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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-30 · 5 (30.1.1903) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
5 (30.1.1903)
Date
1903-01-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 68 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr S Prinz die politischen Weisheiten des Pfaidlers mit schweigender Verachtung überhörte. Herr Gregorig wollte aber seine Rache vollständig genießen und verbreitete mit thunlichster Beschleunigung die Ansprache und die Antwort, die er sich am Balle der Stadt Wien geleistet hatte. Die Rache war Herrn für Dr. Lueger wohl sehr bitter. Denn Gcegorig hat gethan, was sein Meister genau an der selben Stelle und bei dem gleichen Anlässe verübt hat. Man erinnert sich wohl noch der niemals gesprochenen Kaiserworte, die da nach christlich-socialer Version lauteten: „Wie geht es Ihnen, mein lieber Dr. Lueger?" Auch diese Frage ist, wie Gras Hans W i l c z e k über besonderen Auftrag erklärte, ebensowenig gestellt werden, wie Herr Gregorig auf seine Tactlosigkeit noch einer Antwort gewürdigt wurde. Mit Kaiser- und Fürstenworten haben die Antisemiten aller Länder recht viel Unglück. Sie hören nicht, wenn von einem Fürsten gesagt wird, daß der Antisemitismus die Schmach des Jahrhunderts ist, aber sie vernehmen Fragen und Antworten, die nie gesprochen wurden. „Ja, das ist richtig!" 18 e g r i m. Die jüdischen Frauen von Einst und Jetzt. Die jüdischen Frauen im Mittelalter — erzählt uns Güdemann in seinem „Unterrichtswesen der abendländischen Juden ic. — waren nicht gelehrt, da gemäß dem talmudischen Ausspruche, daß durch Bildung die Frauen auf Abwege gerathen, auf ihre geistige Erziehung keine Sorgfalt verwendet wurde. Dafür aber interesstrten sie sich für die Verbreitung der Cultur und Wissenschaft innerhalb des Judenthums, und trugen auch zu derselben bei, und zwar dadurch, daß sie ihren Gatten und Kindern Zeit und Muße zum wissenschaftlichen Studium ließen, indem sie alle häuslichen Sorgen auf sich nahmen und manchmal auch ihnen Bücher verschafften, und daß sie den armen Jüngern, die auf der Hochschule weilten, allerhand Unterstützungen gewährten, um sie bei ihrem Studium nicht verkümmern zu lassen. Aber nicht nur zur Verbreitung der jüdischen Wissenschast, auch zur Kräftigung und Stärkung der Religion trugen sie bei. indem sie ihre Kinder streng religiös erzogen und so ihnen Liebe zu Gott und zur jüdischen Tradition einflößten. Die jüdischen Frauen aber der Jetztzeit ahmen nicht nur ihren Vorfahren nicht nach, sondern sie thun noch das Entgegengesetzte: sie erziehen ihre Kinder ganz ohne jüdisches Wissen und Religion und träufeln so das Gift der Apostasie in ihre jugendlichen Herzen, weshalb das Renegatenthum bei den Juden 'seit der letzten Zeit so im steten Wachsen begriffen ist. Allerdings thuen sie dies im guten Glauben, ihren Kindern, die sie gerne im Glück sehen möchten, dadurch zur Emporklimmung der höchsten socialen Stufen zu verhelfen. Sic täuschen sich aber gewaltig. Denn die wahrhaft gebildeten, von humanen Principien durchdrungenen Christen bringen dem Juden Achtung und Liebe entgegen, mag er die religiösen Satzungen aufs Genaueste befolgen und ein strenggläubiger Jude sein, da sie ihm nach seinen moralischen Qualificationen, nicht aber nach seiner Confession und Race beurtheilen; die zu den albernen Theorien des Antisemitismus sich bekennenden hingegen hegen gegen den Juden grundsätzlich eine Antipathie und wollen mit ihm so weit als möglich nicht in Berührung kommen, mochte er sich auch alle erdenkliche Mühe gegeben haben. Alles das, was den Juden verrathen könnte, abzustreifen, und eS wäre daher für uns vielmehr vom Bortheile, gegen Letztere mit den (unseren) weisen, erhabenen Lehren unserer Religio» und Wissenschaft sich zu wappnen, um mittelst aus ihrer Rumpelkammer hervorgeholten Argumentationen ihre gegen uns geschleuderten, falschen Vorwürfe zu entkräften und in den Wind zu schlagen. — Wenn unsere Frauen schon dies begreifen möchten! K o z l o w, Galizien. Monitor. Aus dem Tagebuche Ferdinand Lasalle's. Paul Lindau publicirt Ferdinands Lasalle's Tagebuch aus seinen frühesten Jugendjahren. Einzelne Stellen