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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 104 Dr. Bloch's Wochvnfchrifl. Rr. 7 Worte: verdient, nicht: gebraucht! — 2. Nie und nirgends habe ich behauptet, daß der Monotheismus Israels aus Babylonien stamme, vielmehr immer und immer wieder den krassen Polytheismus der Babylonier betont. Jene Namen, wie „Gott (El) sitzt im Regiment," „Wenn Gott nicht mein Gott wäre," „Gott ist Gott," „Jahn ist Gott" eignen den Abkömmlingen nordsemitischer Beduinen, von denen sich ein Theil in Babylonien, um 2500 v. Ehr. seßhaft machte, während der andere Theil, aus welchem nach einem Jahrtausend die Kinder Israels hervorgingen, sein Nomadenleben fortsetzte. Die in einem Vortrag der Anthropologischen Gesellschaft soeben beliebte Polemik, gipfelnd in den pathetischen Worten: „Und aus dem bankerotten Babel sollte sich Israel seine reine monotheistische Gottesidee geholt haben?" beruht hiernach auf einer irrigen Vorstellung und ist durch und durch gegenstandslos." Diese zweite Berichtigung ist besonders bemerkenswerth. denn gerade die jetzt von Delitzsch in Abrede gestellte Behauptung. der jüdische Gottesgedanke sei babylonischen Ursprungs, hat solches Aussehen erregt. Es war gewiß nicht ein zufälliges Zusammentreffen, daß einen Tag nach dem Erscheinen der alarmirenden „Erklärung" folgende Mittheilung in der „Kreuzzeitung" zu lesen war: „Professor Hilprecht hat am Sonntag auf Einladung des Oberhof Predigers D. Dryanderim Domstist in Gegenwart. des Prinzen Friedrich Wilhelm, der Herzogin von A l b a n y, der Prinzessin Alice von Großbritannien, des Herzogs von Sachsen-Koburg und Gotha, der Prinzessin Feodoravon Schleswig-Holstei n, der Minister v. Wedel, Studt, Freiherr v. Rheinbaben, Möller und Graf Botho Eulenburg, des Oberpräsidenten v. B e t h m a n n- Hollweg, zahlreicher Professoren, an deren Spitze der Rector Professor Gierke erschien, zahlreicher Mitglieder der Hofgesellschaft, des Kirchenregnuents, des Eultusministeriums und der Geistlichkeit seinen neulich in der Singakademie gehaltenen Vortrag über „Babel und Bibel" wiederholt." Ferner erschien in der „National-Zeitung" eine weitere Erklärung: In seinem in der Berliner Anthropologischen Gesellschaft am 17. Jänner gehaltenen Vortrage hat Professor Dr. Hilprecht aus Philadelphia nach den von ihm selbst eingesandten Zeitungsberichten von seinen 14 Jahre hindurch betriebenen Ausgrabungen in Babylonien (Nisser) gesprochen. Diese Angabe ist mehrfach in Tageszeitungen aufgegriffen und Professor Hilprecht deshalb als besonders erfolgreicher Leiter von Ausgrabungen und berufener Beurtheiler einschlägiger Fragen, hingestellt worden. Demgegenüber erklären die Unterzeichneten Vertreter der assyriologischen Wissenschaft in Berlin, daß von vier bisher ausgeführten amerikanischen Ausgrabungscampagnen in Nisser Professor Hilprecht nur bei der ersten («889, nur zwei Monate währenden) als Theilnehmer unter Leitung von Peters, an der zweiten (1890) von Peters geleiteten gar nicht, an der dritten (1893—96) von Hahnes geleiteten ebenfalls nicht betheiligt war. Ueber die vierte liegen noch keine wissenschaftlich beglaubigten Angaben vor, doch hat Professor Hilprecht sicher daran nicht länger als etwa 4 bis 5 Monate theilgenommen — in welcher Stellung, ist uns unbekannt. Prof. Dr. Friedrich D e l i tz s ch. Prof. Dr. B. Meißner. Dr. L. Mesferschmidt. Dr. M. Streck. Dr. Hugo Winckler. Der angegriffene Profeffor Hilprecht antwortete hierauf in Berliner Blättern mit folgender Erklärung: „Die Erklärung des Professors Dr. Delitzsch und der anderen vier „Vertreter der assyriologischen Wissenschaft in Berlin" zwingt mich zu folgender Gegenäußerung: 1. Es i st unrichtig, daß ich Zeitungsberichte über meinen Berliner Vortrag vom 17. Januar „selbst eingesandt" habe. Ich habe keine Zeile über meine in Leipzig, Berlin, Frankfurt und München gehaltenen Vorträge an eine deutsche oder ausländische Zeitung geschrieben oder durch Andere schreiben lassen. Die Presse des In- und Auslandes, die diese mir unbegreifliche Behauptung der Berliner Herren als wahr zu erweisen in der Lage ist, lade ich ein, sich darüber zu äußern. 2. Es ist unrichtig, daß ich in irgend einem Vortrage von meinen „14 Jahre hindurch betriebenen Ausgrabungen in Babylonien" gesprochen habe. Gesagt habe ich, daß ich „während der letzten 14 Jahre das Land des Oesteren durchforscht habe"; an einer anderen Stelle habe ich von meinem „14jährigen archäologisch-historischen Arbeiten auf Grund thatsächlicher'Funde unserer Erpedition" geredet. 3. Es ist unrichtig, daß über unsere vierte Expedition „noch keine wissenschaftlich beglaubigtenAngaben" vorliegen. Andere Assyriologen sind mft der betreffenden Literatur seit Langem bekannt. Ebenso ist es unrichtig, daß „unbekannt" sei, „in welcher Stellung" ich an dieser Expedition theilnehme. Einem der fünf Herren ist, wie mir von einem Freunde mitgetheilt wird, von dem letzteren schon vor Monaten eine officielle Drucksache der Universität von Pennsylvania vorgelegt worden, in der ich ausdrücklich als der „wissenschaftliche Director der Expedition" bezeichnet werde. Für den wissenschaftlichen Ertrag dieser nach der öffentlichen Erklärung der Universität von Pennsylvanien erfolgreichsten unserer Expeditionen bin ich allein verantwortlich. 