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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 87 setzt voraus, daß der Staat selbst ihn mißbilligt, allein nur durch manche damit verknüpfte Schwierigkeiten von der Abänderung desselben zurückgehalten wird. Allein in einem neuen Gesetze spricht die Regierung die Meinung aus, welche sie jetzt von den Juden und der Möglichkeit ihrer bürgerlichen Verbesserung hegt, und diese Meinung muß nun nothwendig von der großen Wichtigkeit sein, zugleich die allgemeine der Nation zu bestimmen. Eine nicht ganz weise neue Gesetzgebung über die Juden hebt daher vielleicht viele physische Nachtheile auf, läuft aber Gefahr, auch vielleicht noch größere moralische, als selbst der jetzige Zustand (durch Mißleitung der allgemeinen Meinung und Befestigung der alten Vorurtheile) nach sich zu ziehen." So weit Humboldt's Votum, das sich, wie sein Biograph mit Recht hervorhebt, durch die freieste und vornehmste Auffassung der ganzen Frage auszeichnet, hoch über allen anderen erstatteten steht und nur in dem der Militärdeputation, in welcher Scharnhorst saß, in manchen Punkten ein würdiges Seitenstück findet. Ganz besonders charakteristisch für den hochsinnigen Mann ist es, wie er immer mehr aus die moralischen Kräfte rechnet und sich stärkere und nützlichere Wirkung von ihrer Bethätigung und Berücksichtigung verspricht, als von allen in's Einzelnste gehenden Vorschriften und Gesetzen. Correspondenzen. Wien. Geehrter HerrRedacteur! Der Armenvater des XIX. Bezirkes äußerte sich gesprächsweise dahin, daß von zwei für jüdische Arme des Bezirkes Döbling bestimmte Kuffner'sche Stiftungen nur eine an eine jüdische Familie verabreicht werden konnte, weil ein zweiter bedürftiger Jude nicht aufzufinden war. Ich wünschte, daß das thatsächlich der Fall wäre, allein es gibt leider eine ganze Anzahl reich mit Kindern gesegneter Familien, die buchstäblich am Hungertuche nagen, und diese Thatsache kann auch dem Armenvater nicht unbekannt sein. Es ist nun seltsam, wie unter solchen Verhältnissen eine Nichtmeldung jüdischer Bedürftiger Vorkommen konnte, und es scheint fast,' als ob es vielmehr die planvolle Absicht gewisser Herren war, jüdische Arme zu Gunsten nichtjüdischer zu verkürzen. In Wien existiren zahlreiche jüdische Wohlthätigkeitsvereine, deren leitende Persönlichkeiten die größten Anstrengungen machen, Mühe und Scharfsinn aufwenden, um für die Nothleidenden und Armen auch nur die geringsten Unterstützungen zu sammeln. Warum unterzieht man sich nicht lieber der Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die für Juden bestimmten Antheile jüdischer Stiftungen, welche in antisemitischer Verwaltung sich befinden, auch den nothleidenden Juden zugeführt werden. Auch der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde könnte dafür Sorge tragen, daß seine Armenanstalt ein Auge darauf hat. daß, im Falle solche Stiftungen zur Ausschreibung gelangen, sich eine hinreichende Zahl Armer jüdischer Confeffion an der Bewerbung betheilige. Ich kenne den Jnstanzengang nicht, aber es scheint mir, daß eine grobe Vernachlässigung jüdischerseits vorliegt, und darin Wandel zu schaffen, ist der Zweck dieser Zeilen. Isch iwri. Wien. Der große Festsaal des Ingenieur- und Architekten-Vereines war bis auf das letzte Plätzchen und auch die Galerien waren dicht gefüllt, als am Sonntag 8 Uhr Abends der Verein zur Hebung der Gewerbe seine Monatsversammlung abhielt. Der Abend war für einen Vortrag des Schriftstellers Jacques Jaeger bestimmt, betitelt: , Eine Reise vom Gotthard durch die Central-Schweiz zum Simplon nach Italien." Die Wichtigkeit des Simplon-Tunnels, die kühne Durchführung desselben und die noch nie in solcher Größe angewendeten Bohrmaschinen, die tadellos Tag und Nacht arbeitenden Apparate, die Genfer Uhrenfabrication und die Niederlassungen Wiener Gewerbetreibender im Löbethale fesselten die Aufmerksamkeit der Zuhörer ganz besonders. Mehr noch wirkten die von Ritter von Staudenheim beigestelltenSkioptikonbilder, die alle vom Vortragenden angeführten Landschaften und Bauwerke veranschaulichten. Am effectvollsten war das in Oesterreich zum erstenmale vorgeführte Monument unserer verewigten Kaiserin in Territet. Lang anhaltender Beifall folgte nach den Dankesworten des Präsidenten B r o d an den Vortragenden. Unter den zahlreichen Vertretern der Gelehrtenwelt, der Industrie, des Gewerbestandes bemerkte man Se. Durchlaucht Fürst und Fürstin W r e d e, Baron von P o t i e r, Grafen Wurmbrand, ferner Regierungsrath und Gewerbe-Oberinspector K u lk a, kais. Rath Dr. K o h n, Architekt Fleischer, Docent Dr. G r » n f e l d, Professor Dr. K a n i tz, Bezirksrath W