Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 2 (9.1.1903)
- Date
- 1903-01-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 39 theiligte. Nachdem Herr Obercantor Löwy unter Chorbegleitung das Matowu wirkungsvoll vor trug, sodann die Chanukalichter anzündete, hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. M. Rosenmann eine schwungvolle Festpredigt, in welcher er die Verdienste des humanen Vereines besonders hervorhob. Mit der Absingung der Bolkshymne schloß die erhebende Feier. Oberhollabrunn. Am Mittwoch den 24. v. M. fand unter der Leitung unseres beliebten Cantors und Religionslehrers Herrn Sig. Jellinek eine Chanukafeier statt, zu welcher sich der Vorstand unter Führung unseres allverehrten Präses Herrn Max Wallisch nebst zahlreichen Gememdemitgliedern mit ihren Frauen eingefunden hatte. Herr Cantor S. Jellinek stimmte das herrliche Uoaus Zwan, welches von der gesammten Schul- und Gymnasialjugend vortrefflich abgesungen wurde, und mit dem Abendgebete und Beschenkung der Schuljugend mit Nüssen und anderen Sachen schloß die erhebende Feier. Hlinik (Ungarn). Das Chanukafest ist in unserer Gemeinde durch den Tod des Herrn Josef L e i m d ö r f e r, den Vater des bekannten Hamburger Rabbiners Dr. David Leimdörfer, getrübt worden. Von allen Seiten strömten theilnehmende Freunde ohne Unterschied der Consession herbei, um dem Heimgegangenen das letzte Geleite zu geben. Unter den Erschienenen war außer den Vorstehern aller Nachbargemeinden u. s. w. auch Prof. Dr. Büchler aus Wien zu bemerken. Nachdem Herr Obercantor T h a l e r in meisterhafter Weise einen Psalm recitirt hatte, sprach der Sohn des Verblichenen Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer aus Hamburg eine tieferschütternde Gedenkrede, in welcher er mit seiner berühmten Beredtsamkeit die sorgende Baterliebe und alle anderen nachahmenswerthen Eigenschaften des Entschlafenen würdigte und pries. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Julius W e l l e ß aus Nagy-Bitse einen trefflichen Nachruf, der besonders die Frömmigkeit Josef Leimdörfer's hervorhob. Dann bewegte sich der Trauerzug zu dem idyllisch gelegenen Höhenbegräbniß der Hliniker Cultusgemeinde, wo die sterblichen Ueberreste des ausgezeichneten Mannes zur letzten Ruhe bestattet wurden. Pohrlitz, 4. Jänner. Heute fand hier die Einweihung der neuerbauten israelitischen Volksschule statt. Trotz des unfreundlichen Wintertages hatte sich eine ziemlich große, meist weibliche Theilnehmerschaar in dem geräumigen Turnsaale der neuen Schule eingefunden. Eingeleitet wurde die kleine Feier mit Beethoven's »Die Ehre Gottes", woraus der Schulleiter Herr Bader in einer schwungvollen An-, spräche an die Festversammlung die Bedeutung des Tages hervorhob. Nachdem noch Herr M. Schnabl als Mitglied des Ortsschulrathes einige Worte des Dankes an alle Jene, welche das schöne Werk fördern geholfen haben, gerichtet hatte, erfolgte der Vortrag einiger hübsch einstudirter Lieder und mit Wärme vorgetragener Gedichtchen. Herr Schulleiter Bader forderte zum Schluß d ie Anwesenden auf, in ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser einzustimmen, worauf nach Absingung der Volkshymne, die von der Versammlung stehend angehört wurde, die schöne und würdige Feier ihr Ende nahm. Auffee. (Leichenfeier.) Am 24. December v. I. wurde hier Frau Babette Sonnenschein, die Gattin des israelitischen Restaurateurs, unter großer Betheiligung der christlichen Bevölkerung zu Grabe getragen. Die Leiche lag in einem einfachen aus vier ungehobelten Brettern bestehenden Sarge, wie dies das Religionsgesetz der Juden vorschreibt, und wurde mittelst eines Schlittens aus den katholischen Friedhof geführt, innerhalb dessen ein kleiner, umzäunter Raum für die Israeliten bestimmt ist. Das Rituell vollzog der von der Familie hieher berufene Grazer Rabbiner Dr. Mühsam. Er sprach an der Bahre ein erhebendes Gebet, erst hebräisch und daun in deutscher Uebersetzung, welches die Dahingeschiedene der Gnade Gottes empfahl. Auf dem Friedhöfe schilderte der Redner die Vorzüge der Verblichenen und die Verdienste, die sie sich in ihrem schlichten Walten als Hausfrau und in ihrem Familienkreise erworben. Sie sei ein braves, gutmüthig beanlagtes Weib gewesen, habe einen tugendhaften Lebenswandel geführt und Menschenfreundlichkeit gegen Jedermann bethätigt. Auch hob der Redner die Demuth und Gottesfurcht hervor, welche die Dahingeschiedene in ihrem langwierigen Leiden stets mit Trost und Hoffnung erfüllten. Er rühmte sie als treue und aufopfernde Gattin, welche unverdrossen bemüht war, ihrem Gatten die Bürde des Geschickes erträglich zu machen, sowie als die zärtliche Mutter, welche als Muster liebevoller Hingebung keine höheren Freuden kannte als