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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Wochensthrist. Sette 109 Wenn etwas geeignet ist, den herben Schmerz, die tiefe Trauer der schwergeprüften Familie um den Verlust ihres Familienhauptes zu lindern, so ist es die aufrichtige Theilnahme, die sich namentlich durch spontane Kundgebungen, insbesonders aber durch außerordentlich starke Betheiligung am Leichenbegängnisse kundgegeben und sich als ein Zeichen der Sympathie manifestirte. Oberrabbiner Dr. Güdemann würdigte in einer tiefempfundenen Grabrede die Vorzüge des Verblichenen und Obercantor Singer, assistirt von den ersten Cantoren Schiller und Blatt, executirte mit einem verstärkten Männerchor die Trauerchorale in ergreifender Weise. * * * Mittelst Zuschriften, Telegrammen und persönlich condo" lirlen: die Wiener isr. Cultusgemeinde, die Gemeindevorstehung Trebitsch in Mähren, der isr. Cultusvorstand Braila, der Krankenunterstützungsvercin »Nevrath Chem", Brigittenauer Wohlthätigkeits-Berein, »Talmud Thora" - Schule, Verein zur Unterstützung jüdischer Gewerbetreibender, Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, Wiener kaufmännischer Verein, Verein »Osten", Chebra »Matnos Anijim" in Graz, »Frauenhort", »Ferienheim", »Jüdisches Museum". Verein der Wiener Kleiderconfectionäre, Schulcuratorium in Braila, Brecher-Stiftung in Proßnitz, die akademische Verbindung »Kadimah" u. v. a. Vereine; der Präsident der Wiener Cultusgemeinde, kaiserl. Rath Klinger, die Cultusvorstandsmitglieder Salo Cohn, Dr. Alfred Berger, Dr. Markus Spitzer, Docent Dr. Grünfeld, Baurath Stiaßny, die kaiserl. Räthe Dr. Kohn, Kohnberger, Lieben, die Commercialräthe Berl, Fanto, Jannowitzer, Wiener, Hofrath Pollitzer, Ortsschulrath Heit, Wilhelm Freiberg, Oberrabbiner Mühsam in Graz, Director Lazarus in Lemberg, Dr. I. S. Bloch, die Industriellen Sigmund Mandl, Julius Wolf, Moritz und Alex. Engel von Janossy, Börsenrath Kantor, Lector Friedmann, Landtagsabgeordneter Singer, Brünn, u. v. A. Wien. (Todesfälle.) Am 9. d. verschied der bekannte Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Heinrich Bloch nach langem, schweren Leiden. Der Verstorbene gehörte einer hochangesehenen Familie an und erfreute sich wegen seines persönlichen Charakters und seiner ungewöhnlichen Geistesbildung allgemeiner Verehrung. — Am Dienstag wurde im Alter von 54 Jahren Doctor Jaques Schramek zu Grabe getragen und erschienen zahlreiche Freunde, um den Verblichenen das letzte Ehrengeleite zu geben. Er war ein gebürtiger Leipniker, Schüler des Rabbi Salomon Quetsch, der später als Landesrabbiner nach Nikolsburg kam. Die philosophischen Studien absolvirte er an der Wiener Universität. Die cantorale Function versah Herr erster Cantor Blatt. Herr Rabbiner Dr. S ch m i e d l hielt eine ergreifende Trauerrede, welche den wahrhaft religiösen Sinn, die Charakterfestigkeit und Gelehrsamkeit des Verstorbenen gebührend würdigte. Möge die allgemeine Theilnahme die trauernden Angehörigen trösten und aufrichten — der allzufrüh Dahingeschiedene ruhe in Frieden! — n. Brünn. Dem k. k. wirklichen Religionslehrer vom II. deutschen Staatsgymnasium in Brünn, Herrn Dr. Heinrich R e d i s ch, ist vom mährischen Landesschulrathe das Definitivum und der Titel k. k. Professor verliehen worden. Olurütz. Bei der Wahl aus dem ersten Wahlkörper der Cultusgemeinde wurden 24 Stimmen abgegeben. Als gewählt erscheinen Brach Leopold, Czeczowiczka Salomon, Kaufmann Bernhard, Winter Heinrich mit 23 und Z a i t s ch e k Max mit 24 Stimmen. Bei den Wahlen des zweiten Wahlkörpers wurden gewählt die Herren Prof. Dr. Ed. Frank und Jacob Kürschner einhellig, die Herren Dr. S. B a d e r l e und Dr. Berthold Gams mit 27 Stimmen. Leipa. In den maßgebenden israelitischen Kreisen unserer Stadt wird nunmehr energisch der Verwirklichung eines schon seit längerer Zeit erwogenen Projectes nahegetreten, der Errichtung eines eigenen größer angelegten Casinos. Dem Casino, welches mit Zeitschriften, Büchern belehrenden und unterhaltenden Charakters, mit Billards und sonstigen Spielgelegenheiten ausgerüstet, als eine Art Geselligkeitsverein zu wirken berufen sein wird, beabsichtigt sich auch die seither hier bestandene »Literarische