Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021491--12319-3036906- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 61 Ar» Blvch's WochrnschrM Seite 837 Gleichberechtigung Aller eintrat. Er war einer der eifrigsten Gegner des Antisemitismus. Seit dem Jahre 1889 unterstützte er seine Gattin in ihrer rastlosen Thätigkeit für die Friedensbewegung. Suttner war ein ungemein fruchtbarer Schriftsteller, und es erschien fast jedes Jahr ein neuer Roman von ihm auf dem Büchermarkt. Seit einem Jahre war er leidend, und er verbrachte den heurigen Spätherbst zur Stärkung feiner zerrütteten Gesundheit in Abbazia. Trotz Abrathens der Aerzte brach er seinen Aufenthalt früher als beabsichtigt ab, da er sich nach Hause sehnte. In Harmannsdorf angekommen, verschlimmerte sich sein Zustand immer mehr und er mußte in den letzten Tagen das Bett hüten. Schon am 8. December waren die behandelnden Aerzte zur Gewißheit gekommen, daß der Tod nicht mehr abzuwehren sei. Die Herzthätigkeit wurde immer schwächer und im Laufe der Nacht trat die Agonie ein. Baden. Am 8. d. M. starb hier der weit über die Marken des Cur-Rayons Baden bekannte Arzt Dr. Josef Schwarz. Der Verblichene, der außer seinen eminenten Fachkenntnissen über ein profundes allgemeines Wissen verfügte, vereinigte in seinem Herzen all die schönen und liebenswürdigen Eigenschaften, die den besten Männern jeder Zeit zur Zierde gereicht haben würden und die ihn auch zu einem der populärsten Männer des Curortes stempelten. Er war zu jeder Zeit bereit, seine Person zum Wohle der Gesammtheit zur Verfügung zu stellen. So gründete er hier die Feuerwehr-Sanitätsabtheilung für Niederösterreich und war ihr unentgeltlicher Arzt bis zu seinem Todestage. Auch an anderen Wohlfahrts-Institutionen nahm er thätigen Antheil und half mit seinem lebhaften Geiste und beredtem Mundegar oft über schwierige Klippen hinweg. Für die Entwicklung der hiesigen Cultusgemeinde, in deren Bertretungskörper er im Jahre 1900 zum zweiten Male gewählt wurde, verwendete er all sein Wissen und Können, und nichts konnte ihn mehr freuen, als wenn in der Gemeinde nützliche und schöne Institutionen eingeführt wurden und diese von Erfolg gekrönt waren. Zum Danke für seine wirksame Thätigkeit in der Cultusgemeinde ernannte ihn der Cultusausschuß am 19. Juni 1901 anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Badener Curarzt zum Ehrenmitglieds der Cultusgemeinde und wurde er von der Chewra-Kadischa Baden schon einige Jahre vorher wegen seiner verdienstlichen ärztlichen Thätigkeit in derselben mit gleicher Ehrung ausgezeichnet. An seiner Bahre zeigte sich erst recht die Beliebtheit, deren sich der Verblichene, der im Leben so bescheiden war und sür Jedermann ein freundliches und liebenswürdiges Wort hatte, erfreute. Von allen Ecken und Enden strömten seine Verehrer und Freunde, Juden und Nichtjuden, herbei, um ihm das letzte Geleite zu geben, und wahrlich, sie bildeten eine große und imposante Menge. Am Leichenbegängnißtage erfolgte von Seite des Cultusvorstehers Herrn Moriz Leitner in einer außerordentlichen Sitzung eine Trauerkundgebung für den Verblichenen und ging der Conduct, zur besonderen Ehrung für den Todten, an dem Tempelgebäude vorbei, von dessen First eine Trauerfahne wehte und dessen angezündete Außenlampen umflort waren. Bon dort zog die Leichenwagenreihe an dem Feuerwehr-Requisitenhause vorbei, deflen Thore offen standen und von innen beleuchtet waren, und lenkte dann in die Hildegardgasse ein, um vor dem Spitale für scrophulöse Kinder, dessen dirigirender Arzt er waren, vorbeizufahren. Im Trauerhause hielt Redacteur Herr Heinrich Herrnfeld an der Bahre einen tiefergreifenden Nachruf und auf dem Friedhofe schilderte Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich in einer besonders wirkungsvollen Rede ein auf das Kleinste getroffene Bild des Verstorbenen, in welchem sich dessen Tugenden und Vorzüge aufs Klarste abspiegelten. Nach ihm sprach Oberbezirksarzt Herr Dr. Blau, und führte in einer längeren Rede das nützliche und unermüdliche Wirken des Verstorbenen als Arzt vor den Geist der Trauergäste, worauf der Präsident der Aerztekammer Herr Regierungsrath Dr. Grohan dem Verstorbenen den letzten Gruß der Kammer, deren Mitglied er war, überbrachte. Auf dem Friedhofe hielt die gesammte Feuerwehrmannschaft Spalier, um so ihrem langjährigen und selbstlosen Arzte und Ehrenmitglieds die letzte Ehre zu erweisen. Nach Schluß der gesanglichen Theile der Ceremonie durch Herrn Cantor Seifert und Chor wurde der Sarg von den Vorstandsmitgliedern der Cultusgemeinde zum Ehrengrabe getragen und dort unter dem Choralgesange »Schiwisi" in die Gruft versenkt. Der Verblichene hinterläßt eine Witwe und zwei Töchter, die fich der Sympathien der ganzen Stadtbevölkerung erfreuen. Brünn. Der langjährige Präsident der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, dessen Mandat