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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Ar. BLvch's WochrnfchrifL S'ite 23 lene Aufgaben zu fkizziren, welche an den Cultusvorstand nach meinem Erachten in diesem Jahre herantreten werden. Ich muß mit einigen Worten auf die Reorganisation der Arbeitseintheilung zurückkommen. Wir waren bestrebt, das Plenum von der Ueberfülle rein administrativer und minder wichtiger Angelegenheiten zu entlasten, um demselben für große und vrincipielle Fragen Raum zu schaffen. Hiedurch ist aber die Thätigkeit des Bertreter-Collegiums in erheblichem Maße größer, ich möchte sagen, sie ist eine perennirende geworden, sie erfordert, daß die Vertreter mindestens einmal wöchentlich, oft aber mehrmals in der Woche, zu Sitzungen zusammentreten. Es ist deshalb dringend nothwendig, daß die Commissionen, welche Sie heute wieder wählen werden, durch gründliche Vorberatbungen die Arbeiten des Bertreter-Collegiums thatkrästigst unterstützen. Wichtige Fragen des Cultus harren der Berathung. Die bestehenden fünf Gemeindebethäuser nehmen wohl die Mittel der Gemeinde und unsere Thätigkeit im großen Maße in Anspruch. Damit halte ich aber — nach meinem persönlichen Empfinden — die Pflichten des Vorstandes in Bezug auf Cultusangelegenheiten als noch lange nicht erfüllt. Was speciell die Bethausvereine betrifft, so verdienen dieselben — ich lege Werth darauf, dies hier zu betonen — insoferne sie begründete Anforderung? n stellen, die thatkräftigste Förderung des Cultusvorstandes, und wir müssen in anerkennender Weise der Männer gedenken, welche opferwillig die Leitung der Bethausvereine auf sich nehmen. Wir müssen auch trachten, dem Mißstande, daß anläßlich der hohen Feiertage Gottesdienste in nicht entsprechenden Localen abgehalten werden, endlich energisch zu steuern, rine Angelegenheit, mit welcher sich in erster Linie die Commission für Cultus-und rituelle Angelegenheiten zu beschäftigen haben wird. Bon den Angelegenheiten der Schule, des wichtigsten Fundamentes des Judenthums, ist es insbesondere die Bestellung eines Jnspectors für den Religionsunterricht an Mittelschulen, welche sich nicht länger verzögern läßt. Die Schulcommiffion, welche den im Vorjahre erfolgten Austritt eines hervorragenden Schulmannes zu beklagen hat, wird, so hoffe ich, verstärkt durch neue Mitglieder, auch dieser Angelegenheit gewiß ihr vollstes Augenmerk zuwenden. Ich komme auf das große Capitel der Wohlthätigkeit und des Humanitären Wirkens zu sprechen. Die Herren werden sich vielleicht erinnern, daß ich, als ich die Ehre hatte, die höherbesteuerten Mitglieder zum ersten Male hier zu begrüßen, an dieselben die Frage richtete, ob sie der Ansicht seien, daß die Uebung der Wohlthätigkeit zu dem Aufgaben der Cultusgemeinde gehöre. Diese Frage wurde bejaht. Mein sehr verehrter College, Herr Vicepräsident Dr. Stern, hat nun in einer der letzten Plenarsitzungen in gediegener Rede das Capitel der Wohlthätigkeit gestreift; ich bin nicht ganz seiner Anschauung, daß der Wohlthätigkeit Grenzen gesetzt werden müssen, wohl aber stimme ich ihm vollständig bei, wenn er sagt, daß die Finanzen der Gemeinde eine weitere Belastung nicht mehr vertragen. Ich glaube aber, daß Herr Dr. Stern, welcher zu den wohlthätigsten Männern gehört, mit seinen Ausführungen nicht etwa einer Begrenzung der Wohlthätigkeit überhaupt das Wort reden, sondern nur darauf Hinweisen wollte, daß es nicht Sache der Cultusgemeinde sein könne, Alles allein zu thun. In der That wird sehr viel geleistet, Spital, Alterversorgungs- und Siechenhaus werden ausschließlich von der Cultusgemeinde erhalten. Ich ergreife bei diesem Anlässe gerne die Gelegenheit, den Herren und Damen, welche sich den Angelegenheiten der Versorgungs- Anstalt in hingebungsvoller Weise widmen, erneuert den Dank auszusprechen, desgleich.n den Mitgliedern der Spitals-Commission. Was die Armenpflege anbelangt, wird es in erster Linie unsere Aufgabe sein, unsere von vortrefflichen Männern geleitete, altehrwürdige Armenanstalt zu schützen und zu fördern. Damit ist jedoch unsere Thätigkeit nicht erschöpft. Wir haben vor mehreren Jahren eine Enquete darüber einberufen, wie die Armenpflege zu centralisire.i sei. Wir haben ein Comite für Reform der Armenpflege eingesetzt. Im Vorstande selbst sitzen Männer, welche den Beruf und die Befähigung in sich haben, auf dem Gebiete der Armenpflege Bedeutendes zu leisten. Sie würden sich ein außerordentliches Verdienst für alle Zukunft erwerben, wenn es ihnen gelingen würde, eine Centralisation zu schaffen oder zumindest anzubahnen. Um ein Beispiel zu geben, verweise ich auf