Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 4 (23.1.1903)
- Date
- 1903-01-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 6tttc 57 Dr. Bloch's WochenfthrM gebahrung ergeben habe. Bei diesem Anlasse wird auch der Ausweis über den Cafsenumsatz im Jahre 1902 bekanntgegeben; derselbe betrug bei 38.194 Parteien K 3,594.286.—. In Angelegenheit der Probepredigten bemerkt der Präsident im Hinweise auf den seinerzeitigen Plenarbeschluß, wonach die Durchführung dieser Angelegenheit dem Vertreter'Collegium übertragen ist, daß dasselbe nunmehr beschlossen hat, nachdem bereits eine größere Anzahl von solchen Predigten stattgefunden, Samstag, den 24. d. M. 4 Uhr Nachmittags eine Besprechung der Vertrauensmänner im Sitzungssaale der Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, abzuhalten, wozu auch die Mitglieder des Cultusvorstandes Einladungen erhalten werden. Weiters theilt der Vorsitzende mit, daß Rabbiner Dr. Taglicht, welcher sich auf der Liste der zu Probe-Predigten einzuberufenden Herren befindet, bei ihm erschienen sei und erklärt habe, auf die Abhaltung einer Probepredigt zu verzichten. Der Bericht des Spitalfunctionärs Herrn Leo Smolensky, über seine Thätigkeit, wonach er in den abgelaufenen fünf Jahren 6600 Kranke besucht, denselben Trost zugesprochen, ihre Wünsche entgegengenommen und mit ihnen Gebete verrichtet hat, wird mit Befriedigung zur Kenntniß genommen. Ober-Ingenieur Edlervon Mises referirt über die Fertigstellung der Einrichtung des 3. Stockwerkes des Siechenhauses und beantragt namens des Vertreter-Collegiums angesichts der überaus zahlreichen seit Langem erliegenden Aufnahmsgesuche am 1. Februar d. I. mit der Belegung des 3. Stockwerkes vorzugehen. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Berger, kais. Rath Hirsch, Bice-Präsident Dr. Stern, Ober- Finanzrath Dr. Rappaport, Salo Cohn, Theodor Ritter von Taussig betheiligen, wird der Vertreter-Antrag zum Beschlüsse erhoben. Herr Theodor Ritter von Taussig referirt namens des Vertreter-Collegiums über das Subventionsgesuch des »Hilfsvereines für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien". Referent schildert in längerer Ausführung das ersprießliche Wirken dieses Vereines. Hiebei wird besonders betont, daß von der jüdischen Bevölkerung Galiziens mit über 800.000 Seelen ungefähr 600.000 tatsächlich erwerblos sind und es sich hieraus erkläre, daß die Wohlthätigkeitsanstalten in der Wiener israelitischen Gemeinde zum weitaus überwiegenden Maße von den aus Galizien kommenden armen Juden in Anspruch genommen werden müssen. Die Action des galizischen Hilfsvereines erscheine daher nach vielfachen Beziehungen als eine überaus ersprießliche und der Förderung im höchsten Maße würdige. Referent beantragt namens des Vertreter-Collegiums, für das Jahr 1903 eine Subvention von L 3000'— zu bewilligen. Der Referentenantrag, für welchen auch Herr Cultusvorsteher Teltscher in warmen Worten eintritt, wird hierauf einstimmig angenommen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um s/<2 Uhr Nachmittags geschlossen. Wien. (DasFestdesLeoPoldstädterFraueu- Wohlthätigkeitsvereines.) Es gab in Wien bisher zwei Carnevalsfeste, die jährlich wiederkehren und jedesmal durch die originelle Idee ihrer Devise in allen Kreisen der Bevölkerung viel Ueberraschung erweckten: Der Narrenabend des Wiener Männergesang-Bereines und die Redoute der Fürstin Metternich. Diese beiden originellen Abende sollten im heurigen Fasching nicht mehr vereinzelt bleiben. Der verwöhnteste Geschmack mußte gestehen, daß das vom Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereine Samstag den 17. d. M. in den Sophien-Sälen arrangirte Costümfest »Tanz in Bildern" den höchsten Anforderungen einer modernen Tanzunterhaltung in einer Weise entsprach, die für derartige Veranstaltungen geradezu mustergiltig werden dürfte. Nach einer Idee der Präsidentin Frau kais. Rath Doctor Kohn wurden Gemälde berühmter Meister als lebende Bilder von Counts-Mitgliedern dargestellt, die dann, gleichsam aus ihrem Rahmen hervortretend, in Tanz und Musik die starren Formen belebten. Der Sophiensaal, von einem eleganten Publicum bis auf's letzte Plätzchen besetzt, bot selbst ein farbenprächtiges Bild. Die Mehrzahl der jungen Damen war in einem der Devise des Abends entsprechenden Costüm erschienen. Im Fond des Saales war die Bühne aufgestellt, vor welcher Harlekm (Herr Lieb) und Colombine (Frl. von Hartung) nach einem scenischen Vorspiel die einzelnen Bilder mit heiteren Glossen einleiteten. Die Bilder selbst müssen als ein Meisterwerk ihrer