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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 102 Dr. Bloch's Wochonschrist. Nr. 7 zwar gleichzeitig mit dem incriminirten Artikel, als auch in weiterer Folge die im Mainzer »Israelit" vom 14. Juli v. I. publicirte Erklärung dieses Blattes, sowie das darauf bezügliche Ausgleichsprotokoll vollständig zur Kenntniß seiner Leser gebracht habe, was den Abgang jeder beleidigenden Absicht aus seiner Seite darthue. Herr Dr. Bloch fügt als selbstverständlich hinzu, daß er auch dermalen keinen Anlaß habe, an der vollständig correcten Gebahrung der jüdischen Colonialbank zu zweifeln; er bedauere, wenn die Publication in seinem Slatte Anlaß zu einer anderen Auffassung gegeben haben sollt^Mnd sei ohneweiters bereit, den Inhalt dieser Protokollar-Erklärung durch Abdruck in der nächsten Nummer der »Oesterreichischen Wochenschrift", und zwar unmittelbar nach dem ersten Artikel zur Kenntniß seiner Leser zu brinM.>^ /Der Vertreter der Privatankläger erklärt, daß er mit Rücksicht auf diese von Herrn Dr. Bloch abgegebene Erklärung nach erfolgter Publication der letzteren in Dr. Bloch's »Oesterreichische Wochenschrift" die erhobene Anklage zurückzrehen werde. Dr. Bloch m. p. Dr. Gustav Harpner ui. p. Dr. Fialla m. p. Schwab m. p. Dr. Lechner m. p. Vom Jahrmarkt des Lebens. Gloffcn zur Tagesgeschichte. (AufzurJudenhetze! — Die Börse gewinnt einen neuen Börseaner. — Die Advocatenkammer verliert ihre hervorragendste Leuchte.) Unter dem Titel .Eine neue Gefahr für Wien" brachte das »Deutsche Bolksblatt" vor einigen Tagen einen Leitartikel, der eine ueue große Judenhetze ankündigt. Der Artikel ist augenscheinlich von der christlich-socialen Partei bestellt, damit dann deren Wortführer im Parlamente unter Hinweis auf die im »Deutschen Volksblatt" enthaltenen Behauptungen Interpellationen einbringen und eventuell Anträge stellen können. Das Verganiblatt hat. entdeckt, daß die Auswanderung von Juden aus Rumänien und aus Galizien eine Gefahr für Wien bedeute, und beruft sich auf das Beispiel Nordamerikas, das subsistenzlosen Juden den Eintritt verwehrt. Hiebei unterschlägt das Blatt, wie gewöhnlich, den wahren Sachverhalt. Unter den Auswanderern, denen in New-Iork das Landen verboten wird, mögen allerdings auch sudsistevzlose Juden sein, aber ihre Zurückweisung erfolgt nicht, well sie Juden, sondern weil sie subsistenzlos find. Die nordamerikanischen Einwanderungsgesttze wollen das Land vor Einwanderern schützen, die dann dem Lande zur Last fallen. Die Aussperrungsmaßregeln sind also rein wirthschaftliche und keineswegs confessionelle oder politische. Bei unszulande werden arbeitsfähige, subsistenzlose Menschen, die nicht arbeiten wollen, ebenfalls nicht geduldet, sondern werden nach dem geltenden Gesetz behandelt und abgeschoben. Arbeitsamen Menschen, auch wenn sie arm sind, wird und kann Niemand den Aufenthalt bei uns verwehren. Die Ausführungen des Berganiblattes sind umso alberner und gehässiger, als darin auch Aussperruugsmaßregeln gegen galizische Juden verlangt werden. Bekanntlich gehört Galizien zu den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern, und es bietet sich keinerlei gesetzliche Handhabe, den galizischen Juden die Einwanderung nach Niederöstelreich oder nach Wien irgendwie zu verwehren. Das Antisemitenblatt fordert trotzdem die antisemitischen Abgeordneten »dringend" auf, diese Angelegenheit im Reichsrathe zur Sprache zu bringen, um sich mit der Regierung über die Maßnahmen in's Einvernehmen zu setzen, die in dieser Beziehung nothwendig sind; Vorläufig sind die Christlich-Socialen noch lange k.-ine gesetzgebende Körperschaft, und noch ist es nicht so weit gekommen, daß die Regierung den Hetzgelüsten, welchen die Herren Schneider und Consorten im Parlamente Ausdruck geben sollen, Folge zu leisten verpflichtet ist. Das ist den Herren Antisemiten genau so klar wie uns, und deshalb wenden sie sich an eine andere Adresse, von welcher sie vorauszusetzen scheinen, daß sie ihnen leichter zugänglich ist als die Regierung. Das Blatt schreibt nämlich: »Bis dahin aber werden die autonomen Landes¬ und Gemeindeorgane der Frage der jüdischen Zuwanderung die größte Aufmerksamkeit zuwenden und Alles aufbieten müssen, um diesen gefährlichen Zuzug fernzuhalten. Ihre administrativen