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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-23 · 4 (23.1.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 59 hartnäckiges Leiden gefesselt hält. Es gratulirten persönlich: Civiladlatus Baron Kuts ch e ra, GM. Cvjetivanin, Hofrath Hörmann, Generalcommissär v. Budisavljevie, Regierungsrath R. v. Zarzycki, Rabbiner Dr. Wessel, die Gerichtsärzte P r o t i 6 und Hulles, Oberdirector von Lecher, Bankdirector Berkoviö, zahlreiche Gemeinderäthe, Magistratssecretär Nechansky. Der kranke Bicebürgermeister Petro via ließ durch seine beiden Söhne gratuliren. Ferner lief eine große Zahl brieflicher und telegraphischer Glückwünsche ein, worunter eine Depesche vom Herrenhausmitgliede Doctor M i l l a n i ch in Wien. Am Abend erschien eine Abordnung der spaniolischen Gemeinde, in deren Namen Secretär Benzion Pinto den Jubilar begrüßte. Der spaniolische Gesangverein „La Lyra“ brachte eine Serenade, nach deren Verlauf Bereinsobmann F i n z i die Glückwünsche der Sänger verdolmetschte. Am Krankenbette des Jubilars war dessen gesammte zahlreiche Verwandtschaft versammelt. Dr. Marcus Herz. Berlin, 19. Jänner 1908. Der Name Herz ist mit goldenen Lettern in die Ehrentafel der deutschen Wissenschaft eingetragen. Wir erinnern hier nur an einige, im letzten Decennium verstorbene, um die Wissenschaft hochverdiente Träger dieses Namens: den bahnbrechenden, leider so früh verstorbenen Physiker Heinrich Hertz, den geistvollen elastischen Philologen Martin Hertz, den Literar-Hifloriker und Dichter Wilhelm Herz und den gleichnamigen Verleger und Förderer so manchen Talentes, das sich in der modernen Literatur Geltung verschafft hat. Die Größe des Namens Herz repräsentiren besonders zwei Persönlichkeiten: Jacob Herz, der bedeutende Anatom und Chirurg, der seltene Arzt und Menschenfreund, dem unmittelbar nach seinem frühzeitigen Hinscheiden (1871) an der Stätte seines Wirkens in Erlangen ein Denkmal gesetzt wurde, und« der Mann, dessen hundertster Todestag auf den 19. Jänner fiel, der Arzt und Philosoph Marcus Herz, der Gatte der bekannten Henriette Herz. Von blutarmen jüdischen Eltern geboren, sollte Marcus Herz eigentlich in seiner Vaterstadt Berlin sich zum Theologen ausbilden. Er ging aber im Jahre 1762 als achtzehnjähriger Jüngling nach Königsberg und widmete sich nach kurzer Thätigkeit im kaufmännischen Leben gleichzeitig dem Studium der Medicin und Philosophie mit rastlosem Fleiß, noch dazu durch seine Mittellosigkeit genöthigt, mühselig mit Privatstunden sein Dasein zu fristen. Allein alle Hindernisse hatten nur die Wirkung, seine Willenskraft zu stählen. Mochte auch sein von Entbehrungen geschwächter Körper zeitweise unterliegen, schließlich ging er doch im Kampf um seine Ideale als Sieger hervor. Kant wurde auf ihn aufmerksam, der Stern von Königsberg, der damals noch nicht in vollem Glanze erstrahlte, gleichwohl aber schon eine bedeutende Anzahl weisheitsbeflissener Jünger um sich schaarte. Auch der geniale, aber leichtsinnig veranlagte Salomon Maimon, der geistvollste Interpret seiner Schriften, saß hier zu seinen Füßen. Maimon und Herz, der Talmudjünger aus Wilna und der Commis aus Berlin, gehörten zu den ersten, die die bahnbrechende Lehre des ostpreußischen Weltweisen verbreiteten und popularisirten. Andererseits hatte Kant, wie bereits angedeutet, auch einen scharfen Blick für die Begabung seiner Schüler. So empfahl er den nach seiner Heimat zurückgekehrten Marcus Herz mehreren angesehenen Männern von wissenschaftlicher Bedeutung. Ehe der Jüngling aber seine Studien fortsetzen konnte, machte er erst eine Reise nach Polen als Privatsecretär des Geheimrathes Ephraim. Nach Erledigung derselben besuchte er die Universität Halle, vollendete daselbst seine Medicinischen Studien, wurde zum Doctor promovirt und ließ sich in Berlin als praktischer Arzt nieder. Hier fand er auch bald eine Stelle als Arzt am jüdischen Krankenhaus. Im Jahre 1777 fing er an, sowohl über medicinische als auch über philosophische Fragen öffentliche Vorlesungen zu halten, und zwar — eine für die damalige Zeit ganz ungeheuerliche Neuerung — für Personen beiderlei Geschlechts. Zu seinen Zuhörern gehörten die Honoratioren der damaligen Berliner Gesellschaft, u. A. der spätere König Friedrich Wilhelm M. Infolge seiner übermäßigen geistigen Anstrengungen verfiel er in eine Krankheit, die ihn im Jahre 1785 dem Tode nahe brachte. Eine Badereise nach Pyrmont, die, nebenbei bemerkt, dem bescheidenen und selbstlosen Manne den Titel eines fürstlichen Hof- und Leibarztes eintrug, führte zur Wiederherstellung seiner Gesundheit und Wiederaufnahme seiner Praxis. Daneben aber lag er seinen