Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 52 (26.12.1902)
- Date
- 1902-12-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 852 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 52 der diesjährigen Wahl ausdrücklich, sie hielten es für ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß kein Jude Mitglied der einzigen studentischen Vertretung in der Reichshauptstadt werde. Die antisemitischen Studenten haben ihr Ziel nicht erreicht. Während bisher im Directorium 3 Juden waren, wurden in diesem Jahre 4 Juden gewählt. Dagegen haben die verschämten Antisemiten einen Sitz im Directorium verloren. Dabei ist zu bemerken, daß die nichtantisemitische Finkenschaft und der aufgelöste Socialwissenschaftliche Studentenverein sich in diesem Jahre an der Wahl nicht betheiligt haben. Tistis. (Persische Maranen.) Wie einst Spanien, so hat noch jetzt Persien eine große Anzahl Maranen, die aber selbstverständlich nicht Maranen, d. h. Neuchristen, sondern Dshediden, d. h. Neubekehrte heißen. Die neue Bekehrung ist bereits Mitte des 18. Jahrhunderts, und zwar an einem unglücksvollen Purimtage erfolgt. Dieser Festtag, an dem die Juden Persiens vor nunmehr 24 Jahrhunderten 75.(300 persische Hamaniten, die man heutzutage Antisemiten nennen würde, hingerichtet haben, ist allmählich für die Juden Persiens aus einem Freudentagc ein Tag des Schreckens geworden. Zwar wissen die Perser, deren beglaubigte Geschichte ,erst mit den Sassaniden beginnt, ebensowenig etwas von Haman, wie sie von Cyrus, Darius und von dem ganzen glanzvollen und glorreichsten Abschnitt ihrer Vergangenheit, von Persiens goldenen Zeitalter der Achmäniden, etwas wisien. Allein die Thatsache, daß die Juden Persiens am Purimfeste eine Puppe, welche Haman versinnbildlichen soll, ausstopfen, dieselbe arg malträtiren und schließlich unter Hohngelächter zum Tode am Galgen verurtheilen, war von jeher sehr geeignet, die fanatische Bevölkerung gegen sie aufzubringen. Dieses beuteten die mohammedanischen. Priester auch weidlich aus, wie ihre christlichen Standesgenossen in fernen Spanien das Blutmärchen am Pasiahfest auszunützen pflegten. Sie redeten dem Volke vor, die Puppe soll den Imam Risa, den größten Heiligen der Schiiten, darstellen, den die Giaurs in dieser Weise lästern und entweihen. Durch solche Mittel gelang es den Mulleys endlich am Ausgange des XVIII. Jahrhunderts an einem Purimtage den Pöbel von Meschchrd und Chorassan derartig gegen die Juden zu fanatisiren, daß er unter ihnen ein furchtbares Blutbad anrichtete und die Ueberlebenden zwang, sich zum Mohammedanismus zu bekehren. Seitdem leben 5000 Juden in Meschched als Dshediden. Sie heiraten aber nur unter einander und effen Fleisch nur aus eigener Schechita. Am Sonnabend haben sie ihre Läden zwar offen, verkaufen' aber in denselben nichts, vielmehr wird etwaigen kauflustigen Kunden, wenn sie den Laden betreten, von einem Knaben mitgetheilt, daß der Besitzer dringender Geschäfte wegen sich auf einige Zeit entfernen mußte. Während des großen mohammedanischen Fastens nehmen sie sich sehr in Acht, in Gegenwart eines Muselmannes zu rauchen oder gar zu effen. Wie Capitän Micheilow in „Askhabad" mittheilt, wohnen zahlreiche Dshediden auch in Merv, wohin sie lange, noch bevor man da von den Ruffen etwas gehört hat, eingewandert sind. Während aber die wilden Turkemenen diese Neubekehrten als Mohammedaner gelten ließen, beginnen die „Culturträger nach dem Ostens sie als Juden zu behandeln, respective zu mißhandeln. Ihre Schule wurde schon längst geschloffen und nun wird jetzt, wie eben derselbe „Askhabad"' meldet, ihre Ausweisung geplant. Wo der russische Wolf hinkommt, da wird das jüdische Lamm erwürgt. Die Cholera in Palästina. Brieflichen Nachrichten aus Palästina zufolge war am 5. December in Gaza, Lydda und Tiberias die Cholera vollständig erloschen. Dagegen ist sie in Salt, Kerak und Jericho aufgetaucht. In Jaffa ist die Krankheit immer noch im Steigen begriffen. Die Zahl der Krankheitsfälle betrug vom 1. bis 5. December 105 und die der Todesfälle 65. Auffallend i st die geringe Zahl der Cholerafälle unter den Juden, eine Thatsache, die die Aufmerksamkeit selbst der Behörden und der Consulate auf sich zu lenken beginnt. In Jaffa hat der neue Kaimakam die dortigen jüdischen Notabeln nach dem Grund, weshalb die Cholera über die Juden so wenig Macht habe, direct gefragt. Als Antwort wurde er auf die Thaffache hingewiesen, daß die Juden überall die von der Regierung und den Aerzten erlaffenen Vorschriften streng beobachten, daß sie ferner Vereine gebildet haben» welche jedem