Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 152 Br. Bloch's Wochenschrift. * 10 K. 600.— fite das lausende Studienjahr an Hörer der technischen Hochschulen in Wien, Prag und Brünn verliehen. Ueber den Antrag aus Verleihung des 14. Stiftungsplatzes an einen absolvirten Hörer der Technik, welcher behufs Erlangung des Doctorates seine Studien fortsetzt, entwickelt sich eine längere Debatte, an der sich die Herren Viceprasidcnt Dr. Ko h n, Oberfiuanzrath Dr. Rappaport, Dr. Steiner m.d Theodor Ritter von T a u s s i g betheiligen. Die Entscheidung über die Verleihung dieses Stipendiums wird vertagt. Herr Vicrpräfident Dr. K o h n reserirt über die Anträge der Unterricht-commiffion und des Vertretercollegiums, betreffend die Systemisirung der Stelle eines Amanuensis der Gemeindrbibliochek. An der Debatte über das Referat betheiligen sich die Herren Professor Dr. Ehrmann, Baurath von Goldschmidt, Oberingenieur Edler von Mises, Ober sin anzr ath Dr. Rappaport und Dr. Spitzer. Die Anträge des Vertreter collegiums werden mit einigen Aenderungen zum Beschlüsse erhoben. Die Besetzung hat demgemäß im Wege einer Corcursausschreibung zu erfolgen; die Bewerber haben besondere Kenntnisse in der hebräischen Literatur, sowie die Erlangung des Doctorates der Philosophie an einer österreichischen oder deutschen Universität nachzuweisen. Das Anfangsgehalt wird mit K 1200.— und 30°/o-igem Quartiergeld festgesetzt. Ueber Referat des Vice Präsidenten Dr. Kohnund gemäß dem Anträge der Unterrichtscommiffion und des Bertretereollegiums wird beschlossen, für Unterstützungen an jüdische Unterlehrer einen Betrag von K 3000.— zu bewilligen. Gemäß dem Anträge des Bethausvorstandcs für den XVIIL und XIX. Bezirk und nach Anhörung von Vertrauensmännern aus der Mitte der ständigen Besucher des Gemeindebethauses im XVM. Bezirke werden die Herren Pinkas Frankfurter und Wilhelm Heller zu Bethausvorstkhern ernannt. Nach Erledigung von Personalreseraten wird die Sitzung um 7,2 Nachmittags geschloffen. Wie«. Der Israel. Synagogen-Verein „Beth Israel" veranstaltet Sonntag den 8. März d. I., um 3 Uhr Nachmittags, im Sitzungssaale. IL, Leopoldsgoffe 29, eine ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes; 2. Verlesung des Rechenschafts- und des Cassaberichtes; 3. Bericht der Rechnungsrevisoren; 4. Wahl von 3 Vorstandsmitglieder», 2 Bethausvorstehern, 3 Rechnungsr»visoren und von 3 Schiedsrichtern; 5. Eventualien. Der Vorstand des Israel. Synagogen-Bereines „Beth Israel" nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien M. R o s e n s e l d, A. von Mises, Schriftführer. Obmann. Ausgelost wurden: Die Vereins Vorsteher Herren Julius Brecher, Ignatz Zolles, Max Rosenfeld und der Bethausvorsteher Herr Dawid Kolieb. Im Sinne des § 18 der Statuten sind die ausgelosten Vorstandsmitglieder und Bethausvorsteher wieder wählbar. An Stelle des sel. Herrn B. Brauner, Bethausvorstehers, ist eine Ersatzwahl vorzunehmen. Dem Jahresbericht entnehmen wir nachstehende Daten: Mit dem Vereine Mazmiach Jeschua wurden Verhandlungen eingeleilet, rücksichtlich der Verlängerung der noch bis Ende des Jahres 1903 bestehenden Vereinbarungen, betreffend der für die verstorbenen Mitglieder dieses Vereines in unserer Synagoge abzuhaltenden Seelenandachten. Gegenüber dem Gebahrungsausweise des Jahres 1901 ist im Allgemeinen bei den meisten Positionen der diesjährigen Gebohrung eine nicht unwesentliche Befferung zu verzeichnen. Die Behebung mehrfacher nicht unbedeutender Schäden am Synagogengebäude erforderte einen größeren Kostenaufwand, dagegen ist es nach vielfachen Bemühungen gelungen, die Auslagen für die elektrische Beleuchtung n.cht unbedeutend herabzumindern. Im Beth-Hamidrasch wurden die Vorträge unter der Leitung unseres Vereins- Rabbiners auch im Berichtsjahre fortgesktzt. Die Feier des 70. Geburtsfestes des hochverehrten Präsidenten unserer Cultusgemeinde, Herrn kaiserlichen Rath Heinrich Klinger, gab dem Vorstände freudige Veranlassung zur Ueberreichung einer Ergebenheits-Adresse, in welcher der Dank des Vereines für das seitens des geschätzten Präsidenten unserem Vereine stets bewiesene Wohlwollen und unsere herzlichsten Wünsche zu dem glänzenden Ehrentage entsprechend zum Ausdrucke gelangten. Auch anläßlich der Feier des 60. Geburtsfestes unseres Ehrenmitgliedes, des Architekten und k. k. Baurathes Herrn Wilhelm Stiaßny, hat der Vorstand, eingedenk der großen Verdienste des Erbauers unseres Gotteshouscs, dem