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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 90 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr 6 mäßigen Räubern oft um ihren letzten Groschen betrogen. Viele werden noch in der zwölften Stunde in ihrer letzten Hoffnung getäuscht, indem sie am Ziele ihrer Sehnsucht von den Behörden am Landen gehindert werden. Alle diesen schweren Uebel ließen sich durch die Errichtung eines Auswanderungsbureaus, das in allen Aus- und Einwanderungsplätzen geeignete Filialen hätte, leicht beseitigen, und wir können zu unserer großen Genugthuung mittheilen, daß der erste Schritt zur Gründung eines solchen Bureaus b-reits im Gange ist. Wie Mr. H. L. Cohen in der Sitzung des Londoner Board of Deputies am 25. Jänner mittheilen konnte, wird in den nächsten Wochen schon in London ein „Jnformationsbureau für jüdische Auswanderer^ eröffnet werden. Dasselbe wird hauptsächlich über England und dessen Colonien Auskunft ertheilen und die Auswanderer über die Plätze unterrichten, wo bereits jüdische Gemeinden bestehen oder in welchen Nachfrage nach bestimmten Kategorien von Arbeitern und Handwerkern vorhanden ist. Es ist das nicht sehr viel, aber der Anfang ist gemacht, und wir zweifeln nicht, daß die neue Institution sich mit der Zeit zu dem so sehr dringend nothwendigen Auswanderungsbureau auswachsen wird. New-Aork. (Berhängnißvolle Schönheit.) In Philadelphia wirkte an einer dortigen Schule als Lehrerin Frl. Boltairine de Clary, eine wegen ihrer Schönheit von der ganzen dortigen Männerwelt umschwärmte und mit Heiratsanträgen täglich bestürmte, recht eingezogen lebende Person. Sie wies aber alle Heiratsanträge rundweg ab und war Niemandem zugänglich. Dennoch konnte sie ihrem traurigen Schicksale nicht entgehen, das sie vor Kurzem ereilte. Ein russischer Auswanderer, Namens TelscherS, sah sie, verliebte sich und machte ihr Anträge, die sie ebenso unbeantwortet ließ, wie alle andern. Der erst 25 Jahre zählende Verehrer schwor ihr darum Rache und schoß sie bei einer zufälligen Begegnung nieder, ohne daß sie ihn auch nur dem Namen nach gekannt hätte. Sie starb bald darauf im Philadelphiaer Spitale, wohin sie gebracht wurde, und wußte, als sie befragt wurde, gar nichts über die Ursache und die Persönlichkeit des Mörders anzugeben. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seiteustettengasse 4 sür arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des selig.HerrnSal.Hollitscher: Von der trauernden Familie K 50.—, Herrn Isidor Neurath, II., Große Schiffgasse 12, L 5.—, Herrn Gustav Schlesinger, I., Neuthorgasse 13, K 5.—; zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens der selig. Frau Babette L ö w y: Von der Familie der Verewigten, I., Reichsrathsstraße 27, K 150.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Amalia Roth stern: Von Familie Dunst-Rothstern K 50.—; Familie Pollak K 10.—. Zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Salomon Hollitscher: Von Herrn Adolf Bruckner, II., Novaragaffe 42, K 20.—; Heinrich Neurath, II., Große Schiffgasse 12, L 10.—; Leopold Spiegler, I., Schottenbastei 11, K 10.—; Heinrich Spiegler, I., Schottenbastei 11, K 10.—; Ignatz Gewitsch, I., Wipplingerstraße 32, K 20.—. Zusammen K 70.— Wien. (Probepredigten im Leopold st ädter- und Stadt-Tempel.) Herr Rabbiner Dr. M. L e w i n aus Malaczka hält Freitag den 6. Februar d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um einviertel 6 Uhr beginnt, im Leopoldstädter Tempel, Tempelgaffe, die Predigt und am Samstag den 7. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. M. E. Proßnitz aus Mährisch-Auffee im Leopoldstädter Tempel am Freitag den 13. Februar d. I. beim Abendgottesdienste, der um halb 6 Uhr beginnt, die Predigt und am Samstag den 14. d. M. im Stadttempel bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Gottesdienste sür Mittelschulschiller die Exhorte. Wien. Das diesjährige Schüler- und Familien- Kränzchen des bekannten Tanz-Institutes I. Heimann, II., Praterstraße 43, findet Sonntag den 8. Februar l. I. im Ballsaale R o n a ch e r statt. Wien. (Verein ,Treue Brüder".) Dieser seit zwei Jahren bestehende Verein — sein Local befindet sich im Restaurant Breuer — hat die löbliche Tendenz, in dieser schweren Zeit kranke und stellenlose Mitglieder mit entsprechenden Beträgen zu unterstützen und ihnen über die kritische Zeit nach Möglichkeit hinwegzuhelfen. Es erhalten die Kranken je 5 fl. wöchentlich und Stellenlose