Regisseure, der Herren Professor Leo Friedrich pnd Balletmeister Julius Singer, bezeichnet werden. Die Darsteller boten ohne Ausnahme echte, künstlerische Leistungen; keine Bewegung konnte darauf schließen lassen, daß die Künstler Dilettanten waren. Wir beschränken uns darauf, die Bilder in ihrer Reihenfolge mit ihren Hauptdarstellern wiederzugeben. Erstes Bild: »So lang das Herz noch jung ist" von M. Goodman«, (Frl. Steffi Heimann, Frl. Alice Preis, die Kinder Hilda und Marianne Winternitz). Zweites Bild: »Mozart und Aloyfia Weber" von Carl Röhling. (Mozart—Herr Georg Singer; Aloyfia Weber—Frl. Ratisbonne). Drittes Bild: »Tanzstunde unserer Großmütter" von T. E. Rosenthal (Tanzmeister—Herr Julius Singer; Schülerinnen: Die Fräuleins Caroline Altfchul, Helene Glaser, Therese Glaser, Steffi Heimann, Grete Käufler, Dora Nathansohn. Alice Preis, Camilla Steiner, Stella Tauber, Frieda Tonello. Grete Tonello, Mitzi Winternitz). Viertes Bild: »Tarantella" von Binea (Frl. Else Rosenfeld, Mitzi Breitenfeld, Langbang-Meissels; die Herren Oscar Tonello, Karl Breitenfeld, I. Canetti; in diesem Bilde brachte die Violin-Virtuosin Frl. Mizzi Schlefinger das bekannte Biolin-Solo „Tarantel!" von Bieuxtemps, am Clavier vom Componisten Leo Ascher begleitet, in vollendeter Weise zum Borträge. Fünftes Bild: »Ankunft auf dem Tanzboden" von F. Defregger. Dargestellt von der Schuhplatter-Truppe. Das s e ch st e B i l d: »Ball am Bord", brachte eine Reihe äußerst graziös a ns geführter Tänze, von denen besonders der russische Tanz (Hcl. Zerline Back, die Herren Rudolf Glaser, Rudolf Heimann, Jaques Heller,Fritz Salzer), Schiffmann-Reigen und Lawn Tennis- Phantasie Erwähnung verdienen. Sämmtliche Bilder wurden mit stürmischen Beifall ausgenommen. Nach halbstündiger Pause begann der Tanz. Blumenzelte, Champagnerzelte, ein Glückshafen, von der Firma »Au Mikado" in uneigennütziger Weise hergestellt, ein schnellphotographisches Atelier, in welchem die bekannte Pianistin Frau Clotilde Herzl-Rothmüller ausgezeichnete Bilder aufnahm, vervollständigten das gelungene Programm dieses Abends. Außer dem Executivcomits, an dessen Spitze Frau k.nserl. Rath Dr. S. Kohn und Herr Dr. I. Winternitz, sowie der Gesammtvorstand des Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereines stehen, haben sich um das Gelingen des schönen Festes besondere Verdienste erworben: Herr Dr. N. Kanitz, Herr Apotheker Benno Rothziegel, sowie die Obmänner des Jungherrencimitss, die Herren: S. Wurzel, Julius Ripper, M. Neumann, Richard Sternbach, Octave Sternberg. Voraussichtlich wird das Reinerträgniß dieses seltenen schönen Festes für die humanitären Zwecke dieses Vereines ein befriedigendes sein. Die Agrikultur und das alte Judenthum. Das »Deutsche Volksblatt" hat herausgefunden, daß die Juden die geschworenen Feinde der Landwirthschaft find, weil sie jede seßhafte Culturarbeit hassen. Durch einen Zufall kommt uns die »Prager Geschäfts-Zeitung für Industrie und Landwirthschaft", Nummer 2224 vom 8. März 1884 zur Hand. Dieselbe enthält einen mit rauschendem Beifall aufgenommenen Bortrag des berühmten verstorbenen Univerfitätsprofeffors Doctor Kämpf über Agricultur und Judenthum. Die Zeitschrift zollt dem Redner für seine geistreichen und gelehrten Ausführungen außerordentlichen Beifall. Aus den Ausführungen möge hier ein kurzer Auszug folgen: Bekanntlich haben die Juden fich ursprünglich mehr dem Ackerbau gewidmet und erst später, durch die Bekanntschaft der Phönizier, zum Handel geneigter gezeigt. Die Phönizier, ein semitisches Volk, das eine von dem Hebräischen nur wenig verschiedene Sprache redete, wohnten in den ältesten Zeiten am persischen Meerbusen, von wo fie sehr zeitig in die Küstenstrecke des heutigen Syriens, damals im Südwesten des alten eigentlichen Syriens und im Norden Palästinas einwanderten. Sie wendeten fich, durch die Lage und die wenig geeignete Natur ihres Landes aufgefordert, der Schifffahrt, dem Handel und Gewerbe zu und entwickelten eine solche Thätigkeit in so hohem Grade, daß ihre welthistorische Bedeutung darin liegt, daß fie das älteste Handels- und Fabriksvolk der Erde find. Phönizien bildete nie einen Staat, sondern ein Aggregat von StÄ>ten, die unabhängig für fich bestanden. Wie vorausgeschickt, können wir, des beschränkten Raumes halber, nur eine sehr skizzenhafte Uebersicht dieses geistreichen Bortrages geben, der ein sorgfältiges Studium historischer Quellen voraussetzen ließ. Herr Professor Kämpf führte in überzeugender Weise durch archäologische und linguistische Forschungen den Nachweis, daß die Agricultur im