Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 10 Dr. Bloch's Wochonschrift. Nr. 1 Rzeszow. Hier haben edelherzige Frauen eine jüdische Volksküche, an deren Spitze die Damen Dr. Hochfeld, Dr. Teller, Regina Blumenberg, S. Teller, Adela Zinemann u. A. stehen, errichtet. In dieser eminent wohlthätigen Anstalt werden zu Mittag eine reichliche Portion Fleischbrühe, Fleisch und Brot um 10 und 6 Heller p.-r Portion und den ganzen Tag Thee und zwei Semmeln um 6 Heller per Portion, sowie auch viele Gratisportionen verabsolgt. Täglich erscheinen die genannten Frauen in der Volksküche, um ihres schwierigen Amtes zu walten, und mit ihnen wetteifern auch andere Wohlthäter, um dieses humanitäre Institut zu fördern. Auch der Stadtmagistrat hat zu diesem Zwecke 300 Kronen gespendet. Angesichts des überaus strengen Winters und der gesteigerten Armuth haben sich die edlen Frauen mit ihrem opferwilligen Unternehmen ein hohes Verdienst erworben. Diesen Damen, sowie allen Spendern sei hiemit Dank gesagt. Przemysl. Ueber Anregung der Jngenieursgattin Frau Olga Reiniger bildete sich auch im heurigen Jahre ein Damencomite zum Zwecke einer Chanukabescheerung für arme Kinder. Das engere Comite, bestehend aus den Damen: Aschkenazy, Fraunglas, Höniger, Landes, Lwow, Mannheim, Mantel, Peiper, Reiniger, Nosenbach und Wegrzyn brachte im Subscriptionswege eine derartige Summe auf, daß ungefähr 100 Kinder mit Winterschuhen, Wollstrümpfen. Jägerwäsche und warmen Wollkleidern ausgestattet werden konnten. Anläßlich der Vertheilung hielt der Baucommissär der k. k. Staatsbahn Herr Ingenieur Goldstein eine der Bedeutung des Festes entsprechende geistvolle Ansprache, die nach einem historischen Rückblicke in die Danksagung namens der Kinder ausklang. Außer der genannten Beschcerung wurden die Kleinen mit Kuchen, Aepfel, Orangen und Nüssen beschenkt. Unsere jüdische Volksküche hat heuer angesichts des harten Winters einen besonders starken Zuspruch aufzuweisen, und soll an dieser Stelle der werkthätigen Unterstützung seitens der weiblichen Elite der jüdischen Gesellschaft rühmend gedacht werden. Marrenüad. (C u l t u s g e m e i n d e.) Bei der heute erfolgten Constituirung des Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurden nahezu einstimmig gewählt: als Vorsteher Emil B a r u ch, als dessen Stellvertreter Alois Kohn, Cassier Adolf Holub. Rechnungsführer Otto Wolfner, Tempelvorsteher Moriz Duschenes, Schriftführer Adolf Steiner. Vorstandsmitglieder: Siegfried Fischl, Josef Kafka. Als Ersatzmänner: David Goldmann, Hermann Horowitz, Ignaz Engel, Henri Fery. In den verstärkten Vorstand: David Horowitz, Friedrich Benisch, Moriz Kraus, Dr. Oscar Rosenberg. M. Löwy, Heinrich Bernard, Rudolf Löwy, Ignaz Fantes. In die Umlagecommifsion: Eduard Stern, Sigmund Schneider, Max Krämpl, Sam. Veit. Adolf Gutwillig, Karl Kohn. Als Caffa-Revisoren: Heinrich Kohn, Max Lettner. Saaz. Bei den hier vorgenommenen Neuwahlen in die Vertretung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurden folgende Herren für die nächste dreijährige Functionsperiode in den Gemeindeausschuß gewählt: Dr. Adolf Anspach. D. Abeles, M. Abeles, Leopold Bechert, Gust. Brod, Ad. Epstein, I. Friedmann, Dr. Eugen Grünfeld, Siegfried Glaser, Dr. L. Herschmann. Ad. Kellner, Ed. Kohn, Julius Kohn, Siegfried Kohn, Jac. Lang, Gust. Bieblich. Sigmund Lederer, Ed. Löwy, Dr. M. Löwy. Sigm. Löwy. Bernh. Löwy, Ed. Löbl, Josef Mendl, Heinrich Melzer, Josef