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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 26 Dr. Bloch's WochonfchrM. Nr. 2 gehalten. Unter Anderem rechtfertigte er das Verhalten der Landesbank, die bekanntlich von der Sanirungsaction zurücktrat, indem er erklärte, der Landesbank könne man nicht zumuthen, mit den Einlegern zu feilschen, Percentvergleiche zu schließen, Klagen auszutragen u. s. w. Diese Schattenseiten der anderen Geldinstitute „diese jüdische Mache — sit venia verbo — könnte das Ansehen des ersten Creditinstitutes de- Landes schädigen." . Wir wollen davon absehen, daß diesen Sätzen zufolge Probst Karlach der neuen Vorschußcassa, die den Namen „Vertrauen" führt, etwas zumuthet, was seinen Worten nach das Anseben eines großen Creditinstitutes schädigen könnte, daß er die „jüdische Mache" als zukünftige Thätigkeit für die „vuvera" aufstellt. Wir hatten uns einzig an das Wort „jüdische Mache", das bei dieser Gelegenheit und von einem katholischen Priester gesprochen, den Charatter einer ganz seltenen Unverfrorenheit erhält. Was hätte wohl Herr Probst Karlach und die Herren, die ihm Beifall klatschten gesagt, wenn die Raubzüge des Mons. Drozd, eines Amtsbruders des Herrn Probstes, sein Lebenswandel, seine Liebhabereien u. s. w. als „katholische Mache" bezeichnet worden wären. Der Fall der St. Wenzelsvorschußcassa hat an die Nachsicht nicht nur der Katholiken derartige Anforderungen gestellt, unter dem Borgehen des Mons. Drozd und seiner Helfershelfer haben z. B. Gewerbetreibende aller Conf e s s i o n e n derart gelitten, daß Probst Karlach sich diese grobe Tactlosigkeit hätte ersparen können. Hätte sich Probst Karlach den von uns in dieser Sache von vornherein eingenommenen Standpunkt vor Augen gehalten, bei Verbrechen die Confefsion bei Seite zu lassen, so wäre ihm auch dieser Ausdruck schwerlich entschlüpft." Brünn. In der constituirenden Sitzung des neu ergänzten Cultusvorstandes wurden für die Jahre 1903 und 1904 gewählt zum Präses : Dr. Hieronymus F i a l l a, Advocat; zum Präses-Stellvertreter: im ersten Wahlgange: Adolf Weinberger, der aber das Mandat nicht annahm, sodann Leopold Bauer, Fabrikant; zu Obmännern der vier Sectionen für Cultus, Unterricht, Wohlthätigkeit und Finanzen: Alois Witrofsky, Jon. Karpeles, Sigm. Schwarz und Heinrich Kätscher. Die Gewählten haben die Mandate angenommen. Olmütz. Am 2. Februar l. I. werden in der hiesiegn Cultusgemeinde die Ersatzwahlen von 15 neuen Ausschußmitgliedern vorgenommen weiden. Die Thätigkeit des Ausschußes während der letzten Wahlperiode war nach -jeder Richtung hin eine äußerst segensreiche. Es wurde eine reichhaltige Gemeindebibliothek geschaffen, welche nebst Hebraica Werke zu Studienzweckeu, sowie populäre Werke über das Judenthum in den verschiedenen Zeitepochen, weiters Zeit- und Streitschriften enthält. Die öffentlich kundgemachten Thora-Spenden wurden — um die Würde des Gottesdienstes zu heben — abgeschafft und dafür mit der Einführung von subscribirten Spenden eine Neuerung geschaffen, welche, Dank der Opferwilligkeit und bewährten Intelligenz unserer Gemeindemitglieder, einen vollen Erfolg erzielte. Es wurde ein Siechenhausfond und ein Pensionsfond für die Beamten und Diener unserer Gemeinde activirt. Es wurde der Jugendgottesdienst, der hebräische Religionsunterricht, sowie das Armen- und Haskarawesen geregelt. Es wurden mehrere humanitäre Stiftungen in die Verwaltung der Gemeinde übernommen und schließlich anderweitige, zweckdienliche Einrichtungen in cultureller Hinsicht ins Leben gerufen. Unser geehrter Präsident, Herr Dr. I. Eben, kann daher auf diese ersprießliche Thätigkeit der Gemeinde während der letzten zweijährigen Functionsdauer mit Stolz und Genugthuung zurückblicken und muß auch bei diesem Anlaffe der verdienstvollen und für die Sache der Gemeinde äußerst eifrigen Herren Präsidiums- Mitglieder Josef L ö w und Siegmund Zweig, sowie unseres fleißigen und verläßlichen Secretärs Herrn Arnold S t ö ß l e r in lobenswerther Weise gedacht werden. Bavjaluka. In Anwesenheit eines zahlreichen Publicums fand die Einweihung des neuen israelischen Tempels statt. Das Gebäude, bescheiden in seinen Dimensionen, wurde in byzantinischem Style von dem Architekten Ivo BlaLekovie erbaut, ist mit zwei Kuppeln gettönt und im Innern reich geschmückt. Das Gebäude präsentirt sich sehr würdig. Die Eeremonie nahm folgenden Verlauf: Nach althergebrachter Sitte begann dieselbe mit der Ueberführung der Thorarollen aus ihrem alten Heim in die Bundeslade der einzuweihenden Synagoge unter Begleitung des Rabbiners Dr. Ulrich Brettholz, des Obercantors und im Gefolge des ganzen Vorstandes. Vor dem Eingänge in das neue Gotteshaus