Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-27 · 9 (27.2.1903) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021493-3021503--12490-3037087
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

/tr. 9 Dr. Bloch's Worffsnschrifk. Sette 137 Als wichtigstes Ergebniß haben wir die noch im Laufe dieses Jahres zu erfolgende Herausgabe des ersten Bandes der auf die Geschichte der ungarischen Juden bezughabenden Documenten-Sammlung, welche unter dem Titel: „Magyar-Zsidö Okleveltär“ erscheinen wird. Budapest. 8. M. Kullenberg. Bei der am verflossenen Sonntag vorgenommenen Ausschußwahl erscheinen als gewählt: In den engeren Ausschuß die Herren: B. Beran, Jul. Rosenzweig, Alois Baß, Moritz Blattner, Josef Wohrizek (Kuttenberg), Josef Camperlik (Ovcar), B. Pick (Hlizov), I. Freund (Zbraslavis und I. Freund (Sukdol); in den erweiterten Ausschuß die Herren: N. I. Munk, W. Lang, Dr. Otto Bondy und Friedrich Klein (Kuttenberg). E. Schück (Roth-Janovic), Hoffmann und Ohrenstein (Neuhof), Heim (Maleschau) und Lustig (Miskov-ic). Als Vorsteher wurde neuerdings der um den Tempelbau verdiente Herr B. Beran gewählt, zu dessen Stellvertreter Herr I. Rosenzweig, zum Tempelvorsteher Herr M. Blattner, zum Cafsier, Herr A. Baß und zum Schriftführer Herr Josef Wohrizek, sämmtlich von Kuttenberg. Für unsere Gemeinde ist nun endlich eine Zeit der ruhigen Entwicklung eingetreten, da fast alle Institutionen, die zu einer Cultusgemeinde gehören, vorhanden sind. Es wäre aber hoch an der Zeit, an die Gründung einer Chewra-Kadischa mit dem Sitze in Kuttenberg zu denken, da die bisherige in Maleschau bestehende der Auflösung wegen der geringen Anzahl der Mitglieder nahe ist, wenn man nicht Gefahr laufen will, daß der Friedhof seinem Verfalle entgegengeht. Hoffentlich wird es unserem rührigen und eifrigen Herrn Vorsteher gelingen, auch diese Frage glücklich zu lösen. Olruütz. Anläßlich der am 2. Februar 1903 vollzogenen Ergänzungswahlen wurden aus dem 1., 2. und 3. Wahlkörper nachstehende Herren auf die Functionsdauer von vier, bezw. zwei Jahren in den Cultusausschuß gewählt: Gärtner Moritz, Fischer Jonas, Löwy Josef, Sonnenschein Siegmund (neu), Herz Siegfried, Diamant Max (neu). Dr. Baderle Sami, Professor Dr. Frank Eduard, Dr. Gams Berthold, Kirschner Jakob, Czeczowiczka Salomon, Kaufmann Bernhard, Winter Heinrich, Zaitschek Max, Brach Leopold (neu). Bei der am 15. Februar l. I. stattgefundenen ersten constituirenden Sitzung des Cultusausschuffes wurden nachstehende Herren ins Präsidium gewählt, und zwar: Löw Josef, Stadtverordneter, zum Vice-Präsidenten; Zweig Siegmund, Handelskammerrath, zum I. Beirath; Grvk Josef, Buchdruckereibesitzer, zum II. Beirath; Dr. Gams Berthold, Advoeat, zum III. Beirath; Kaufmann Bernhard, Privatier, zum IV. Beirath. Nach Verkündigung dieses Wahlergebniffes begrüßte der Präsident Herr Dr. Eben mit herzlichen Worten die in den Cultusausschuß neugewählten Herren und theilte gleichzeitig mit, daß das Vorstandsmitglied Herr Bernhard Kaufmann aus Anlaß seines 60. Geburtstages seitens des Präsidiums der Cultusgemeinde herzlichst beglückwünscht und durch Ueberreichung einer Adresse geehrt wurde. Herr Kaufmann habe sich in hochherziger Weise veranlaßt gefühlt, aus diesem Anlaffe die jüdischen Armen, sowie die verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten und Humanitären Vereine mit namhaften Spenden zu bedenken. Der Ausschuß nahm diese Mittheilung, sowie die für diese Ehrung zum Ausdrucke gebrachten herzlichen Worte des Herrn Kaufmann zur Kenntniß und erhob sich zum Zeichen des Dankes von deu Sitzen. Herr Kaufmann wurde auch durch ein herzliches Dankschreiben seitens des Bürgermeisteramtes der königl. Hauptstadt Olmütz ausgezeichnet. A. St. Neuwied. Mit besonderer Genugthuung berichten wir ein Ereigniß aus dem Wirken unseres Literaturvereines. Dieser hatte für den 10. d. M. durch die »Neuwieder Zeitung" gegen Eintrittsgeld zu einem öffentlichen Vortrage des Herrn Dr. Adolf Brüll aus Frankfurt a. M. über „Die assyrisch-babylonischen Entdeckungen und die Bibel" eingeladen. Eine wider Erwarten große-Zahl von christlichen Zuhörern hatte sich mit den vollzählig erschienenen Bereinsmitgltedern eingefunden, so daß der größte Saal unserer Stadt bis auf den letzten Stuhl besetzt war. Es waren Damen und Herren der vornehmsten und gebildetsten Kreise unseres Ortes und der nächsten Umgebung: Geistliche, Juristen, Gymnasiallehrer, Seminarlehrer, Fabrikanten. Großkaufleute, Beamte u. s. w., welche der Einladung gefolgt waren. Mag die leicht erklärliche Neugierde oder das Interesse für das actuelle Thema des Vortrages die Hörer herbeigezogen haben, — es bleibt die erfreuliche Thatfache bestehen, daß die