Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 6 Dr. Bloch's Wochvnsthrift. Nr 1 gefunden haben, und brachte ein Schreiben des Herrn Cultusvorstehers Salo Cohn zur Verlesung, welcher von Berlin aus, wo er gegenwärtig weilt, sein Fernbleiben entschuldigt und seine besten Wünsche für das Emporblühen dieses Mustervereines unter der Führung des berühmten Künstlers übermittelt. (Lebhafter Beifall.) Das Protokoll der letzten Generalversammlung wird durch den Schriftführer Herrn Hermann Liebermann verlesen und sodann einstimmig verificirt. Der Präsident Fleischer erstattet hierauf den Jahresbericht, gedenkt zunächst der im Laufe des Jahres dahingeschiedenen Bereinsgenoffen : Dr. Jacob F o l k m a n n, Doctor Karl Fuchs, Moritz Krakauer, David M a r l r und Julius Mittler, und die Versammlung ehrt ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen. Der Verein zählt 261 Mitglieder. Als Jahresbeitrag leisten: 1 Mitglied X 50.—, 2 Mitglieder X 40.—, 5 Mitglieder X 30.—, 3 Mitglieder X 24.—, 54 Mitglieder K 20—, 6 Mitglieder X 16.—, 1 Mitglied X 15.—, 189 Mitglieder X 12.—. Der Vereinsvorstand hielt neun Plenarsitzungen, mehrere Sections- und Comitsberathungen ab und erledigte 510 Geschäftsstücke. Der Gottesdienst im Vereinstempel erfreute sich eines immer stärkeren Besuches, namentlich an Freitag-Abenden, wo Exhorteu abgehalten werden. Am 11. Mai wurden 26 Mädchen feierlich confirmirt, und der Andrang des Publicums zu dieser Feierlichkeit war so zahlreich, daß aus Sicherheitsgründen eine Beschränkung der Besucherzahl vorgeuommen werden mußte, ein Beweis für das in weitesten Kreisen sich kundgebende Interesse an diesem weihevollen Religionsacte, um dessen würdige Ausgestaltung Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Taglicht ein bleibendes Verdienst sich erworben hat. (Lebhafter Beifall) Der Präsident gedenkt auch aus diesem Anlässe der musikalischen Leistungen des Herrn Obeicantors D ü n m a n n mit Dank und Anerkennung. Das Gcburtstagsfest Sr. Majestät des Kaisers hat der Verein durch einen Festgottesdienst begangen. Im Bereinstempel wurden 58 Trauungen, 27 Barmizwah-Confirmationen, 17 Namengebungen vorgenommen. Bei der Betsitzvermiethung ergab sich, daß die Zahl der verfügbaren Sitzplätze für Frauen im Vereinstempel nicht mehr den Bedarf entspricht. Nicht einmal alle Wünsche der Vereinsmitglieder konnten befriedigt werden. An die Bereinsleitung tritt die Nothwendigkeit heran, die Vergrößerung des Tempels in Betracht zu ziehen. Der Filial-Gottesdienst im Niederösterreichischen Ingenieur- und Architektenverein hat alle Theilnehmer befriedigt und ergab auch finanziell ein günstigcs Resultat. Dabei sind 80 Bel sitze der Cultusgemeinde zur Vertheilung an Bedürftige gratis zur Verfügung gestellt worden. Auch das Bethaus in der Gumpendorferstraße bot Sitz' zu billigen Preisen und vertheilte 20 Freiplätze. Das Spendenconto weist ein um 500 Kronen höheres Ecgebniß auf als im Vorjahre. Stiftungsspenden sind dem Vereine zugekommen: von den Herren Brüder Böhm eine Jahrzeitstiftung für Herrn Bernhard Böhm im Betrage von X 1000 und eine solche im gleichen Betrage für Herrn Naftali Böhm. Frau Henriette Groß mann erlegte für eine Maskir-Stiftung für ihren seligen Gatten Herrn Maximilian Großmann den Betrag von X 2000. Herr Hermann König eine Jahrzeitstiftung für seinen seligen Vater im Betrage von X 1200. Frau Frida Strauß für die Eintragung des Namens ihres seligen Gatten, des unvergeßlichen Herrn Jacob Strauß, auf der Stiftertafel im Vorroume des Tempels X 600. Herr kais. Rath Tofler spendete anläßlich des Ablebens seiner Mutter X 400. Herr Bernhard Fried widmete uns einen Eigenthumsitz im Werthe von X 800. Herr Wilhelm Ungar und Herr Benno Jonas sammt Frau Gemahlin spendeten je ein seidenes goldgesticktes Thoramäntelchen. Frau Sophie Heim eine Anzahl von Laufteppichen. Den edlen Spendern wird der Dank votirt. (Lebhafter (Beifall.) Die Max Fleischer'sche Wohlthätigkeitsstiftung wurde von der Statthalterei genehmigt und werden die Zinsen des Stiftungscapitals im März 1903 zum erstenmale zur Bertheilung gelangen. Die wesentlichste Bestimmung des Stiftungsbriefes ist die, daß diese Stiftung verarmten jüdischen Gewerbetreibenden oder Geschäftsleuten der Bezirke Mariahilf und Neubau zu Gute kommen soll, wobei ehemalige Mitglieder des Tempelvereincs oder Angehörige von Bereinsfunctionären den Vorzug genießen sollen. Der Bericht fährt dann fort: »Wie Ihnen bekannt, wurde unserem geschätzten Vorstandscollegen Herrn Josef Tofler