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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 7 Seite,110 „Lasse die Vergangenheit vergessen sein, mein Kind. Ich habe Dir längst verziehen, und Papas letztes Wort war die Bitte an Alle, Dir Deinen Fehltritt zu vergeben, wie er Dir vergeben, wie er Dich von der Ferne aus gesegnet hatte. Du wirst mit Deinem Austritt aus dieser Anstalt Dein altes Leben zurücklaffen und ein neues beginnen, ein Leben, dem Ernste und der Arbeit geweiht. Warum sollte Dir nicht auch ein Liebesglück erblühen? Auch Paula hat eine Vergangenheit hinter sich, so daß Du Dich eher getrauen kannst, um ihre Gunst zu werben. Frau Trebitsch erzählte ihrem Sohne Alles, was sie über die Brrgrmgeuheit Paulas wußbe^ (Ss* kam Rudolf so Vieles von dieser Erzählung so bekannt vor, als hätte er es schon einmal früher an anderer Stelle und in anderer Darstellung vernommen. Da aus einmal, wie durch einen Blitzrahl hellte es sich in seinem Geiste auf — und er wußte Alles „Mama", rief er erregt aus, „hieß der Gatte Frau Paulas nicht Werner, Hugo Werner?" „Ich glaube ihn so nennen gehört zu haben. Paula hat es durchgesetzt, ihren Mädchennamen, Eisner, führen zu dürfen. Unter diesem Namen habe ich sie kennen gelernt." »Mama!" rief Rudolf aus, „an dieser jungen Frau habe ich sehr viel gut zu machen, mehr vielleicht,'als ich mein Lebenlang thun könne: Denn wisse, Hugo Werner war es, in dessen Begleitung ich g-flohen bin. nachdem ich ihm behilflich gewesen bin, falsche Gerüchte über seine von ihm geschiedene Frau zu verbreiten; freilich that ich letzteres in dem guten Glauben, daß ich die reine Wahrheit spreche. Trotzdem hat mich die Verleumdung gegen eine wehrlose, mir persönlich unbekannte Frau in der Folge tief gereut, mehr vielleicht noch als alles Andere, das ich mir zu Schulden kommen ließ, und während meiner Krankheit war es immer die Erinnerung an dieses Bubenstück, welches mich peinigte und mich nicht zur Ruhe kommen ließ. O. ich ahnte ja nicht, daß sie selbst, während ich von ihr träumte und sie im Traume um Verzeihung anflehte, als Engel der Milde und des Erbarmens an meinem Bette saß, mich pflegte, tröstete und ermuthigte. Mama", fuhr er fort, „dieser Fall löst meine Zange, welche durch ein mir selber gegebenes Versprechen gebunden war. Ich wollte die Folgen meines Leichtfinnes selber büßen und nicht den Berräther machen. Jetzt aber kann und darf ich nicht länger schweigen. Mama, ich bin nicht so schlecht als Du glaubst, ich habe die falschen Wechsel nicht selber ausgestellt, sondern bin durch meinen Leichtsinn das schuldlose Opfer dieses Verbrechens geworden. Mit Hugo Werner aufs Innigste befreundet, habe ich ihm auf sein Verlangen Euere zärtlichen Briefe zu lesen gegeben, habe es nicht beachtet, daß ein oder der andere Brief mit Papas Unterschrift in seinen Händen zurückblieb. Diese Unterschrift verstand er geschickt zu copiren, und stellte dann Wechsel auf Papas Namen aus, die er dann weiter begab. Als er das Geld in der Tasche und Alles zu seiner Flucht vorbereitet hatte, entdeckte er sich mir, und drohte mich als den eigentlichen Fälscher anzugeben, wenn ich nicht mit ihm fliehe. Furcht und Verzweiflung hatten meine Zinne verwirrt und ich floh mit ihm." „Dann überkam mich Reue. Es litt mich nicht länger an dem verborgenen Orte, an dem ich mit meinem Verführer in Sicherheit lebte, ich wollte zurück in die Heimat, mich meinen Ellern zu Füßen werfen, und deren Verzeihung erflehen. Als ich in die Heimat kam, erfuhr ich daselbst den Tod des theuren Vaters. Ich betrachtete mich als alleinige Ursache dessen vorzeitigen Todes und wollte unter dem Vorwurfe, ein Vatermörder zu sein, nicht länger leben. Das Uebrige weißt Du, Mama!" „Das Uebrige weiß ich, Kind, und danke Gott, daß er Dich mir erhalten hat als Trost und Stütze für mein Alter. Ich habe Dir längst vergeben. Jetzt nimm Dir vor, ein frommes, gottgefälliges Leben zu führen, ein treuer Sohn Deines Volkes *u sein, damit Du auf diese Weise die schwere Schuld, welche Du durch Deinen Selbstmordversuch auf Dich geladen, sühnen kannst. Jetzt noch eine Frage: Kennst Du den gegenwärtigen Aufenthalt Hugo Werner's?" „Gewiß, Mama!" „Rudolf", sagte Frau Trebitsch, „mehr und unverdienter als Du hat die arme Frau gelitten, ^rnd doch hat sie nicht daran gedacht, ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie erhofft im Leben »och drei R. zu erlangen, welche sie mit Allem, was sie gelitten hat, aussöhnen werden; diese Hoffnung erhält sie am Leben, gibt ihr Kraft und Muth, ihren schwierigen Beruf auszuüben. Rechtfertigung und Rache hofft sie zu erlangen um sich dann der Ruhe — das heißt der Gemüthsruhe erfreuen zu können. Rechtfertigung hat ihr die schnöde Handlungsweise des Unwürdigen, dessen Gattin zu sein sie verurtheilt war, reichlich verschafft, zur Rache kannst D u ihr die Gelegenheit schaffen, wenn Du seinen Aufenthaltsort verräthst und seine Machenschaften entdeckst. Dann wird auch in dieses gequälte Menschenherz die Ruhe einkehren, nach der es sich so lange sehnt und die es so reichlich verdient hat. Nach dieser Unterredung mit seiner Mutter besserte sich der Zustand Rudolf's so rasch, daß er nach kurzer Zeit schon an deren Seite die Anstalt verlassen konnte, um in ihrem hübschen Hause und schönem Garten seine vollständige Genesung abzuwarten. Paula war zurückgeblieben. Es schien ihr nicht anders, als daß mit der Abreise ihres bisherigen Pfleglings aller Sonnenschein aus ihrem Leben gewichen wäre, welches sie kalt und farblos vor sich liegen sah. Müden Schrittes ging sie durch die Krankenzimmer, überall in gewohnter Weise nach dem Rechten sehend, aber das geschah so automatenhaft, denn ihre ganze Seele und alle ihre Gedanken weilten dort bei dem, dem ihr Herz angehörte, den sie hatte lieben lernen damals, als sie ihn pflegte und so nach und nach wiedergenesen sah. Paula hatte es bereits erfahren, daß es kein Zufall war. als er im Delirium ihren Namen aussprach und sie um Verzeihung anflehte für die Unbill, die er ihr, der Unbekannten, zugefügt hatte. Sie wußte auch, daß er sie liebe, daß er um sie werben würde. Aber auch das wußte sie, daß sie auf ein Glück an seiner Seite verzichten müsse, denn sie war eine geschiedene Frau. Geschieden, gemieden! Das sagte sie sich hundertmal im Geiste. — — Einige Tage waren seit Rudolf's Abreise verstrichen, als an Paula ein Brief ankam mit dem Poststempel von Rudolf's jetzigem Wohnorte. Bevor sie das Siegel erbrach, bedeckte Paula das Couvert, auf welchem die geliebte Hand geruht hatte, mit glühenden Küffen. Mit zitternden Händen erbrach sie den Brief und las Folgendes: Geliebte Paula! Wozu alle Umstände? Sie wissen gut, daß ich Sie liebe, liebe über alles auf der Welt und auch ich bin Ihnen nicht gleichgiltig, das sah, das fühlte ich. Ich wollte Ihnen bei unserem Abschiede das Bekenntniß meiner Liebe ablegen, fand aber nicht den Muth hiezu, denn mit dem Bekenntniß meiner Liebe muß ich auch das Bekenntniß meiner Schuld ablegen. Dies mündlich zu thun. war ich zu feige. Geliebte, ich war einer Derjenigen, der gegen Sie auftrat, ohne Sie zu kennen, der ich mich von dem Unwürdigen, welcher einst Ihr Gatte war, zur Verbreitung jener Verleumdungen verleiten ließ. Es liegt jetzt in meiner Hand, einen Ihrer sehnlichsten Wünsche zu erfüll,.«, Ihnen die ersehnte Rache zu verschaffen. Ich kenne den Aufenthalt Hugo Werner's, ich kann ihn eines entehrenden Verbrechens überweisen. In Ihre Hand übergebe ich ihn — Sie sollen Ihre Rache vollauf genießen. Dann vielleicht, wenn dieser Schatten, der Ihr Leben verdüstert, verschwunden sein wird, dann will ich es wagen, um Ihre Liebe zu werben, um Ihre Hand zu bitten. Bis dahin bleiben Sie mir gut, Geliebte, und ich werde trachten, Ihrer würdig zu werden. Ewig der Ihre Rudolf Trebitsch. Diesem Briefe folgte ein Anschluß von Rudolf's Mutter. Sie schrieb: Liebste Frau Eisner! Mein Sohn hat in seinem confusen Briefe gerade das nicht geschrieben, was doch der wichtigste Theil seines Schreibens sein sollte, nämlich den Dank für Ihre treue Pflege auszusprechen. Gestatten Sie mir, daß ich es für diesen Wildfang thue und seien Sie versichert, daß ich es als höchstes Glück, das mir an meinem Lebensabende beschicken sein kann, betrachten würde, wenn Sie seine Liebe erwiderten und wenn ich Euch die so Hartgeprüften glücklich vereint erblicken würde. Ueberlegen Sie Ihre Antwort gut, mein Kind! Sie haben schon einmal unüberlegt gewählt und die Wahrheit des Dichterwortes an sich selber erprobt: Der Wahn ist kurz, die Reue ist lang. Lassen Sie sich durch nichts bestimmen, weder durch Rück-

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