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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 88 Nr. 6 Dr. Bloch's Wmhsnfchrifk. 7 Specialproben statt, lediglich zu Cultuszwecken; die zahlreichen für Vergnügungen, Vorttagsabende abgehaltenen Proben sind aus dem Beruhte ganz ausgeschaltet. Erwähnenswerth sind die AuMhrungen verschiedener Chöre, Soli und Duetten aus Händel's „Israel in Egypten", die durchwegs am Passahfeste vorgetragen wurden. Mit solchen Aufführungen dürfte der Tempelchorverein zu Reichenberg ziemlich vereinzelt dastehen. Diese Chöre und Duetten sind indeß so in Fleisch und Blut übergegangen, daß wir uns hier ein Passahfest ohne diese herrlichen Tonstücke kaum denken können. Es kamen aber, wie der Bericht des Schriftführers weiter fottfährt, auch andere Meister zum Worte. So Franz Schubert, Haydn, Bach, Mendelssohn, Klughardt, um nur die Bedeutendsten zu nennen; die Musik zum Kulte wird aus Werken von Deutsch, Sulzer, Löwenstamm, Lewandovsky von unserem Dirigenten Herrn Julius Fischer im combinirten Gottesdienste u. A. bestritten. Das Judenthum, so läßt sich der Bericht in beherzigenswetther Weise ferner vernehmen, besitzt heute seinen Glaubensgenoffen und andersgläubigen Mitbürgern gegenüber nur eine öffentliche Bethätigung, die des Gottesdienstes. Daß diese Bethatigung in allererster Reihe eine würdige, vornehme sein muffe, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Nicht würdig ist die Betätigung dann, wenn der Zuhörer durch laute Gespräche, unnötiges Schreien, falsches Müsingen auch jener Tonstücke, die dem Publicum nicht bekannt sein können, sich in jeden anderen Ort versetzt glauben kann, nur in kein Gotteshaus. Wie soll der Andersgläubige unser Gotteshaus achten, wenn wir selbst die gewöhnlichsten Formen des Anstandes außer Acht lassen? Mit Befriedigung kann festgestellt werden, daß unser Gottesdienst durch die herrschende Ruhe, durch harmonisches Eingreifen des Chores, des Cantors, der Orgel sich zu einem solennen, feierlichen gestaltet; ganz hervorragenden Antheil hat daran der Chor, der nicht nur den regelmäßigen Freitag- und Samstag- Gottesdienst, sondern auch jenen anstrengenden der Feiertage zu bestretten hat. Der Chor ist ein freiwilliger und Jeder, gleichviel welcher gesellschaftlichen Stellung immer, ist willkommen, der seine Thätigkeit als Sänger bewiesen. Der Chor zählt 35 Damen, 10 Herren und singt seit dem Bestände des neuen Gotteshauses, und zwar seit 1889. Herr Dr. Emil Peres stattete in warmen, eindringlichen Worten den Mitgliedern des Chores den Dank ab für die Hingabe, die nicht nur in zahlreichen Proben, sondern in den noch zahlreicheren Gottesdiensten an den Tag gelegt worden sei. In Abwesenheit des verdienten Obmannes Herrn Carl Wildner ermahnte er den Chor, weiter an diesem hehren Werke und dieser für unsere Gemeinde rundweg unentbehrlichen Jnstttution zu schaffen. Die hierauf vollzogenen Wahlen fielen einmuthig auf: Herrn Carl Wildner, Obmann; Herrn Dr. Emil Peres, Obmann-Stellvertreter; Herrn Josef Fleischer, Caffier; Herrn Ernst Soyka, Archivar; Herrn Julius Fischer, Gesangsleiter; Frau Obercantor Julie Kestenberg, Fräulein Elise Lazansky, Herrn Emil Deutsch zu Beiräthen. — E — Horazdowrtz. Wie alljährlich versammelten sich auch heuer am rosctt ehodesch, schevoh die Mitglieder der hiesigen Chewra-Kadischa zu einem feierlichen