bildeten sämmtliche Gemeindemitglieder Spalier und richtete Präses Mittler an den in Vertretung des Kreisvorstehers erschienenen Bezirksvorsteher F o rk a p i « ungefähr folgende Ansprache : „Hochgeehrter Herr Bezirksvorsteher! An der Stätte, die uns die löbliche Stadtgemcinde in so loyaler Weise kostenfrei überließ, ist ein Gotteshaus erstanden, welchem wir heute die Weihe zu geben so glücklich sind. Wir stellen dieses von uns mit Hilfe unserer Mitbürger erbaute Gotteshaus unter den Schutz der hohen Behörde, dieses Haus, in dem wir bei jedem Anlasse für das Wohl Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät, für das Wohl des Vaterlandes und das Emporblühen der Stadt beten werden. Mögen Sie nun die Schlüssel übernehmen und diesen für uns so feierlichen Act eröffnen." Hierauf überreichten zwei kleine Mädchen, Aranka Mersch und Edith Brückner, dem Bezirksvorsteher den Schlüssel des Bethauses mit einer Ansprache. Oberrabbiner Dr. Brettholz aus Sissek, der die rabbinischen Functionen aus diesem Anlass? übernahm, schilderte in einer glänzenden, formvollendeten Rede die Entstehung des Tempels, die Loyalität der Stadtgemeinde und die Opferwilligkeit derselben nicht minder als die der ganzen Bürgerschaft betonend, und riß durch seinen schönen Bortrag und die Würde seiner Persönlichkeit die ganze illustre Zuhörerschaft förmlich hin. Den Gottesdienst celcbrirte Obercantor Roth aus Sissek, der durch seine klangvolle Stimme und durch seinen schönen Bortrag viel zur Verherrlichung dieses schönen Festes beitrug. Nach Absingung der Kaiserhymne, welche durch den Gesangverein „Nada" intonirt wurde, war das schöne Fest zu Ende. Anwesend waren bei der Feier u. A.: Kreisgerichtspräsident Kornfeld, Bezirk-Vorsteher N a g liü, Staatsanwalt D o m a n e k, Steuer-Oberinspector Cajkovac, Kreisarzt Dr. JanuZevsky, Architekt BlaLekoviö, Major PeZkir in Vertretung des Brigadiers, Commandant des 2. bos.-herz. Jnf.-Baons. Major Mi 6 an mit einer Abordnung der Officiere, Vice-Bürgermeister Lösch n er, mehrere Beamte der Militärbahn, die Vertretung der evangcl. G>meinde u. f. w. Effegg. In Anwesenheit überaus zahlreicher geladener Gäste und einer nach vielen Hunderten zählenden Menschenmenge fand hier die Einweihuug des neuen, vom Stadtbaumeister Hofbauer erbauten, israelitischen Cultustempels in der Unterstadt statt. Die Feier nahm einen überaus erhebenden und würdevollen Verlauf. Um halb 3 Uhr Nachmittags fyaben sich in dem alten Tempel der Oberrabbiuer Dr. Simon Ungar mit den Rabbinern Dr. Diamant (Vukovar) und Samuel Nicolsburger (Darda) mit den Mitgliedern der Unterstädter Cultusgemeinde, an deren Spitze der Vorstand Herr Josef Kellner, die Deputation der Oberstädter Cultusgemeinde unter Führung des Vorstandes Dr. Hugo S P i tz e r, die Deputationen der auswärtigen Cultusgemeinden. die Mittelschüler und spalierbildenden Mädchen eingefunden, von wo aus präcise um 3 Uhr Nachmittags die Uebertragung der Thorarollen, welche von den Mitgliedern der Unterstädter israelitischen Cultusgemeinde getragen wurden, nach dem neuen prachtvollen Tempel erfolgte. In dem neuen Tempel haben sich unterdessen die Festgäste eingefunden, und zwar seitens des Militärs FML. Alfred Edler v. Matt, die Brigadiers GM. Urban und GM. K meuovic, Oberstlieutenant Krokovic. Generalstabschef der 7. Truppendivision Hauptmann R.tter v. Wasserthal und Platzcommandant Major Carl Nunn nebst mehreren Officieren. Seitens des C vils waren anwesend die Herren: Obergespan Leviu v. C h a v r a k, königl. Rath Bürgermeister Constanlin G r a f f, Stadlhauptmann G a y e r, der Sectionsrath des k. Handelsministeriums Aladar von Ehrenhöfe r, Kammerpräsident Carl Laubner, Sauitätsrath und Spitalsdirector Dr. Muza, Stadtrath Ballo nebst zahlreichen Bürgern aus der Oberstadt und der Creme der Unterstädter Bürgerschaft. Von der Unterstädter Feuerwehr war unter dem Commando der beiden Commandanten Kaltnecker und Koller eine Abtheilung zu dem F:ste ausgerückt. Nachdem der Zug den neuen Tempel betreten hatte, begaben sich die Thoraträger sofort zu dem Allerheiligsten, woselbst die Thorarollen depouirt wurden, worauf die Uebergabe und Einweihung des Tempels vor sich ging. Stadtbaumeister Hofbauer, der Erbauer des neuen Tempels, übergab dem Cultusvorstand den Schlüssel mit einer Ansprache. Cultusvorstand Josef Kellner erwiderte mit kurzer Rede, sagte u. '21*: ^Hochgeehrte Festversammlung! Wenn ich in diesem, für unsere Cultusgemeinde so wichtigen und bedeutungsvollen, nahezu ein halbes Jahrhundert ihres Bestandes abschließenden Momente den Gefühlen, die uns beseelen, würdigen Ausdruck verleihen soll, so bin ich genöthigt,

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