Choleraverdächtigen durch Abreibungen rc. die erste Hilfe leisten, und daß sie endlich a-gen alle von Cholera heimgesuchten Häuser eine innere Quarantäne eingerichtet haben. So haben die 40 jüdischen Familien von Gaza gleich nach dem Ausbruch der Cholera sich in ein außerhalb der Stadt gelegenes, großes Haus zurückgezogen, das sie gegen die Außenwelt hermetisch verschlossen hielten. Der Erfolg war, daß in Gaza kein einziger Jude an der Cholera gestorben ist. Man vergleiche damit das Verhalten der Araber, die nicht nur sich um die ärztlichen Vorschriften nicht kümmern, sondern häufig aus Bosheit und Neid die Cholera in bisher von ihr verschonte Nachbardörfer böswillig zu verpflanzen suchen. So haben die Araber des von der Cholera decimirten Dorfes Kafr Anah dadurch, daß sie die Wäsche eines an der Cholera Verstorbenen in die Quelle des benachbarten Dorfes Sakha warfen, die Krankheit glücklich auch in dieses Dorf importirt. Mit dem bösen Willen der Nachbarn müssen auch die Colonisten von Rischon Le Zion rechnen. Es ist vorgekommen, daß beim Weintransport von Rischon Le Zion nach Jaffa die Araber des Dorfes Jazur an die Kameeltreiber mit der löblichen Absicht sich herandrängten, deren Kleider zu besudeln. Der Weintransport wird daher von bewaffneten jüdischen Reitern escortirt. Wie der russische „Regierungsbote^ mittheilt, sind vom 2. October bis zum 25. November in Palästina 2002 Personen an der Cholera verstorben. Vermischtes. Wien. Herr Rabbiner Dr. Moriz Bauer aus Gaha häl Freitag den 26. December d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Ubr 15 Minuten beginnt, im Leopoldstädter-Tempel, Tempelgasse, die Predigt und am Samstag den 27. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienst im Stadttempel, I., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. — Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. Armand K a m i n k a im Leopoldstädter-Tempel am Freitag den 2. Jänner 1603 beim Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 30 Minuten beginnt, die Predigt, und Samstag den 3. Jänner 1903 im Stadttempel bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschüler die Exhorte. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der.Chewra-Kadischa" in Wien» i. Bezirk» Seilensteltengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der Frau Paula Engel: Von Familie Ernst Hamburger K 30.—, Louis Hamburger K 30.—, Dr. Ludwig Hamburger K 20.—, Carl Hamburger L 20.—, Max Kohn K 10.—, Dr. Zweig K 10.—, Hermann Back K10.—, W. Kuffner K 10.—; zusammen K 140.— . Anläßlich des Ablebens des Herrn Ignaz Engländer: Von Familie Ignaz Engländer K 4,30.—. Anläßlich des Ablebens des Herrn Bernhard Weinreb: Von Herren Brüder Mittler, VI., Amerlinggasse 2, L 5.—. Anläßlich des Ablebens der Frau Bertha Guttenberg: Von Herren Dr. Ludwig Granu und Dr. Siegfried Brüll, I„ Maria Theresienstraße 30, K 10. . Anläßlich des Ablebens des Herrn Josef Kohn: Von den Kindern des sel. Herrn Josef Kohn K 300.—. Jüdische Statistik. Der jüngst begründete Verein für jüdische Statistik hat in den meisten von Juden bewohnten Ländern Mitglieder gefunden, welche in Würdigung der wissenschaftlichen und praktischen Bedeutung des unternommenen Werkes ihm ihre Kräfte zur Verfügung stellten. Die Organisationsarbeiten sind so weit vorgeschritten, daß neben der Berliner Centrale, an die sich vier Arbeitssectionen anlehnen, zur Zeit größere statistische Vereine auch in Oesterreich (Centrale Wien), Galizien (Centrale Lemberg), Polen (Centrale Warschau), Rußland (Centrale Odessa), sowie in der Schweiz (Centrale Bern) sunctioniren. Sämmtliche Arbeitssectionen des Vereines sind gegenwärtig mit der Herstellung der grundlegenden Arbeit, einer completen Bibliographie der jüdischen Statt st ik, beschäftigt. Dieselbe wird neben zahlreichen Monographien über die Lage der jüdischen Bevölkerung noch im Laufe dieses Winters im ersten Bande der Publicationen des Vereines für jüdische Statistik zur Veröffentlichung gelangen. Briefe sowie Mitgliederbeiträge (6 Mark jährlich) und einmalige größere Spenden sind an die Centrale des Vereines für jüdische Statt st ik, Berlin-Halensee, Ringbahnstraße 125 zu adressiren. Wien. (Israelitischer Tempelverein für' den X. Gemeindebezirk Wiens, Humboldtgasse 27.) Dienstag, den 30. December 1902, präcise 8 Uhr Abends findet in Oczeret's Restauration, X, Kepplergasse 7, die 27. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Vorlage des Rechnungsabschlusses und der Bilanz pro 1902. 3. Bericht der Revisoren. 4. Antrag des verstärkten Vorstandes behufs Aenderung einiger Statutenparagraphe,