Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 51 Dr. Blodi’s WorhrnfchrM Seite 839 Wien. (Trauergottesdienst.) Wie alljährlich, fand auch Heuer am 8. December d. I. im Tempel in der Seitenstettengaffe ein Trauergottesdienst für die Opfer des im Jahre 1881 stattgehabten Ringtheaterbrandes statt, welcher vom Ersten Cantor Herrn Schiller mit Recitation des klenueho veedono in würdiger Weise ausgeführt wurde. Wien. (W o hl t h ät i g k e its f e st.) Der humanitäre Unterstützungsverein der „Schaffa'er" in Wien veranstaltet Samstag am 20. December, im Prachtsaale des Hotels „Bayrischer H o f", II., Obere Augartenstraße 5, zu woblthätigen Zwecken sein fünftes Gründungsfest, das mit einem Costümkränzchen und mit heiteren Vorträgen verbunden ist. Die Musik besorgt die Capelle des 3. Regiments der Tiroler Kaiserjäger. Beginn des Festes 9 Uhr Abends. Wien. Am 8. December d. I. hat der Frau-nverein im XVIII. Bezirk wie alljährlich 34 jüdische Schulkinder vollständig bekleidet. Ohne Aufsehen erregende Feierlichkeit wurden die Eltern verständigt, daß ihre Kinder sich um 3 Uhr Nachmittags im Sitzungssaals der Cultusgemeinde XVIII., Schopenhauerstraße 39 einfinden mögen und haben einige Vorstandsdamen die vorbereiteten Packete an die betreffenden Kinder vertheilt. Wien. (Kinderbekleidung.) Sonntag den 7. d. M. fand in B o n d i' s Restaurant, I. Bezirk, Zelmkagasse Nr. 10. in besonders festlicher Weise die Bekleidung von 16 Schulkindern statt. Der Löwenantheil an dem erforderlichen Aufwande fällt einer Tischgesellschaft der „Schwemme" zu, welche wöchentlich Spareinlagen macht und — wiewohl deren Mitglieder zumeist der dienenden und arbeitenden Classe angehören — auf das Zinsenerträgniß zu Gunsten der zu Bekleidenden verzichtete. Die Kinder werden vollständig und qualitativ gut bekleidet, bewirthet und beschenkt, worauf einige sehr gefühlvoll declamirteu und gegenüber den Spendern ihren Dank zum Ausdrucke brachten. Zu Letzteren gehören auch andere Stammgäste, Lieferanten. Firmen aus dem Qnaiviertel rc. und nicht in letzter Linie der Restaurateur und seine riegelsame Gattin. Dem seltenen Feste wohnte eine Schulter an Schulter gedrängte Menge von Gästen bei, wie das Locale wohl noch kaum eine solche je gesehen haben dürfte. Alt und Jung, Arm und Reich, Vornehm und Niedrig vergnügte sich nach Entfernung der beladenen Kinder unter den Klängen einer Hauscapelle bis in die späte Nachtstunde hinein in ungetrübter Harmonie. Wien. Am 8. December feierte der humanitäre Verein „D i e Brüder" in der Brigittenau sein diesjähriges Bekleidungsfest. 170 Schüler und Schülerinnen wurden mit completer Kleidung (Anzug, Mantel, Schuhe, Strümpfe und Kappe) bekleidet und es war ein Hochgenuß, eine so stattliche Anzahl froher Kindergestalten vor sich zu sehen. Zu gleicher Zeit beschenkte der Brigittenauer Frauen Wohlthätigkeitsverein 169 arme Kinder mit Schuhen. Um halb 3 Uhr versammelten sich die also wie vorstehend beschenkten 339 Kinder in der Brigittenauer Speiseanstalt und wurden von den, den Zug begleitenden Herren Religionslehrern in musterhafter Ordnung in den Tempel geführt, in welchem aus diesem Anlasse ein feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde. Der Feier wohnte von dem geladenen Cultusvorstande Herr Dr. Alfred Berger bei. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr M. B a ch hielt eine formvollendete zündende Ansprache, welche auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck machte, während Herr Obercantor Edelmann in musterhafter Weise die Choralgesänge leitete. Zum Schlüsse der Feier wurden die Kinder noch mit Backwerk, Aepfel und Nüsse beschenkt. Der Verein „Die Brüder", an dessen Spitze seit 2 Jahren der im Bezirke ob seines großen Wohlthätigkeitssinnes rühmlichst bekannte Herr Heinrich Weiner steht, hat es in erster Linie der rastlosen Thätigkeit des erwähnten Obmannes zu danken, daß er zu einer solch großartigen Entwicklung gedieh, dessen Segnungen eine so große Anzahl hilfsbedürftiger Kinder theilhaftig wird. Wien. Der am 21. November 1901 verstorbene Herr Leopold Kann hat in seinem Testamente vom 3. April 1901 nachstehenden Humanitäts-Anstalten und Vereinen Legatsdeträge von je X 4000, beziehungsweise abzüglich der Erbgebühren per je X 3375 50 behufs Errichtung von „Leopold Kann'sche Stiftungen" vermacht und zwar: 1. Der der Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde in Wien affiliirten Speiseanstalt; 2. dem Vereine für das israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte in Wien, XIX. Bezirk; 3. dem Allgemeinen österreichisch - israelitischen Taubstummen-Jnstitute in Wien; 4. dem Waisenhause für Mädchen des Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde in Wien; 5. dem Altersversorgungshause