wissenschaftlichen Studien mit Feuereifer ob. Als ihre schönste Frucht verzeichnen wir nur einige Schriften, die auch bei dem heutigen Stande der medicinischen Wissenschaft nicht ganz bedeutungslos find: „Ueber den Schwindel", „Ueber Ursachen und Verschiedenheit des Geschmacks", „Briefe an Aerzte", Grundriß der medicinischen Wissenschaften", „Grundlagen zu Vorlesungen über die Experimentalphysik". Sein unablässiger Eifer für die geistige und sittliche Hebung seiner Glaubensgenossen veranlaßte ihn, jede Mußestunde, die er sich irgend abringen konnte, dieser Aufgabe zu widmen. Hierher gehörte auch seine einschlägige Schrift „über die frühe Leichenbestattung bei den Juden", eine Unsitte, die damals noch allgemein verbreitet war. Für seine ethischen Zwecke verschmähte er auch die Waffen des Sarkasmus und der Satyre nicht, die ihm in außerordentlicher Weise zur Verfügung standen. Nie aber war es ihm blos darum zu thun, Heiterkeit zu erwecken. Sein ätzender Spott verfolgte stets, so oft er ihn anwandte — man lese nur sein Schriftchen: „Unterhaltung zweier Jüdinnen über den Juden Pincus" — ein ethisches Ziel. In seinen letzten Lebensjahren, durch den Titel eines Professors der Philosophie ausgezeichnet, wirkte Marcus Herz, in den weitesten Kreisen geschätzt und geachtet, als geistessprühender und scharfsinniger Forscher wie als stets hilfsbereiter und humaner Arzt bis zu seinem durch einen Schlagfluß herbeigeführten Tode am 19. Jänner 1803. Sein Heimgang wurde tief betrauert von den Armen, deren Retter und Helfer er in unzähligen Fällen nicht blos körperlicher, sondern auch materieller Noth mit seiner seltenen, vielfach bis zur Selbstaufopferung gesteigerten Nächstenliebe gewesen war. Hirschberg. In dieser Zeit der Intoleranz wird die folgende Zuschrift eines evangelischen Pastors an den „Boten aus dem Riesengebirge" die Leser dieses Blattes sicher wohlthuend berühren. Sie lautet folgendermaßen: „Am 18. Februar nächsten Jahres wird Herr Pastor Dr. lic. Schian aus Görlitz im großen Saale des „Kronprinzen" einen Vortrag halten über Nietzsche's Philosophie und Religion. Die Veranstalter des Vortragsabends find die Herren Rabbiner Dr. Biram, Stadtpfarrer Forche und Pastor Gebhardt. Warum diese drei Herren einen Vortragsabend über Nietzsche gemeinsam veranstalten, erklärt sich daraus, daß sie sich als Bundesgenossen fühlen gegenüber einer Anschauung, der zufolge sowohl der Gottesglaube als auch die christliche Sittlichkeit bezw. edle Menschlichkeit als abgethan gelten soll. Immerhin, daß der jüdische Rabbiner, der katholische Pfarrer und der evangelische Pastor gemeinsam zu einem Vortrage einladen, läßt noch etwas anderes erkennen: die echte Toleranz, welche trotz des sachlichen Kampfes um die persönliche Herzenswahrheit die Achtung vor der Person behauptet, bei allem Trennenden das Gemeinsame betont und über die Schranken des Eigenglaubens hinweg die Herzen miteinander verbindet zu gemeinsamen Wirken." Bravo! Moskau. (Isaak Asknazy.) Durch den Tod des jüdischen Malers Isaak Asknazy hat die russische Kunst einen großen Verlust erlitten. Er ist nach kurzer Krankheit hier gestorben und und hier auch zu Grabe getragen worden. Isaak Lwowitsch Asknazy ist am 29. Jänner 1856 in Driffa geboren worden und hat bis zu seinem 14. Jahr den üblichen Unterricht in Bibel und Talmud genossen. Dann wurde er als externer Student zur hiesigen Kunstakademie zugelaffen. Die Lehrer erkannten bald die außerordentliche Begabung Asknazy's und belohnten nicht?nur 1878 und 1879 seine Skizzen und Studien mit der goldenen Medaille, sondern sorgten auch dafür, daß ihr talentvoller Schüler 1880 auf Kosten der Regierung zur Vollendung seiner Ausbildung ins Ausland geschickt wurde. Schon in demselben Jahr entwarf Asknazy in Wien die Skizzen zu seinen Gemälden „Johannes der Täufer im Gefängniß den Henker erwartend", „Der Henker mit dem Haupt Johannes' des Täufers" und „Der Tod Jehuda Halevy's". In Rom führte der Künstler einen Tbeil dieser Entwürfe aus; das Bild „Der Henker" wurde von der Moskauer Kunstakademie angekauft. Das ebenfalls in Rom qemalte Bild „Moses in der Wüste" befindet sich in der hiesigen Tretyakoff-Gemäldegalerie. Für die im Jahre 1885 unserer Kunstakademie eingereichten Gemälde „Ein Schachzug", „Die Kälte", „Italienischer Mädchenkopf", „Strickende Frau" wurde Asknazy zum Mitglied der Akademie ernannt. Mit Vorliebe wählte er für seine Bilder Stoffe aus dem jüdischen Leben und der jüdischen Geschichte. Am meisten bekannt find die Bilder „Traurige Nachrichten", „Sabbathanfang", „Moses' Eltern", „Der Bräutigam, der vor seinen und seiner Braut Eltern vom Rabbiner

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