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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Bloch's WoÄMNfchrift. Sette 25 bespricht die Predigerfrage und richtet an die Cultusvorsteher die Frage, ob es richtig sei, daß die gegenwärtigen Probepredigten nur eine Comödie wären und der Vorstand bereits über die Anstellung der Rabbiner entschieden habe. Herr Dr. Kadisch hält es für nothwendig, auf eine Vereinigung der wahrhaft freisinnigen Elemente aller Parteien hinzuwirken und in nationalen Dingen eine vollkommen neutrale Haltung einzunehmen. Herr Baum kritisirt die gegenwärtigen Verhältnisse der Wiener Cultusgemeinde, deren Organisationskraft mit dem quantitativen Zuwachs sich nicht gesteigert habe. Redner bespricht eingehend die Referatvertheilung im Borstande, den geringen Wirkungskreis der Bezirkscommissionen und spricht sich abfällig über den Gottesdienst im Seitenstetten-Tempel aus. Ferner regt Herr Baum eine intensivere Heranziehung der Frauen für den Wohlthätigkeitsdienst und insbesondere die rasche Activirung des „Elisabethvereines" an. Vicepräsident Dr. Gustav Kohn tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen und erklärt, daß Herr Baum mit seiner Kritik das Forum verfehlt habe, da hier keine Versammlung von Cultuswählern stattfinde. Es sei unrichtig, daß die Cultusvorsteher sich nur um ihre jeweiligen Ressorts kümmern. Die Behauptung, daß in der Gemeinde eine Trinkgelderwirthschaft herrsche, sei eine ungerechtfertigte Anklage und Redner bittet dringend, jeden einzelnen Fall, in welchem ein Functionär der Gemeinde Trinkgeld beanspruche, sofort zur Kenntniß des Vorstandes zu bringen, es werde dann unverzüglich Wandel geschaffen werden. Das Secretariat sei unantastbar, es gäbe dort keine Trinkgelder und keine Protection. Wenn einmal ein Fall vorkomme, daß Trinkgeld beansprucht werde, so könne das nur von einem untergeordneten Organ ausgehen und gegen dieses wird die strengste Strafe in Anwendung gebracht, nur müsse die betreffende Klage auch wirklich fundirt sein. Herr Dr. Elias wendet sich gegen den Modus der Bemessung der Cultussteuer. Die Cultusgemeinde Hai zu noble Passionen, sie hat keine Danaergeschenke anzunehmen. Re dner kündigt eine Agitation nach der Richtung an, daß jüdische Steuerträger nur zur Cultussteuer verpflichtet werden können; wohlthätig hat jeder auf eigene Rechnung zu sein. Herr Schick vertheidigt die Schätzungscommiffion gegen die erhobenen Vorwürfe und schlägt vor, für die jüdischen Handlungsbeflissenen einen Cyklus von Predigten zu veranstalten. Herr Plaschkes weist, auf die traurige materielle Lage der jüdischen Hausirer und Handwerker hin und erklärt es für dringend wünschenswerth, daß alle jüdischen Vereine gemeinsam für die wirthschaftlichen Interessen dieser bedrängten Schichten des Judenthums eintreten. Secretär Fleischer gibt seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß diese Anregung zu gemeinsamer Arbeit vom Vice-Präsidenten des „Jüdischen Bolksvereines" erfolgt sei, und erklärt in Uebereinstimmung mit dem Präsidenten, daß die „Union" gerne bereit sei, ein einheitliches Borgehen aller in Betracht kommenden Faktoren zu fördern, nur müsse auch der Ton, in welchem die einzelnen Gruppen ihre Grundsätze vertreten, ein anderer werden. Dr. Ascher bemerkt zur Hausirerfrage, es sei ein wahres Glück, daß zu derselben die jüdischen