Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 5 (30.1.1903)
- Date
- 1903-01-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 72 Dr. Bloch's Wmtzsnfchrrfl. Nr. 8 dem Grade besser als eine andere, in dem sie die Absonderung unmerkbarer und die Verschmelzung inniger macht. Allein hier gehen zwei Systeme auseinander: das eine will die Absonderung auf einmal, das andere sie allmählich aufheben. Rein logisch betrachtet, ist nur eine plötzliche Gleichstellung aller Rechte gerecht, politisch und consequent. Gerecht, da kein Rechtsgrund denkbar ist, warum der Jude, der alle Pflichten des Christen erMen will, nicht auch der Rechte theilhaftig sein soll? Politisch, denn um die bisher aus Vorurtheil Verachteten zur Achtung zu bringen, ist eine plötzliche Erklärung nöthig; der Staat soll nicht gerade die Juden zu achten lehren, aber die inhumane Denkungsart aufheben, die einen Menschen nicht nach seinen eigenthümlichen Eigenschaften, sondern nach seiner Abstammung und Religion beurtheilt und ihn, gegen allen wahren Begriff von Menschenwürde, nicht wie ein Individuum, sondern wie zu einer Race gehörig ansieht. Das kann der Staat durch die laute und deutliche Erklärung, daß er keinen Unterschied zwischen Juden und Christen mehr anerkenne. Endlich consequent, denn eine allmähliche Aufhebung bestätigt die Absonderung, die sie vernichten will, in allen nicht mit aufgehobenen Punkten und arbeitet sich dadurch selbst entgegen. Die allmähliche Aufhebung beruht auf der falschen gesetzgeberischen Theorie der Erziehung, die längst überwunden ist. Man geht bei allen diesen Erörterungen mit Unrecht von einem gewiffen Begriff des Nationalcharakters aus, sucht ihn zu verändern und nach dem Grade der Veränderung die Erweiterung der Rechte zu bestimmen. Aber wer je über Nationalcharaktere nachgedacht, weiß, daß es selbst bei philosophischem Sinn und feiner und schneller Beobachtungsgabe unmöglich sei, zu entschiedener Ueberzeuguug davon zu kommen, um danach Rechte zu ertheilen oder zu verweigern. Und wie will man die Fortschritte zum Beffern beurtheilen? Durch gesammelte einzelne Handlungen? „Wenn nach solchen Aeußerlichkeiten die allgemeine Achtung einer ganzen, nur unglücklichen Nation abgewogen, nach ihnen bestimmt werden soll, ob der unbescholtenste Jude nur ein ebenso giltiger Zeuge sein kann, als der erste beste Christ, so ist das. glaube ich, auch mit den schlichtesten Gefühlen von Menschenwürde unerträglich.^ Und wendet man ein, nicht Unterschiede der Cultur und Sitte, sondern im Punkte der Redlichkeit trennen sich die Juden von den Christen — reicht irgend eine Erfahrung hin, einer ganzen Nation ein solches Zeichen der Verwerfung anzuheften? Muß nicht Alles geschehen, um ein solches Vorurtheil auszurotten? Und wenn die Regierung in ihrer Gesetzgebung ein solches Anathema ausspricht — werden nicht gerade die besseren Juden auswandern und nur Abschaum Zurückbleiben?" Für Humboldt steht die Ueberzeuguug fest, daß keine Gesetzgebung über die Juden ihren Endzweck erreicht, als die, welche das Wort Jude in keiner anderen Beziehung mehr auszusprechen nöthigt, als in der religiösen, und schlankweg erklärt er: „Ich würde daher allein dafür stimmen, Juden und Christen vollkommen gleichzustellen. Wollten die ersteren nicht zugleich die Pflichten, die alle Bürger tragen, übernehmen, so würde ich, wenn man alle Mittel, sie dazu zu bewegen, erschöpft hätte, sie lieber aus dem Lande verbannen. Denn Menschen im Staatzu dulden, die sich gefallen lassen, daß man ihnen, auch bei höherer Cultur, die sonst gemeinsten Bürgerrechte zu versagen wagt, ist für die Moralität der ganzen Nation im höchsten Grade bedenklich/ (Schluß folgt.) Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cuttusgemeiude in Wien vom 25. Jänner 1903 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung halb 11 Uhr Vormittags. Im Einlaufe werden bekanntgegeben: An Spenden: Von einem ungenannt sein wollenden Cultusvorsteher zur Bertheilung von Kohle an Arme in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen Kr. 2000.— und für das israelitische Blindeninstiwt auf der Hohen Warte Kr. 1000.—; von Herrn Max Ritter v. Gutmann für Stipendien an die Schüler des Bibel- und Talmudcurses am Wiener Bet ha«Midrasch Kr. 400.—; von Herrn Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann für die Mikwah Kr. 200.—; von Familie Engel de JLnosi zur Bertheilung an Arme Kr. 500.