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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 24 Dr. Bloch's Wochsnschrist. Nr. 2 Cultus als auch auf dem der Wohlthätigkeit an große Aufgaben herantreten, an deren Lösung mitzuwirken Redner sich zur hohen Ehre aurechnet. Hierauf wird mit allen gegen eine Stimme Herr Landesschulrath Dr. Gustav Kohn zum II. Vicepräsidenten wiedergewählt. Derselbe dankt den älteren College« für die Erneuerung, denneugewählten College« für die Zuwendung ihres Vertrauens. Redner darf wohl davon absehen, Programmatische Ausführungen vorzubringen, sein Programm sei hinreichend bekannt, er werde im alten Geiste sein Werk fortsetzen und bemüht sein, nach wie vor nach Maßgabe seiner schwachen Kräfte der Gemeinde und ihren Aufgaben zu dienen. Nach Uebergang zur Tagesordnung werden die Vorstandsmitglieder Baurach Theodor von Goldschmidt, kais. Rath Moriz H i r s ch, Dr. Felix K a tz a u, Oberingenieur von Mises, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Dr. Maxmilian Steiner, Baurath W. S t i a ß n y, Generaldirector Theodor Ritter von T a u s s i g in das Vertreter-Collegium entsendet. Es erfolgen die Wahlen in die einzelnen Commissionen und Herr Dr. Spitzer stellt den Antrag, in die Friedhofscommission 2 Delegirte der Chewra-Kadischa aufzunehmen. Präsident kais. Rath Klinger verspricht, diesen Antrag dem Vertreter- Collegium zur baldigen Erledigung vorzulegen. (Das Resultat der Commissionswahlen und der Bericht über den weiteren Verlauf der öffentlichen Sitzung folgt in der nächsten Nummer dieses Blattes.) Wien. Am 29. December 1902 fand im Ceremonienfaale des Tempels in der Müllnergasse die 36. Generalversammlung des Bethausvereines „Chewra Beth Hatfilah" statt. Der Obmann Herr G. Bettelheim drückt seine Freude über den guten Besuch Der Versammlung aus, stellte derselben Herrn Vicepräsidenten Dr. Gustav K o h n als Delegirten des Cultusvorstandes vor, indem er zugleich die Versammlung als eröffnet erklärte. Das Protokoll der letzten Generalversammlung wurde verlesen und verificirt. Der Obmann trägt den Jahresbericht vor, welchem wir folgende Hauptdaten entnehmen: Die Tempelsitzmiethen K 14.248 betragend, weisen eine Steigerung von K 2000 gegen das Vorjahr aus. die Gaben in den Opferbüchsen K 1668, was eine Steigerung um rund K 150.— ergibt, die Trauungen brachten brutto K 9500 ein, wovon die Functionäre K 4664 erhielten, dagegen weisen die Mttgliedsbeiträge K 3360 und die Tempelspenden K 4580, sowie der Durchschnittsertrag einer Trauung einen Rückgang gegen das Vorjahr aus, was der Borrragende mit den fortdauernd ungünstigen Erwerbsverhältnissen bi-gründet. Der Vorsitzende erwähnt eines Legates des seligen Herrn Leopold Kann per K 4000, für welches dessen Witwe Frau Fanni Kann großmüthig die Erbsteuern und Gebühren auf sich nahm, ferner einer von dem Reichsrathsabgeordneten Constantin Noske aus Anlaß des Ablebens des Herrn David Klang veranstalteten und im Sinne bks Verstorbenen dem Bethausvereine abgeführten Kranzablösungs-Sammlung per L 400, endlich mehrerer im abgelaufenen Jahre errichteten Maskir- und Jahrzeitslistungen, gedachte der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereins Mitglieder und schließt mit dem warmen Appell an die Anmesendeu im Kreise ihrer Freunde und Verwandten für den Verein eifrig Propaganda zu machen. Ueber Antrag des Vereinsmitgliedes Herrn Mor. Freund wird von der Verlesung des Gebahrungsausweises und Bilanzcontos Umgang genommen und dem Vorstande einstimmig das Absolutorium ertheilt. Der Gedabrungsausweis ergibt ein Revirement in der Höhe von K 68.322 und schließt mit einem Barvorrath von K 9100 und mit einem Activsaldo im Betrage von K 163149. An Stiftungen verwaltet der Verein derzeit K 20.900. Der Pensionfond veriügt über K 17.600. In den Vorstand wurden die Herren Fabriksbesitzer Adolf Mo i e r, Commercialrath Sigm. Neustad tl und Hoflieferant Josef Quittner nach einer kurzen mit ungetheiltem Beifall aufgenommenen Candidatenrede des Herrn Commercialrathes Sigm. Neustadt! einstimmig wiedergewählt. Der zuletzt Genannte ergreift nochmals das Wort, um im eigenen sowie im Namen seiner Collegen den wärmsten Dank auszusprechen und weist auf die betrübende Thatsache hin, daß der Vorstand trotz unausgesetztem Bemühen und bei stetiger Vermehrung der jüdischen Bevölkerung im IX. Bezirke, welche heute schon mehr als 15.000 Seelen betrage, nicht im Stande sei, die Zahl der Mitglieder wesentlich über 300 zu vermehren, so daß d'e ganze Last der Erhaltung und Führung des Gotteshauses auf den Schultern einer kleinen Anzahl von Personen ruhe, er bittet die Mitglieder eindringlichst, für die Vermehrung der Mitglieder sorgen zu wollen. Herr Sigm. Kornm ehl will die geringe Zahl der Mitglieder durch den relativ hohen Jahresbeitrag per K12.