a l d st e i n, Commercialrath S t i a ß n y, die Präsidentin des Ferienheim Frau Doetor Sofie G r ü n f e l d, die Präsidentin des Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchenhort Frau Dr. Bertha K o h n re. rc. Um halb 11 Uhr Nachts schloß der Vorsitzende die Versammlung. Wien. Die 21. ordentliche Generalversammlung des Humanitären Vereines ^Montefiore" fand am 29. Jänner l. I. in Guth's Restauration, II., Stefaniestraße statt; dieselbe nahm einen sehr würdigen und ruhigen Verlauf, so daß die zur Berathung gelangten Anträge in rascher Weise erledigt werden konnten. Der Rechenschaftsbericht, welcher abermals einen erheblichen Zuwachs des Bereinsvermögens auswies, wurde von der Versammlung mit Befriedigung zur Kenntniß genommen und dem Vorstände gemäß dem Vorschläge der Revisoren mit Rücksicht auf die ausgezeichnete Vermögensverwaltung, einstimmig das Absolutorium ertheilt. Bei den hierauf vorgenommenen Neuwahlen wurden die statutenmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder die Herren Leopold Weinwurm und Ignaz Beckmann wieder- und die Herren Jg. A. Waffervogel und Ofias Tauber neugewählt. Auf Grund dieser Wahlen constituirte sich der Vorstand in seiner Sitzung am 2. d. M. folgendermaßen: Herr Josef Pollak, Obmann; Herr Leopold Weinwurm, Obmann- Stellvertreter; Herr Edmund Hofmann, Schriftführer; Herr Moriz Koppel, Cassier; Herr Elias Weiß, Controlor; die Herren Jacob Weiß, Moriz Bondi, Ignaz Beckmann, Emanuel Taub, Wilhelm Klepner, Jg. A. Waffervogel und Ofias Tauber, Vorstandsmitglieder. Reichenberg. Seit der Einführung der Personaleinkommensteuer in Oesterreich waren die hervorragendsten Cultusgemeinden der Monarchie bestrebt, die Cultussteuer aus Basis der Personaleinkommensteuer aufzutheilen. Alle diesbezüglichen Bestrebungen waren jedoch erfolglos, weil denselben gesetzliche Hindernisse gegenüberstanden, über welche anscheinend nicht hinwegzukommen war. Unserem Vorstandsmitglieds und Rechnungsführer Herrn Alois Soudek ist es gelungen, dieses schwierige Problem zu lösen und eine Steuerreform auszuarbeiten, wonach die Cultussteuer auf Grund der Prrsonaleinkommensteuer bemessen wird. Diese Steuerreform hat die behördliche Genehmigung erhalten, wurde bereits voriges Jahr in unserer Cultusgemeinde eingeführt und hat sich vortrefflich bewährt. Die Cultussteuer ist nach dem ausgestellten Schema in 25 Stufen eingetheilt; die 1. Stufe beträgt X 5 =0'33 Percent des staatlich eingeschätzten jährlichen Einkommens, und steigt progressiv bis 1*25 Percent. Das Maximum beträgt K 1000. Durch die Einführung der Steuerreform wurden beinahe zwei Drittel der Censiten in der Cultussteuer ermäßigt, und trotzdem bringen wir das Budget nicht nur sehr leicht auf, sondern erzielen auck Ueberschüffe, während wir nach dem früheren Modus der Einschätzung das Budget sehr schwer aufbringen konnten. Ferner hatten wir bisher alljährlich eine überaus große Anzahl von Steuerrecursen, während wir jetzt nur einzelne wenige Recurse haben. Das moralisch wichtigste Moment unserer Steuerreform ist wohl jenes, daß die außerordentlich große Reibungsfläche zwischen der Umlagscommiffion, beziehungsweise dem Vorstände und den Steuerträgern sich ganz wesentlich vermindert hat und die Steuerlast gleichmäßig nach einer Norm aufgetheilt wird unter gebührender Berücksichtigung der schwächeren und schwächsten Elemente! Reichenberg. (GeneralversammlungdesTempelchorvereines.) Man könnte füglich darüber streiten, inwieweit die Hauptversammlung eines Gesangvereines Anspruch erheben kann, ausführlich berichtet zu werden! Handelte es sich nur um jene Vorgänge, die sich im Liedertafelleben eines derartigen Vereines abspielen, dann wäre es ganz müßig, den Leserkreis dieses Blattes mit solch internrn Angelegenheiten zu belästigen. Der Verlauf dieser am 22. Jänner stattgehabten Versammlung hat uns indeß belehrt, daß wir es da mir einer Körperschaft zu thun haben, die auch vom allgemeinen Standpunkte des Judenthums unser reges Interesse zu wecken vermag. Der Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Emil Peres leitete die Versammlung, die von 30 Mitgliedern besucht war. Der Archivar, sowie der Cassier erstatteten ihre ausführlichen Berichte; der Erstere, Herr Ernst Soyka, verwies auf die Nothwendigkeit, das etwa 550 Nummern umfassende Archiv einer fachmännischen Sichtung zu unterziehen; Herr Josef Fleischer stellte außer einem werthvollen Inventar einen Baarbestand von X1850 fest. Einen erschöpfenden Bericht über die Thätigkeit des Vereines trug der Schriftführer Herr Dr. Alfred Soudek vor. Es fanden im verflossenen Jahre 46 Ensembles-, 5 Orgel- und

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