Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 52 (26.12.1902)
- Date
- 1902-12-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Sette SeS Rr. m Kr. Vloch's Schichten der Bevölkerung dringen und diese sich dann erheben, eine freiere, mildere Regierung, ja eine Constitution verlangen würde. Hören wir, wie Haman diese Befürchtung dem Könige gegenüber zum Ausdruck brachte. Jesebuan am echod. Hier lebt ein Volk, das nicht mehr wie ehedem ausschließlich im eigenen Lande wohnt, sondern rnetusor umefaured ben lioamim mit allen Völkern deines großen Reiches in Berührung kommt, sich überall zu assimiliren vorgibt und daher dem Staate gefährlich werden kann, denn n^edosebern sobannaus mekol hoamim, die Gesetze der Juden sind grundverschieden von den Gesetzen aller Völker. Während die Religionen der anderen Völker die Sklaverei begünstigen und als Mittel zur Erhaltung des Staates empfehlen, ist es die Religion Israels, die jede Art Sklaverei als Barbarismus und Tyrannei brandmarkt; wees dose hamelech enom aiisim, unsere Staatsgesetze aber verhöhnen und verspotten diese Juden, daher eine fernere Duldung des jüdrschen Elementes für Dich verhängnißvoll werden könnte. Die Lehre des Judenthums, das geistige, religiöse, ideale Israel muß total vernichtet werden. Wie Haman, ebenso hatte Antiochus Epiphanes, den man seiner Raserei wegen spottweise Epimanes. den Rasenden, nannte, sichs zur Lebensaufgabe gemacht, das Licht der Religion Israels zu erlöschen; nur gebrauchte er andere Mittel. Während er den Schwachgläubigen, den sogenannten Hellenisten, die sclavenmäßig um die Gunst ihrer Feinde buhlten, die sich glücklich fühlten, in griechische Kreise zu kommen und mit den Griechen fraternisiren zu können, die ihre heiligsten Güter, für die ihre Väter mit ihrem Herzblute kämpften, bereitwilligst opferten, um sich nur die Liebe der erbittertsten Judenfeinde erwerben zu können, Reichthümer und Schätze, Ehrenämter und Ehrenstellen in Aussicht stellte, um sie vollends dem Glauben der Väter abtrünnig zu machen, übte er Grausamkeiten der scheußlichsten Art gegen die Strenggläubigen aus. Er verbot ihnen bei Todesstrafe das Studium der Gotteslehre, das Vorlcsen der Thora, die Abhaltung gottesdienstlicher Versammlungen, wie überhaupt die Beobachtung religiöser Vorschriften und Satzungen. De» heiligen Tempel in Jerusalem ließ er dem olympischen Zeus weihen und das Bild desselben auf den Altar stellen, um auf diese Weise das religiöse Israel vollends vernichten zn können. Allein beide Tyrannen, Haman und Antiochus, haben in ihrer racheschnaubenden Wuth vergessen, daß Israel, das berufen wurde, ein Reich von Priestern zu sein und als der Träger der Gottesidee in der Geschichte zu figuriren, einen mächtigen Beschützer und Retter habe, der ihm unverwüstliche Lebenskraft verliehen und seinen ewigen Beistand verheißen hatte. Weaf gam saus bijehausom beerz aujwehem. „Wenn sie, die Israeliten, auch im Lande ihrer Feinde weilen werden, werde ich sie doch nicht der Verachtung und Vernichtung preisgeben lassen (3 M. 26), d. h. wie der Talmud (Megilla II) erklärt: „Gott der Herr sagte, er werde Israel weder Haman, noch den Griechen oder sonstigen Feinden ausliefern lassen". Und ging diese Verheißung nicht in Erfüllung? In Persien ließ er seinem Volke Retter wie Mordechai und Esther erstehen, denen es gelang, den übermüthigen, wuthentbrannten Haman zu stürzen und die Feinde des Lichtes der Religion zu besiegen. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung wurde das Purimfejt eingesetzt. Und worin bestand die Festfreude des Purim? Im Anzünden des Lichtes der Religion, Lajebudim hojso auro. Die Jehudim durften wieder das Licht der Religion hell leuchten lassen. Auro wesimcho. Daher herrschte Freude und Wonne. Zur Zeit des grausamen Antiochus waren es wieder die Makkabäer, die als gottgesandte Schutzengel, als Retter in der Roth kamen, um Israel zu befreien, das bereits erloschene Licht der Religion wieder änzuzünden und hell leuchten zu lassen, und die Hellenisten, diese Verräther und Renegaten, die ihrem Volke, dem sie entstammten furchtbare Wunden beigebracht, in die Schranken zu weisen. - Diese herrlichen, gottbegeisterten Söhne des wackeren Mathatias haben gleich ihrem frommen Vater für den Glauben gekämpft, heldenmüthig gekämpft und sowohl die inneren als äußeren Feinde besiegt. Zur Erinnerung an dieses ewig denkwürdige Ereigniß wurde das Chanukafest, auch Lichterfest genannt, eingesetzt. Haneraus halolu kaudesch hem. „Diese Chanukalichter,' die wir anzünden, sind heilig und dürfen nicht profanirt werden, denn sie sollen uns an den Heldenmuth der Makkabäer erinnern, die in einer Zeit, wo es so viele jüdische Streber gab, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Judenthum und seine heiligen Anstalten und Institutionen auszuliefern, unerschrocken für den Glauben der Väter wacker kämpften, siegreich aus dem Kampfe hervorgingen und das