Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 2 (9.1.1903)
- Date
- 1903-01-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 27 die heute bereits von unserem hochverehrten geistlichen Oberhaupte, dem Herrn Oberrabbinec Dr. Ungar, vernommenen Worte des gekrönten Sängers zu wiederholen und jubelnd auszurufen : „Diesen Tag hat uns Gott gegeben, wir wollen uns dessen freuen/ Und wahrlich, wenn heute hier alle Herzen höher schlagen, wenn von jeder Lippe Jubel los sich ringt, wir haben gerechten Anlaß, uns zu freuen, denn der Allgütige in seiner unendlichen Gnade ist uns beigestanden, das, was wir vor wenigen Monaten an dieser damals noch wüsten Stätte zagend uns gelobten, glücklich auszuführen. Es ist ein Tag, den Gott uns gegeben! Wir nehmen mit Freude wahr, daß unsere geliebten Mitbürger, ohne Unterschied ihres religiösen Bekenntnisses, getreu ihrer altbewährten Tradition, uns ihre Sympathien bewahrten; mit tiefer Rührung sehen wir, wie sich Alle, Alle innig und aufrichtig mit uns freuen an diesem Tage, an diesem Tage, den Gott uns gegeben; mit Stolz constatire ich es auch bei dieser Gelegenheit, daß uns von allen Seiten, von Hoch und Niedrig, von Groß und Klein, von Reich und Arm, die großherzigste Unterstützung zur Ermöglichung dieses Baues zutheil wurde; wahrlich, wir haben alle Ursache, uns zu freuen an diesem Tage; denn es ist ein Tag, den uns Gott gegeben. Und nun dies so lange und heiß ersehnte Ziel erreicht, und ich so glücklich bin, dieses so farbenprächtig zum Himmel leuchtende Symbol unseres heiligen Glaubens seiner Bestimmung zuführen zu dürfen, erfüllt es mich mit Stolz, den Mitgliedern unserer Cultusgemeinde zurufen zu können: „Merket wohl auf, und vernehmet es erst am heutigen Tage, dem Tage, den Gott uns gegeben, erst in dieser bedeutungsvollen, feierlichen Stunde, erst mit dem Besitze dieses Hauses sind wir eine wirkliche Gemeinde geworden und ich fordere Sie auf und lege es jedem Einzelnen von Ihnen an's Herz, unentwegt Alles aufzubieten, damit dieses Haus stets das sei und bleibe, wozu es bestimmt ist, ein wahres und wirkliches Haus der Andacht. Möge Jeder, den sein Inneres dazu bewegt, darin Erbauung suchen und finden, möge allen Jenen, die in Roth und Qual, in Sorge und Kummer, in Gram und Leid darin ihre Augen flehend zum Himmel erheben, Heil und Hilfe, Schutz und Rettung, Trost und Zuversicht zutheil werden vom allbarmherzigen, allerbarmenden Vater da oben, dessen Name hier stets geheiliget und verherrlicht, gepriesen und gelobt werden möge in alle Ewigkeit. Und nun hochverehrte Festgäste, nehmen Sie im Namen unserer Cultusgemeinde. den tiefgefühltesten, innigsten und wärmsten Dank entgegen für die vielen Sympathiebeweise, mit denen Sie uns bedacht. Vernehmen Sie aber auch von dieser Stelle, an diesem Tage, den Gott uns gegeben, das heutige Gelöbniß, daß wir stets bestrebt sein werden, dieser Sympathien würdig zu bleiben, durch Treue zu König und Vaterland, durch Anhänglichkeit und Liebe zu unserer theuren Vaterstadt Essegg und seiner edlen und wackeren Bürgerschaft/ Nach der Rede des Cultusvorstandes hielt Oberrabbiner Dr. Ungar die Ftstpredigt, worauf der Gottesdienst stattfand. Um 4 Uhr Nachmittags war die Feierlichkeit beendet. — Nach der Einweihungsfeierlichkeit fand im „Hotel Tackovi/ ein Commers statt. Kopenhagen. Am Sabbath-Chanuka hielt in der dichtgedrängten Synagoge Oberrabiner Simonsen seine Abschiedsrede, von welcher alle Anwesenden tief ergriffen wurden. In der vergangenen Woche brachten die Tagesblätter die Mittheilung, daß Oberrabbiner D. Simonsen vom Könige zum Professor honoris causa ernannt worden ist, welche Thatsache in der ganzen Stadt große Befriedigung hervorgerufen, da Oberrabbiner Simonsen sowohl als Mensch, wie auch als Gelehrter großes Ansehen genießt. — Eine hiesige Wochenschrift „Illustrieret Tidende'" bringt in ihrer letzten Nummer sein Bild und einen Artikel über seinen bisherigen Lebenslauf, in welchem es unter Anderem heißt: „Seine umfaffende Tüchtigkeit zeigte sich nicht nur in der Führung der Synagoge-Angelegenheiten, sondern auch bei allen Wohlthätigkeitswerken, welche er in einer Reihe von Jahren geleitet. Er hatte selbst stets eine offene Börse und verstand es auch sehr gut, Andere zum Geben zu veranlassen. Wo es auch galt, zu helfen, ob