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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-12-26 · 52 (26.12.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
52 (26.12.1902)
Date
1902-12-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 850 Dr. Bloch's Wochsnschrifk. Nr. 52 in jüdischen Häusern, und so manchen bis an die Zimmerdecke reichenden Weihnachtsbaum habe ich in meinem Berufe als Elektrotechniker in jüdischen Familien mit zahllosen elektrischen Glühlampen versehen. In dieser Erscheinung erblickt man zu allererst den bei uns Juden leider stark entwickelten Trieb, alles Fremde und Unjüdische nachzuahmen, aber so wie wir bei anderen Gelegenheiten durch das Bestreben, unsere jüdische Abstammung nicht merken zu lassen, nur den Spott der Arier herausfordern, umsomehr in diesem Falle, wo wir selbst große Ausgaben nicht scheuen, um ein fremdes Fest zu schmücken. Ja, kennt denn nicht jeder Jude diese Thatsache und denkt denn der sonst so nüchterne jüdische Vater nicht an das Unheil, welches er in der Seele seines Kindes anrichtet, indem er es vor ein schwieriges Dilemma stellt. Dieses jüdische Kind, dem es trotz des kaum weniger als mangelhaften Religionsunterrichtes in der Schule doch beigebracht wird, daß es für uns Juden kein Christkindl gibt und daß wir daran nicht glauben dürfen, dieses Kind läßt man allen Ernstes ängstlich warten, bis das Christkindl läutet, denn man scheut sich ja vor den christlichen Dienstboten (leider haben wir zumeist nur solche), der Sache den Ernst zu nehmen. Gewiß, der jüdische Vater weiß dies Alles und er weiß es auch, daß er dem Kinde einen Keim einpflanzt, der sich fortentwickeln kann und cs ihm leicht macht, wenn es später auch die anderen Ceremonien mit Zuhilfenahme von ein wenig Wasser annimmt, und dennoch haben selbst Juden, welche diesen Erfolg nicht wünschen (es gibt selbst unter den Assimilitionsjuden auch solche noch), die Schwäche, diesen Brauch mitzumachen. Eines aber kann ich hier verrathen; ein gewiffes Unbehagen überfällt Jeden bei Jnscenirung dieses „Christabendes", und peinlich berührt es ihn, wenn bei Juden oder Christen davon gesprochen wird; es fühlt eben Jeder, daß er eigentlich eine große Dummheit begeht. Im Allgemeinen werden da zweierlei Ausflüchte gebraucht: ad 1. Das Weihnachtsfest wäre eigentlich kein christliches Fest, weil ja schon die alten Germanen die längste Nacht im Familienkreise festlich begingen. Nun, gewiß, eine christliche Erfindung ist dieses wirklich schöne Familienfest nicht, aber das Fest hat unzweifelhaft einen ausgesprochenen christlichen Charakter angenommen, und wir Juden wissen recht wohl, daß wir, abgesehen von allem Borhergesagten, alle Ursache haben, Mittel und Wege zu suchen, um diesen Unfug im Judenthume abzustelleu. Zum Einwand ad 2. möchte ich eine kleine Eviiode erzählen: Bon einem mir als musterhaft *r * r' ll '"tt ' n. rrc-’jmrd' ^-ff'nn atarisches Inden wu d ich Mc-vr qe bsu Ver-nn „W.'üu-uchtsbaum"' beizurretcn. (Lieft- T.'U iüurcc chüNuaftich ü> wählt, um leichter von Juden Beiträge zu erhalten.) Aha! dachte ich, „auch Einer". Sie machen also gewiß in Ihrer Familie auch diesen Brauch mit? Nun mitmachen nicht, weil ich es für beschämend fände, mich an fremde Gebräuche heranzudrängen, aber ich würde wünschen, meinen Kindern ein ähnliches Fest bieten zu können. Also vor Allem zugegeben, daß es nicht blos dumm, sondern mit dem Mannescharakter überhaupt unvereinbar ist, fremde Sitten nachzuahmen, so kann man, was den Einwand betrifft, man wolle den Kindern ein schönes Familienfest bieten, wohl darauf Hinweisen, daß bei uns Juden alle Feste auch Familienfeste sind, man muß sie nur halten; diese haben ja unseren regen Familiensinn geschaffen; übrigens weshalb denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Wir besitzen ein Fest, welches nicht nur seiner jüdisch-historischen Denkwürdigkeit halber - feierlich begangen werden sollte, sondern auch ein Fest welches den äußeren Anlaß dazu geben kann, in unseren Kindern eine begeisterte Anhänglichkeit an das Judenthum zu wecken und ihnen erhabene Muster von Mannes stolz, Tapferkeit, Biederkeit und Gewissenhaftigkeit recht lebhaft vor Augen zu führen. Ich meine die feierliche Begehung des Makkabäerfestes. Wäre es da nicht eine schöne Idee, einen der Chanuka-Abende als Makkabäerabend festlich auszugestalten? Es würden auch die Arier um die Bedeutung des Festes fragen und auch ihr Volk würde erfahren, welcher Thaten das von ihnen als feige aus gerufene Volk fähig ist. Es müßte nur die geeignete Form gefunden werden, und die Verwirklichung wäre leicht, denn jeder Jude wird sofort begreifen, daß dieser Modus wirksamer wäre, als die Veranstaltung von Makkabäerkränzchen; ja, Viele würden es als eine Erleichterung empfinden, nicht der Kinder wegen den Christbaum anzünden zu müssen, wenn wir um ungefähr dieselbe Zeit ein ähnliches Fest haben, Jene aber, die es trotzdem thäten, wären gebrandmarkt. Statt an dem Purimfeste hätten wir da Gelegenheit, uns zu freuen und einander mit Geschenken zu beglücken. Nun, geehrte Glaubens- und Gesinnungsgenossen, machen Sie Vorschläge, es gilt zwei Fliegen (eigentlich böse Wespen), am Körper des Judenthums, mit einem Schlag zu lödten. 