Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 2 (9.1.1903)
- Date
- 1903-01-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 28 Dr. Blmtz's Wochsnfchrifl. Nr. 2 Empfindung, mit der der Cantor die rituellen Gebete und Gesäuse zum Vortrag bringt. Der würdevolle Chacham spricht die Tröurede in spanischer, hebräischer und deutscher Sprache. Man hört es seiner Stimme an, daß er tiefbewegt ist und nicht etwa eine schablonenhafte Rede abhaspelt. (Ein Kenner der spanischen Sprache versichert uns, daß die türkischen Juden keinen Dialect oder Jargon sprechen, sondern eine altkastilische Form der spanischen Sprache und daß es ihm das größte Vergnügen bereite, sich mit ihnen in seiner Muttersprache zu unterhalten.) So wirkt Alles zusammen, um die feierliche Stimmung bis zum Ende der Ceremonie festzuhalten. Orgelklänge ertönen, solange noch ein Theil der Hochzeitsgäste im Tempel weilt, und erst wenn die letzten Andächtigen das Gotteshaus verlaßen haben, verstummt auch die Musik. Wir haben diesmal etwas ausführlicher von der Trauungsceremonie im türkisch-israelitischen Tempel Notiz genommen, obwohl dieselbe regelmäßig mit gleicher Würde und Andacht verfolgt, weil uns zahlreiche Stimmen zu Ohren gekommen sind, welche sich ungemein lobend über den würdevollen Verlauf dieser Ceremonie ausgesprochen und sie allgemein als solche bezeichnet haben, die als Muster dienen sollte. Wir dürfen aber der Schilderung dieser Trauung auch noch ein persönliches Moment hinzufügen. Der Vater der Braut, Herr Carl Pasternak, ist erst seit kurzer Zeit in Wien. Biele Jahre hindurch hat er in Moskau gelebt und es dort durch sein ungemein wohlthätiges Wirken zu hohen Ehren ge-, bracht. Drei hohe kaiserliche Auszeichnungen und viele Ehrendiplome sind ihm zutheil geworden. Er hat sich um die armen Blinden besonders warm angenommen, er hat den Sträflingen sein Mitleid zugewendet; für Arbeitslose Beschäftigungen eingerichtet; der Jugenderziehung sich mit Liebe gewidmet. Kaum in Wien eingetroffen, hat er auch hiesigen Wohlthätigkeits- Jnstitutionen seine Mitwirkung mit solcher Hingebung geliehen, daß chn der russisch-österreichische Hilfsverein zu seinem Ehrenmitgliede ernannte. So erntet er jetzt in den Auszeichnungen, die seinem Kinde an deffem höchsten Ehrentage zutheil geworden sind, einen Theil des Lohnes, den er um seiner guten Werke wrllen verdient hat. Wie«. (Trauung.) Dienstag den 6. Jänner d. I. fand im festlich beleuchteten Tempel der Leopoldstadt die Trauung des Fräuleins Olga Back, Tochter des Philanthropen Herrn Michael B a ck, mit Herrn Paul Kleb inder, Sohn des Schriftstellers undBezirksschulrctthes Herrn Ferdinand Klebinder, statt. Der große Tempel war bis zum äußersten Ende mit einem distinguirten und zahlreichen Publicum gefüllt. Wir gewahrten die Abordnungen vieler humanitärer Vereine, den gesammten Ortsschulrath des II. Bezirkes, die Bezirksvertreter, ferner die Reichsraths - Abgeordneten N o s k e, Ellenbogen rc. und sociale und Geschäftsfreunde des Brautpaares und der Eltern desselben. In ausgezeichneter Rede vermittelte der Rabbiner Dr. Schmied! Worte des Herzens und der lautern Gläubigkeit, während Herr Obercantor Guttmann in gewohnter, erhebender Weise den gesanglichen Part executirte. Im Hausder Brauteltern fanden sich zahllose Gratulanten ein, welche dem jungen überaus sympathischen Paare den Ausdruck