für den Vorstand dieser Körperschaft mit dem heurigen Jahre zu Ende ging, hat vorher die bestimmte Erklärung abgegeben, mit Rücksicht auf seine Gesundheit und Ueberbürdung ein Mandat keinesfalls mehr annehmen zu wollen und scheidet demzufolge demnächst aus dem Vorstände aus. In der Sitzung vom 9. d. stellte der Vorsitzende Dr. Hier. F i a l l a den Antrag, Herrn Julius Ritter v. Gomperz, um ihm die Dankbarkeit und Verehrung des Vorstandes, wie der ganzen Gemeinde in würdiger Form zu bezeugen, zum Ehrenpräsidenten zu ernennen und ihm für seine Lebzeit einen Ehrensitz im Tempel einzuräumen. Der Antragsteller hob vor der Begründung seines Antrages hervor, daß die Familie Gomperz die älteste und angesehenste israelitische Familie in Brünn, sowie der Gefeierte selbst an der Wiege der hiesigen Cultusgemeinde gestanden, daß er dem Vorstande seit deffen Constituirung, d. i. seit 41 Jahren, angehöre, das Präsidium durch mehr als drei Jahrzehnte geführt und in allen seinen hervorragenden öffentlichen Stellungen in Staat, Land und Gemeinde sich um seine Glaubensgenossen hochverdient gemacht habe. Dieser Antrag wurde unter lebhaftem Beifalle einhellig zum Beschluffe erhoben und eine Deputation gewählt, die unter Führung des Herrn Landesrabbiners Dr. P l a c z e k Herrn v. Gomperz von dieser Auszeichnung verständigen sollte. Dieselbe, bestehend aus den Herren Dr. Placzek. Dr. Fialla und Ad. Weinberger, entledigte sich ihres Auftrages, und erklärte Herr Julius Ritter v. Gomperz, daß er durch diese ihm zu Theil gewordene Auszeichnung hoch erfreut sei und daß er jederzeit seinen Rath und seine thatkräftige Unterstützung der Cultusgemeinde zu widmen gerne bereit sein werde. Brody den 14. December. Heute fand, wie alljährlich, in feierlicher Weise die Bekleidung der armen Kinder unserer Schule in Anwesenheit des Lehrkörpers statt. Es wurden 130 Paar Schuhe an Mädchen und 11V Paar Stiefel an Knaben verabreicht. Die Vertheilung und Anschaffung derselben besorgten in hochherziger Weise die Damen: Frau Friedrike Hurwitz. Frau Caroline Löwenherz und Frau Mirande S ch a p i r e. Den Schulkinder-Bekleidungsfond verwaltet mit Liebe und Sorgfalt seit Jahren der Schulinspector Herr Dr. B. Groß; leider aber reichen die Fondsmittel nicht aus, um alle die Kosten decken zu können und sein Verdienst ist es, die Beschaffung des Fehlenden zu bewirken. — Auch werden dieser Tage unsere armen Schulkinder durch das edle und liebevolle Hinzuthun des Herrn Alter S ch a p i r e mit Wintermänteln versorgt. — Bei dieser Gelegenheit will ich eines höchst traurigen Umstandes erwähnen, der in Erwägung gezogen zu werden verdient, nämlich: die Armuth und der strenge Winter nehmen überhand und die hilflosen Kleinen verlassen oft frierend und hungernd das armselige Elternhaus und eilen mit leerem Magen hilfesuchend in die Schulmauern, aber leider hier kann ihnen nur eine geistige Kost gereicht werden, die dieselben nicht bis zur Mittagsstunde sättigt, wo sie erst dann ganz erschöpft in der hiesigen Volksküche, Dank der Fürsorge der Gebrüder B a l b a n, ein bescheidenes Mittagsmahl erhalten. — Ein Glas Thee und ein Stückchen Brot diesen armen, bedauernswerthen kleinen Hungerleidern des Morgens zu reichen, wäre daher eine unbeschreibliche Wohlthat, und um diese appellire ich an alle edlen Freunde und Gönner der hilflosen Kleinen, wofür ihnen des Höchsten reichster Segen und eine tiefempfundene Dankbarkeit gewiß nicht ausbleiben wird. Im Namen der armen Schuljugend Michael Mark st ein. Waag-Neustadtl. Sonntag am Vorabende des 8. Kislew, an welchem Tage vor fünf Jahren unser Oberrabbiner Josef Weiffe s. A. aus dem Leben geschieden, hielt der hiesige »Rabbi Weifse-Berein" seine 10. Jahresversammlung ab, wobei auch der wohlthätige Zweck desselben, die Bekleidung armer Schulkinder wie alljährlich, zur Realisirung gelangte. Dieser Verein wurde am 8. December 1892 anläßlich der Feier des 80. Geburtstages des seligen Rabbiners aus Pietät ftir denselben seitens unserer Cultusgemeinde ins Leben gerufen, um deffen Namen und Andenken zu verewigen. Unter der bewährten Leitung des Vereins- Präses Herrn Bankdirector Mor. Herzfeld gewann diese humanitäre Institution, die auch viele auswärtige Gönner und hervorragende Honoratioren der Hauptstadt zu ihren unterstützenden Mitgliedern zählt, immer mehr an Ausdehnung und Prosperität, erwarb sich durch ihre edle Tendenz immer mehr Anerkennung und Theilnahme, so daß der Verein bereits auf ein sehr ansehnliches Niveau emporgestiegen, in den zehn Jahren seines Bestandes nahezu 9000 Kronen für Kinderbekleidung verausgabte und über ein Vermögen von circa 20.000 Kronen verfügt. Die heurige zehnte Generalversammlung eröffnete der Vorsitzende nach Begrüßung der zahlreich Erschienenen mit einer formvollendeten Gedenkrede, in welcher er mit schwungvollen Worten des verewigten Seelsorgers und Bereinsprotectors Rabbi Josef