Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 52 (26.12.1902)
- Date
- 1902-12-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 856 Dr. Bloch's Wochvnschrifk. Nr. 52 in den verschiedensten Städten und bei allen Congreffen, als Gründer und Förderer von vielen Vereinen hat er sich hervorgethan. Umso befremdender wirkt das Verschweigen seiner Thätigktfc «üb die Uebergehung der ersten rumänischen Colonren in zionistischen Parte^chrWe» und Blättern, und wir sehen uns umso eher veranlaßt, der Broschüre hi« Erwähnung zu lhun, als jeder redliche Arbeiter — mag er nach welcher Richtung immer seine Kräfte bethätigcn — drr Anerkennung und Würdigung werth ist. Lippe steht allerdings nicht aus dem Standpunkt des Hcrzl'schen Zionismus. Im »Stindaridul", sowohl wie in der Berliner Monatsschrift »Zion" präcisirte er seine divergirenden Anschauungen. Er ist der Meinung, daß keine Regierung gewillt sein wird, von ihrem Gebiete einen Theil aözutreten, um einen Staat im Staate zu gründen, er glaubt, daß Herzl's »Judenstaat" uur auf einem herrenlosen Boden errichtet werden könne, den es nicht gibt und d-r Palästina gewiß nicht ist. Mas er anstrebt, das ist die allmälige Colonisation Palästinas mit jenen Juden vor All m, die in ihrer Heimat weder wirthschaftliche noch sociale Lebensmöglichkeil haben, was er erreichen möchte, ist die Hebung der landwirthsch östlichen Cultur Palästinas und die Erziehung drs durch das Unglück und die Bedrückung demoralisirten jüdischen Proletariats zu freier, würdiger Albett im Lande der Väter. Mit diesen Plänen beweist er sein warmes Interesse für das Judenthum, und das soll hier wenigstens dankbar anerkannt werden. Lippe ist nicht blos auf humanitärem und zionistischem Gebiete thätig, er hat auch durch seine gelehrten Schriften sich einen bekannten Namen gemacht und gerechte Anerkennung erworben. Die Jude» in Rumänien. Bon Bernard Lazare. Autorisirte deutsche Uebersetzung. Berlin 1902. H. S. Hermann. Preis 1 Mark. Diese Broschüre von Bernard Lazare, dem berühmten Vorkämpfer für DreyfuS, die bei ihrem Erscheinen in Frankreich so viel Aufsehen erregt hat. liegt nunmehr in deutscher Uebersetzung vor. Wendet sich die Broschüre auch unmittelbar an die Unterzeichner des Berliner Vertrages, um nachzuweisen, wie dessen Bestimmungen verletzt sind, so werden doch zugleich die rumänischen Verhältnisse allseitig so scharf beleuchtet, daß die wirthschaftlichen Zustände des Donaureiches in ihrer schlimmen Gestaltung klar hervortreten. Lazare stellt fest, daß die Masse der eigentlichen Rumänen Bauern sind, und von ihnen schreibt er: »Nirgendwo ist der Bauer so unglücklich, wird er so mißhandelt, wie in Rumänien.. . Nominell ist er emoncipirt worden, in Wirklichkeit ist er der Sclave der Bojaren geblieben, der ihn in Unwissenheit und im Schmutze sein Leben fristen läßt. . . . Die Politiker haben schon im Jahre 1888 einen Ausstand auf dem Lande ausbrechen sehen, sie haben gesehen, wie die Bauern in die Besitzungen eindrangen, Getreide in die Flüsse warfen und Alles ringsherum zerstörten. . . Wenn morgen der Bauer mit neuen Steuern belastet wird, bricht der Brand von Neuem aus." Die schlechte Wirthschaft der rumänischen Politiker zwingt aber zu immer neuen Steuerauflagen, und würde dann wieder eine Bauernrevolte losbrechen, so wüßte das auch die schlimmste Wirkung für die rumänischen Finanzen und für die Besitzer rumänischer Papiere haben. Dr. M. Braun. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Begründet von Dr. Z. Frankel fortgesetzt von Professor Dr. H. Graetz. Neue Folge, im Vereine mit Professor Dr. David Kaufmann s. A. ins Leben gerufen und herausgegcben. Breslau. Verlag von Wilhelm Ko ebner. Abonnementspreis für den Jahrgang in 12 Heften 9 Mark. Sechsundvierzigster Jahrgang, Neue Folge, zehnter Jahrgang, September, October 1902. Inhalt: Sigmund Jampel: Die Wiederherstellung Israels unter den Aehämeniden. (Fortsetzung.) Dr. Joses Eschelbach er: Die Vorlesungen Ad. Harnack's über das Wesen des Christenthums. (Fortsetzung.) Dr. I. Elbogen: Geschichte des Achtzehngebets. (Fortsetzung.) Dr. N. Kronberg: Die Amoräer in neuer Beleuchtung. Dr. Sigm. Fränkel: Zum rmtatwi nac. Dr. M. Brann: Die Grabschriften der Familie Fränkel-Spira in Prag. Moriz Steinschneider: Purim und Parodie. (Fortsetzung.) Notiz: Dr. W. Bacher: Die Echtheit der Dumasch zugeschriebenen Kritik gegen Saadja. Besprechungen: Die Abhandlungen Barth's, Cornill's, Hommel's, Jensen's, Kittel's, König's und Oettli's über „Bibel und Babel", besprochen von Sigmund Jampel. Acten, herausgegeben von der Commission zur Untersuchung alter Acten in Wilna. Von Dr. Samuel Poznaüski. „Ost und West". Jllustcirie Monatsschrift für modernes Judenthum, December 1902, II. Jahrgang Nr 12. Verlag von S. Calvary u. Comp. Berlin N. W. 7. Inhalt: Juda Makkalis Gebet. — Etwas über Chamberlain. — Sabbathausgang. — Die Schaffenden und das Judenthum. — Berliner Judentaufen. — Leitende Ideen der althebräischen Verfassung.