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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Vi -.'1vrtr"s Wvrliensrhrift. Seite 173 Sillein. Die Silleiner Chewra-Kadifcha hielt ihre jährliche Generalversammlung am 8. d. um 4 Uhr Nachmittags ab. Vorerst wurde ein feierlicher Gottesdienst zum Andenken Moses in der schwarz drapirten Synagoge abgehalten. Der jüngst gewählte Cantor H. Marmorstein trug das Minchagebet unter choralischer Begleitung sämmtlicher Realschüler und Bürgerschulmädchen meisterhaft vor. Die der Bedeutung des Tages entsprechende Rede hielt unser Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. D. Friedmann, wobei er der im letzten Jahre Dahingeschiedenen pietätvoll gedachte: Des Herrn R. I. Josef, Oberrabbiners der Orthodoxen zu New-Aork, des Herrn M. Antokolsky, russischen Bildhauers zu Paris; des Herrn H. Lorm, deutschen Dichters zu Brünn; des Herrn I. Ritter v. Wechselmann, Philantropen zu Budapest; der Frau Sophie v. Gutmann, Gattin des D. Ritter v. Gutmann; der Frau Rabbiner Dr. Clara Friedmann, Tochter des Rabbiners Dr. S. Wolffsohn in Lomnitz, welche vor vier Monaten in einem Breslauer Frauensanatorium im Lenze ihres Lebens dahingeschieden ist. Die Rede, welche mit tiefergriffener Seele voraetragen wurde, übte auf alle Anwesenden einen mächtigen Eindruck aus. Klatlau. Der hiesige „Chorgesangs- und Geselllgkcusverein" hält am 11. d. M. seine Generalversammlung ab. Programm: 1. Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung. 2. Berichte der Functionäre. 3. Wahl des Obmannes und der Vorstandsmitglieder. 4. Freie Anträge. In der Generalversammlung soll der Antrag des Herrn Fritz Laschansky ventilirt werden, wie der zwanzigjährige Bestand des Vereines aus solenne Weise zu feiern wäre. — In der am 2. d. M. stattgkfundenen Sitzung des Vorstandes der „Chewra-Kadischah" wurden die Herren Leo Ehrlich und Leopold Brummel als Vereinsmitglieder ausgenommen; ferner wurde über Antrag des Lehrers Herrn A. Baum beschlossen, dem Pensionssonde für israelitische Lehrer in Böhmen einen jährlichen Beitrag per 10 Kronen zu leisten. — a.— Prag. Zum Besten der neuzugründenden jüdischen Koch und Haushaltungsschule fand am 7. März um 8 Uhr Abends im Hotel Europa eine Vorlesung der hiesigen bestbekannten Schriftstellerin Frau Kotanyi-Jerusalem statt. Der große Saal war von einem distinguirten Publicum dicht gefüllt, welches dc m geistvollen Bortrage lauschte und zum Schluffe reichlichen Beifall spendete. Brody. Am 7. d. M. hat Herr Lasar Bär Balban nach einerlängeren, furchtbar quälenden Krankheit zu leben und zu leiden aufgehört. Sein Tod war für ihn und seine Angehörigen angesichts der unbeschreiblichen Schmerzen und der Hoffnungslosigkeit auf Genesung eine wahre Erlösung; er verschied in seinem 63. Lebensjahre, beweint und betrauert von seiner Familie, Freunden, Bekannten und von fast allen Bürgern unserer Stadt, in welcher er sich durch sein stets humanes Wirken, durch seinen biederen Sinn, durch seine Gerechtigkeitsliebe und Wohlthätigkeit besonders hervorthat. Als langjähriger Gemeinderath und Assessor hat er sehr gemeinnützig und fürs öffentliche Wohl gewirkt. Er war ein edler Beschützer der armen Schuljugend, der er seit Jahren ein labendes Mittagsmahl in der Volksküche mit väterlicher Fürsorge verschaffte. Für seine zahlreichen Arbeiter, die in seinem großen Geschäfte Beschäftigung finden, war er leutselig, herablassend, ihr wahrer Freund und Gönner. Sein Leichenbegänguiß gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der Bevölkerung; der gesammte Gemeinderath mit dem Bürgermeister, der Cultusborstand, viele Vereine, deren Mitglied er war, und Hunderte von Leidtragenden gaben ihm das letzte Geleite, voran schritt die Schuljugend mit ihren Lehrern. In den Straßen, wo der Leichenzug passirte, brannten die Laternen nnt schwarzen Flor umhüllt. Möge ihm die Erde, die ihy nun aufnahm, leicht sein, Friede und Ruhe seiner Asche!! Berlin. Se. Majestät der Kaiser hat Herrn James Simon in Anerkennung der Verdienste, welche er sich als Vorstandsmitglied der .Deutschen Orientgesellschaft" um „die deutsche Forschung im Orient" erworben, sein Bildniß mit eigenhändiger Widmung verliehen. Teplitz. (Todesfall.) Vor Kurzem hat die hochgeachtete Familie Halm in Karbitz einen herben Schicksalsschlag erlitten. Fräulein Martha Halm, Tochter des Herrn M. H a l m, ein mit . allen Vorzügen des Geistes und Körpers ausgezeichnetes Mädchen, ist nach kurzem Leiden im jugendlichen Alter von 20 Jahren verschieden. Das Leichenbegänguiß gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der allgemeinen Theilnahme. Unter