die, die sie mit ihren Kindern theilte; sie sei mit jeder Faser ihres Lebens ihrer Familie zugethan gewesen. Mit einem abermaligen Gebete, welches Trost für die Hinterbliebenen erflehte, schloß die Trauerfeier. Nachdem die Leiche in das Grab gesenkt war, sprachen die Kinder ein hebräisches Gebet für das Seelenheil der Mutter. Wiener-Reustadt. (Makkabäer-Feier.) Der humanitäre Geselligkeitsverein Eintracht, der es sich zur Aufgabe gestellt, in wahrhaft humanitärer und geselliger Weise zu wirken, veranstaltete am 27. December v. I. eine Makkabäer-Feier, die von einem illustren Publicum besucht war. Nach dem Eröffnungschor begrüßte der Obmann des Vereines Herr A. Weiß, Buchhalter im Hause Wolf & Sohn, die zahlreich erschienenen Gäste, worauf Herr Religionslehrer Landau die Festrede hielt. Herr Landau schilderte in ausführlicher Weise das Wesen und die Geschichte der Feier, die den Beweis dafür liefere, daß Einigkeit dem Volke Stärke und Macht verleihe. Herr Landau zündete hierauf die Chanukalichtlein an, worauf der Chor das „Uoau3 nur" in feierlicher Weise vortrug. Ein Tanzkränzchen und Vorträge des Herrn Mechanikers Weiß und des Schauspielers Herrn Fürst bildeten den Schluß der erhebenden Feier, deren Reinerträgniß den cholerakranken Glaubensgenossen im heiligen Lande znfließt. Freiwaldau. Bei der am 29. v. M. stattgefundenen Wahl des Cultusvorstandes wurden Herr Sigm. Braun, Lederhändler, zum Cultusvorsteher, Herr Dr. Siegsr. Glaser. Advocat, zum Vorsteher-Stellvertreter und Herr Beithold Blübd o r n, Fabrikant, zum Beirathe wiedergewählt. Tyrnau. (Vorstands-Neuwahl.) In der hiesigen Cultusgemeinde fand am 1. d. M. die Neuwahl des Gemeindevorstandes statt. Zum Gemeindepräses wurde Herr Hermann Messing er mit Acclamation wiedergewählt, welcher bereits 12 Jahre diese Ehrenstelle mit besonderer Umsicht bekleidet. In den Vorstand wurden gewählt die Herren Alexander Wertheimer, Julius Schwarz, Markus Klein und Samuel Diamant. Als Caffavorstand Herr Wilhelm Adler und als Controlor Herr Dr. Julius Eichenwald. Die Neuwahl des Ausschusses wurde für den 15. d. M. anberaumt. Bodenbach a. E. (Wählergebniß der am 4. Jänner 1903 vorgenommenen Constituirung der Gemeinde-Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde in Bodenbach a. E.) In die Gemeindevertretung wurden gewählt: A) Mitglieder: Herr Adolf Pächter, Bodenbach, Vorsteher; Herr Sigmund Brauner, Tetschen, Borsteher-Stellvertreter; Herr Carl Heller, Tetschen, Caffier; Herr Gottfried Pick, Bodenbach, Synagogenvorsteher. Als Ausschußmitglieder die Herren: Moriz Frankl. Bodenbach, Gemeindevertreter; MUDr. S. Hoffmann, Bodenbach, Gemeindevertreter; Sig. Kantor, Bodenbach, Gemeindevertreter; Josef Neumann, Bodenbach, Gemeindevertreter; MUDr. I. Salus. Bensen, Gemeindeoertreter; D. Tauffig, Bodenbach, Gemeindevertreter; Alois Zirkl, Bodenbach, Gemeindevertreter. 8) Ersatz» männer; 1. Herr Heinrich Konirsch, Tetschen; 2. Herr N. Löwy, Tetschen. 3. Herr S. Beit, Tetschen; 4. Herr M. Koralek, Topkowitz; 5. Herr S. Rind, Bodenbach. Als Vertreter der israelitischen Conseffion im Ortsschulrathe Tetschen und Ortsschulaufseher: Herr Sigmund Brauner, Tetschen; im Ortsschulrathe Bodenbach: Ad. Pächter, Bodenbach; im Ortsschulrathe Bensen: Dr. I. Salus, Bensen; im Ortsschulrathe B.-Kamnitz: Dr. Ed. Grünbaum. Tettsch. In würdiger Weise wurde hier das Chanukafest gefeiert. Donnerstag den 25. December fand eine von der hiesigen israelitischen Jugend veranstaltete Theatervorstellung statt, welche sich eines alle Erwartungen weit übersteigenden kolossalen Besuches zn erfreuen hatte. Eingeleitet wurde dieselbe mit declamatorischen Vorträgen, von denen einer besser war als der andere und alle gut gefielen. Die Mitwirkenden und zwar die Fräuleins Paula Lauer, Bertha Taub, Olga Metzl. Elsa und Helene Freud, Jenni Böhm, Elsa Stein und insbesondere Komiker Herr Emil Pollak erlangten recht lebhaften Beifall. Die Vorstellung, die in allen Theilen als äußerst gut gelungen bezeichnet werden muß, stand unter der bewährten tüchtigen Leitung des Fräulein Mitzi Stein und sei rm Namen der hiesigen israelitischen Jugend hier an dieser Stelle dem vorher genannten Fräulein, welches den eigentlichen Anlaß zur Veranstaltung dieser Wohlthätigkeitsvorstellung gab, der wärmste Dank ausgesprochen. Olmütz. Am ersten Chanukatag wurden vom jüdischen Frauenverein unter dem bewährten Präsidium der Frau Sophie Zweig und Sophie Kaufmann 24 arme Kinder mit warmen Winterkleidern in üblicher Weise beschenkt. Am Abend vorher wurde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Oppenheim seine Zuhörer durch seine Predigt begeisterte. Meran. Der bekannte Schriftsteller Herr Leo Herzberg- Fränkel ist zu einem mehrmonatlichen Aufenthalte hier eingetroffen.