1. Einen verderblichen Unfug abzustellen. 2. Jüdisches Empfinden zu fördern. Wer gleich mir von der unumgänglichen dringenden Nothwendigkeit zur Einführung dieser Reform durchdrungen ist — und jeder mit seinem Volke fühlende Jude muß es sein — der trete heran und arbeite mit. I. Löwenbein. Wien. Sehr geehrter Herr Redacteur! Der „fleißige Leser" in N. 50 spricht von einem Jrrthum im Artikel über den galizischen Hilfsverein von Dr. Stern. Es wird jedoch nicht gesagt, wer den Jrrthum beging, ob der Talmud oder Raschi, oder Dr. Stern. Tatsächlich kann von einem Jrrthum überhaupt nicht gesprochen werden, denn mit Ausnahme von Geiger wird allgemein die einfache Bestattungsweise auf Gamaliel II. zurückgeführt, weil sie mit den Zeitverhältniffen Gamaliels ll. besser als mit denen Gamaliels I. übereinstimmt. Geiger's Ansicht besitzt keine volle Beweiskraft und es war vom „fleißigen Leser" zumindest übereilt, von einem Jrrthum zu sprechen. Auch ein fleißiger Leser. Die Staatsmänner Englands und Amerikas für die rumänischen Juden. Das auch von uns schon mehrfach erwähnte, in London periodisch erscheinende „Rumänische Bulletin" bringt in seiner neuesten Nummer vom 5. d. M. wieder einige interessante Aeußerungen bekannter englischer Staatsmänner über die Verfolgung der Juden in Rumänien. So schreibt der officielle Führer der liberalen Partei, Sir Henry Campbell-Bannerman: Ich erfahre mit Freuden, daß Sie bemüht sind, die Frage der rumänischen Juden bei dem Publicum wachzuerhalten. Die Behandlung dieser Leute ist so hart, ja grausam gewesen, daß alle Freunde der Freiheit und Humanität sie verurtheilen müssen. Unsere Hoffnung muß die bleiben, daß die allgemeine europäische Meinung die rumänische Regierung veranlassen wird, ihre jetzige Politik aufzngeben. Sir Wiliam Harcourt sagt: Ich habe mit großem Bedauern und mit Mißbilligung über die Behandlung der Inden in Rumänien gelesen, und ich bin überzeugt, daß der Unwillen, den diese Behandlung bei Leuten jedes Glaubens und jeder Richtung hervorruft, dazu dienen wird, dieser Verfolgung ein Ende zu machen. EiSchreiben des Herrn Asqnith, des früheren Ministers hes Innern, hat folgenden Wortlaut: Ich stimme von Herzen in den Protest ein, der fast in jedem Theile der Welt gegen die Behandlung der Juden in Rumänien erhoben wird. Die Regierung Rumäniens hat sich durch ibr Verhalten gegen ihre jüdischen Unterthanen die Sympathie und die Achtung aller Derer verscherzt, denen Freiheit und Gerechtigkeit theuer sind. Das Parlamentsmitglied Jesse Cvllings: Die grausame Verfolgung der Juden in Rumänien berechtigt zum größten Mißtrauen gegen die Regierung jenes Landes. Mir scheint es d e Pflicht dcr Berliner Bertragsmächte, einen gemeinsamen ernsten Protist gegen das Vorgehen zu veranlassen, das einem Bruch jenes Vertrags durch die rumänische Regierung gleichkommt. Die von rumänischer Seite zur Entschuldigung angeführte Thalsache, daß die gegen die Juden erlassenen Gesetze nicht strenger sind als die gegen andere Ausländer, ist nur eine Ablenkung von der Frage, denn die Juden sind keine Ausländer, sondern meist in Rumänien geboren und ausgewachsen. Es freut mich, daß die amerikanische Regierung Stellung zur Sache genommen hat. Es müßte vor allen Dingen der rumänischen Regierung klar gemacht werden, daß ihre grausame Politik von den anderen Völkern als ein der Humanität und Civilisation anqethaner Schimpf betrachtet wird. Major Evans Gordon, Mitglied des Unterhauses und der königlichen Commission zur Berathung der Fremdenein wanderung: Ich freue mich, daß ich meinen Namen der langen Lffte derer anfügen kann, die ihre Sympathie mit den rumänischen Juden und ihre Entrüstung über die Behandlung ausgesprochen haben, die sie von Seiten der rumänischen Regierung erfahren. Nachdem ick kürzlich Rumänien in der Absicht bereist habe, mich über die Lage der dortigen Juden vergewissern, kann ich ohne Zögern behaupten, daß diese Lage so schlecht ist, wie sie geschildert wird. Die Einmischung der Mächte zur Berbefferung dieser Lage ist vollständig mißachtet, die Abmachungen, auf denen Rumäniens Unabhängigkeit beruhen sollte, sind bei Seite geschoben und verletzt worden. Es scheint nicht viel Aussicht dazu vorhanden zu sein, daß die europäischen Regierungen

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