Besten unserer Stadt in auffallendster Einmüthigkeit auf die Einladung des jüdischen Vereines gekommen find. Wir sind der Meinung, daß bei gleichen Veranstaltungen in vielen Städten die gleiche freudige Erfahrung sich machen ließe. Es gehört unsererseits nur das Aufgeben einer gewissen Scheu dazu; denn die jüdischen Literatur-Vereine find in der Lage, Redner stellen zu können, die ein Publicum, das hören will, wohl zu interessiren und zu leiten vermögen. Und wenn auch die Zuhörer nicht in so großer Menge wie hier (da einige Hundert Nichtjudeu anwesend waren) erscheinen, — wir müssen unsere Lehren und Anschauungen auch in nicht-jüdische Kreise tragen, dann erst erfüllen die Literatur-Vereine ihren rechten Zweck. — Herr Dr. Brüll sprach in fesselnder Weise. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden seinen volksthümlich-wisfenschaftlichen klassischen Ausführungen und lohnten ihn mit einhelligem Beifall. Selbstverständlich führte der Vortragende die vielfach willkürlichen Schlußfolgerungen des bekannten Berliner Profkssvrs auf ihre Unhaltbarkeit zurück. Derselbe Vortrag wurde von Herrn Dr. Adolf Brüll mit großem Erfolge in Metz, Trier, Aachen, Bonn, Homburg v. d. Höhe. Hanau, Frankfurt a. M. gehalten. Berlin. Die Discontogesellschaft und die Bankfirma S. Bleichröder haben gemeinsam der Zulaffungsstelle der Berliner Börse den Prospect der neuen rumänischen fünfpercentigen Anleihe von 185 Millionen Francs 149*85 Millionen Mark, eingereicht, die zur Einlösung der fünfpercentigen Schatzicheine 1899 dienen soll. Verstärkte Verlosung oder Kündigung der neuen Anleihe ist nach dem Prospect bis zum 1. März 1903 ausgeschlossen. — Wie von rumänischer Seite mitgetheilt wird, soll die Anleihe zu 9572 Percent ausgegeben werden, wovon für Provision und Spesen lV2 Percent in Abzug kommen, so daß die rumänische Regierung 94 Percent erhält. Diese Nachricht bringen Berliner Blätter. Während Rumänien die Juden, die dort geboren sind, als »Fremde" erklärt und ihnen den Nahrungszweig abschneidet, l ihen ihnen »jüdische" Millionäre Geld. Das ist die »Macht" der Juden. O traurige, verkehrte Welt!! Buearesi. Die zwischen den Regierungen Ungarns und Rumäniens geführten Verhandlungen, betreffend die Auswanderung von Juden aus Rumänien, haben zu folgendem Ergebniß geführt: Die rumänischen Behörden machen dem österreichischungarischen Generalconsulat zu Bucarest von jedem an jüdische Auswanderer verabfolgten Auslandspaß Mittheilung, sofern die Auswanderer ihren Weg über ungarisches Gebiet nehmen wollen. Die ungarischen Behörden werden diese Auswanderer genau überwachen und haben das Recht, jeden derselben, der binnen acht Tagen innerhalb Ungarns wegen Mittellosigkeit angehalten wird, nach Rumänien zurückzubefördern. Ist diese Frist verstrichen, so braucht Rumänien etwaige Zwangs-Rückwanderer nur dann aufzunehmen, wenn dieselben rumänische Staatsbürger waren. Während der Verhandlungen wurde übrigens festgestellt, daß sich im Laufe des Jahres 1902 nur 21 jüdische Familien aus Rumänien in Ungarn ansässig gemacht haben. Und um dieser 21 Familien willen ist Ungarn in Noth! Das russische Judenthum vor dem ökonomischen Zusammenbruch. Während unsere Glaubensgenossen in Galizien und Rumänien unter dem auf ihnen lastenden Druck zusammengebrochen und schon längst nicht mehr in der Lage find, allein und ohne Hilfe ihrer glücklicheren Glaubensbrüder in Westeuropa sich wieder aufzuraffen, haben die russischen Juden, die unter den Czaren Alexander I., Nikolaus I. und namentlich während der 25jährigen Regierung Alexander ll. eine Reihe besserer Tage gehabt haben, bisher allen Verfolgungen gegenüber eine erstaunliche Widerstandskraft bewiesen. Sie haben die Katastrophen von 1881 und 1891 verschmerzt, haben mitten in einer schweren Verfolgung Zeit und Muße gefunden, in Palästina einen weitangelegten und vielversprechenden Colontfationsplan einzuleiten und gleichzeitig eine achtunggebietende neuhebräische Literatur zu schaffen. Ja sie haben es noch vor ganz kurzer Zeit vermocht, aus eigener Kraft und fast ohne jede Hilfe des Auslandes ihren in Südrußland hungernden Brüdern durch zwei Jahre hindurch durchzuhelfen und sie vor sicherem Verhungern zu bewahren. Es mehren sich aber in den letzten Jahren die Zeichen, welche den bevorstehenden Zusammenbruch auch unserer tapferen Brüder in Rußland zu verkünden scheinen. Eine von der »Ica" zusammengestellte und demnächst zu veröffentlichende Statistik über die ökonomische Lage der Juden in Rußland gibt uns ein schauerliches Bild von der verheerenden Wirkung der nunmehr über zwei Decennien bestehenden provisorischen Maigesetze. Aus dem gesammten rus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.