Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Di bioch's Wochvnschrifk. «r. s TeUr 138 Erholung zu schaffen, sondern auch in einem den modernen hygienischen Anforderungen entsprechenden Heim vollständige Heilung und Genesung zu ermöglichen, was nur dann erreicht zu werden thunlich ist, wenn die Brustkranken in einer eigenen Anstalt unter fortwährender ärztlicher Observanz stehen und systematisch gepflegt, genährt und betreut werden können. Möge es daher dem Vereine in absehbarer Zeit gelingen, dieses erstrebenswerthe Ziel zu erreichen, möge es glücken, in Bälde an die Errichtung des schon seit vielen Jahren in Aussicht genommenen jüdischen Tuberculoseuheim schreiten zu können. Verhältnißmäßig geringfügig ist der noch fehlende Betrag und man darf sich wohl mit der Hoffnung tragen, daß sich mildthätige, großherzige Glaubensgenossen finden dürften, die mit ihren reichen Mitteln dazu beitragen werden, Tausenden armen kranken Glaubensgenossen zur Erreichung des kostbarsten Gutes, der Gesundheit, zu verhelfen. Es ist die- Pflicht und Schuldigkeit aller Derjenigen, die die allgütige Vorsehung mit Glücksgütern reichlich gesegnet, die sich Wohlstandes und Gesundheit erfreuen. Mögen sie dieser Pflicht Nachkommen aus Dankbarkeit für den Allmächtigen und aus Menschenliebe für ihre schwergeprüften, von der verheerendsten Krankheit, der Tuberculose, heimgesuchten Glaubensgenossen. Eduard Beer. Das Tcstameul eines jüdischen Philanthropen. Die MMouen-Stiftungen Ignaz Ritter v. Wechselmann's. Aus Budapest wird berichtet: Die letztwilligen Verfügungen des verewigten Philanthropen Ignaz Ritter v. Wechselmann bringen der Welt eine großartige Ueberraschung. Man wußte, daß Herr v. Wechselmann Zeit seines Lebens in generösester Weise Wohlthätigkeit geübt, daß er bei jeder Humanitären Action opferfreudig mitgeholfen, und man glaubte annehmen zu dürfen, daß der edle Menschenfreund auch in seinen letztwilligen Verfügungen der Armen und Elenden nicht vergessen habe. Allein alle Erwartungen werden übertroffen durch den in seiner Art einzig dastehenden Act der Hochherzigkeit, den dos Testament Wechselmann's zur öffentlichen Kenntniß bringt. Herr v. Wechselmann hat fast 3'/, Millionen Kronen für wohlthätige Stiftungen bestimmt und die Details dieser wahrhaft fürstlichen Legate werden die Verehrung für das Andenken des Spenders sicherlich nur vertiefen. Zwei Millionen Kronen bestimmte Wechselmann für Pensionen von Bolksschullehrern und Lehrerinnen, 1,400.000 Kronen für ein neues Blindeninstitut. Beide Stiftungen, je zur Hälfte für Angehörige der christlichen und für Bekenner der jüdischen Confessio« geplant, werden den Namen des hochherzigen Philanthropen für alle Zeiten verewigen. In unserer keineswegs armen Chronik der Humanität werden die Wechselmann'schen Stiftungen an erster Stelle stehen, denn sie repräsentiren die höchste Summe, die in Ungarn für wohlthätige Zwecke jemals gespendet wurde. Der Verewigte trug sich schon seit Jahren mit dem Gedanken, diese Stiftungen zu errichten, doch war es seine Bescheidenheit, die ihm davon abhielt, zu Lebzeiten diesen Wunsch zu verwirllichen, der seinen Namen auf aller Lippen bringen mußte. So verfügte er denn, daß erst, nachdem er seine Augen für ewig geschlossen, der Welt Kunde von diesen großartigen Acten der Humanität werde. Schon vor geraumer Zeit übergab er seinem vieljährigen tteuen Freunde, dem Baumeister Leopold Havel ein verschlossenes Couvert, welches die Aufschrift trug: .Nach meinem Tode zu öffnen", mit dem Aufträge, es nach seinem Ableben dem Cultus- und Unterrichtsminister zu überreichen. Wenige Stunden, nachdem Wechselmann seinen letzten Seufzer ausgehaucht hatte, entsprach Leopold Havel dem Wunsche seines todten Freundes. Er überreichte dem Minister Wlassics das verschlossene Schreiben. Es enthielt die innige Bitte Wechselmann's, der Minister möge die oben mitaetheilten Stiftungen im Bettage von 3 4 Millionen in staatliche Verwaltung nehmen und von dieser Summe zwei Millionen zur Schaffung eines Pensionsfonds für Volksschullehrer und Lehrerinnen, 1'4 Millionen Kronen zur Errichtung eines neuen Blindeninstitutes verwenden. Der edle Stifter hatte die Bestimmung getroffen, daß die Wohlthaten der Stiftungen zur Hälfte Angehörigen der