— Ein'jüdischeS Ueberbrettl. — Ein junger jüdischer Dichter. Eine neue Bibel. Dr. S. Bern selb, der bekannte, in Berlin lebende Gelehrte, hat die ganze Bibel in ein vorzügliches Deutsch übertragen. Sein Zweck war, den Inhalt derselben getreu wiederzugeben, aber die Lectüre durch Anpassung an den modernen Sprachgeist genußreich zu gestalten. Das ist ihm vorzüglich gelungen. Das Werk ist in schöner Ausstattung in dem um die jüdische Literatur vielverdienten Verlage S. Calvary und Comp. Berlin erschienen. Preis 5 Mk. Es sollte in keinem Hause fehlen. Wir werden auf diese vorzügliche Bibelausgabe in ausführlicher Besprechung zurückkommen. Rabbiner Dr. Hepprrer's jüdisch-literarischer Abreist- Kalender für 1903 (5663— 64). Verleger Israel Tuch in Koschmin (Posen), ist soeben erschienen. Der vierte Jahrgang überragt seine Vorgänger durch wesentliche Verbesserungen und zweckmäßige Erweiterungen. Mit gewohnter Sorgfalt sind alle literarischen Notizen geordnet und die hervorragenden, zur Nachahmung aneifernden Vorbilder aus dem Bereiche der jüdischen Geschichte herangezogen worden. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Angabe der Daten am 1. eines jeden jüdischen und bürgerlichen Monates, so daß ein Jeder mit Leichtigkeit den Tag der Bar-Mizwah festzustellen in der Lage ist. Der Verfasser, der sich als Rabbiner und Schulmann eines ausgezeichneten Rufes erfreut, hat mit selbstloser Hingebung seine schätzenswerthe Kraft in den Dienst dieses literarischen Kalenders gestellt und ermöglicht dem Laien eine große Ausbeute von Geschichts- und Literaturkenntniß. Die Ausstattung des Kalenders läßt nichts zu wünschen übrig; möge ihm ein wohlthätiger Einfluß auf die weitesten Familienkreise vergönnt sein. „Lehrbuch für den Confirmations-Unterricht" von Karl Ehrenfest, Leiter des Barmizwah - Vorbereitungscurses der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. — Im Selbstverläge des Verfassers, II., Taborstraße 96. Preis 60 Heller. In diesem soeben erschienenen Lehrbuche werden die für die Barmizwah besonders wichtigen Ceremonial-Gesetze, die sich auf die Tefillin, die Thürpfosten-Aufschrift und die Schaufäden beziehen, ihrer tiefen Bedeutung gemäß eingehend dargestellt und erläutert. In klarer, anziehender Weise macht der Verfasser mit. den Bestandtheilen der Tefillin vertraut, mit dem Verhalten beim Anlegen und Ablegen derselben, und lehrt, wann das Anlegen der Tefillin zu erfolgen habe, zählt die Einrichtungen des Gotteshauses und die gottesdienstlichen Gegenstände auf und erläutert den Zweck und die Bedeutung derselben. Der Autor, welcher über reiche Erfahrungen auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes verfügt, versteht es, auf Herz und Geist der Jugend zu wirken und durch musterhafte Diction die schwerfaßliche Symbolik dem jugendlichen Verständnisse näher zu bringen. Dem Verfasser ist es auch gelungen, durch die Art seiner Darstellung dem geschriebenen Worte den Anschein des mündlichen Vortrages zu geben, was geeignet ist, das Interesse des Lernenden in bedeutendem Maße zu erhöhen. Wir wünschen, daß dieses Lehrbuch die seinem Worte gebührende weite Verbreitung finde, zu Nutz und Frommen der Lehrer und Schüler. _ Briefkasten. Z. In Frankfurt a. M. machte vor einiger Zeit die Taufe eines jüdischen Arztes viel von sich reden. Am Hospital zum heiligen Geist war die Stelle eines Chefarztes für die innere Abtheilung zu besetzen. Der Betreffende, ein Sohn eines am Philantropin wirkenden Oberlehrers, der sich durch einige wissenschaftliche Arbeiten einen Namen gemacht hattte, reichte seine Bewerbung ein. Doch wurde ihm bald bedeutet, daß er als Jude nach der Stiftungsurkunde keine Aussichten habe. Flugs ließ sich derselbe taufen, was jedoch auf das' Pflegeamt einen derart ungünstigen Eindruck machte, daß seine Bewerbung nunmehr in erster Linie ausfiel. Gewählt wurde Herr Prof. Treupel aus Freiburg i. B.