Befugnisse geben ihnen eine Menge Mittel an die Hand, durch deren Anwendung sich der Zweck, wenn auch nur unvollkommen, erreichen läßt, handelt es sich doch zum großen Theil um subsistenzlose Elemente, die abgeschafft werden können, vorausgesetzt, daß die politische Verwaltung, wie sie das in der Arbeitslosenfrage gegenüber der Commune gethan hat, nicht ihr Veto einlegt." Ja, freilich, die autonomen Gemeinde- und Landesorgane in Niederösterreich, von ihnen weiß man allerdings, daß sie den Antisemitismus wohlwollend gegenüberstehen, und die Zumuthung, daß sie eine »Menge Mittel" anwenden können, um Juden den Aufenthalt in Niederösterreich zu verleiden, dürste bei diesen Stelle» auf verständnißvolles Lächeln stoßen. Sind sie doch auf die Entbehrlichkeit von Gesetzen oft genug von Herrn Dr. Karl Lueger aufmerksam gemacht worden, der in der Schulfrage beispielsweise erklärte, er brauche keine neuen Gesetze, er werde auch mit dem geltenden Gesetze Alles, worauf es ihm ankommt, erreichen. Es wird sich nun darum handeln, ob und welche Mittel die autonomen Landes- und Gemeindeorgane anwenden werden, um im Sinne des Berganiblattes auswärtige Juden, die sich hier niederlassen, zu chicat niren. Die angeregte Aussperrung der Juden hat auch einen " wahlpolitischen Zweck, denn den Antisemiten ist es sehr wohl bekannt, daß die Vermehrung jüdischer Wähler auch die christlichsociale Majorität gefährden müßte. Es wird sich also die Nothwendigkeit ergeben, den Herren Antisemiten in Niederösterreich sorgfältig auf die Finger zu sehen, und da der Artikel des Berganiblattes eine directe Ankündigung einer parlamentarischen Action im Sinne der Judenhetze bedeutet, möchten wir heute schon an die jüdischen und an die freisinnigen Abgeordneten die Mahnung richten, solchem Beginnen gegenüber rechtzeitig auf dem Platze zu sein. * V * Vergani ist unter die Börseaner gegangen. Das Anticorruptionsblatt, das bekanntlich gegen die Gewinnsucht Anderer so scharfe Accente hat, veranstaltete in der vorigen Woche eine separate Ausgabe, die an der Börse vertheilt wurde. Es handelt sich um einen Vorschlag, die 4'2 percentige Rente auf 3 6 Percent zu convertiren. Eine Anzahl von Börsebesuchern, durch die veranstaltete Separatausgabe zum Glauben verleitet, daß cs sich um eine positive Nachricht des »Deutschen Volksblattes" handelt, wurde thatsächlich dadurch irregeführt und bald darnach verbreitete sich das Gerücht von der bevorstehenden Convertirung der Rente auf 3 6 Percent. Das brachte natürlich eine Hausse zuwege, und erst nachträglich erfuhr die Börse, daß sie dem Bergani aufgeseffen sei. Man sieht, der Ernst aus der Josefsgaffe versteht sein Geschäft, und während er im Blatte gegen den mühelosen Gewinn perorirt, verschmäht er es nicht, ein kleines Börsenmanöver anzuzetteln. * * * Der Herr Dr. Max Anton Lo e w hat auf die Ausübung der Advocatur verzichtet. Diese »Zierde" des Wiener Advocatenstandes war bekanntlich auch oder ist vielleicht noch eine „Zierde" der christlich-socialen Partei in Wien. Die ziemlich gebogene Nase, deren er sich erfreut, und phonetische Anklänge an den Jargon, dessen er sich im Elternhause bediente, bildeten für ihn ebensowenig ein Hinderniß, die antisemitische Strebercarriere einzuschlagen, wie seine Abstammung von einer frommen jüdischen Familie. Eine kleine Portion Taufwasser befreite den strebsamen Max von seinem Judenthum und beschied ihm den Taufnamen Anton, der ihm bei der Beschneidung nicht vorgesungen worden war, und als dann der Anton einen sehr einträglichen Concurs erhielt, der ihm in weiterer Folge auch eine zahlreiche Clientel aus antisemitischen Kreisen brachte, war der Anton eifrig bemüht, an den Max vergessen zu machen. Er wetterte gegen die Juden in öffentlichen Versammlungen, als ob er ein eingeborener Ernst Schneider wäre, und der ständige Refrain seiner Auseinandersetzungen war: »Wer ist an Allem Schuld! Die Juden!" Nur schwächte es die Wirkung seiner Rede ab, daß er selbst in pathetischen Augenblicken in ein veritables Mauscheln gerieth, und so wurde denn dieser seltsame Convertit eine der heitersten Figuren des öffentlichen Lebens in Wien. Anläßlich seines Scheidens aus der Advocatenkammer sei ihm ohne Groll dieser Nekrolog gewidmet. Isegrim.

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