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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-16 · 3 (16.1.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch's WvrhrnMcifk. Sette 39 innen im kopflosen Freudentaumel dahin. Die französische Revolution fand ein Echo im Volksherzen, ein jüdischer Arzt Salom, der liberale Ideen öffentlich kundgab, wurde in den Kerker geworfen. Doch der Stein, der ins Rollen gekommen, fand keinen Halt mehr. Die Franzosen hielten am 29. April 1797 in Padua ihren Einzug, vertrieben die alte Magistratur und Salom wurde aus dem Gefängniß befreit und sogar als erster Gemeinderath gewählt. Am 28. August desselben Jahres wurde das Ghetto aufgehoben, um nimmer wieder zu erstehen. Was Jahrhunderte lang gegen die Juden verbrochen worden, das war plötzlich zunichte gemacht, als ob es nie gewesen wäre. Correspondenzen. Aus der öffentlichen Sitzung des Wiener Cultusvorstandes vom 6. Jänner 1903 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. An Spenden sind eingelaufen: * Von Herrn I. Feitler, aus Anlaß eines Familienfestes, zur Errichtung einer Jacques und Fanny (geb. Hellmann) Feitler'schen Widmung zur Unterstützung armer kranker Personen.K 3000-— außerdem für die Israel. Armen-Anstalt K 200 — „ den Israel. Waisenverein . „ 200 — „ „ Israel. Frauen-Wohlthätigkeitsverein . . . . „ 200 — für die Israel. Kinderbewahranstalt . . . „ 100*— für die Israel. Spitals-Aushilfscassa.. ,, 50*— für den Israel. Handwerkerverein ... „ 50'- „ 800 — „ Herrn Präsidenten kais. Rath Heinrich Klinger. die Präsenzgebühr aus der Pollak von Rudin'schen Stiftung für Arme per . - . . „ 200*— „ Herrn L. Brettauer, anläßlich des Sterbetages seines seligen Vaters, für besonders Dürftige . . . „ 200-— „ Herrn Gustav Freiherrn von Springer, für Arme . „ 250 — Vom Vereine „Maskil el Dol" im XV. Bezirke, für Arme „ 200'— „ „ „Chewra-Kadiicha" „ „ ,. „ 100*— „ Frauenvereine im XV. Bezirke, für Arme . ... „ 100-— Sammelspenden im XV. Bezirke, für Arme.„ 98 — Von C. W., für Arme .„ ioo*— „ Herrn Jakob Wiener, für den Versorgungshaus- Erhaltungsfond .„ 10'— Für die Brigittenauer Schulküche sind eingelaufen: Sammelspenden der „Reuen Freien Presse".„ 150 — „ des Herrn Heinrich Weiner.. 86*— „ „ „ M. Brammer.„ 6»— Tempelspenden im Bethause I.: Von Herrn Moriz Bauer - . . „ ioo*— „ „ Dr. Theodor Gutmann -.. 40 — Nach der Wahl der Vicepräsidenten und der Mitglieder für das Vertreter-Collegium referirte Herr Baurath Wilhelm S t i a ß n y über den Vermögensstand der Josefine von Könrgswartcr'schen Kinderspitalsstiftung. Seit dem Bestände dieser Stiftung habe ich die Ehre, gemeinschaftlich mit noch einem zweiten Mitglieds, gegenwärtig Herrn Reichsrathsabgeordneten Rudolf Auspitz, den Cultusvorstand in dem Curatorium der Stiftung zu vertreten. Dieses Curatorium besteht stiftsbriefgemäß aus dem jeweiligen Bürgermeister der Stadt Wien als Vorsitzenden, zwei Mitgliedern des Gemeinderathes, zwei Mitgliedern des Cultusvorstandes, einem Mitgliede des evangelischen Oberkirchenrathes, dem Magistratsdirector und dem Armenreferenten des Magistrates. Seit seiner Constituiruug bekleide ich das Amt eines Vorsitzenden- Stellvertreters im Curatorium. Ueber Wunsch des Bürgermeisters habe ich am 29. September 1902 die Scontrirung der in der Verwahrung und Verwaltung der städtischen Hauptcasie befindlichen Werthpapiere, welche die genannte Stiftung besitzt, vorgenommen. Die Commission hat constatirt, daß sämmtliche Effecten sowohl, als auch die separat verwahrten Couponbögen sich in vollkommener Ordnung und in Uebereinstimmung mit den Büchern befinden. Das Stiftungsvermögen besteht dermalen aus 444 Obligationen des städtischen Anlehens vom Jahre 1894 (4% Wiener Wasseranlehen) und aus einem kleinen Baarsaldo (Sparcaffebuch) im Gesammtbetrage von Kr. 940.000. Seit dem letzten vor Jahresfrist von mir erstatteten Berichte hat sich das Stiftungsvermögen um rund Kr. 37.500 vermehrt. Das gegenwärtige Vermögen reicht gerade noch zum Baue eines Kinderspitales mit einem Belegraume von 100 Betten hin, genügt jedoch nicht für die Erhaltung eines solchen Spitales. Es muß daher noch durch geraume Zeit das Stiftungsvermögen in der bisherigen Weise verwaltet und müffen die Fructificate desselben vorerst thesaurirt