Nohel, M. Rindskopf, Dr. B. Robitschek, C. Schwager, Josef Singer, Jul. Sommer, Ed. Stern, Alois Weil, Ad. Weiner, Sigmund Weiner, Ad. Weißkopf. Witkowitz (Mähren). In überaus würdiger Weise wurde diesmal hier C h a n u k a gefeiert. Mit dem allseits geachteten, mit seltenem, nimmermüden Eifer thätigen Obmanne Herrn Leopold R u feisen an der Spitze, hat es der hiesige Tempelverein dank dem Zusammenwirken aller Interessenten in verhältnißmäßig kurzer Zeit so weit gebracht, daß am 26. December i902 das mit würdevoller Einfachheit sehr hübsch eingerichtete neue Bethaus unter großer Betheiligung mit einer rituellen Ehanuka-Feier eingeweiht werden konnte, die einen sehr schönen Verlauf nahm und verdient insbesondere die paffende, formvollendete Festrede des Rabbinatscandidaten und Religionslehrers Herrn Dr. Rubin Färber hervorgehoben zu werden, welcher seit seiner hiesigen Amtsthätigkeit wesentlich dazu beiträgt, das früher scheinbar ganz eingeschlafene jüdische Bewußtsein und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu wecken und Sinn und Neigung dafür dauernd zu erhalten. Am Sonntag den 28. December v. I. fand nun das eigentliche Fest, ein großariig angelegtes „Ehanuka- F a m i l i e n f e st", statt, welches in allen seinen Theilen als äußerst gut gelungen bezeichnet werden muß; den eigentlichen Anlaß zur Veranstaltung dieser Feier bot der Umstand, daß sehr viele arme jüdische Schulkinder im Orte sind, die erst Heuer zum erstenmale durch die beondere Munificenz und Hochherzigkeit eines Herrn, der nicht nur wegen seines Ranges und seiner Stellung, sondern auch ob seines leutsseligen Wesens sich eines hohen Ansehens erfreut, mit Zuhilfenahme der Mildthätigkeit vieler Anderer mit Kleidern rc. beschenkt wurden. Um nun alljährlich eine Winterbescheerung dieser armen Kinder zu sichern, constituirte sich über Anregung des Herrn Dr. Rubin Färber ein Comite zur Veranstaltung eines Wohlthätigkeits-Chanukafestes zum Be st en eines Bekleidungsfondes für arme Kinder, welches, wie erwähnt, am letztvergangenen Sonntag stattfand und sich trotz einer Concurrenzunternehmung, der Makkabäerfeier der „Heffiana" in M.-Ostrau am selben Tage, eines alle Erwartungen weit übersteigenden colossalen Besuches zu erfreuen hatte, so daß der große Saal die vielen Theilnehmer kaum zu fassen vermochte. Auch Se. Ehrwürden, der Herr Bezirksrabbiner Doctor S p i r a aus M.-Ostrau hat das Fest durch seinen Besuch ausgezeichnet. Eingeleitet wurde die Feier durch einige Musikpiöcen der Witkowitzer Werkscapelle, worauf Frl. Alice Adler einen von Herrn Bernhard Zelinka verfaßten „Chanuka-Fest-Prolog" meisterhaft vortrug, der von den Anwesenden mit brausendem Beifalle quittirt wurde. Hierauf folgten verschiedene, sehr hübsche, vom Herrn Doctor Rubin Färber einstudirte deklamatorische und musikalische Vorträge, von denen wir der Kürze halber nur anführen, daß einer besser war, als der andere und jeder reichen und wohlverdienten Beifall erntete; tiefen Eindruck erzielte insbesondere das vom Frl. Erna Rieß vortrefflich declamirte Poem: „Heimat in der Fremde". Eine Glanznummer dieses sehr gediegenen Abends war auch das „Quintett", das sich durch den frenetischen Beifall zu einer kleinen Zugabe gezwungen sah. Zum Schluffe der Vorträge — von welchen über b ehördliche Verfügung mehr als zwei Drittel unterbleiben mußten — brachte Frl. Alice Adler einen gleichfalls von Herrn Bernhard Zelinka verfaßten „Epilog" sehr wirksam zum Vortrage, wofür