sinniger Glückwünsche entboten. JKHat. Herr Friedrich Seligmann, Jnspector der k. t. Slaatsbahnen, ist zum kais. Rath ernannt worden. Wie«. (Auszeichnung.) Dem Wäsche- und Mieder- Fabrikanten Herrn Leopold L a n d e i s, Wien, VL, Wallgaffe 16, wurde der Titel eines k. k. Hoflieferanten verliehen. Wien. Samstag den 3. Jänner 1903 fand im Prachtsaale des «Hotel Eontinental" eine vom humanitären Frauenverein „Krankenpflege" veranstaltete Wohlthätigkeits-Akademie statt, die einen großen Erfolg erzielte. Das künstlerische Programm zeichnete sich durch große Reichhaltigkeit aus und errang den vollen Beifall des zahlreichen Publicums. Vor Allem gefielen die Lieder des Herrn M. S t r i k s, der Schubert's „Aufenthalt" und die Arie aus Weber's „Freischütz" mü prachtvollem Vortrag und hervorragenden Stimmmttteln zu Gehör brachte; auch Herr Eugen Lamberti, deffen bekannt schöne Stimme sich wieder bewährte, fand verdienten Beifall. Sehr reizend war der Vortrag der Schwestern Else und Paula K a tz und von großer Wirkung die Cello-Vorträge des Herrn I. Holdperg. Den zweiten Theil des Programmes leiteten sehr schöne Violin-Vorträge des Herrn Stierer ein. Frau Regine Schwager besorgte in feinfühliger Weise und technisch bravourös das Elavier-Accompagnement sowobl bei den Gesangsals auch den Cello- und Violin-Vorträgen und errang damtt nicht nur den Dank der Sänger, sondern auch die Anerkennung des ganzen musikalischen Publicums. Um das Gedeihen und Witten des eminent wohlthätigen Vereines sowohl, wie auch um das Gelingen des schönen Abends, an den sich ein animirtes Tanzkränzchen schloß, haben sich neben der rührigen, pflichteifrigen Präsidentin Frau Dr. Amalie Blech auch die Vorstandsdamen Dr. L i f c z i s, Schechtcr, Waffermann, Rosenberg, Liebling, Weiß, Bergner und Fallik in hohem Maße verdient gemacht. Es ist zu wünschen, daß sich immer weitere Kreise für diesen Verein interessiren mögen, damit er sich in erfreulicher Weise weiter entwickeln und segensreich wirken könne. Die artistische Leitung lag in den bewährten Händen des Herrn N. Chefez. Wien. (Ausweis über die im Monate December 1902 für den jüdischen Kindergarten im XX. Bezirke in Wien eingelaufenen Spenden): Herr Sachsel, Wien X 6, Herr F. Ernst, Wien, X 2, Herr S. Katzau, Wien, X 60, Herr S. Löwy, Redacteur, Wien X 10, Herr B. R., Deutsch-Jaßnek X 15, Herr Eduard Bachrich, Wien X 20, Unbenannt, Köflach X 10, Herr I. Schneck, Wien X 5, Herr Beruh. Abeles, Hohenbruck X 5, Herr Jnlius Kohn, Aussig X 7, durch Sammlung, Herr Josef Flesch, Wien X 58, durch Sammlung im CafL Niebauer. HerrM. Mayer & Söhne, Wien X 5, als Jahresbeitrag, Herr Jonas Weil,' Wien X 10, Herr Dr. Hermann Deutsch, Wien X 10, Herr Dr. Adolf. Wien X 5, Herr M. Breda, Brünn X 2, Herr Heinrich Weiner, Wien X 4, Monatsbeitrag, Herr Ignaz Max, Znaim X 20, zur Anschaffung von Spielwaaren zum Chanukafeste, Administration der „Neuen Freien Presse" in Folge Aufrufes X 101, als daselbst eingelaufene Spenden, Frau Anna Dub, Wien X 10, Frau Jda Dembitzer, Wien X 3, Frau Serafine Schlesinger, Eger X 5, Frau Frieda Redlich, Wien X 5, Frau Therese Berger, Triesch X 10. An Naturalien: Herr Jg. Eisler, Wien 1000 Portionen Suppenconserven, Herr Jakob Schick, Wien 1 Stück bedruckten Levantin, Herr Boschan и. Co., Wien 1 Stück gewebten Flanell, Herr Goldschmidt u. Söhne, Wien 1 Stück Zephir, Herren