Licht der Religion hell leuchten ließen." Mit Recht heißt es im Talmud: Horogil beaer Chanuka hawjon lau bonim Talmide Cbacbomim. Derjenige, der die wahre Bedeutung des Chanukafestes zu erfassen und zu würdigen weiß, wird zweifellos seine Kinder im Sinne und im Geiste der Hasmonäer erziehen, sie für die Thora begeistern und zu biederen, wackeren Glaubenshelden, die sich durch Selbstbewußtsein und Eharakterfestigkeit auszeichnen, heranbilden. Wahrlich wir würden mehr Heldenmuth und weniger Hochmuth, mehr heiliges Leben und weniger thörichtes Streben, mehr Entschlossenheit und weniger Zerflossenheit bei der Jugend unserer Zeit finden, wenn man sie frühzeitig religiös erziehen und zu Glanbenskämpfern, d. h. zu echten Israeliten heranbilden möchte. Pisek. Dr. M. H. Friedländer. Wochenschrift Harrmck und Sonssel öder die historische Kedeirtnrrg der ^Diaspora der Hellenen". Von M. Friedländer. (Schluß aus Nr. 50.) Es ist selbstverständlich, daß eine derartige Gemeinschaft, die sich nur durch Zufluß Fremder erhielt und ausbreitete und die die Lehre von der Gleichheit aller Menschen proclamirte, von Anbeginn einen internationalen Charakter haben mußte. Und so erklärte sie denn auch: „daß die Verletzung dieser Gleichheit nicht nur ungerecht, sondern auch gottlos sei, weil dadurch das Gesetz der Natur aufgehoben werde, welche, wie eine Mutter, alle auf gleiche Weise geboren und erzogen und zu leiblichen Brüdern, nicht dem Worte, sondern der That nach gemacht Hab e."*) Nach allem dem gestatten wir uns die Frage, ob die von Harnack und Boussrt neuerdings aufgestellte Behauptung noch ferner aufrecht erhalten werden könne, nach welcher die jüdische Missionspredigt der ihr nachfolgenden christlichen, „eine empfindliche Lücke gelass n", die darin bestand, „daß der Nichtjude ein wahrer Sohn Abrahams mindestens in der ersten Generation nicht werden konnte, daß sein Rang vor Gott ein untergeordneter blieb" und daß diese Lücke erst von dem Christenthum ausgefüllt wurde, welches „diese Schranke zwischen Gläubigen ersten und zweiten Ranges niederriß? Wollen wir gerecht sein, so müssen wir diese Frage entschieden verneinend beantworten. Allerdings, wenn man, wie Bousset. erklärt, daß man nach den Zeugnissen des hellenistischen Schriftthumes den ethischen Durchschnitrscharakter des Diasporajudenthums nicht eonstruiren dürfe; wenn man, wie er. behauptet (S. 411 f.), „daß Philo nicht das alexandrinische, resp. Diasporajudenthum ist", daß dieser „allem Anscheine nach innerhalb seines Volkes eine sehr einsame Position gehabt"; wenn man. sagen wir, wie Bousset, decret-rt. daß das philonische Schriftthum, welches ja im Großen und Ganzen sich offenkundig nur als eine systematische Reproduction der von fernen frühesten und unmittelbaren Vorgängern geschaffenen Geistesarbeit und überkommenen Ueberlieferungen darstellt, erst eine ureigene Schöpfung Philos sei, und daß das, „was wir innerhalb der uns bekannten jüdisch-alexandrinischen L teratur an Zeugnissen einer gleichen Geistesrichtung vorfinden, nicht älter, oder doch nicht viel älter, als die philonische Literatur, vielleicht vielfach von dieser abhängig" sei; wenn man endlich mit Bousset Philo „als eine einsame Gestalt innerhalb der Rrligionsgeschichte des Judenthums" hu;stellt: dann allerdings hat es ein Diasporajudenthum, wie es uns in der hellenistisch-jüdischen Literatur entgegentritt, niemals gegeben. Dann ist aber auch das, was Philo. Plinius und Josephus von den Essenern berichten, eitles Geflunker, dann sind uns die so v'relgerühmten propagandlstsschen Erfolge dieses Diasporajudenthums in der heidnischen Welt, die ja auch Bousset „nicht hoch genug anschlagen kann", ganz und gar unverständlich. Lassen nur über diese Erfolge Bousset selbst sprechen: „So entstand", sagt er (S. 77 f.), „in mächtigem allmäligem Anschwellen und unter immer engerer Zusammenfassung der Kräfte, durch mächtige geistige nicht mehr nationale Bande zusammengehalten, durch den Druck von Außen nur noch fester zusammengepreßt die jüdische Kirche als eine Weltmacht. Und der Widerstand und die Erbitterung der gesummten Außenwelt gegen sie beweist, daß sie eine solche war. Es kommt aber noch ein Weiteres hinzu, worin sich da- Hinitberstreben des Judenthums über die Grenzen der Nation erst recht eigentlich vollendet reine mächtige Propagan da, eine Weltmission.Jedenfalls dürfen wir sagen. daß wir die Kraft der jüdischen Propaganda kaum genug hoch veranschlagen können. Die ungeheure Zunahme der jüdischen Diaspora in dem Jahrhundert der Makkabäerzeit bliebe unbegreiflich, wenn wir hier nur die immanente Boikskrast des Judenthums ui Betracht ziehen und nicht eine ganz wesentliche Ausdehnung desselben durch die Mission annehmen wollten.* Und auf einer Stelle (S. 81): „Man kann die Bedeutung der Mission des Judenthums nicht hoch genug anschlagen. Sie hat dem Christenthum wacker vorgearbeitet und die *) Philo, quod omn. prob, liber II, 457.