dieselbe recht lebhaften Beifall einheimste. Im Saale waren auch vier sehr geschmackvoll und originell decorirte Buffets aufgestellt, in denen die Frauen David, Fischer, Haberfeld, Lichtenstern, Roth, Weiß, Zelinka und die Fräuleins Adler, Färber, Fei weles, Krieger, Langer, Geschwister Li ndn er, Rieß und Weiner in liebenswürdigster Weise diverse kalte Speisen, Torten, Backwerk u. s. w. verkauften, welche in großer Fülle und reichster Auswahl von fast allen hiesigen jüdischen Hausfrauen dem Comite gespendet worden sind. Nach Beendigung der Vorträge wurde bis spät Nachts — eigentlich Morgens — flott getanzt, wozu die Witkowitzer Werkscapelle die Musik bestens besorgte. Das „Chanuka- Familienfest" erzielte trotz großer Auslagen den ansehnlichen Reingewinn von nahezu 500 Kronen, welcher Betrag fruchtbringend angelegt werden wird und den Grundstock für die Schaffung eines Kinderbekleidungsfondes bildet. Den Veranstaltern dieses Wohlthatigkeitsfestes. in erster Linie dem Herrn Dr. Rubin Färber, den Herren Zelinka, Weiß, Haberseld, sowie überhaupt allen Damen und Herren des Comites, welches in so kurzer Zeit so Vieles, Schönes und Gutes geleistet hat, gebührt alle Anerkennung und der großartige Erfolg dieses „Chanuka-Festes" wird dieses brave Comite hoffentlich animiren, recht bald wieder — aus den letzten Worten des „Epilogs" war ja ein Wiedersehen zu Purim in Aussicht gestellt — etwas so Gelungenes zu veranstalten. A k n i l e z. Troppau. (D r. Moriz Eisler.) Genau einen Monat vor Erreichung seines achtzigsten Lebensjahres ist der heute zur Erde bestattete philosophische Schriftsteller und Gelehrte Dr. Moriz Eisler hier aus dem Leben geschieden. Geboren in Proßnitz, hat er den größten Theil seines Daseins in Nikolsburg hingebracht, wo er bis vor wenigen Jahren als Director der dortigen jüdischen Volksschule und gleichzeitig als Religionslehrer am Gymnasium wirkte. Seine gelehrte Thätigkeit betraf größtentheils das Feld der jüdischen Philosophie im Mittelalter. Er hat eine ganze Anzahl von Schriften veröffentlicht, deren manche auch in der „Neuen Freien Presse" eine eingehendere Würdigung erfahren. Das letzte Vierteljahrhundert seines Lebens war namentlich von solcher literarischer Thätigkeit ausgefüllt. Unter seinen Schriften sind zu nennen seine dreibändigen Vorlesungen über die jüdische Philosophie des Mittelalters, erschienen in den Jahren 1877 bis 1883, seine „Quellen des spinozistischen Systems", dann sein „Jbn David", „Jbn Zadik", „Aron ben Elias". Er kannte besonders gut das unter maurischem Einflüsse herangereifte Geistesleben der Juden Spaniens und berührte sich in seinen Forschungen vielfach mit dem demselben mährischen Hannaboden wie er entsprossenen David Kaufmann, der vor zwei Jahren noch verhältnißmäßig jung als Hochschulprofessor in Budapest gestorben ist. Moriz Eisler war ein Mann von rastloser Thätigkeit, und ganze Generationen von Schülern hat er an der Volks- und Mittelschule herangebildet. Vor nicht ganz cinem Decennium feierte er unter der Theilnahme der weitesten Kreise das Jubiläum seiner vierzigjährigen Lehrthätigkeit in Nikolsburg, und von weit her kamen einstige, nun in hervorragender Stellung thätige Schüler dahin, um ihren Meister dankbarst zu begrüßen. Seit einigen Jahren lebte er hier, wo sein Sohn Dr. Emil Eisler als k. k. Finanzcommissär wirkt, ein otium cum dignitate, das jedoch in letzter Zeit durch Krankheit ernstlich getrübt war. Der Tod hat ihn von großen Leiden