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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
51 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 888 Dr. Blortz's WortzvnfchrM. Nr. ki Weiffe gedachte und in kurzen Zügen ein Lebens- und Charakterbild von ihm zeichnete, in welchem er seine hohe vielseitige Gelehrsamkeit, die sich auch in den von ihm, zum Theile schon in seinem Jünglingsalter veröffentlichten wiffenschastlichen Werken glänzend offenbarte, seine Virtuosität in der Beherrschung des hebräischen Sprachschatzes sowie seine in den weitesten Kreisen anerkannte rabbinische Weisheit würdigte und als besonders hochzuschätzendes Verdienst sein segensreiches schöpferisches Wirken für das hiesige Schulwesen her vorhob, das unter seiner ersprießlichen Leitung und Lehrtätigkeit einen hohen Aufschwung nahm und im ganzen Lande sich eines hohen Ansehens erfreut. Die wohldurchdachte Ansprache schloß mit dem Worte: .Josef Weiffe lebt noch unter uns und wird in unserer Mitte fortleben für alle Zeit/ Hierauf widmete Redner auch der seligen Frau Lina v. Guttmann, die einer hiesigen vornehmen Patrizierfamilie entstammte und deren Sterbetag sich ebenfalls am 8. Kislew jährt, eine pietätvolle Erinnerung und gedachte ferner mit schmerzlichem Bedauern der zwei Trauerfälle, von welchen das Haus Guttmaun in jüngster Zeit heimgesucht wurde, das warme Freundschaft mit R. Josef Weiffe verband und das in munificenter Weise zur Gründung unseres Vereines einen namhaften Betrag spendete und seitdem alljährlich einen Beitrag von 200 Kronen dem Vereine zakommen läßt. Herauf wurde der Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Bereinsjahr durch d?n Gemeindesecretär Herrn Fciedmann vorgetragen, aus welchem die Anwesenden das wohlthätige Wirken und den materiellen Fortschritt des Vereines mit Genugthuung und Befriedigung zur Ker.ntniß nahmen. Bevor man nun zurKleidervertheilung an die armen Kinder schritt, richtete der dirigirende Lehrer Ad. Mayer an die versammelte Jugend eine deren Herz und Gemüth anregende Ansprache, indem er dieselben auf die Bedeutung und Beranlaffung der heutigen Feier aufmerksam machte, im Hinblicke auf den verklärten Seelenhirten den er seinerseits mit den Worten Hillel's als einen wahren Jünger Ahrons ganz treffend kennzeichnete, der zu allen Zeiten seine Liebe zur Eintracht, Streben nach Frieden, Wohlwollen für die Menschheit und Begeisterung für die Thora an den Tag legte. Zugleich forderte er die Kinder auf, sich durch Ausdauer im Fleiße, gute Sitten und religiösen Lebenswandel zu würdigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft, zu achtbaren Staatsbürgern und fzur Zierde des Judenthumes heranzubilden. Zum Schluffe wurde die Beschenkung von 27 armen Schülern und Schülerinnen mit Kleidern und Schuhen vorgenommen, womit die erhebende Feier ihr Ende erreichte. Hermann Fuchs. Frankfurt a. Ni. Die Wintersaison des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur wurde mit einem Vortrag des Herrn D. T r i e t s ch aus Berlin eröffnet. Das Thema betitelte fich: Das heuttge Palästina. Indessen behandelte der Vortragende vorzugsweise die Colonisationsfrage. Er ist dafür, daß die jüdische Einwanderung nach dem alten Stammlande geleitet werden solle, weil eine überseeische Auswanderung einen Verlust gleich dem der zehn Stämme bedeute. Jndeffen hat man bei dem Elend, in dem drei Viertel aller Juden schmachten, mit solchen Massen zu rechnen, daß Palästina nicht ausreichen würde. Erst wenn das verwahrloste Land ein Menschenalter hindurch cultivirt wird, kann es 2'/, bis 3 Millionen aufnehmen bei einer Größe von 25—29000 Quadratkilometer, etwa wie Belgien. Erst müßten die schon in alter Zeit annectirten Grenzgebiete hinzugezvgen werden. Zwar ist Syrien nicht besonders geeignet, weil die christliche Autonomie des Libanon und der Stadtbereich von Damaskus im Wege sind; dagegen ist im südlichen Palästina vor 15 Jahren ein Stück Land von 1000 Quadratkilometer an Egypten abgetreten worden, das besiedelt werden könnte, ferner bieten die Sinai-Halbinsel, die unter englischer Verwaltung stehende Insel Cypern, Anatolien. Rhodus u. s. w. viele Möglichketten. Wenn auch momentan Palästina der Einwanderung verschlossen ist, so ist doch zu hoffen, daß die türkische Regierung bald die Borthette erkennt, die ihr von einer jüdischen Einwanderung erwachsen würden. Die Ansiedlungen in Kleinasien