Anderem waren vertreten: das k. k. Bezirksgericht, die Gräfl. westfäl'sche Beamtenschaft und die umliegenden Gewerkschaften, der Lehrkörper sämmtlicher städtischer. Schulen, die Stadtgemeinde, die Cultus- und Chewra- Vorstände von Teplitz und Soborten u. A. m. Im Trauerhause hielt Herr Rabbiner Galandauer aus Soborten eine tiefempfundene, ergreifende Trauerrede, worauf sich der Conduct in Bewegung setzte, um die Leiche nach dem Teplitzer Friedhof zu überführen, wo Herr Rabbiner Dr. Kurrein der Verklärten einen würdigen, foriuvollendeten Nachruf widmete. FeuMeton. Ftorns der Römer, Kaiser Agrippa «ad Wenachcm, Sah« Iehadah's. Eine Erzählung von Wlad. Korolenko. — Uebersetzt von Malwina B l u m b e r g. (Fortsetzung.) Mittlerweile war in Jerusalem das Volk von großer Unruhe erfaßt worden. Uneinigkeit hatte sich eingefchlichen und die Leute murrten und stritten miteinander. Die Einen sagten: „Wie lange noch werden wir das Quälen der Menschen und die Entwürdigung unseres Heiligthums ertragen? Seht ihr denn nicht, wohin Florus seine Habgier und sein böses Herz treiben? . . Er wird nicht aufhören, bis er sich nicht des Tempels bemächtigt und gelingt ihm dies, so wird es ihn zu werteren G.'waltthaten aneifern. Denn so wie die Legionen eine Festung umgeben, so umgibt unser Volk den Tempel. Und wenn der Feind die Festung erobert, so fliehen die Legionen und werden auf der Flucht mit größerer Leichtigkeit niedergehauen. So wird auch Florus zu sich selber sagen: „Wenn dieses Volk seinen Tempel zu retten nicht im Stande war, warum sollte es jetzt noch sich auflehnen wollen?" Ist das unser Wunsch? Ist es unser Wunsch, daß die Legionen, mit Beute beladen, zu ihren Familien zurückkehren und ihren Gefährten sagen: „Geht nach Judäa. Dort ist ein kleinmüthiges Volk und der Krieg daselbst ist ganz ohne die sonstige Gefahr des Kampfes und gewährt nur Vergnügen. Die Judäer schützen und vertheidigen vie Ihrigen nicht und gehorsam führen die Väter ihre halberwachsenen Töchter an das Lager des Soldaten." Mit solchen Worten entfachten fie im Volke die muthiqen Gefühle, so daß Biele sprachen: „Besser, es ereilt uns der Tod an der Schwelle der Burg Antonia, indem wir unseren Tempel und unsere Ehre vertheidigen. Florus gelüstet nach dem Schwert, so soll er denn unser Schwert kennen lernen. Wir finden keine Gerechtigkeit beim Cäsar, so möge denn Gott, der Herr ist über Alle, zwischen uns und Florus entscheiden." * * * So sprachen Viele im Volke und auch viele Gelehrte und darunter auch Menachem, Sohn Jehuda Gamaliel's dessen Blut im Kampfe für die Freiheit seines Vaterlandes gefloffen. Der Vater hatte seinem Sohne als Bermächtniß seine Liebe und seinen Haß hinterlaffen. Seine Liebe war die Liebe zur Freiheit, sein Haß — der Haß der Knechtschaft. Wie sein Vater, so sprach auch Menachem: „Nicht würdig ist es, sich vor den Altären römischer Cäsaren zu neigen, denn die Cäsaren sind Menschen. Bücken darf man sich nur vor Gott, dem Einzigen, der die Menschen zur Freiheit geschaffen." Außerdem vertiefte sich der weise Menachem, der ob der Kraftlosigkeit seines Volkes sehr betrübt war, in das Lesen der Bücher, und aus den Büchern seiner Lehre und aus denjenigen fremder Völker lernte er die Welt und ihre Gesetze verstehen, lernte Gutes von Bösem unterscheiden, und es wurde ihm klar, welches die jeweilige Ursache der Kraft und der Schwäche der Völker. Er war sehr gelehrt, doch weder den stolzen Pharisäern glich er, noch den friedlichen Effäern, noch den Sadducäern, die vom Tempel lebten. Sein grübelnder Geist forschte unaufhörlich nach der Wahrheit und das Streben seiner Seele bewegte sich immer vornie rückwärts. Und Menachem's Ruhm wurde weit und breit bekannt, und die Fremden sogar nannten ihn einen scharfsinnigen Philosophen, denn seine Zunge glich einem Schwert, das alle auf Lüge gegründeten Behauptungen sofort vernichtete. Und in Menachem's Herzen glühten, hellen Flammen gleich, Liebe und Haß. Die Liebe war das Feuer, das vom Sturme des Haffes zur lodernden Flamme angefacht wurde. Denn je drückender das Joch, das auf seinem Volke lastete, um so mehr gab Menachem diesem Volke sein ganzes Herz zu eigen — ein Herz, das in Liebe glühte. Wenn wir nun aber den Haß mit einem Feuer vergleichen, so war die Liebe wiederum der Sturmwind, der dieses Feuer zur lodernden Flamme entfachte, denn aus der Liebe zu den Gedrückten entstand der Haß gegen die Unterdrücker. AUnd mit mächtiger Stimme rief Menachem jetzt die Einwohner Jerusalems und die Galiläer und Gaditer und die im Angriffe raschen Jdumäer zu den Waffen.

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