4. Im Uebrigen bemerke ich über meine Thätigkeit in Babylonien nothgedrungen in aller Kürze noch Folgendes: Im Jahre 1888/89 war ich vier Monate in Babylonien thätig; 1890 war ich durch die babylonische Malaria mit darauf folgendem schwersten Typhus von den Arbeiten der Expedition ferngehalten; an den Arbeiten der dritten Expedition hingegen (1893 bis 1896) war ich sogar in hohem Maße betheiligt: ich habe einen großen Theil der Geldmittel zusammengebracht, ich erwirkte den nothwendigen Firman auf meinen Namen, ich bildete seit 1895 mit dem verdienten Vorsitzenden des Comites, Mr. Clark, zusammen den Executivausschuß und habe auf des Letzteren ausdrücklichen Wunsch feit eben jener Zeit diewissenschaftliche Direktion bis heute geführt. (Auch ist die Berwilligung für die fünfte, von mir gegenwärtig vorbereitete Expedition ausdrücklich an die Bedingung meiner persönlichen wissenschaftlichen Leitung geknüpft.) Von dem eigenilichen Grabungsfelde bin ich bei jener dritten Expedition lediglich dadurch ferngehalten worden, daß ich in Sachen dieser selben Expedition mehrere Forschungsreisen in Kleinasien zur Ermittelung des' Ursprungs und Alters kappadokischer Keilschrifttafeln unternehmen mußte. 5. Es widerstrebt mir, Weiteres über mich selbst zu sagen. Wollen die Herren näheren und authentischen Aufschluß über meine in Sachen der babylonischen Expedition seit 14 Jahren auf 8 Forschungsreisen in Babylonien, Assyrien, Syrien und Kleinasien entwickelte Thätigkeit erlangen, so würde ich ihnen den Rath geben, statt an uncontrolirte Gerüchte sich an die zuständige Instanz, den Rector der Universität von Pennsylvania in Philadelphia, oder auch an Seine Excellenz Hamdy Vey, den Generaldirector des kaiserlich ottomanischen Museums in Constantinopel, zu halten. Professor F. Delitzsch sandte schließlich der „T. R." „im Namen der übrigen Unterzeichner der ersten Erklärung" eine Zuschrift, die sich gegen die Erwiderung des Professors D r. Hilprecht wendet. Die Erklärung beschäftigt sich zunächst mit den Zeitungsberichten über den Hilprecht'schen Vortrag in der Anthropologischen Gesellschaft. Dann fährt Profeffor Delitzsch fort: „Es freut uns, von Professor Hilprecht selbst anerkannt zu sehen, daß er in der That nicht 14 Jahre — uns telegraphirt man aus Amerika: 15 Wochen — auf der Stätte der amerikanischen Grabungen persönlich anwesend gewesen ist. Diesen Punkt aufzuklären, war der einzige Zweck unserer Erklärung. Die Nrn. 3—5 der „Erwiderung" sind für uns völlig belanglos." Am wichtigsten für uns war es aber, daß Herr Profeffor Delitzsch selber seine Behauptungen von dem babylonischen Ursprung des hebräischen Monotheismus desavouirt, beziehungsweise als Mißverständnisse der Berichterstatter dargestellt hat. Professor Julius Opfert «brr de« Kabet- Kibrl-Strrit. Der Senior der Assyriologen, Profeffor Julius Oppcrt in Paris, ist von der Wiener „Zeit" aufgefordert worden, seine Ansicht über die bekannten Vorträge des Professors Friedrich Delitzsch abzugeben. Er hat das in einer Form gethan, die zuweilen scharf polemisch wird, deren Geschlossenheit aber doch Eindruck macht — zumal, wenn man bedenkt, daß diese wiffenschaftlich-n Ausführungen von einem Manne kommen, der selbst an der Grundlage der von Delitzsch verkündeten Entdeckungen, an der Entzifferung der Keilschriften in hervorragendem Maße mitgearbeitet hat. Wir können den ganzen Artikel nicht wiedergeben, halten es aber bei dem Interesse, das die Frage in allen Kreisen findet, für geboten, wenigstens einige der bemerkenswerthesten Stellen hier abzudrucken. Julius Oppert schreibt: „Gegen alle die, welche die Bibel in ihrer heutigen Form für ein Dictat des lieben Herrgotts halten, hat Herr Friedrich Delitzsch leichtes Spiel. Er geht von dem irrigen Satze aus, daß Alles, was wir in der Bibel lesen, alle Sagen, alle Gebräuche, alle sittlichen Vorschriften chaldäischen Ursprungs seien. Aber was wirklich aus Mesopotamien stammt, verschweigt er mit scharfsinniger Klugheit. Allerdings sind die Inden, wie die Griechen, ein junges Volk, „Kinder", wie die egyptischen Priester zu Plato sagten, und die chaldäische Cultur ist um einige Jahrtausende älter als die Israels. Moses steht ja gerade in der Mitte zwischen dem Pyramidenzeitalter (5000 vor Christi Geburt) und dem unserigen. Die chaldäische Cultur war die Schöpfung eines aus Centralasien stammenden turanischen Volksstammes, der in grauer Vorzeit in die Ebene Mesopotamiens hinabstieg, der die Keilschrift als eine ursprüngliche Bilderschrift er-

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