— erklären, es gebe sehr viele Leute, welche freudig ihr Scherflein zum Vereine beitragen möchten, aber L 12 zu leisten nicht in der Lage sind, weiters rügt er, daß am Eingänge des Jom-Kipur blos die Melodie des Kol-nidre, aber nicht das Gebet selbst vorgetragen werde. Dieser Umstand halte Viele von der Theilnahme am Vereinsleben ab. Herr Witr o fs ky möchte wünschen, daß in die Gesänge mehr Abwechslung gebracht werde, um dadurch eine größere Anziehung auf das Publicum zu üben. Nachdem der Obmann, unterstützt von Herrn E. Zuckermann, sich bezüglich des Kol-nidre auf den Ritus der Wiener Cultusgemeinde beruft und namens des Vorstandes erklärt, daß von Fall zu Fall auch kleinere Mitgliedsbeiträge gerne angenommen werden, schreitet die Versammlung zur Wahl des Ausschusses. Es erscheinen die bisherigen acht Ausschußmitglieder einstimmig wiedergewählt, u. zw. die Herren: Jacob Blau, Adolf Fränkel, Emil Fürth, Dr. Alfred Glogau, Leopold Hendl, Wilh. Pappenheim, Dr. Em. Quittner und Isidor Trebitsch. Vereinsmitglied Herr Wilhelm Pappenhenheim bemerkt, daß in den Tempeln der Cultusgemeinde das Schemone- Esre vom Vorbeter seit einigen Jahren laut recitirt werde und wünscht eine gleiche Anordnung im Vereinstempel, was der Vorsitzende in Aussicht stellt. Herr S. B r o d dankt dem Vorsitzenden für die ihm zu Theil gewordene freundliche Begrüßung und dem Vereinsvorstande dafür, daß er den Gottesdienst in ausgezeichneter Weise leite, seine Aufgabe aber nicht im begrenzten Sinne auffasse, sondern überall seinen Mann stelle, wo er glaube der gesammten Judenschaft, speciell jener des IX. Bezirkes, nützen zu können. Nachdem Vicepräsident Doctor Gustav Kohn dem Gesammtvorstande, speciell seinem Obmanne in wärmsten Worten Dank und Anerkennung des Cultusvorstandes ausgesprochen, dem Vereine zu der mustergiltigen Gebahrung seines Vorstandes beglückwünscht hat, schließt er mit dem Wunsche, der Verein möge nach 14 Jahren, d. i. bei der Jubelfeier seines halbhundertjährigen Bestandes, sich ebenso wohl geordneter Verhältnisse erfreuen, wie in der Gegenwart. Der Vorsitzende dankt namens des Vorstandes den Vorrednern für die ausgesprochene Anerkennung, den Mitgliedern für ihr Erscheinen und schließt die Versammlung. ,Oesterrcichisch-Jsraeli1ische Union." Am 5. d. M. fand im Restaurant Guth eine zahlreich besuchte, außerordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Maximilian Paul-Schiff statt, welcher u. A. die Herren Cultusvorsteher Dr. Gustav Kohn, Marcus Spitzer, Prof. Salomon Ehrmann und Eltbogen beiwohnten. Zu Beginn der Versammlung hielt der Vorsitzende dem verstorbenen Präsidenten des „Vereines zur Awehr des Antisemitismus", Herrn Gundaccar Freiherrn von Suttner einen tiefempfundenen Nachruf. Die Versammlung erhob sich zum Z'ichen der Theilnahme von den Sitzen und ermächtigte das Präsidium, diese Beileidskundgebung zur Kenntniß der Witwe zu bringen. Der Präsident machte nunmehr die Mittheilung, daß der Mitgliederstand seit 1. Jänner 1902 sich um mehr als taufend erhöht habe und daß die Agitationsarbeit, die erst vor wenigen Wochen in Ottakring - Hernals einen sehr erfreulichen Erfolg gezeitigt habe, in nächster Zeit sowohl für Wien als auch die Provinz wieder ausgenommen werden wird. Nach Bekanntgabe einiger wichtiger Vorkommnisse aus dem Rechtsschutzbureau ertheilte der Vorsitzende Herrn Dr. Oscar Hein das Wort zum Referat über einige Aenderungen der Statuten. Dieselben betreffen insbesondere den § 2 der Statuten, in welchem die Mittel zur Erreichung des Vereinszweckes schärfer präcisirt wurden; ferner den § 10, in welchem festgesetzt wurde, daß der Vereinsvorstand auf die Dauer von drei Jahren gewählt werde, daß alljährlich ein Drittel des Vorstandes auszuscheiden habe und der Präsident aus der Mitte des Bereinsvorstandes gewählt werde. Die Aenderung der Statuten wurde auf Antrag des Herrn Marcus Spitzer einstimmig genehmigt. Es folgte sodann eine freie Discussion über actuelle jüdische Angelegenheiten. Herr Edmund Singer gab dem Wunsche nach Anschluß an eine erst zu bildende freisinnige Partei, die sich nicht mit nationalen Belleitäten beschwere, Ausdruck. Herr Jaques Weiß sprach für einen festeren-Zusammenschluß aller Juden; solange dieser nicht erfolgt sei, können die Zwecke der ,Union" nicht mit voller Entschiedenheit verfolgt werden. Herr Deiches

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