Corporationen als solche bisher nicht Stellung genommen haben. Ein Erfolg sei nur dann zu erzielen, wenn die Präsumtion festgehalten werde, daß die Hausirerfrage keine Judenfrage sei. Unter dem erfreulichen Eindrücke der Annäherung von Gruppen, die einander lange schroff gegenüberstanden, schloß die Versammlung kurz vor Mitternacht. Wien. Sehr verehrter Herr Redacteur! In der Redactions-Correspondenz Ihres Blattes fand ich in dir. 1 d. I., der Ausgabe der Vorwoche, auf meinen Ihnen zugesandten Artikel die folgende Antwort: ,»Elias Lehr in Wien. Die Publication Ihrer Zuschrift dürste uns vier Wochen Ferien im Landesgerichte sichern und wir haben dermalen nach solchen Ferien kein Bedürfniß..." Sie wissen wohl, geehrter Herr Redacteur, daß auf meinen Schultern bereits die Hand staatsanwaltlicher Verfolgung lastete, indem ich fcOOO Kronen als Strafquote für ein Preßdelict entrichten mußte, weil ich Beweisführungen zu Gunsten Hilsner's geltend machte, ehevor der Cassationshof sein entscheidendes Votum fällte, ohne Rücksicht darauf, daß die meinerseits geführten Beweise unwiderlegbar seien. Allerdings konnte die oberwähnte, mich allzuhart treffende Strafe auch nicht um eines Haares Breite mich den mir angeborenen idealen Anschauungen entrücken, im Gegentheil, ich fasse den Vorsatz, bei Wiedererlangung meiner Gesundheit mit doppeltem Eifer für Recht, Wahrheit und Aufklärung bis an mein Lebensende kühn einzustehen. Was mich jedoch bestimmte. Ihre Billigkeits-Empfindung durch diese Zeilen anzurufen, erscheint in der verhüllten Fassung Ihres Rückweises im redactionellen Briefkasten — begründet. Diese Ihre Antwort könnte bei vielen Lesern die irrige Meinung wecken, ich hätte oi meinem Ihnen zur Verfügung gestellten Artikel Ideen zu propagiren versucht, welche sich gegen das Staatsgrundgesetz oder gegen die Postulats gemeingiltiger Sitte oder Moral versündigen, wenigstens ließe der Hinweis auf die Haftbefürchtung solcher Vermuthung Raum, und um den Inhalt meiner Arbeit aufzuklären, mögen diese Zeilen Berücksichtigung finden. In meinem bezogenen Artikel „Der Uebergang vom Weihnachtsbaum zum Erkenntnißbaum" führte ich Argumente der Ethik an, daß auch in dem Falle, wenn ich als Christ geboren worden wäre, ich dem Weihnachtsbaum keinen Eingang gewährt haben würde, und beleuchtete hierauf die Züge der Selbsterniedrigung gewisser jüdischer Familien» deren historische Unwissenheit und Selbstbeschämung darthuend. Als Gegensatz zu allen andern geltenden Bekenntnissen führte ich das jüdische Bekenntniß ins Treffen, welches jeden Personencnltus aus seinen Dogmen strich. Moses' Gestalt gilt selbst bei a t h e i st i s ch e n Denkern — wie Häckel und Andere — als die unbedingt markanteste, hervorragendste Erscheinung der historischen Entwicklung; erst in zweiter Reihe tritt die Würdigung des Propheten, und darum hat auch die biblische Urkunde den Hinweis auf die räumliche Grabstätte Moses' nicht ausgenommen auf daß an derselben niemals eine häretische Verherrlichung zur Geltung komme, und die jüdischen Denker äußerten sich dementsprechend dahin: „Jochaul kol odo a lihejaas kemosche-4 (Jedermann könne Mose ähnlich werden). Und noch klarer tritt die Denkungsart jüdischer Gelehrter zu Tage in der lapidaren Kürze des trefflichen Satzes: „Otwebom odif — miaowie“ (Der Weise ist höher als der Prophet zu veranschlagen.) Ich bemühte nach, folgerichtig zu erhärten, wonach die führenden Geister des Judenthums uns zum Bewußtsein emportragen wollten, Denker mehr, als Gläubige zu seiir, dem Ausspruch gemäß: „YVejodato est adonaj!