werden. (Zur Kenntniß genommen.) Ueber die Anstellung weiblicher Lehrkräfte für den Religionsunterricht referirt hierauf Bicepräfident Dr. Gustav K o h n. Schon vor Jahren habe man bei Prüfung der weiblichen Lehramtscandidatinnen allgemeines Bedauern empfunden, daß man einzelne besonders tüchtige Damen nicht zum Religionsunterricht heranziehe. Der Gedanke sei seitdem wiederholt aufgetaucht und zuletzt habe Cultusvorsteher Dr. Berger die Frage neuerdings in der Schulcommiffion angeregt, und dieselbe habe nach einem günstig abgegebenen Referate des Herrn Schulinspector Kanitz und des ehemaligen Vorstandsmitgliedes Director Simon sich für die Anstellung weiblicher Lehrkräfte für den Religionsunterricht an den Mädchenclaffen der Volksschule entschieden. Mit Rücksicht darauf, daß in den unteren Mädchenclaffen der Pentateuch im Urtext nicht gelehrt wird, soll dem Ersuchen der Religionslehrerinnen, bei der Religionslehrerprüfung die Prüfung aus der Bibel im Urtexte auszuscheiden, Folge gegeben werden. Die Commission stellt im Einvernehmen mit dem Vertreter-Collegium folgende Anträge: 1. Es sei die Anstellung weiblicher Lehrkräfte für den Religionsunterricht zu empfehlen, jedoch nur solcher Lehrerinnen, die ein Zeugniß über mit Erfolg abgelegte Lehramtsprüfung nachznweisen in der Lage sind. 2. Die Prüfung aus der Bibel im Urtexte wird ausgeschieden, jedoch hat sich dieselbe auf das ganze Siddur zu erstrecken. 3. Die Anstellung weiblicher Lehrkräfte wird nur auf die drei unteren Classen der Mädchen-Volksschulen beschränkt. Bicepräfident Dr. Stern wendet sich gegen den zweiten Punkt des Antrages. Wer lehrt, muß viel mehr wiffen, als der Lernende, und es scheine ihm ganz ausgeschlossen, daß ein Lehrer der Religion den Pentateuch im Urtexte nicht zu lesen vermöchte. So aufrichtig auch Redner die Verwendung weiblicher Lehrkräfte begrüßt, ebensosehr würde er es beklagen, wenn dieselben nicht die erforderlichen Kenntnisse nachzuweisen verpflichtet wären. Er beantragt daher Rückoerweisung an das Vertreter-Collegium behufs nochmaliger Berathung. Cultusvorsteher Salo Cohn tritt mit Wärme für den Referentenantrag ein. will jedoch denselben auch auf die Bürgerschule ausgedehnt wissen. Er erblicke darin einen glücklichen Griff zur Erlangung tüchtiger Lehrkräfte und weiters auch eine sociale That, da eine neue Existenz für jüdische Mädchen und Frauen hiemit eröffnet wird. Cultusvorsteher Dr. Steiner: Da die Mädchen bisher nicht im Hebräischen — mit Ausnahme einiger Gebete — unterrichtet wurden, so würden derzeit keine Bewerberinnen vorhanden sein, wenn man von ihnen die Kenntniß des Pentateuch in der Ursprache, welche er principiell gleichfalls für nothwendig halte, fordern würde. Es wäre daher die Schaffung eines Uebeigangsstadiums erforderlich. Im Uebrigen sei ein so vorzügliches weibliches Lehrpersonal vorhanden und der Unterricht der Mädchen durch Lehrerinnen in der Religion sei pädagogisch so werthvoll, auch der Bedarf so dringend, daß er sich für den vorliegenden Antrag ausspreche. Von der Ausdehnung auf höhere Classen solle jedoch derzeit und bis gesamm-lte Erfahrungen zu Gebote stehen, abgesehen werden. Cultusvorsteher Dr. Markus Spitzer erklärt sich im Principe mit der Anstellung weiblicher Lehrkräfte, aber nur an den unteren Classen, einverstanden, da er sich hievon günstige Einwirkungen auf das Gemüthsleben der jüdischen Mädchen verspreche. Die beantragte Erleichterung bezüglich der Bibel im Urtexte könne er jedoch absolut nicht acceptiren. Das Mindeste, was man von einer Religionslehrerin verlangen müsse, sei die Uebersetzung des Pentateuch, und wer diesen nicht im Urtexte lesen kann, der sei nach der Anschauung des Redners nicht fähig, jüdische Religion, ja nicht einmal biblische Geschichte zu lehren. Cultusvorsteher Dr. Berger glaubt, daß über die Befähigung der weiblichen Lehrkräfte für den Religionsunterricht keinerlei Zweifel besteht, und thatsächlich ertheilen schon jetzt einige Lehrerinnen. wenn auch per nefas, Religionsunterricht mit gutem Erfolge. Im Principe aber dafür zu stimmen und gleichzeitig gegen die beantragte Prüfungserleichterung zu sein, erscheine ihm als eontraäietio in adjecto. Es ist bei dem bisherigen Unterrichts-

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