—; von G. K. als Beitrag zum Haushalte der Cuttusgemeiude für wohlthätige Zwecke Kr. 20.—; zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau: Sammelspenden durch Herrn Dr. Alfred Berger Kr. 128.—, und zwar: von Frau F. B. Kr. 6.—, von Frau Pauline Mandeles, Kr. 10.—, von Frau Julie Kalmus Kr. 6.—, von der Tischgesellschaft Braun Kr. 6.—, Sammlung A. K. Kr. 100.—; ferner von Herrn H. Lemberger Kr. 20.—, vom Israelitischen Frauenverein in Jägerndorf Kr. 10.—, von Herrn Dr. M. Heller, Graz, Kr. 10.—, von Frau Jda Drucker Kr. 6.—, von Anonymus (Max und Paul) Kr. 3.—, von Frau Louise Schlesinger in Ratibor Mk. 5.—. In einem an den Präsidenten der Cultusgemeinde gerichteten Schreiben theilt Herr Vertreter kaiserl. Rath Hirsch mit, daß er aus Anlaß der Genesung seines Sohnes Fritz von schwerer Krankheit den Betrag von Kr. 10.000.— in 4 percentigen Prioritäten der Böhmischen Westbahn mit Coupon vom I. Juli 1903 zu dem Zwecke gewidmet habe, daß die Erträgniffe dieses Fondes, welcher für immerwährende Zeiten den Namen Moritz und Regine Hirsch-Stiftung zu führen haben wird, dem Siechenhaus-Erhaltungsfonde zugeführt werden. Der Inhalt der Zuschrift wird mit dem Ausdrucke des wärmstens Dankes zur Kenntniß genommen. Im Präsidialberichte erwähnt der Vorsitzende, daß in letzter Zeit direct und indirect mehrere Candidaten für die zu besetzenden Rabbinerstellen ihm namhaft gemacht wurden, daß jedoch das Vertreter-Collegium beschlossen habe, da die Absolvirung der Probepredigten jener Herren, welche hierzu vom Vorstande seinerzeit berufen wurden, noch circa sechs bis acht Wochen dauern werde, von weiteren Einladungen derzeit Umgang zu nehmen. Der Präsident gibt hierauf bekannt, daß er den ihm namens der Erben nach Frau Fanni Apfel zur Bertheilung an Wiener israelitische Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine nach seinem Ermessen zur Verfügung gestellten Betrag von K. 2000 tu folgender Weise zur Bertheilung gebracht habe: K 300 an die israelitische Armenanstalt, je L 200 an den Wiener Bet ha- Midrasch-Verein, für die Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau, an den israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits-Verein im I. Bezirke, an die Chewra-Kadifcha im I. Bezirke, an den israelitischen Waisen-Verein in Wien; je K 100 an die „Israelitische Allianz" in Wien, an den Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender, an den Wiener Volksschul-Verein „Talmud-Thora", an den Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender, an den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen, an das israelitische Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte, an den kaufmännischen Unterstützungsverein „Osten". Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Berufung von 120 Vertrauensmännern. Der Präsident bemerkt, daß das Vertreter-Collegium sich mehrfach mit dieser Angelegenheit beschäftigt und den seitens einiger Mitglieder des Vorstandes ausgesprochenen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung getragen habe. Die Vorschläge des Vertreter-Collegiums gelangen sodann mit wenigen Abänderungen zur Annahme. Demgemäß erscheinen als Vertrauensmänner vom Vorstände berufen die Herren: Aus der Gruppe der Höherbesteuerten ohne Rücksicht auf deren Domicil: Julius Bellak, Oskar Bondy, Max Duschnitz, Jacques Feitler, Gustav Frankl, Arnold Fröhlich, Generaldirektor Hermann Gentilli, Benno Goldschmidt, Julius Granichstädten, S. Heit, Dr. Paul Hellmann, Josef Hermann, Max Hiller, Albert Janowitzer, Moriz Karpeles, Rudolf Kohn, Friedrich Khuner, Director Wilhelm Kux, Richard Lieben, Julius Mautner, Moriz Medak, Heinrich Meudl, Josef Möller, Friedrich Pollak, kaiserl. Rath Hermann Robitsek, Adolf Rosenbaum. Ludwig Rosenzweig, Alfred Rothberger, Albert Saborsky, Wilhelm Sachsel, Moriz Schur, Ignaz Sonnenfeld, Dr. Josef Stern, Koloman Taster, Ernst Wolf, David Wurmfeld. Aus den einzelnen Bezirken, und zwar: I. Bezirk: Emanuel Emil Beer, Dr. Julius Bermann, Hermann Elias, Dr. Edmund Kohn, Dr. Leopold Kohn, Doctor Albert Kuh. Jacob Moor, Gustav Perger, Hugo Schwarz, Ignaz Simon, Dr. Sig. Wahrmann, k. k. Commercialrath Eduard Wiener, Adalbert Winterberg, Docent Dr. Julius Zappert, k. k. Commercialrath Leopold Simon. II. und XX. Bezirk: Carl D. Boskowitz, Simon Breitner, Sigmund Dub, kaiserl. Rath Dr. S. Kohn, Doctor' Hermann Löwy, Dr. Sandor Loschitzer, Jakob Mensch, Jakob