Gottesdienste, wobei der verstorbenen Begründer, Mitglieder und Förderer des Vereines gedacht und für deren Seelenheil gebetet wurde. Abends fand in de« geräumigen Lokalitäten des israelitischen Cultusgemeindehauses die diesjährige Generalversammlung und die Neuwahl des Bereinsvorstandes statt. Um 8 Uhr eröffnete Herr Marcus Kohn jun. die Generalversammlung, begrüßte herzlich die Erschienenen und verlas den Rechenschaftsbericht, welchem zu entnehmen ist, daß das Vermögen der Chewra-Kadischa trotz des auf verschiedene wohlthätige Zwecke verwendeten Betrages von nahezu 1000 Kronen in der abgelaufenen Vereinsperiode um fast 300 Kronen gewachsen ist. Nach ehrenvollem Gedenken der in den letzten drei Jahren mit Tod abgegangenen Mitglieder und des tags zuvor entschlafenen Seniors der Chewra-Kadischa, Herrn Leopold Weiner, wobei sich die Anwesenden zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben, wurde das statutenmäßige Brudermahl abgehalten. Zwischen dem dritten und vierten Gange hiett Ehrw. Herr Rabbiner Friedmann die Festrede, welche ungeteilten Beifall fand und große Begeisterung hervorrief, die sich in äußerst wohltätiger Weise manifestirte. So wurden gespendet: Zur Chewra-Kadischa K 191, für die nothleidenden Brüder in Galizien K 60, zum jüdischen Nationalfonde K 3, zum Lehrer- Penfionsfonde K 3 und zum Unterstützungsfonde der öesLFed akademiku zidu X 10, insgesammt K 267. Herr Moritz Steiner richtete eine sehr beifällig aufgenommene Ansprache an die Bereinsgenoffen und beantragte, daß anstatt einmal in 3 Jahren, jedes Jahr eine Chevra S'udah stattfinden möge! Dieser Antrag fand allseitig großen Anklang und wurde zum Beschlüsse erhoben, worauf dann zur Wahl geschritten wurde; aus derselben gingen hervor: Herr Moritz Steiner als Obmann, Herr Markus Kohn jun. als Caffier und die Herren Ludwig Fischl, Josef Löwy und Siegfried Porges als Vorstandsmitglieder, welche insgesammt lebhaft acclamirt wurden. Tags darauf versammelte sich der Cultusvorstand sowie der neugewahlte Chewra - Ausschuß, um ihrem verewigten Senior, Tempelvorsteher und Hausverwalter, Herrn Leop. Weiner, das letzte Ehrengeleite zu geben. Nach Absolvirung der rituellen Ceremonien und Gebete wurde der Sarg von Borstandscollegen gehoben und in den bereitstehenden Leichenwagen gestellt, worauf sich der imposante Leichenzug in Bewegung setzte. Voran schritt ein Detachement der hiesigen Feuerwehr mit trauerumflorter Vereinsfahne, geführt vom Sprechwarte des czechischen Landes- Feuerwehr-Verbandes, um ihr vieljähriges actives Mitglied zur ewigen Ruhestätte zu geleiten. Das Ausrücken der Vereinscapelle wurde dankend abgelehnt, doch legte dieselbe einen schönen Kranz frischer Blumen am Sarge nieder. Klattau. Die hiesige Chewra-Kadischa, an deren Spitze öte Herren: S. I. Krauskopf. Obmann; Josef Feigl, Obmann- Stellvertreter; Simon Hahn, Caffier; Jur.