kennt der Vorsitzende aus eigener Anschauung. Vor drei Jahren kamen 107 rumänische Auswanderer in Constantinopel an und erhielten freie Fahrt nach Anatolien, Landanweisungen. Geld u. s. w. Durch allerlei widrige Umstände prosperirten die Colonien nicht so wie erwartet, so daß der Redner zusammen mtt Profeffor Marburg eingreifen mußte; doch bieten sie jetzt eia ganz erfreuliches Bild. Bon den zeitweilig 12—1300 Seelen betragenden Colonisten sind nur noch 500 dort. Eine Familie in Matolien anzusiedeln, kostet nur 2000 Mark, weil die Regierung Land gibt, während die Kosten in Cypern circa 10.000 Mark, in Palästina sogar 16—20.000 Mark betragen. Die Türken sind den Juden sehr freundlich gesinnt. Der Sultan hat sogar sein Bedauern ausgedrückt, daß sich nicht mehr Juden zum Staatsdienst melden. — Nach Beendigung des beifällig aufgenommenen Vortrages lenkt Herr Rabbiner Dr. H o r o v i tz die Aufmerksamkeit der Zuhörer von der Vergangenheit und Zukunft auf die Gegenwart. Unter Anderem wies er darauf hin, wie die Hälfte des größten jüdischen Stammes unverlangt im Ostjordanland angesiedelt worden, damit die Zusammengehörigkeit des Volkes nicht unterbrochen werde. Diese Zusammengehörigkeit müffe auch bei uns herrschen. Deshalb erinnere er an die Leiden, welche unsere Glaubensgenoffen durch den Ausbruch der Cholera in Palästina erdulden und forderte im Namen des Hilfsvereines »Lemann Zion" auf, zur Linderung der Roth durch reichliche Spenden beizutragen. Vermischtes. Wien. Das amerikanische Judenthum hat einen schweren Verlust erlitten. Eine Kabeldepesche meldet: Portland (Oregan), 16. December 1902. Heute verschied hier Herr Sal. Hirsch am Herzschlag. Der Verstorbene war Jahre hindurch der Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika in Constantinopel, und als treuer Sohn des Judenthums hat er sich stets unserer armen, leidenden Glaubensgenoffen in allen Ländern mit Energie angenommen und der Verbesserung ihrer Lage seine Aufmerksamkeit zugewendet. Wir behalten uns vor, eine Biographie dieses ausgezeichneten Mannes in einer der nächsten Nummern unseres Blattes zu publiciren. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, l., Seitenstettengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Für den Verein für fromme und wohlthätige Werke sind uns zugegangen als Kranzablösungsspende für weiland Ignaz Stern: Von den Herren und Frauen: Kathy Stern, II., Schiffamtsgasse 20, K 5.—; Heinrich Stern, II., Schiffamtsgasse 20, K 5.—; Julius Winkler, XX., Jägerstraße 7, K 2.—; Wilhelm Thcher, II., Adambergergaffe 4, K 2.—; Sigmund Winkler, XX.. Klosterneuburgerstraße 11, Kl —; Julius Spiegel, II., Miesbachgasse 5, K 1.—; Emanuel Winkler, II., Krumbaumgaffe 15, K 2.—; Josef Für st. Györ (Raab), K 10.—; Anton Glücksman, Györ (Raab), K 2.—; Perl, Györ (Raab), X 2.—; Heinrich P o l l a k, K 2.—; zusammen: K 34.—. Wien. (Probepredigten im Leopold st ädter- und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. H. Brody aus Nachod hält Freitag den 19. December d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 15 Minuten beginnt, im Leopoldstädter-Tempel, Tempelgaffe, die Predigt, und am Samstag den 20. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe, die Exhorte vor den Mittelschülern. — Herr Rabbiner Dr. Moriz Bauer aus Gaya (Mähren) hält Freitag den 26. December d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 15 Minuten beginnt, im Leopoldstädter-Tempel, Tempelgasse, die Predigt, und am Samstag den 27. d. M. bei dem um 3 Uhr Nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe, die Exhorte vor den Mittelschülern. Wien. (Verlobung.) Fräulein Lucy von Rapoport. Tochter des Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten Dr. Arnold Rapoport Edlen von Porada, hat fich mit Freiberrn Albrecht von Schey, Sohn des verstorbenen Freiherrn Stephan von Schey-Koromla, verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 21. December l. I. um 1 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel II. Bezirk, Tempelgaffe, die Trauung des Fräulein F a n n i Reiß, Tochter des Herrn Religionsprofeffors Dr. Jacob Reiß, mit Herrn Josef Lemberger statt. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien.) Donnerstags am 25. December 1902 findet im Restaurant Khuner die diesjährige Chanukafeier statt. Beginn um 8 Uhr Abends. Gäste willkommen

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