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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 Dr. BLoch's Wochenschrift. Seite 128 Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" debutirt mit dem Bericht über das 61. Vereinsjahr. Man ist viele Jahre schon gewöhnt, aus den Vereinsberichten Klagen über erlahmendes Interesse und damit zusammenhängend verminderten Einnahmen zu entnehmen. In dem eben erschienenen Berichte aber wachsen sich diese Klagen zu einem Nothschrei aus, und zwar in gerechtfertigter Weise, denn die Einnahmen im letzten Berichtsjahre haben sich um den enormen Betrag von über 5000 K reducirt. Die Spenden und Subventionen erlitten einen empfindlichen Rückgang. Langjährige Mitglieder sahen sich durch die Ungunst der Verhältnisse oder aus anderen Gründen bemüssigt, ihren Austritt aus dem Vereine anzumelden, wofür, trotz aller Bemühungen der verdienstvollen Vereinsleitung, auch nur ein theilweiser Ersatz nicht zu finden gewesen ist. Wenn in Betracht gezogen wird, daß es sich nicht um einen gewöhnlichen Humanitätsverein handelt, der in der Lage ist, die Ausgaben nach den Einnahmen zu bemessen, wenn erwogen wird, daß der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Juden derzeit an 800 Lehrlinge unter seiner Obhut hat, — gegen 1000 vor drei Jahren — die nicht willkürlich entlassen oder fortgejagt werden können, weil sie auf vier Jahre bei einem Meister zur Erlernung eines Handwerkes aufgedungen sind, wenn weiters erwogen wird, daß es sich darum handelt, einem Institute die Mittel zuzuführen, das sich die culturelle Aufgabe gestellt hat, armen, ja den ärmsten jüdischen Kindern durch Erlernung einer Profession zur Gründung einer Existenz zu verhelfen und dadurch dem Elend in den weiten Schichten des Judenthums in rationeller Weise zu steuern, sich und ganzen Familien durch ihrer Hände Arbeit zur Erwerbsfähigkeit zu verhelfen, so muß es das lebhafteste Befremden wachrufen, daß eine große Zahl von Glaubensgenossen, welchen Stellung, Rang und Vermögen die Verpflichtung auferlegen sollte, mit beizutragen zu der schwierigen, verantwortungsvollen Arbeit, unter der Reihe der Vereinsmitglieder fehlt, nicht unter den Förderern und Gönnern des Vereines zu finden ist.H Der Vereinsvorstand war schon im Berichtsjahre bemüssigt, einige Monate die Aufnahme von Zöglingen zu sistiren. Man muß mit eigenen Augen und Ohren den Jammer ansehen und anhören, wenn die armen Kinder, die, von dem weit entfernten Elternhause unter Roth und Entbehrungen kommend, durch Erlernung eines Handwerkes sich eine Existenz zu schaffen, abgewiesen werden müssen, einfach deshalb, weil die materiellen Mittel dies nicht gestatten. Soll es etwa gar so weit kommen, daß auch die schon bei Meistern verdingten Lehrlinge entlassen werden müssen! Eine derartige Katastrophe muß unter allen Umständen verhütet werden, im Interesse des segenspendenden Vereines und des Judenthums. Es muß Jeder, dem nicht die Empfindung für den heiligen jüdischen Glauben geschwunden, nach vollen Kräften ein Scherflein beitragen, die Continuität in dem Wirken dieses zur Unentbehrlichkeit gewordenen Vereines zu sichern und damit zu verhüten, daß der Letztere bemüssigt werde, zu einer einschneidenden Reduction in der Versorgung von Lehrlingen Zuflucht zu nehmen. Aber die materielle Bedrängniß allein ist es nicht, die dem „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" schweren Kummer bereitet. Er hat auch mit der Sorge zu kämpfen, den Lehrlingen angemessene, fachliche Ausbildung angedeihen zu lassen. Den modernen Anforderungen Rechnung tragend, müssen die Kleingewerbe den Betrieb specialisiren, derart, daß zum Beispiel Schneider entweder nur Beinkleider oder nur Röcke, die wieder in Untertheilungen: Ueberzieher, Winterpaletots u. s. w. fallen, anfertigen. Es gibt wieder Schuster, die entweder nur Bodenarbeit, andere, die nur Obertheile ausfertigen. Gleiche und ähnliche Verhältnisse liegen bei den meisten anderen Handwerken vor. Es müssen daher Mittel und Wege gefunden werden, den Lehrlingen die Möglichkeit zu bieten, das Handwerk in allen seinen Phasen zu erlernenuud sie vor Einseitigkeit zu schützen, die ihnen den Weg zur Selbstständigmachnng, dies erstrebenswerthe Ziel, verlegen könnte. Nicht mindere Sorgen bereitet der Vereinsleitung die Beschaffung von Arbeit für die