffen hatte Florus seine Krieger um sich geschaart und wartete, in seinem Palast eingeschlossen, auf die weiteren Ereignisse. Jetzt gab es unter den Römern Biele, welche die Ansicht des Aulus theilten. .Ueber Gebühr", sagten sie, .haben wir dieses Volk bedrückt! . . . Und nun hängt, einer schweren Wolke gleich, die gerechte Rache über uns!" Aber Florus schwieg. Und wieder traten die vornehmen Bürger und die Priester in die Mitte des Volkes, und wieder demüthigten sie sich vor ihm und flehten, daß es nicht zu den Waffen greifen, sondern Frieden halten möge. .Sicherlich", sagten sie, .ist Florus jetzt ruhig, wie ein Tiger, der an Blut sich gesättigt. Lockt den Tiger nicht aus seiner Höhle, um den Rasenden nicht zu neuen Angriffen anzueifern/ Und wieder gehorchte das Volk; es unterdrückte sein Weinen und begann auseinanderzugehen. Vergeblich erhob der empörte Gamaliel seine Stimme und rief zu den Waffen. Er glich einem Löwen in der Wüste, dem man seine Beute entrissen. Vergeblich knirscht er mit den Zähnen und wühlt mit seinen Krallen den Boden auf. * * * *) Die Thatsachen sind dem Werke des Josephus Flavius: .Jüdischer Krieg" entnommen. Indessen waren die Aeltesten des Volkes und die Priester zu Florus gegangen, und als sie vor ihn gelassen wurden, sprachen sie zu dem grausamen Römer: .Wiederum haben wir das Volk beruhigt. Gedenke dessen, daß wir es gethan haben." Da wandte sich Florus lachend zu den Centurionen und den Aufsehern über je tausend Mann und rief: .Nun, seht Jhr's!" Den Judäern jedoch ertheilte er eine gnädige Antwort, obgleich er einen neuen Verrath im Schilde führte. .Ich sehe", sagte er, .daß ihr friedliebend seid, doch weiß ich nicht, bis zu welchem Grade. Um uns nun alle von eurer friedlichen Gesinnung zu überzeugen, geht wieder mit dem Volke hinaus auf die Fahrstraße, um die aus Syrien zurückkehrenden Legionen zu begrüßen." Seine Befehle jedoch hatte er diesen zurückkehrenden Kriegern früher schon zukommen lassen. Da wurden die Priester und Aeltesten von Trauer erfaßt. Wußten sie doch, daß dies das Schwerste war, was von ihnen verlangt werden konnte. So gingen sie denn in den Tempel, zogen ihre schönsten, beim Gottesdienst getragenen Gewänder an, nahmen auch die heiligen Gefäße mit sich, befahlen den Sängern und Lautenschlägern/ sich ihnen mit allen Instrumenten anzuschließen, und zogen so durch die Straßen der Stadt, das Volk durch die Pracht des Schauspiels anlockend. Als sich eine zahlreiche Menschenmenge um sie versammelt hatte, begannen sie wieder sich zu neigen und demüthig zu bitten, das Volk solle doch Frieden halten und die Römer nicht dazu bringen, daß dieselben das Heiligthum plündern sollten. Die Priester schluchzten, neigten ihre mit Asche bestreuten Häupter und zerrissen ihre Gewänder. .Bewahret uns diese Gefäße!" flehten sie. .Euer Ungehorsam wird das Vaterland in die Hände derer liefern, die nach dessen vollkommener Vernichtung streben. Wenn ihr euch noch einmal fügsam erweist und den Kriegern mit freundlichem Willkommsgruß entgegengeht, wird Florus keine Ursache zu weiteren Angriffen finden. Ihr rettet das Vaterland und auch selber werdet ihr zu leiden aufhören." So sprachen sie. Aber Gamaliel war nicht unter den Versammelten. Er hatte das Grab des Hohepriesters aufgesucht, das außerhalb der Stadtmauer gelegen war, und von dort wollte er in Begleitung seiner Jünger und der Galiläer und Jdumäer, die sich ihm angeschlossen, nach Galiläa gehen. Früher jedoch hatte er zu den Priestern gesagt: »Geht zu Florus, doch gestattet, daß wir euch begleiten. Wenn man euch unbehelligt läßt, wird unser Schwert die Scheide nicht verlassen. Sollten die Römer aber wiederum auf Wehrlose sich werfen, so wartet ihrer der Tod." Die Priester jedoch lehnten seinen Vorschlag ab und sagten: .Durch Demuth werden wir siegen." Da entfernte sich Menachem mit der Schaar seiner Anhänger, wie ein Löwe aus der Mitte von Hunden sich flüchtet. Die Römer wichen zur Seite, als die Jdumäer, ihre Speere schwingend, ihrem Feldherrn folgten, und die jungen Galiläer betrachteten die römischen Krieger unerschrockenen Blickes. Und als sie vor den Zelten der Römer vorüberzogen, rjef der alte Aulus Catullus: »Gegrüßt seien die Muthigen! Ehre den Söhnen Jehudah's! . . / Aber die Priester und Aeltesten führten das Volk auf den kaiserlichen Weg und alle gingen sie in Ordnung und stummer Angst den syrischen Legionen entgegen. ' (Fortsetzung folgt.) Literatur. N. Pruschanski. Ein Blatt aus der Chronik unserer Stadt. Roman, Preis von 5 Mk. Verlag von Siegfried Cronbach, Berlin 1903i Dr. M. Braun. Monatsschrift für Geschichte u n d .W i s s e n. schaft des Judenthums. Begründet von Dr. Z. Frankelfortgesetzt von Professor Dr. H. G r a e tz. Neue Folge, im Vereine mit Prof. Dr. David Kaufmann s. A. ins Leben gerufen und herausgegeben. Sechsundvierzigster Jahrgang. Neue Folge, zehnter Jahrgang. N o v e m b e r—D e c e m b e r 1902. Heft 11—12. Inhalt: Sigmund Jampel: Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. (Fott-

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