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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 106 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 7 Budapest. Die Installation des zweiten Rabbiners der Ofner israelitischen Cultusgemeinde Dr. Berthold Edelstein ging in feierlicher Weise vor sich. Der Feier ging eine Festsitzung der Gemeiuderepräsentanz voran. Um 10 Uhr Vormittags war das hell beleuchtete Gotteshaus in der Oenlöhäzgasse von Gläubigen überfüllt. Unter den Festgrsten waren anwesend sämmtliche Mitglieder der Gemeinderepräsentanz mit dem Präsidenten Dr. Isidor Szabolcsi und Secretär Noe Weißmann, die Ofner Chewra-Kadischa mit dem Präsidenten Moriz Steiner; die Altofner Gemeinde war durch den Vicepräsidenten Leopold Deutsch, der Pester Heilige Verein durch den Secretär Dr. Franz Mezey, das Landes-Rabbinerseminar durch die Professoren Dr. Bloch und Dr. Schill vertreten; ferner waren zahlreiche Stadtrepräsentanten, Director Julius Kozma, königl. Rath Guttmann de Gelse anwesend. Das Fest wurde mit einem Choral eingeleitet. Oberrabbiner Dr. Arnod K i s s hielt sodann eine schwungvolle Festrede. Der neue Rabbiner Dr. Edelstein hielt hierauf eine längere, von Patriotismus und Religiosität durchwehte Rede, die auf die Zuhörerschaft große Wirkung machte. Die Feier schloß mit der Absingung des „Hymnusz“. Zu Ehren des neuen Seelsorgers fand Sonntag Abends im Saale des „Fasan" in der Bärengasse ein Bankett statt. Budapest. In der unter Vorsitz der Präsidentin Frau Marie Herzl stattgehabten Plenar-Ausschußsitzung des Pester israel. Frauenvereines gelangte der Bericht über die in den verflossenen drei Monaten v. I. entfaltete Thätigkeit zur Verlesung. Als Unterstützungen an von Fall zu Fall ansuchende Arme wurden K 15.391, als regelmäßige monatliche Stipendien K 7714, als vierteljährliche Zinsbeiträge K 2715, als Wöchnerinnen- Unterstützungen EL 317 und als Heirats-Ausstattungsbeiträge K 560, zusammen K 26.697 in Baarem vertheilt. Für die im Waisenhause befindlichen 61 gänzlich verwaisten Mädchen, sowie für die im Baron Hirsch-Waisenasyl des Vereines aufgenommenen 60 Halbwaisen wurden K 16.788 und für die theils bei ihren Angehörigen, theils bei Fremden untergebrachten 62 externen Waisen L 2892, zusammen sür 183 Waisenkinder K 19.689 verausgabt. — In der Volksküche des Vereines haben in diesen dre Monaten 47.938 Personen zu Mittag gespeist und hievon 6870 Personen gänzlich gratis. Die Ausgaben sür die Volksküche befugen EL 10.112 und insgesammt für alle Verwaltungszweige während der obbezeichneten drei Monate EL 56.489. Mit lebhafter Befriedigung wurde zur Kenntniß genommen, daß seit Eintritt der kalten Jahreszeit täglich 291 arme Schulkinder in der Vereins-Volksküche ihr Mittagsessen erhalten. Proßnrh Der feierlichen Eröffnung des hiesigen neuerbauten israelitischen Siechen- und Altersversorgungshauses ging ein Festgottesdienst im Tempel, welchem der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde und zahlreiche Andächtige beiwohnten, voraus. Rabbiner Dr. G o l d - schmid gab in seiner Ansprache eine Geschichte des Baues des neuen Hauses und gedachte hiebei insbesondere der Verdienste des Herrn Markus N e u m a n n, von welchem die Idee zur Errichtung dieses Gebäudes ausging und der stets bestrebt war, Gaben für dasselbe von Nah und Fern zu sammeln. Nach Schluß des Gottesdienstes fand die Eröffnung des Siechen- und Altersversorgungshauses statt. Cultusvorsteher Singer dankte im Namen der Cultusgemeinde Herrn Neumann für sein rastloses Wirken, worauf ein lebensgroßes Bild desselben enthüllt wurde. Herr Neumann erklärte in seiner Erwiderung, daß er auch ferner kräftig für die Förderung des Humanitäts - Institutes wirken werde. Gleichzeitig wurde Herrn Neumann ein von Frau Geheimrath Günther aus Wien gespendeter Lorbeerkranz überreicht. Hierauf fand eine Besichtigung des Gebäudes statt, dessen Anlage und Einrichtungen allgemeinen Beifall fanden. Prag. Die Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen fand unter reger Betheiligung im Beisein eines landesfürstlichen Commiffärs statt. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet. Nachdem der Präsident Dr. Kurrein (Teplitz) den Präsidialbericht erstattet hatte, in welchem die Erfolge, welche auf Grund des Einschreitens des Verbandes für die israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen erreicht wurden, mit lebhaftem Beifalle ausgenommen und der Caffebericht des Rabbiners Dr. Schornstein (Leitmeritz) zur Kenntniß genommen worden war, trat der Verband in den eigentlichen Gegenstand seiner Tagesordnung, die endgiltige Festsetzung des Lehrplanes für die k. k. Staatsmittelschulen, ein. In zweitägiger, ernster Arbeit gewidmeter Berathung wurde der Rahmen des Stoffes auf Grund aller bisher gesammelten Erfahrungen für jede Classe besonders festgelegt und ein engeres Comite behufs endgiltiger Fixirung des detaillirten Textes, des nun von autoritativster Seite, von den Rabbinern selbst vorliegenden Planes eingesetzt. Hiemit ist einem in den weitesten jüdischen Kreisen gefühlten Bedürfnisse Rechnung getragen. Bei den Neuwahlen wurde das bisherige Präsidium wiedergewählt mit der Modification, daß an Stelle des Dr. Ziegler, der eine Wiederwahl nicht annehmen wollte, Herr Prof. Kisch als Vicepräsident eintrat, außerdem wurden die Herren Dr. Brach (Brüx) als Schriftführer, Dr. Neumark (Rakonitz) und Dr. Thieberger (Komotau) als Beisitzer neugewählt. Lemberg. (Theorie und Praxis.) Vor einigen Monaten stand in jüdischen Zeitungen ein Bericht über den Empfang einer jüdischen Abordnung durch den griechisch-katholischen Metropoliten Grafen Szceptycki in Lemberg. Als nämlich die Juden in Burßtyn von dem bevorstehenden Eintreffen des Metropoliten erfuhren, beeilten sie sich, ihm ein Zeichen ihrer Ergebenheit zu liefern und sandten dem Erzbischof eine Deputation ihrer angesehensten Gemeindemitglieder mit einer Thora entgegen. Seine Eminenz der Erzbischof hielt eine huldvolle hebräische Ansprache an sie, worin er sie seines Wohlwollens und seiner Geneigtheit versicherte. Ein freudiges Gefühl beschlich jeden bei der Lectüre dieser Nachricht, wie heilsamer Balsam flössen die Worte Seiner Eminenz auf das wunde Herz jedes Juden. In einer Zeit, wo der Antisemitismus Trumpf ist, mußte es umso angenehmer berühren, Worte christlicher Menschen- und Nächstenliebe aus so berufenem Munde zu hören. Aber schönes Sprechen ist nicht schönes Handeln, und so sehen wir auch bei diesem Kirchenfürsten seine Thaten und seine Worte contrastiren. Seine Eminenz der Erzbischof scheint äe jure gesprochen zu haben, de facto handelt er aus einem Gesichtspunkte, der nichts weniger als human ist. In seinem ausgedehnten Erzbisthum werden die Juden förmlich ausgetrieben, man verweigert ihnen, Land zu pachten, wo sie seit Menschengedenken ansässig sind. Obwohl Heuer nordische Kälte herrscht, werden viele arme jüdische Familien delogirt und obdachlos gemacht. Es ist wirklich herzzerreißend, zu sehen, wie diese armen Wesen jetzt rath- und hilflos dastehen, da in diesen Orten keine Locale mehr für sie zu haben sind. So sägt man den galizischen Juden allmählich die Aeste ab, worauf sie sitzen, und sie werden ins elendste Proletariat gestoßen. Abbazia. Ein Hirtenbrief, den der hiesige Bischof Alexander jüngst erließ, enthält folgende Stelle: „Indem Moses im Namen Gottes Denen, die dessen n'cht vergessen, Seine Gnade verspricht, durch welche Er die Hebräer aus Egypten hinausführte, und ebenso Jenen, welche das Besitz Gottes beobachten, alles Gute und namentlich die Verlängerung der Lebensdauer/ fährt er dann fort: „Und sollst sie über deines Hauses Pfosten schreiben und an die Thore, damit sie stets vor deinen Augen seien" (Mezzuza), und an anderer Stelle: „Du sollst sie (nämlich die Gnade) deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest oder auf dem Wege gehst, wenn du dich niederleast und wenn du ausstehst." So soll jeder Priester immer — zu Hause oder auf der Reise — seinen Beruf und dessen Gesetze vor Augen halten." Constantinopel. An die löbl. Redaction der „Ocsterr. Wochenschrift", Wien! Unter der Ueberschrift „Constantinopler Briefe" erschien in Ihrem geschätzten Blatte Nummer 5 vom 30. Jänner l. I. eine Correspondenz, unterzeichnet mit Leon Gezelter, der, noch ein ganz junger Mann, ein gewesener Schüler unserer Schule, weder die Berufung noch die Eignung hat, sich über die hiesigen Verhältnisse ein Urtheil zu erlauben. Jedem Einzelnen in unserer Gemeinde, der in die Verhältnisse nur einigermaßen eingeweiht ist, springt es in die Augen, daß mit dieser Correspondenz lediglich die Absicht verfolgt wird, eine Reclame einzuleiten. Darum hält es der unterfertigte Vorstand, ohne sich in eine weitere Polemik einlassen zu wollen, für seine Pflicht, die warnende Stimme zu erheben und eine wahrheitsgetreue Darstellung der in Constantinopel bestehenden Cultusgemeinde zu geben und das Ausland über die hiesigen Verhältnisse nach Möglichkeit aufzuklären. Es besteht hier seit 50 Jahren eine Gemeinde der deutschsprechenden Juden, die unter dem Namen „Deutsch-Oesterr. Israelitische Cultusgemeinde" bekannt ist, deren Wirkungskreis sich nebst der Befriedigung der cultuellen Bedürfnisse der deutschsprechenden Juden auch noch auf die Erhaltung der von der Alliance Israelite Universelle subventionirten Deutsch-israel. Schule und auf die Förderung der in ihrer Mit!'' bestehenden wohlthätigen Institutionen: Chewra-Kadischa, Jsrml

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