freigesprochenen Lehrlinge, die von den Meistern in dem Momente, wo sie denselben für geleistete Arbeit Bezahlung leisten sollen, vor die Thüre gesetzt werden. Die antisemitische Strömung hat überdies dahin geführt, daß jüdische Handwerksgehilfen in den seltensten Fällen in Fabriksunternehmungen Aufnahme finden und in der Regel, nachdem deren Confession ruchbar geworden, den Ausbrüchen von Spott und Hohn der arischen Collegen weichen müssen. Allen diesen Frictionen und Weiterungen gegenüber, deren Bewältigung die Anspannung aller Kräfte und das höchste Maß von aufopfernder, hingebender Thätigkeit erfordert, muß der wackere Vorstand noch den Schmerz erleben, sein mühevoll aufgebautes Werk vor eine Katastrophe zu sehen, die unvermeidlich wäre, wenn nicht rasch ausreichende Mittel zufließen, um das Schreckgespenst des Deficits zu decken. Mit Rücksicht darauf darf wohl der zuversichtlichen Erwartung Raum gegeben werden, daß der warme und eindringliche Appell des Vorstandes des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" an die Mildthättgkeit der Glaubensgenossen in Wien und in der Provinz nicht wirkungslos verhallen, sondern fruchtbaren Boden finden wird. Eduard Beer. Baden. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein hat am 31. Jänner 1903 die statutenmäßige Generalversammlung abgehalten. Den Vorfitz führte die Bice-Präsidentin Frau Julie L e i t n e r. Aus dem vom Schriftführer erstatteten Rechenschaftsberichte war zu entnehmen, wie sehr sich auch in der abgelaufenen Wahlperiode das Präsidium und die Beiräthe um den Verein verdient gemacht haben. Wenn auch nicht die ganzen Wohlthätigkeitsacte der vergangenen drei Jahre aufgezählt werden, so mögen wenigstens aus dem Jahre 1902 jene Beträge, die für Brautausstattungen, Spenden an arme Wöchnerinnen, Bekleidung armer Kinder und Spenden an hiesige, größtentheils aber an fremde eurbedürftige Arme mit zusammen K 2907*65 verausgabt wurden, erwähnt werden. Es muß dankbarst anerkannt werden, daß dies dem Vereine zum Theile durch die munificenten Spenden der hochgebornen Frau Mathilde von Gutmann, durch eine Spende aus dem Nachlaße der Frau Sarah Bregmann und theils durch Spenden der geehrten p. t. Curgäste ermöglicht wurde, daher auch in der Zukunft der Verein auf das wohlwollendste Entgegenkommen seitens der p. t. Glaubensgenossen, die als Curgäste hier verweilen werden, rechnet. Die vorgenommene Wahl in die Bereinsleitung ergab das folgende Resultat: die Damen: Felder Agnes, Leitner Julie, Leitner Sofie, Scheu Rosa, Schneider Rosa, Schreiber Bettina, Schreiber Marie; die Herren: Leitner Moritz. Schneider Anton, Schreiber Moritz. In der am 9. Februar 1903 stattgefundenen, eonstituirenden Versammlung der neugewählten Vereinsleitung wurden zur Präfisidentin Frau Bettina Schreiber, zur Bice-Präsidentin Frau Julie Leitner, zur Cassa-Berwalterin Frau Agnes Felder, zum Beirath und Schriftführer Herr Anton Schneider, zu Beiräthen Moritz Leitner, Moritz Schreiber gewählt. Mahrisch-Ostrau. In der Generalversammlung des Israelitischen Wohlthätigkeitsvereines für Mährisch-Ostrau und Umgebung constatirte die Schriftführerin Frau Dr. Reich in ihrem Rechenschaftsberichte, daß der Verein auch im abgelaufenen 14. Jahre seines Bestandes seine humanitäre Aufgabe nach jeder Richtung erfüllt hat, wenn auch die immer ungünstiger sich gestaltenden Erwerbsverhältnisse und die wachsende Zahl der Bedürftigen immer größere Ansprüche an die Leistung des Vereines stellten. Die Thätigkeit des Vereines erstreckt sich wie bisher auf die Unterstützung armer, bedürftiger Frauen durch regelmäßige Beiträge, ferner Krankenunterstützungen, Beiträge zu Badereisen und Heiratsausstattungen, sowie endlich Subventionnung von Lehranstalten und Vertheilung von Studienbeiträgen. Aus dem von der Cassierin Frau Clotilde Fuchs vorgelegten Caffaberichte ist zu entnehmen, daß der Verein im abgelaufenen Jahre an Jahresbeiträgen circa 2000 K, an Spenden und Eintrittsgebühren, sowie an Tempelspenden circa 3100 K und an Erträgniß von Veranstaltungen 680 K eingenommen hat. Die Ausgaben bestanden in 3795 K für Unterstützungen. 575 K für Bekleidung von Schulkindern und 960 K für Bespeisung von Schulkindern, sowie 100 K als Subvention für die hiesigen Handelsschule für Mädchen. Das disponible Baar-

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