Jubilar eine künstlerisch ausgesiattete Adresse überreicht und die herzlichsten Wünsche aller Vereinsmitglieder übermittelt. Die Zahl der Vereinsmitzlieder betrug am 31. December 1901 154. Im Berichtsjahre sind 9 Mitglieder ausgetreten, 2 Mitglieder gestorben, dagegen 11 neue Mitglieder beigetreten. Es verblieb sohin mit Ende December 1902 ein gleich hoher Stand von 154 Mitgliedern. In der Vereins- Synagoge fanden im Berichtsjahre 30 Trauungen — hievon 2 unentgeltliche — statt. Im Sinne des anläßlich des 50jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majeitt unseres Kaisers gefaßten Vorstandsbeschlussts wurde auch im Berichtsjahre einem würdigen, mittellosen Mädchen eine Heiratsausstattung von 400 Kronen verliehen. Der Trauungsact wurde im Beisein des Gesammtvorstandes in der Bereinssynagoge durch unsere Functionäre in feierlichster Weise vollzogen. Anläßlich der Osterfeiertage haben wir, wie alljährlich, eine Sammlung eingeleitet, um einer größeren Zahl von Hilfsbedürftigen die durch diese Feiertage bedingten Mehrausgaben zu erleichtern. Die Namen der Spender sind in einem Anhänge des Rechenschaftsberichtes veröffentlicht, und danken wir den hochherzigen Spendern, welche cs uns ermöglichten, diesen bei uns seit Jahrzehnten eingebürgerten Wohlthätigkeitsact zur Ausführung zu bringen. Auch allen anderen Spendern, welche unseren Bikur-Cholim-Fond für arme, kranke Synagogenbesucher zu stärken die Güte hatten, vor allen dem hochgeehrten Präsidenten unserer Cultusgemeinde Herrn kaiserl. Rath Heinrich Klinger und dem Bicepräsidenten der Cultusgemeinde Lemberg, Herrn Dr. Simon Schaff, sprechen wir an dieser Stelle unseren tiefgefühlten Dank aus. Der Vorstand. Bibel und Babel. (Vorträg des Dr. Feuchtwang.) Im Wiffenschaftlichen Club wurde kürzlich dieses Thema, das durch den Brief des deutschen Kaisers in den Mittelpunkt der Tagesdiscuffion gerückt wurde, zum erstenmale in Wien öffentlich behandelt. Der Vortragende Dr. Feuchtwang ging von Delitzsch' zweitem Vortrage aus, der an Glanz der äußeren Form dem ersteren gleichkomme. Leider habe Delitzsch sich jktzt aber gänzlich auf das theologische Gebiet begeben. Alle Behauptungen Delitzsch's über die Beziehungen des Alten Testamentes zu den Keilinschriften waren seit Jahren Gemeingut der Fachwissenschaft. Delitzsch habe die Unvorsichtigkeit begangen, Hypothesen als unzweifelhafte Thatsachen hinzustellen, ohne sein Publicum mit den assyrisch-babylonischen Originalien bekannt zu machen. Seine Auszüge hätten — ohne böse Absicht seinerseits — doch kein klares Bild gegeben. Schräder, der Begründer der deutschen Assyrologie, hat fast Alles behandelt, was Delitzsch vorbrachte, ohne so gewagte Behauptungen aufzustellen. Der Einfluß der babylonischen Schöpfungs-, Sinlfluth- und Paradiesberichte auf die Bibel sei nicht erwiesen und viele Forscher nehmen eine gemeinsame Herleitung beider aus einer ursemitischen Quelle an aus einer Zeit vor der Trennung der semitischen Völker. Von einer Durchtränkung Kanaans mit babylonischer Cultur zur Zeit der Rückkehr der Juden aus Egypten dürfe gleichfalls nicht die Rede sein. Was von dem durch den Wiener Universitätsprofcffor Müller nachgewiesenen Grundsatz der religiösen Poesie gelte, daß sie nämlich auf eine gemeinsame Urquelle zurückgehe, das gelte auch von den Ueberlieferungen über Sintfluth und Paradies. Auch scheint es dem Bibelkundigen psychologisch und geschichtlich unwahrscheinlich, daß die Hebräer wesentliche Gedanken der babylonischen Legende von ihren beständigen Feinden entlehnt hätten. Die Annahme Delitzsch's, daß der Stamm Hammurabis aus Kanaan eingcwandert sei, sei willkürlich, und die Annahme, daß damals bereits Monotheismus herrschte, sei völlig unhaltbar: Denn Niemand außer Delitzsch habe auf den Thontäfelchen den Namen Jahves sicher gelesen. Professor Oppert habe an den Vortragenden einen Brief gerichtet, daß diese Annahme ganz bestimmt falsch sei. Die betrcffenden Täfelchen sind Rechtsurkunden ohne jeden religiösen Charakter. Geheimrath Eberhard Schräder hat den Vortragenden mitgetheilt, daß auch er die Ansicht theile, daß von Monotheismus im wiffenschaftlichen Sinne nicht die Rede sein köune. Es gehe daraus hervor, daß es lediglich der prunkvolle Rahmen von Delitzsch' Bilde war, der die ganze Welt so sehr blendete. Die Bibelkritik sei nicht sein Gebiet, und aus seinen Ausgrabungen habe er kein Material gewonnen, so Anerkennenswerthes auch die deutsche Expedition nach Babylon