den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Einige Frauenvereine haben sich vereinigt und die Erfolge sind bereits zu Tage getreten: die frühere Zersplitterung ist einer zielbewußten Centralorganisation gewichen. Das Comite für die Reform der Armenpflege hat eine der schwierigsten Aufgaben, die endlich gelöst werden müssen. Ich werde mir erlauben, dieses Comits sofort einzuberusen. Meine Herren! Gestatten Sie mir, daß ich einen etwas wunden Punkt unserer Statuten berühre, die Bezirks-Commissionen. Wenn diese Bezirkscommiffionen sich immer vor Augen halten, daß die Einheit der Gemeinde stets das Erste und Letzte sein müsse und daß hierin ihre Stärke liege, so verspreche ich mir, daß sie den Zweck, zu welchem sie geschaffen wurden, die Behebung der Indolenz, auch erreichen werden. Durch die Bezirkscommiffionen sollen dem Vorstande Wünsche und Beschwerden, mit welchen sonst bis zur Wählerversammlung gewartet wurde, schon früher zugehen, damit er in die Lage komme, dieselben geschäftsordnungsmäßig zu behandeln und rechtzeitig zu erledigen. Sehr dringend ist die Frage der Regelung des Pensionsfondes für die Gemeindeangestellten, für welchen gleichfalls ein Counts besteht. Ich werde jene Herren, welche die Wahl in dieses Comite annehmen, bitten, an hie Arbeiten zu gehen, damit die Angelegenheit, welche den Vorstand schon seit 10 Jahren, bisher leider ohne Ergebniß, beschäftigt, endlich zu einem gedeihlichen Abschlüsse geführt werde. Wie den Herren bekannt ist, haben wir 240 Vertrauensmänner, von denen 120 bereits gewählt find und 120 vom Vorstände zu berufen sein werden. Das Bertretercollegium wird sich die Ehre geben, Ihnen in der nächsten Plenarversammlung diesbezügliche Vorschläge zu unterbreiten. Eine sehr wichtige Angelegenheit ist die Bestellung von Predigern. Dieselbe wird im Wege der im Zuge befindlichen Probe-Predigten oder auf andere Weise im Vorstande eine objective Erledigung finden. Was die Finanzen der Gemeinde betrifft, muß ich auf das Budget Hinweisen, wobei ich betone, daß an eine weitere Erhöhung der Steuern gewiß nicht gedacht werden kann und daher Sparsamkeit nach jeder Richtung sich empfiehlt. Meine Herren! Sie haben immer Gelegenheit, sich an den Arbeiten zu betheiligen, und Initiativanträge und Interpellationen, deren Einbringung im Sinne der Geschäftsordnung statthaft ist, werden stets der Behandlung zugeführt werden/Arbeiten wir vereint und wir werden unsere Pflicht erfüllen. (Lebhafter Beifall). Im Namen und im Aufträge der neugewählten Vorstandsmitglieder dankt Prof. Ehrmann dem Präsidenten für die herzliche Begrüßung. Er wolle die kostbare Zeit nicht für eine längere Rede in Anspruch nehmen und begnüge sich mit der kurzen Erklärung, daß er sowohl wie seine College« den Eintritt in das Vorstands-Collegium als hohe Ehre und schwerwiegende Aufgabe erachten, der gerecht zu werden ihr guter Wille ist. Diesen guten Willen wollen sie durch Thaten beweisen. (Bravo.) Bei der statutengemäß vorgenommenen Wahl der Bicepräsidenten wurde Herr Dr. Alfred Stern mit allen gegen eine Stimme zum Ersten Bicepräsidenten wiedergewählt. Der Gewählte dankt in herzlichen Worten den College» für den erneuerten Beweis des Vertrauens und gibt die Zuficherung, in erhöhtem Maße seine Thätigkeit den Interessen der Gemeinde zuzuwenden. Das neue Verwaltungsjahr steht unter einem doppelten Zeichen. Im Siechenhaus der israelitischen Cultusgemeinde ist der III. Stock fertiggestellt und eingerichtet, und wir werden an die Besetzung und Benützung desselben schreiten. Mit solchem Acte segnender Wohlthätigkeit beginnen wir das Berwaltungsjahr. Andererseits sind wir auch im Begriffe, für die Erfüllung eines der wichtigsten Cultusbedürfniffe durch die Wahl geeigneter Prediger Sorge zu tragen. Der stetig zunehmende Zudrang zu den Probepredigten im israelitischen Tempel der Leopoldstadt ist ein Beweis, wie kräftig das religiöse Leben in der Gemeinde pulfirt und welch allgemeines Interesse der Neuwahl von Predigern zugewendet wird. Seit 50 Jahren hat der Wiener Cultusvorstand nicht aus eigenen Mitteln einen Tempel erbaut, und es sei Zeit, auch diesem Pflichtenkreis erhöhteAusmerksamkeit und Thatkcaft zuzuwenden. Die Vorsorge für die Cultusbedürfnisse ist der Hauptzweck der Cultusgemeinde. In der ersten Sitzung des Comitss für den Tempelbau in der inneren Stadt, um dessen baldige Einberufung Redner den Herrn Obmann ersucht. werde er bereits in der Lage sein, geeignete Vorschläge zur Prüfung und Berathung vorzulegen. So werden wir im Laufe des neuen Berwaltungsjahres sowohl auf dem Gebiete des

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