jüdischen, zur anderen Hälfte Angehörigen der übrigen Confeffionen zugute kommen sollen. Die Stiftungscapitalien sind derzeit in Baarem und in Wertpapieren bei Budapester Geldinstituten deponirt. Der Verewigte hat seinen Freund Havel, den er in seine edlen Intentionen genau eingeweiht hatte, auch damit betraut, dem Minister bei der Durchführung der großartigen Stiftungen behilflich zu sein. Anläßlich des Ablebens Ignaz Ritter v. W ech s el ma n n's hat das Waisenhaus der Pester israelitischen Religionsgemeinde auf beiden Jnstitutsgebäuden Trauerfahnen gehißt. An dem Leichenbegängnisse nahmen auch die Waisen theil und verrichteten im Friedhofe am Grabe ein Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen, der stets ein hingebender, opferbereiter Gönner des Waisenhauses gewesen. Der israelitische ungarische Literaturverein, der durch seine periodisch erscheinenden reichhaltigen Editionen und die in den Wintermonaten regelmäßig veranstalteten genußreichen Vorlesungsabende in immer weiteren Kreisen Interesse für das geistige Leben des Judenthums erweckt, versendete in den jüngst verflossenen Tagen seine diesjährigen literarischen Ausgaben. Das eine Werk ist die Fortsetzung des Jahrbuches, das andere der dritte Theil (die späteren Propheten) der ungarischen Bibelübersetzung. Das sich seinen Vorgängern würdig anreihende Jahrbuch (Evkönyo) 1803, enthält folgende Arbeiten: Ein Lorbeerblatt in den Kranz Kossuth's (aus Anlaß der 100. Jahreswende seiner Geburt) von Rabbiner Dr. Mathias Eisler (Koloszvär). Judenwanderung (eine statistische Studie) von dem Publicisten Dr. David Pap. Das Landes-Rabbinerseminar (eine Gelegenheitsbetrachtung anläßlich der 25jährigen Jubiläumsfeier unseres Rabbinerseminars) von Rabbiner Doctor Leopold Kecskemöti (Nagy-Bürad). Ueber eine biblische Darstellung Michel Angelo's von Dr. Simon Meller (Budapest). Die Koketten, (eine Betrachtung über die neueste philosemitische Schwenkung im geistigen Leben Frankreichs) von Kolomän B o l k L n y i (Berlin). Muhme Soli, eine Charakterzeichnung von Karl Gerö (Budapest). Die Petitionen der croatischen Judenschaft in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Doctor Gabriel S ch w a r c z (Zägräb). Aus einem alten Tagebuche von Dr. Adolf A g a i (Budapest). Kämpfe, (eine psychologische Skizze) von Laura L e n g y e l (Budapest). Ueber die ungarisch-jüdische Literatur des 10. Jahrhunderts von Ignaz P e i s n e r (Budapest). Ueber das religionsgeschichtliche und religionsliterarische Wissen Victor Hugo's von Dr. Bernhard Heller (Budapest). Amtspersonen, (Humoreske aus dem Khile-Leben von Nicolaus Hajdu (Budapest). Der Am-Hoorez, (eine wissenschaftliche Studie über die Entwicklung des Begriffes: Am Hoorez, von Rabbiner Dr. Ludwig Benetianer (U;pest). Juden in der bosnischen Occupation von Robert Täbori (Budapest). Ein altes Lied, (ein folkloristischer Beitrag) von Michael Päsztor (Budapest). Zum Schluffe folgt die wissenschaftliche kieee äe resistanee, die gelehrte Abhandlung des Rabbinerseminar-Professors Dr. Wilhelm B o s k e r, unter dem Titel: „Die altjüdische Schule", welche Arbeit auch Gegenstand des vom gelehrten Verfasser am 8. Jänner 1902 in der Wiener Gesellschaft zur Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern gehaltenen Bortrages war und die den Lesern dieses Blattes auszugsweise vorgeführt wurde. Zwischen den ernsten und heiteren prosaischen Arbeiten folgen in regelmäßiger Abwechslung stimmungsvolle und formvollendete Dichtungen von Dr. Anton R a d o, Arpäd P a s z t o r, Josef Patai (Uebersetzungen aus den Gedichten Nagiara's), Dr. Arnold Kiß, Dr. Karl Sebestyön, Andor Gabor, Eduard Kisteleki, Dr. Franz Löwy (Uebersetzung aus den sibyllischen Sprüchen), Tibor Denes, Dr. Kornel Heves, Dr. Alexander Feleki, Heinrich Lenkei. Alle diese Männer bilden als ständige Mitarbeiter des Jahrbuches eine Poetengarde, die schon eine ansehnliche Sammlung religiöser Lieder in ungarischer Sprache schuf. Dem belletristischen Theil des unter der Redaction des verdienstvollen Secretärs der Literatengesellschaft, des Seminardirectors Dr. Josef Bünäczi stehenden Jahrbuches reihen sich die Berichte der einzelnen Seclionen an, welche von der ersprießlichen Thätigkeit der Gesellschaft Zeugniß oblegen.