desselben dürften auch für unsere Leser von Interesse sein. Wir citiren eine Bemerkung vom 2. Februar: „Heute soll Barschall begraben werden. Um achteinhalb ging ich mit Mutter hin zu der unglücklichen Witwe. Sie saß still weinend auf dem Sopha. Sehr rührte mich der Anblick Wilhelms, der, die Größe seines Verlustes halb ahnend, sich das Kadisch lernte. Wir gingen in die andere Stube. Hier war die Leiche des so früh gestorbenen Mannes. Die Condolirenden sprachen in einzelnen Gruppen von diesem traurigen Todesfall. Da führte der Lehrer Wilhelm an die Seite seines Vaters. „Hier siehst du", sagte er leise zu dem weinenden Knaben, „deinen Vater. Du siehst ihn hier nicht wieder. Versprich mir an dieser Stelle, deiner Mutter, die nun auch dein Vater ist, immer ein guter Sohn zu sein und in Allem Folge zu leisten." Und der kleine Wilhelm schlug treuherzig in die ihm dargereichte Hand. Mir gingen die Augen über. Ich wendete mich ab." „Unterwegs unterhielt ich mich mit Bloch. Er wollte sich ein Air geben und nannte sich einen Atheisten. Als er aber sah, daß ich ganz anderer Meinung war, so sattelte er auch um. Wir sprachen viel von Seelenwanderung, von Geiger und dem Judenthum, und er wunderte sich, daß ich mich so des jüdischen Glaubens annehme. Der Esel! Als wenn man nicht treise essen und doch ein guter Jude sein könnte. Ich sagte ihm dies, und in der That, ich glaube, ich bin einer der besten Juden, die es gibt, ohne auf das Ceremonialgesetz zu achten. Ich könnte wie jener Jude in Bulwer's „Leila" mein Leben wagen, die Juden aus ihrer jetzigen drückenden Lage zu reißen. Ich würde selbst das Schaffst nicht scheuen, könnte ich sie wieder zu einem geachteten Volke machen. O, wenn ich meinen kindischen Träumen nachhänge, so ist es immer meine Lieblingsidee, an der Spitze der Juden, mit den Waffen in der Hand, sie selbstständig zu machen." Einen mehr komischen Eindruck machen die Tagebuchnotizen vom 19. und 20. März. Da heißt es: „Heute ist Purim. Ich habe mir schon längst einmal vorgenommen, zu schwänzen, und that es heut." „Abends tde äansant bei uns und Souper für Dorchen Friedländer und Bräutigam. Ich amüsirte mich heut gar nicht und glaube, daß nur die Masken daran, schuld waren. Es kamen hundertundfunfzkg auf einmal. Quel trouble! Alle, die zu uns kamen, amüsirten sich herrlich, nur ich nicht." Die Stellung der israelitischen Bewohner Ungarns im Mittelatter. Im „Bud. Hirl." vom 10. d. M. wird darüber Folgendes mitgetheilt: Während die Juden bekanntlich im Mittelalter in ganz Europa namenlosen Verfolgungen ausgesetzt waren, genossen sie unter der Regierung des Königs Mathias Corvinus den Gerechten eine beispiellose Ausnahmsstellung, wie in den damaligen Chroniken nachzulesen ist. Ein Präfect wurde für sie bestellt, dessen Aufgabe es war, das Gesammtinteresse der ungarischen Judenheit vor der Krone zu vertreten. Es war im Jahre 1477, er hatte seinen Sitz in Ofen, stand mit den Hoskreisen in enger Berührung und hatte eine wichtige Stimme im Kronrathe, konnte stets unmittelbar beim König vorsprechen, hielt ein glänzendes Gefolge, ertheilte Vorschläge und erhielt Decrete, nahm an jeder Feierlichkeit am Hofe, seinem hochgehaltenen Ansehen entsprechend, theil; in jüdischen Landesangelegenheiten hatte er Sitz und Stimme; übte das Recht, Steuer von seinen Glaubensgenossen einzuheben. Auch über ein Gefängniß verfügte er, in welches er Renitente in's Kühle zu setzen befugt war und Geldstrafen nach Gutdünken verhängen konnte. Die Gesammtsteuer der Juden in der Höhe von 20 Mille hob er ein und führte sie an den Staatsschatz ab. Unser Ich glaube, daß in keinem Lande der Welt das Vereinswesen eine solche Rolle im öffentlichen Leben spielt, wie in Deutschland. Der Deutsche ist der „geborene" Vereinsmensch; ohne die Zugehörigkeit zu irgend einem Verein hat das Leben für ihn keinen Werth. Er besitzt auch große Fähigkeit nach dieser Richtung; der ungebildetste Deutsche kann einen Verein besser leiten als ich, weiß besser, sich zum Worte zu melden, „zur Geschäftsordnung" zu sprechen oder zur „persönlichen Bemerkung" oder zur „thatsächlichen Berichtigung". So oft ich Gefahr laufe, mich zu überheben

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