der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, zum Andenken an die 40jährige glorreiche Regierung Sr. Majestät Kaiser Franz Joses I.; 6. dem Vereine Bet-Hamidrasch Talmud Thora (Verein zur Pflege des Thora-Studiums) in Wien, II., Malzgaffe 16; 7. dem israelitischen Bethausvereine Chewra-Beth-Hatfilah im Bezirke Alsergrund in Wien; 8. dem Vereine zur E-Haltung einer israelitischen Kinderbewahranstalt in Wien, II., Schiffamtsgasse 15; 9. dem Vereine für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten in Wien, I., Seitenstettengaffe 4; 10. dem Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten (sammt Lehrlingsheim), Wien, IX. Bezirk, Grünethorgaffe 26 und 11. dem Vereine zur Errichtung von Volksküchen (nach israelitischem Ritus) in Wien, II., Krummbaumgaffe. Freiwaldau. Das Ergebniß der Neuwahlen, welche am 11. d. M. in unserer Cultusgemeinde stattgefunden haben, war: In den Ausschuß: Julius L i ch t w i tz, Sigmund Werner, Adolf L i ch t e n st e r n, Dr Max W a s s e r v o g e l, Dr. Siegfried Glaser Berthold B l ü h d o r n und Sigmund Braun; als Ersatzmänner: Leopold Herz, Heinrich L ö w y und Georg B r a d a; in den verstärkten Ausschuß: Adolf R e s ch o w e tz, Lazar B r o l l, I L. H e i n, Albert Bergmann, Josef L i ch t w i tz, Julius F r ä n k l und Hugo G e ß l e r aus Groß-Kunzendorf. Dobrisch.(I. Spendenverze i chniß fü r d e nTem p e lb a u.) Sammlung durch Rabbiner Dr. L i n k und Josef P o l l a k: Von den Herren (sämmtlich aus Dobrisch), in Kronenwährung: Kellner Philipp 5000, Frankl Alexander 100, Glück Josef 40, Pollak Josef 200, Beck Katharina 100, Katz Bohumil 50, Bleier Eduard 25, Meisler Eduard 25, Windt Markus 100, Ronsburger Berthold 100. Wiener Ignatz 50. Oppenheimer Simon 100, Kostner David 100, Pollak Siegfried 400, Lion Moritz 100, Arnstein Emil 50, Pollak Alfred 100, Lederer Leopold 1> 0, Porges Adolf 100, wofür den edlen Spendern der beste Dank ausgesprochen wird. (Fortsetzung des Spendenverzeichnisses folgt.) Alfted B o n d y, Cultusvorsteher; Philipp Kellner, Vorsteher-Stellvertreter; Dr. S. W. L i n k, Rabbiner; Alexander Frankl. Schriftführer. Mähr.-Schönberg. Am 30. November l. I. fand hier über Emladung des Cultusvorstehers Herrn Jacob Stern ein Vortragsabend statt, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. B. Oppenheim aus Olmütz über das Thema : „Esra's Wirksamkeit" in Form eines Mahnrufes zu uns sprach. Unter den zahlreichen Notavilitäten, welche dem Vortrage beiwohnten, befanden flch Professor im k. k. Staatsgymnasium Dr. S z i s k a. Rabbiner Dr. I. Günzig aus Loschitz, Rabbiner Dr. Pr oßnitz und Andere. Der geschätzte Redner verstand es, in formvollendeter Rede ein herrliches Bild von Esra's Thätigkeit zu entrollen und schloß mit der Aufforderung, auch in Mährisch-Schönberg einen Llteraturverein zu gründen, um durch Borträge das Jntereffe für das Studium der jüdischen Geschichte und Literatur zu wecken. Ein stürmischer Applaus lohnte die glänzenden Ausführungen. Der Vorsteher Herr Jacob Stern dankte dem geehrten Herrn Vortragenden im Namen der Versammlung in warmen, anerkennenden Worten, und sprach den Wunsch aus, Herrn Doctor Oppenheim recht bald in unserer Mitte wieder begrüßen zu können. Nach dem Bortrage vereinigte ein gemüthliches Beisammensein einen großen Theil d-r Gemeindemitglieder mit ihren Frauen, welches erst nach Mitternacht schloß. Es sprachen noch die Herren: Rabbiner Dr. Günzig aus Loschitz, Dr. Proßnitz, Ingenieur Glaß und Jacob Stern. Hierauf wurde ein Literaturverein ins Leben gerufen, dem gleich 60 Mitglieder beitraten. G. Lemberg. Zu Ehren des verstorbenen Cultnsrathes Herrn David Rappaport fand am 18. d. M. in der Synagoge Xowea itim le Thora ein Trauergottesdienst statt. Die Gedenkrede hielt Herr Aron L e w i n, Sohn des Rohatyner Rabbiners, ein Enkelso hn des Oberrabbiners Schmelkes. Der Redner zeichnete in beredten Worten die Bedeutung des Heimgegangenen, welcher konservativen Geist mit fortschrittlichen Ideen zu verbinden wußte, hob feine hohen Verdienste hervor um die Wohlthätigkeits-Jnstitutionen der Lemberger Gemeinde, speciell um die jüdische Volksküche und um das Krankenhaus, gedachte seiner Liebe zur Wissenschaft und zur Thora, welche als Erbgut in seiner Familie heimisch war. Die Rede machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Unter denselben bemerkte man außer den Familienangehörigen des Verstorbenen Vertreter des Cultus- und Spitalsrathes, des Rabbinatscollegiums sowie viele andere Honoratioren der Stadt. — Ueber Bemühung der Herren M. S. Goldbaum, Julius Hochfeld, David Maschler, Doctor Wilhelm Holzer und anderer Menschenfreunde werden in diesem Monate 2500 Centner Brennholz und 8000 Kronen an verschämte Arme vertheilt.