Brüder Goldschmidt, Wien 1 Stück Halbwoll bord., Herren S. Mahler u. Bruder, Wien > 5 Stück Kinderkleider, Herr S. Landau & Co., Wien 1000 Stück Briquettes, Herr Em. Kießler, Wien 2 Coup, bedruckte Flanelle. Herr Carl Feilendorf, Wien Kleiderstoffmuster, Herr E. Feuerstein & Co., Wien 5 Dutzend Taschentücher, Herr Goldschmidt & Co., Wien 5 Dutzend Taschentücher, Herr Ullmaun, Wien 1 Rest Stoff, Herr Josef Toch, Wien Mädchen- und Knabenmützen, Herr Simon Mandler, Wien Wirkwaaren, Unbenannt, Wien alte Wäschestücke, Frau Malvine Bachrich. Wien 18 Unterröcke und 20 Mädchenhauben, Frau R. Arnstein, Wien alte Kleider, Fräulein Dora Landau. Wien alte Kleider und Bäckereien, Herr Cafötier Reithofer, Wien 50 Stück Bäckerei, Herr Alois Moses, Wien 25 Stück Bäckerei, Herr Ignaz Kassowitz, 20 Stück Bäckerei. Die gefertigte Leitung beehrt sich zu berichtigen, daß Herr Jakob Kann, Wien, nicht wie im November 1902 ausgewiesen X 6, sondern X 10 für den obigen Kindergarten spendete, und daß im Spendenausweise vom November 1902 der Name Sigm Ploner in „Sigm. Planer" richtiggestellt wird. Wien. (Einweihung einer neuen Thorarolle.) Am 1. d. M. wurde im Bethause, II., Große Schiffgaffe, eine neue Thorarolle eingeweiht, zu welcher Feier sich die orthodoxe Wiener Judenschaft sehr zahlreich eingefunden hatte. Die rituellen Gesänge verrichtete Cantor Don Fuchs mit dem gesammten Chorpersonale des Ottakringer Tempels und trug wesentlich zur würdigen Gestaltung des Gottesdienstes bei. Wien. Am 6. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Helene Kantor, Tochter des Herrn Procuristen Friedrich Kantor, mit Herrn Dr. Jacob Kitai, к. k. Regimentsarzt, statt. Biele Officiere der hiesigen Garnison waren erschienen, das Brautpaar zu beglückwünschen. Unter den zahlreichen Gästen sah man die Herren Cultusvorsteher Doetor Katzau, Commercialrath Stiaßny u. A. Gemeinderabbiner Dr. Gelb Haus richtete an das Brautpaar eine eindrucksvolle Ansprache. Die cantorale Function versah Obercantor Kläger mit Chor- und Orgelbegleitung in feierlicher Weise. Kranzablöfungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I. Bezirk, Seilenstetlengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau SerafineRosenzweig: von Herrn Adolf Altmann, XIV., Neindorfgasse 4, X 10.—. Wien. Im Mädchen- und Frauenverein „Llkur Chaulim“ findet Sonntag den 11. d. M., I., Seitenstettengasse 2, 2. Stock (im Schulsaale der israelitischen Cultusgemeinde) ein Vortrag des Herrn Dr. Siegmund Werner über „Die Frauen und die Krankenpflege" statt. Beginn präcise 3'/, Uhr. Gäste, sowohl Damen als auch Herren, willkommen. Wien. (LeopoldstädterKrankenunterstützungs- Verein „N ä ch ft e n l i e b e".) Samstag den 17. Jänner 1903 findet im Prachtsaale des „Hotel Baierischer Hof", II, Obere Augartenstraße 5, eine aeschlossene Wohltbätigkeits-Masken-Redoute statt« Das Reinerträgniß fließt dem „Außerordentlichen Unterstützungs-, Witwen- und Waisen-Fonde zu. Moriz Rosenblatt, Obmann; Adolf Schramek, Obmann-Stellvertreter; Adolf Reich, Schriftführer. Floridsdorf. Wie alljährlich wurden auch Heuer seitens des hiesigen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines arme Schulkinder mit warmen Winterkleidern versehen. Aus diesem Anlässe wurde im hiesigen Tempel am ersten Chanukatage ein Festgottesdienst veranstaltet, an welchem sich ein distinguirtes Publicum be-