“ (Erkenne den Herrn! . . . Abschließend gelangte ich zu dem Ergebniß, daß der Geist jüdischer Religion die Verbrüderung des Gesammtmenschenthums allstrebe, indem wir auf dem Wege vom Weihn achtsbaum — znm Baum der Erkenntniß gelangen, wonach das geheiligte Band wahrer Tugenden und der lautersten Moral uns Alle umschlinge, da es doch eine Tugend und eine Moral für alle Zeiten und für alle Geschlechter gebe. Wenn Ihnen, verehrter Herr Redacteur, also die hier nicht wiedergebenen Argumente gegen den Weihnachtsbaum unter den gegebenen Preßverhältniffen allzufreisinnig erschienen, so muß ich mich Ihrer Auffassung unterordnen, wenngleich dieselbe der weinigen nicht entspricht, allein der Wunsch, den L e s e r über die Gr Lnde Ihres eingangs erwähnten abweislichen Bescheides aufzuklären, hat diese meine Zeilen an Sie gezeitigt. Mit dem Ausdrucke vollkommener Werthschätzung Ihr ergebener Elias Lehr. Wien. (Leopold st ädterFrauen-Wohlthätigk e i t s - B e r e i n.) Samstag den 17. Jänner 1903 veranstaltet der Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Berein und Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort in den Sophien-Sälen ein großes C o st ü m - F e st unter der Devise „Tanz in Bildern". Das reizvolle und eigenartige Programm besteht darin, daß Gemälde berühmter Meister erst als lebende Bilder dargestellt und sodann in Tanz und Musik von hervorragenden Künstlern der Wiener Bühnen und von Comile-Mitgliedern ausgeführt werden, sowie in einem imposanten Gruppen-Einzug und cinem gleichfalls von Küllstlern ausgeführten Vorspiele. Das Reinertragniß fällt den h umanitären Zwecken des Vereines zu. Ausführliche Programme werden am Fest-Abend ausgegeben. Eröffnung der Säle 8 Uhr. Beginn des Festes 9 Uhr. Einzug der Gruppen halb 10 Uhr. Das Arrangement der Gemälde wird durch Herrn Profeffor Leo Friedrich, der choreographische Theil vom Balleimeister Herrn Julius Singer und Herrn Julius H e i m a n n besorgt. Gruppen-Anmeldungen werden im Tanz-Institute Hei mann. II., Praterstraße Nr. 43 und bei der Firma Wurzel L West reich. II., Ferdinandstraße Nr. 27 entgegengenommen. Damen: Costüm oder Soiräe- Toilette. Herren: Costüm oder Ball - Toilette. Einzelkarten ä K 6'—, Familienkartcu (1 Hcrr, 2 Damen) äk 15'—, Logen gegen Aufzahlung von K 10— find zu haben: Bei der Präsidentin Frau kais. Rath Dr. Bertha Kohn, II., Stefaniestraße Nr. 2; beim Obmanne des Fest-Comitss, Hof- und Gerichts- Advocaten Herrn Dr. Josef Winternitz, II., Praterstraße Nr. 13; bei den Obmann-Stellvertretern Herren Dr. Norbert K a n i tz. II., Praterstraße Nr. 34 (Nestroyhof) und Benno R o t h z i e g e l, Apotheker. I., Rudolfsplatz Nr. L; in der Musikalienhandlung Alexander Ross. I., Kärntnerring Nr. 9; Hugo K n e p l e r, I., Habsburgergaffe Nr. 2; bei der Firma Wurzel uid West re ich, II., Ferdinandsstraße Nr. 27, sowie auch bei allen Mitgliedern des Comitös. Prag. Unter der Spitzmarte „Eine Taktlosigkeit" schreibt das Prager „Tagblatt": „Der Probst des Wischehrader Collegiatcapitels Mons. K a r l a ch bat am Sonntag bei der Constituirung der neuen Borschußcaffa „Onvöraeine lange Rede

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