Vereinigung" anzuschließen, welche, unter der umsichtigen Leitung des MUDr. Friedrich Gans stehend, bisher die Blüthe der hiesigen israelitischen Intelligenz zu jederzeit sehr gelungenen geselligen und künstlerischen Veranstaltungen vereinigte. Troppau. (Jüdisch-literarischerBerein.) Am 5. d. M. hielt Herr Rabbiner Dr. Oppenheim aus Olmütz, der schon im Vorjahre in einem formvollendeten Bortrage das sociale Moment im Wirken der jüdischen Prophetrn den Bereinsmitgliedern überzeugend vor Augen geführt hatte, neuerlich im jüdisch-literarischen Vereine in Troppau einen Bortrag unter dem Titel: »Civilisation und Judenlhum". Bon dem Gedanken ausgehend, wie oft im Innern des Einzelmenschen die grundlegenden religiösen Anschauungen zu einem gewissen Widerstreit und Kampf mit den rastlos fortschreitenden Errungenschaften der Civilisation führen, ein Widerstreit der Meinungen, der nur zu oft vom Einzelnen auf die gesammte Menschheit übertragen wird, zeigte der Vortragende in seinen gedankenreichen Betrachtungen, wie gerade die inneren Wahrheiten des Judenthums mit den Anschauungen wahrer Civilisation sich vereinigen lassen und in dem weiten, aber in sich gefestigten Rahmen jüdischer Weltanschauung Platz ist für jede Errungenschaft wahrer Civilisation. Fast von selbst ergab sich hiebei für den Vortragenden die Gelegenheit, auf den so viel erörterten Bortrag »Bibel und Babel" zu sprechen zu kommen. Ohne sich auf die Richtigkeit der Folgerungen des deutschen Gelehrten weiter einzulaffen, konnte der Vortragende die unumstößliche Thatsache feststellen, daß ohne das Judenthum mit Babel auch dessen Cultur fast spurlos verschwunden wäre und so das Judenthum schon durch die bloße Erhaltung dieser geistigen Güter, abgesehen von ihrer fundamentalen Läuterung, der Menschheit und ihrer gesammten Civilisation den größten Dienst erwies. Mit gespanntem Interesse war das zahlreiche Auditorium, in dem wie fast immer Frauen und Mädchen in stattlicher Zahl vertreten waren, den beredten Ausführungen des Vortragenden gefolgt und verlieh den Dankesworten des Bereinsobmannes Herrn Kulka an Herrn Dr. Oppenheim durch lauten Beifall den richtigen Nachdruck. Gr.-Beeskerek. Das hiesige Wochenblatt schreibt über den letzten Vortrag des Herrn Dr. Mor. Klein im Freien Lyceum: Man kennt den gelehrten Rabbi Dr. Klein am Vorlesetische. Er erschöpft sein Thema mit der Solidität eines deutschen Gelehrten, er gießt sein Thema in einen schönen, packenden Rahmen; Geistesblitze funkeln und die hinreißende Vortragsweise Dr. Klein's packt das Auditorium. Zudem bildete das interessante, actuelle Thema der Gesellschafts-Wissenschaft den Untergrund der Vorlesung. Alle einzelne Phasen dieses tief in das praktische Leben eingreifenden Gegenstandes berührte Dr. Klein, und er ließ uns einsehen, wie Vieles nicht gut ist in unserer Gesellschaft. Der Vortragende wurde von den zahlreich Anwesenden beglückwünscht zu seiner schönen That. Preßburg. Die israelitische Cultusgemeinde von Stampfen eine der ältesten israelitischen Gemeinden Ungarns, feiert in diesem Jahre die 100. Jahreswende seit der Erbauung ihres monumentalen alten Gotteshauses. Die israelitische Gemeinde faßte nun in der jüngst abgehaltenen zahlreich besuchten Generalversammlung auf Antrag ihres Oberrabbiners einhellig den Beschluß. dieses Jubeljahr durch eine Neuconstituirung auf Basis der orthodoxen Landesorganisation zu feiern. New-Aork. Der Advocat Maurice B. Blumenthal in New-Iork ist zum Attorney-General (Kronanwalt) des Staates New-Aork ernannt worden. — In San Francisco ist Profeffor Josef Neumann im 76. Lebensjahre gestorben. Er hat zuerst die Seidenzucht in Californien eingeführt. Feuilleton. Drei U. Novelle von Babette Fried» Prag. (Schluß.) »Ich wußte dies, Kind! Niemand kann sich auf die Dauer dem Zauber, der in ihrem Wesen liegt, entziehen. Hat sie ja auch mein altes Herz im Sturme gefangen genommen. Was aber gedenkst Du zu thun, Rudi, willst Du sie heiraten?* »Heiraten, ich, Mama? Du scherzest wohl! Wie darf ich, der Bersehmte, der Ausgestoßene, es wagen, ans Heiraten zu denken, wie könnte ich mich unterstehen, ein edles, unschuldvolles Leben an mein verlorenes, vernichtetes zu fesseln? Dawäre mehr als schlecht."

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