-Dr. Joachim Steiner, Schriftführer; Jonas Steiner, Controlor; Ignaz Lederer, Leopold Schleißner, Ausschußmitglieder, stehen, hielt am 1. Februar eine Generalversammlung ab. Das Programm bestand aus folgenden Punkten: 1. Lesung und Verificirung des Protrokolles der Generalversammlung vom 23. März 1902 und vom 6. April 1902; 2. Rechenschaftsberichte; 3. Beschlußfassung über die neuen Statuten; 4. Freie Anträge. Dem Vereine gehören 65 ordentliche und 2 Ehrenmitglieder an. Die Versammlung fand im Schullocale der I. Classe der hiesigen zweiclaffigen israelitischen deutschen Schule statt. Herr Obmann S. I. Krauskopf ergriff das Wort zur Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder, gedachte des Wirkungskreises und der fruchtbaren Thätigkeit des Vereines in unserer so schönen Gemeinde und munterte zum Zusammenhalten der Bereinsmitglieder auf. Als er nun in schlichten Worten die Aufmerksamkeit der Versammelten auf jene Mitglieder lenkte, die leider der Tod aus der Mitte in ein besseres Jenseits berief, und als er den allerletzten Todesfall, das Hinscheiden des Cultusvorstehers Herrn Josef Treichlinger, der längere Zeit Obmann dieses Vereines war, erwähnte, da ergriff eine tiefe Rührung die Anwesenden, welche das Andenken des Verstorbenen durch Aufstehen von den Sitzen ehrten. — Dem Rechenschaftsberichte war zu entnehmen: Das Vermögen betrug bis 31. December 1902 15.589 X 61 h; die Einnahmen beliefen sich im verflossenen Jahre auf 4019 X 71 h, die Ausgaben in derselben Periode 1497 X; an Arme wurden vertheilt: 1140 K 96 h. — Die Statuten wurden in vielen Punkten geändert, d. h. der neueren Zeit, den Bedürfnissen gemäß, angepaßt und den regen Debatten konnte man entnehmen, daß Allen das Wohl des Vereines am Herzen lag, jeder Redner war bestrebt, nicht seine Ansicht blos zur Geltung zu bringen, sondern Gutes zu schaffen, und man accommodirte gern seine Idee dem Befferen. Herr Heinrich Laschansky, Obmann der„Chanukagruppe", versendet heute ein Dankschreiben an alle jene Damen, die beim Einsammeln der Geldbeträge für die Bekleidung armer israelitischer Kinder an unseren Schulen thätig waren. Es sind dies die Fräuleins: Paula Zucker, Bertha Steiner, Milli Weisl, Theresia Krauskopf, Löwy Jeanne. — a. — Pilsen. Das „Pilsner Tagblatt" meldet: „Ein polnischjüdisches Ensemble versuchte gestern im großen Saale des „Hotel Waldeck" eine Vorstellung zu geben, was ihm aber nur theilweise gelang. Die sinnlosen, dabei in einem unverständlichen Jargon in unfähigster Weise und in primitivstem Zustande vorgetragenen Gedichte erregten bei den Zuhörern eine derartige Erbitterung, daß die Vorstellung vorzeitig mitten während der Abwicklung des zweiten Programmtheiles abgebrochen werden mußte, nachdem ein Theil des Publicums schon vorher den Saal verlassen hatte. Es kam zu stürmischen Ausbrüchen der Entrüstung und das „Ensemble" wurde durch die handgreiflichsten Mittel an der Fortführung der Vorstellung verhindert. — Wir machen die Behörde auf dieses „Ensemble" aufmerksam, das, angeblich auf einer Reise nach London begriffen, seit Wochen ganz Böhmen durchreist und den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Da wohl Niemand aus dem zahlreichen Publicum die Absicht hatte, ein Almosen zu spenden, die ganze Vorstellung auch nach Ankündigung und Jnscenirung keineswegs auf Bettelei hinzielt, während man sich dann dem elendsten und empörendsten, dabei widerlichen Dilettantismus gegenübersieht, so ist es wohl Pflicht der Behörde, diesen Leuten ihr Handwerk zu legen und eine weitere Schädigung des Publicums zu verhindern". Von jüdischer Seite wird uns aus Pilsen dazu geschrieben, daß, tatsächlich gewisse jüdische Sängergesellschaften mit ihrem Auftreten dem Judenthume keine Ehre bereiten und daß man auf Mittel sinnen müßte, solchem Unfug entgegenzutreten.

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