einmalige Subventionen bis zur Höhe von 10 fl. Dem Vereine bietet sich öfters Gelegenheit, der Roth zu steuern, und verdient derselbe ausgiebigste Förderung. An der Spitze des Vereines steht Herr Jacob Blumengarten, Obmann-Stellvertreter Herr Ad. Moritz, Schriftführer ist Herr Jul. Teitelbaum und Caffier Herr L. Grund. Wien. Der israelitische Bethausverein am Volkert, II., Fugbachgasse Nr. 7, hat bei der am 25. Jänner d. I. abgchaltenen Generalversammlung folgende Wahlen vorgenommen: Adolf Schramek, Obmann; Hermann Ehrenfeld, l. Obmann-Stellvertreter; Gustav Frankl, II. Obmann-Stellvertreter; Josef Fischer, Caffier; Ignatz Reiser, Schriftführer; Julius Beck, Schriftführer-Stellvertreter; Elkan Bauer, Controlor; Hermann Kaiser, Controlor; Max Kraus, Jacob Mittler, Heinrich Rosenblatt, Salomon Beck, Bethausvorsteher. Ausschußmitglieder: Moritz I e l l i n e k, Leopold Sp itz er, Ludwig C a nto r, Bernharo P i ck, Bernhard Reicher, Emanuel P i o w a t i. Wien. (Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler.) Mittwoch den 28. Jänner d. I. hatte Herr Dr. Bernhard Wachstem seinen philosophischen Curs, den er in den Weihnachtsferien unterbrochen hatte, wieder ausgenommen. Vor einem überaus zahlreichen Auditorium trug Dr. Wachstein unter großer Spannung seiner Zuhörer über Berkeley vor. Er schilderte zunächst Berkeley, der durch sein System der spiritualistischen Philosophie berühmt ist, als einen fast in allen Fächern des menschlichen Wissens bewanderten Mann, dessen edler Charakter Jedem, der ihn kannte, Verehrung einflößte. Seine philosophischen Ansichten, hob Dr. B. Wachstein hervor, entwickelten sich theils im Gegensätze zu dem in seiner Zeit herrschenden Realismus und Materialismus, . theils doch in Abhängigkeit von Bocke's Sensualismus und den in Consequenz desselben liegenden Phänomenalismus. Das Wirkliche, behauptete Berkeley, ist nur der Geist. Die Körperwelt ist nur ein Schein, der aus unseren Vorstellungen entspringt. Das Unwillkürliche dieses Scheines hat seinen Grund in ursprünglichen Vorstellungen, welche von dem Geiste aller Geister bewirkt sind^ Durch die Art und Weise seines Vortrages durch den gedankenreichen Witz, den er seinem Vortrage geschickt und verständnißinnig einzuflechten wußte, gestaltete Dr. Wachstein seinen Curs zu einem anziehenden Mittelpunkte für unsere Mitglieder, die ihm darob innigen Dank wissen. Wien. (Todesfall.) Am 4. d. M. verschied h ier nach langer Krankheit der bekannte Großindustrielle Herr David Schwarzmann, Chef der Firma D. Schwarzmann & (So. Das Leichenbegängniß findet am Freitag den 6. d. M. vom Trauerhause, I., Schottenring 35, aus statt, über welches wir in der nächsten Nummer berichten. Der Todesfall errrgt in weitesten Kreisen der Bevölkerung lebhafteste Theilnahme. Brünn. Dem wirklichen Religionslehrer am k. k. I. deutschen Staatsgymnasium in Brünn, Dr. Max Grünfeld, wurde vom mährischen Landesschulrathe der Titel: k. k. Professor verliehen. Salonichi. Herr Saadi Levy, der Begründer der jüdischspaniolischen Zeitschrift, ,La Epoca", der für die Cultur der dortigen Juden Hervorragendes geleistet hat, ist im 85. Lebensjahre, allgemein betrauert, gestorben. Ehre seinem Andenken! Haag (Holland). Wie ich höre, ist unser Oberrabbiner Dr. T. Leewenstein zum Oberrabbiner von Kopenhagen gewählt worden. Die Wahl gestaltete sich umso ehrenvoller, da sie ohne vorhergehende Probepredigt nur auf Grund einer Besprechung zwischen einer Abordnung der Gemeinde-Behörden und Herrn Dr. Leewenstein erfolgt ist. In Abänderung der bisherigen Bertheilung der Competenzen werden die beiden Rabbiner in der Kopenhagener Gemeinde künftighin im Wesentlichen vollkommen gleichgestellt sein, also auch Herr Dr. Goitein, der nunmehr nach vierjähriger, segensreicher Wirksamkeit lebenslängliche Anstellung und Pensionsberechtigung erhält und wird bei sämmtlichen Cultus-Handlungen, Trauungen, Beerdigungen rc. sunetioniren. Herr Dr. Leewenstein hat, wie Herr Dr. Goitein, seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten. Die holländischjüdischen Blätter bringen bereits große, für den Scheidenden sehr ruhmvolle Abschiedsartikel mit dem Bildniß des Herrn Oberrabbners. London. (Zurückgewiesene Einwanderer.) Aus Capstadt wird berichtet, daß einer großen Zahl jüdischer Einwanderer nach dem neuen Gesetze die Landung in Daune Castle verweigert wurde. Die Colonisten werden in ihre Heimat zurücktransportirt.

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