innerhalb seiner Gemeinde oder Nothleidenden in fremden Ländern, immer war er der Erste. Im Laufe der Jahre schuf sich Oberrabbiner Simonsen eine der größten Privatbibliotheken Dänemarks, die ungefähr 18- bis 20.000 Bände zählt und ihrer seltenen Exemplare wegen weithin berühmt ist. Dabei hatte Oberrabbiner Simonsen immer Zeit für Jeden, der ihn besuchte und seinen Rath einholte, und deren gab es nicht Wenige. Seine Bereitwilligkeit, zu helfen, kam Bielen in seiner Gemeinde zu Gute. Seine geistigen Interessen beschränken sich nicht auf sein Specialfach. Er wird sich mit einem Juristen mit ebenso vollständiger Sachkenntniß über das Neueste in der Rechtswissenschaft unterhalten können, wie mit einem Ärzte über die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Medicin oder einem Collegen über talmudische Fragen/ Möge Rabbiner, fitzt Profeffor Simonsen in der Wissenschaft, der er sich nun ganz widmen kann, vollständige Befriedigung finden und es ihm noch lange vergönnt sein, in diesem Sinne für das Judenthum zu wirken. Sehr zu beklagen ist es, daß ein Mann von so vornehmen Wesen und uneigennützigen Charakter den Stand verläßt, dem er stets zur höchsten Ehre gereichte. J. Wien. (Probepredigten i m Leopold st ädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald aus Hamburg hält Freitag den 9. Jänner d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 30 Minuten beginnt, im Leopoldstädter Tempel. Tempelgaffe, die Predigt, und am Samstag den 10. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang aus Nikolsburg im Leopoldstädtec Tempel am Freitag den 16. Jänner d. I. beim Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 45 Minuten beginnt, die Predigt, und am Samstag den 17. Jänner d. I. im Stadttempel bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mitttelschüler die Exhorte. Wien. Herr Cultusvorsteher Salo Cohn beging am 18. December in aller Stille seinen 60. Geburtstag und benützte in seiner bekannten Hochherzigkeit diesen Anlaß zu »amhasten Spenden für diverse wohlthätige Zwecke. Wien. (Verlobung.) Fräulein Mathilde Anscher! i k, Tochter des Getreidehändlers Herrn A. Anscherl i k in S o b i e s l a u, hat sich mit Sr. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Dr. L. Hirsch aus K r u m a u verlobt. Wien. iT r a u u n g.) Sonntag den 11. Jänner l. I. um 3 Uhr Nachmittag findet im israelitischen Tempel. II., Tempelgasse die Trauung des Fräulein Melanie Lemberger, Tochter des Fabrikanten Herrn Carl Lemberger, mir Herrn Otto Ernst Frankl statt. Wien. (Trauung.) Im tüikisch-israelitischen Tempel in der Leopoldstadt fand Sonntag den 4. d. die Vermählung des Fräulein Mathilde Pasternak mit Herrn Max Geiringer statt. Das Gotteshaus war von Andächtigen und Freunden der beiden Familien dicht gefüllt. Unter Anderen waren auch kaiserl. Rath Dr. S. Koh n, kaiserl. Rath Johann Lichtenst a d t, der ehemalige Abgeordnete Dr. I. S. Bloch, der ehemalige Gemeinderath Emanuel Bach mayer, Director Kernbaum aus Warschau anwesend. Die Ceremonie war eine ungemein feierliche und stimmungsvolle. Wesentlich trug dazu die musterhafte Ordnung bei, die in diesem Tempel waltet. Wir können es nur als ein nachahmenswerthes Arrangement bezeichnen, daß auch der Vermählungs-Gottesdienst unter die besondere Aufsicht der Vorsteher gestellt erscheint. Der Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde. Herr Ru sso. sowie sein Stellvertreter, Herr A d u t t. empfangen selbst das Brautpaar und geleiten es an die für dasselbe und dessen Eltern reservirten Sitze und bleiben während des ganzen Gottesdienstes rechts und links vor der Bundeslade stehen. Die Diener bleiben bescheiden im Hintergründe, während Vorstandsmitglieder den Gästen die Plätze anweisen. Die gottesdienstliche Ceremonie selbst wird mit besonderer Weihe vorgenommen. Das Harfensolo mit Orgelbegleitung, mit der die Ceremonie beginnt, versetzt die Hochzeitsgesellschaft in eine weihevolle Stimmung; erhebend wirkt der sympathisch: Gesang des Knaben- und Männerchors, aus dem ein Knabensolo sich besonders bemerkbar macht. Der Chormeister L ö w i t, der die Gesänge componirt hat, leitet mit sicherer Führung den trefflich eingeschulten Chor. Des Obercantors Bauer klangvolles Organ beherrscht nicht blos den Raum, sondern wirkt namentlich durch die tiefe