der Titel eines kais. Rathes verliehen und die verehrten Collegen Herr Albert Janowitzer und Max Eisenberger wurden zu k. k. Commercialräthen ernannt. Wir beglückwünschen die genannten Herren hiemit auch namens unserer heutigen Generalversammlung." (Lebhafter Beifall.) »Dem hochverehrten Präsidenten der Cultusgemeinde Herrn kaiserl. Rath Heinrich Klinger hat auch der Vorstand namens desselben zum 70. Geburtstage deputativ beg'ückwünscht und eine kalligraphisch ausgestattete Adresse überreicht/ (Lebhafter Beifall.) Der Bericht erwähnt sodann der goldenen Hochzeitsfeier, welche ein langjähriges treues Vereinsmitglied, Herr Jofef I. Hock, am 6. December beging und beglückwünscht ihn im Namen der Generalversammlung und fährt dann fort: »Des Ferneren theilen wir Ihnen mit, daß wir das erprobte. vielfach bewährte und die Vereinsintercssen stets in munificenter Weise fördernde Mitglied unseres Vereines, Herrn Salo Cohn, der auch durch eine längere Reihe von Jahren die Cultusgemeinde in unseren Generalversammlungen vertreten hat, am 18. d. M. anläßlich seines 60. Geburtstages durch Uebermittlung einer kalligraphischen Adresse geehrt babcn. Gott erhalte ihn noch lange Jahre in ungetrübtem Wohlbefinden zu Nutz und Frommen der Gemeinde und unseres Vereines/ Endlich spricht der Bericht dem Vorstand der Muttergemeinde den Dank aus für das stete Interesse, welches derselbe für das Gedeihen des Vereines bewährt hat. Die Vereine können nur im Wohlwollen des Gemeindevorstandes Förderung und Vorwärtsschreiten finden, und die Gemeinde wiederum findet Unterstützung bei Erfüllung ihrer statutarischen Aufgabe durch gesunde und lebensfähige Culiusvereine, solange sie nicht aus eigener Kraft allen Bedürfnissen des Cultus gerecht werden kann. (Lebhafter Beifall.) Zum Jahresbericht erbittet sich Vereinsmitglied Herr G o l l e r st e p p e r das Wort, um zu constatiren, daß auch der Verein „Tefillas Haneorim" zwanzig ' Sitze der Vertretung der Cultusgemeinde gratis zur Verfügung gestellt hat. Cassaverwalter kaiserl. Rath Friedrich P o l l a k (Myrthengafie) bringt in einem geistvollen Expose R chnungs übschluß und Bilanz zum Vortrag. Er zeigt durch eine interessante Zusammenstellung der Z'ffern des vorjährigen Budgets mit dem diesjährigni überaus günstige Berwaltunasergebriffe. Nicht blos die Einnahmen haben sich erfreulicher Weise vermehrt, auch die Ausgaben, die Regiespesen haben eine Reduction um nahezu 10 Percent erfahren. Der Gebahrungsüberschuß von circa 8900 X wird zu Abschreibungen und zur Deckung früherer Ausgaben verwendet. Redner behandelt sodann noch ausführlich das Capitel Stiftungsspenden, welches in diesem Jahre eine ansehnliche Summe aufweist. Die Freunde und Gönner des Vereines vergessen seiner nicht bei jeder traurigen Gelegenheit. Es wäre aber eine größere Befriedigung, wenn diese edelherzigen Gönner auch unseres Vereines bei freudigen Anlässen sich erinnerten. (Lebhafter Beifall.) Im Namen der Revisoren erstattet Herr Ignaz Reschovsly den Bericht und beantragt das Avsolutorium. (Angenommen.) Der Vorsitzende Cultusvorsteher Architekt Max Fleischer, welcher in diesem Jahre nicht blos als Vereinspräsident, sondern auch als Delegirter des Cultusvorstandes an der Generalversammlung theilnimmt, ergreift das Wort, um im Namen des Cultusvorstandes den Collegen in der Vereinsleitung, welche mit Liebe und Treue, mit Hingebung, Aufopferung und Umsicht die Geschäfte des Vereines führen, seine Interessen erfolgreich wahrnehmen, den herzlichsten und innigsten Dank auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Kais. Rath Friedrich P o l l a k erbittet sich das Wort, .nicht der Noth gehorchend sondern dem eigenen Triebe folgend/ Es sei ein eigenthümlicher Zufall, daß der geliebte Präsident heute nicht blos als Vorsitzender, sondern auch als Delegirter des Cultusvorstandes fungirt, der bei den letzten Wahlen einen bedeutenden moralischen Sieg gefeiert bat. Zu diesem Siege hat vor Allem der glänzende Name und die hohe Popularität unseres Max Fleischer viel beigetragen, der als genialer Künstler, als edler Menschenfreund und treuer Jude allgemeine Bewunderung genießt. (Lebhafter Beifall.) In unserer Vereinsleitung sitzen elf Collegen und der Präsident arbeitet soviel als alle anderen zusammen. Diesem gebührt somit ein elffacher Dank. Redner fordert die Versammlung auf, zum Zeichen der Verehrung und Anerkennung für den Präsidenten sich von den Sitzen zu erheben. Die Versammlung erhebt sich und bereitet dem Präsidenten eine stürmische Ovation.