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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
51 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 836 Dr. Bloch's Wochvnfchrrfk. Nr. 61 k Und die Regierung, der man ja Alles gerne in die Schuhe schiebt, weil man für seine eigene Dummheit gerne eine andere verantwortlich macht, meine Herren und Damen, sie ist ganz unschuldig dabei. Denn die Regierung ist eigentlich im großen Ganzen die Executive des allgemeinen Volkswillens. Wenn nun aber ein kleiner Theil der Bevölkerung nach vorwärts, der andere mächtigere Theil nach rückwärts treibt, da wird die Thätigkeit der Regierung lahmgelegt. Darum begrüßen wir es mit besonderer Freude, dem Rufe eines ComitLs zu folgen, das sich die Aufgabe gestellt, unserem Verkehre ein neues Territorium. wenn auch jenseits des Oceans, zu eröffnen, einem Comitä zuzustimmen, das unserem österreichischen Handel und Gewerbe, der Industrie und dem Verkehre eine neue Ader für ihre Thätigkeit erschließt. Ich fühle mich verpflichtet, Herrn Frants Djö rup für seinen heute hier gehaltenen, ebenso interessanten als lehrreichen Bortrag im Namen des Vorstandes, des Vereines und der ganzen Versammlung den wärmsten Dank auszusprechcn. (Allgemeiner andauernder Beifall.) Hierauf wurde über Antrag des Herrn Sigmund Mayer mit Stimmeneinhelligkeit nachstehende Resolution gefaßt: ,2)er Vereinsvorstand wird aufgefordert, an die k. k. Regierung das Ansuchen zu richten, Oesterreich-Ungarn in der 1904 in St. Louis stattfindendenWeltausstellung in geeigneter Weise vertreten zu wollen." Herr Dr. Zins ergriff hierauf das Wort und dankte sowohl dem Vorsitzenden als auch dem Vortragenden für deffen intereffante und lehrreichen Ausführungen. Um 11 Uhr Nachts schloß der Vorsitzende die Versammlung. Wien. (Löbliche Redaction der »Oesterreichischen Wochenschrift".) Ich würde Sie um gef. Aufnahme der nachstehenden Zeilen in Ihrer geschätzten Zeitschrift höflichst ersuchen: Mit großer Befriedigung nimmt man allwöchentlich aus Ihrer geschätzten Zeitschrift, und fast täglich aus der Rubrik »Spenden" in der »Neuen Freien Presse" davon Kenntniß, wie gründlich die Idee Boden gefaßt hat, Beträge, die man zu Kranzspenden zur Ehrung Dahingeschiedener verwenden wollte, frommen oder wohlthätigen Werken zuzuführen, wohl gibt es noch Conservative, die sichs nicht nehmen lassen, dem theuren Dahingeschiedenen einen kostbaren Blumengruß zu widmen, der Glanz dieser glücklichen Neuerung wird durch diese Einzelfälle nicht matter, weil sich eben wieder eine weit größere Anzahl Kranzablöser einstellt, die ohne diese Anregung an eine Kranzspende gar nicht gedacht hätten. Es schiene mir nun sehr naheliegend, in dieser Richtung einen Schritt weiter zu gehen. Bekannt ist die Gepflogenheit, bei Familienfesten und ganz besonders bei Hochzeiten der mittleren und besseren Stände, den ganzen Kreis der Bekannten, und jeden, der auch blos entfernte Beziehung zu den beiden Brautsamilien hat, hiezu zu laden; ebenso bekannt ist der Brauch, das Brautpaar am Hochzeitstage telegraphisch zu beglückwünschen — ich hörte vor Kurzem von über 800 Depeschen, die einem Brautpaare der guten Bürgerclasse zugekommen sein sollen. Dieser Depescheneinlauf wird in der Regel beim Festmahle den Versammelten vorgelesen und von den Brautleuten als theure Erinnerung aufbewahrt. Ich glaube es, übergehen zu können, Berechnungen darüber aufzustellen, welche Beträge diesem an sich ganz üblichen Brauche geopfert werden, ganz zweifellos ergeben diese eine recht erhebliche Summe, und sicher ist es, daß mit diesen Summen, der Wohlthätigkeit zugewendet, — ich würde als am actuellsten die Ausstattung armer Bräute in's Auge faffen —, Ersprießlicheres geleistet werden könnte. Man könnte z. B. folgende Einrichtung Vorschlägen: Der Verein zur Ausstattung armer Bräute läßt kleine Zettel folgenden Inhaltes drucken, welche den Brauteltern vor Erlassung der Einladungen, in entsprechender Anzahl zur Beilage der Einladungskarten zur Verfügung gestellt werden: »Sie werden höflichst gebeten, falls Sie das Brautpaar mit einer Gratulationsdepesche zu beehren beabsichtigen, den Betrag, welchen Sie hiefür anzuwenden denken, durch Postanweisung an die Adresse des Unterzeichneten Vereines abzusenden und den Postanweisungs-Coupon zur Aufnahme Ihrer Glückwünsche, welche Sie telegraphisch ausdrücken wollten, zu verwenden. Düse Coupons werden am Hochzeitstage der Festgesellschaft zu Händen des Brautpaares vorgelegt und in der üblichen Weise, wie bisher der Depescheneinlauf vorgelesen. Die eingegangenen Beträge werden zur Ausstattung armer Bräute verweudet, in deren Namen Ihnen herzlichst dankt der Verein rc. rc. Adresse..." Diese Zettel werden den Brauteltern vor Erlassung der Einladungen in entsprechender Anzahl übergeben und von diesen den Einladungen beigelegt. Ich verhehle mir nicht, daß es Nörgler geben wird, die das System aus dem Grunde zu perhorresciren versuchen werden, weil es als eine Belästigung oder gar Erpressung des Geladenen aufgefaßt werden könnte; demgegenüber sei es hervorgehoben, daß die Sache keineswegs so gedacht ist, Spenden abzuzapfen, sondern lediglich die wirklich für Dractgrüße zu einzigem Nutzen des hungrigen Staatssäckels verwendeten, aus 60 Hellern sich zusammensetzenden großen Summen, edleren Zwecken zuzuführen. Der Gratulant kann sicherlich so viel Herzlichkeit auch Witz und Laune in den Postanweisungsabschnitt hineinlegen, als in eine Depesche; das Brautpaar wird gleichfalls nicht weniger Werth darauf legen, eine recht große Anzahl der Gratulationen und Postanweisungscoupons zu empfangen, als wenn es diese durch den Draht erhielte. Ungleich wie bei »Kranzablösungen" wo der Sarg, des zugedachten Blumenschmuckes, zu Gunsten der Wohlthätigkeit entbehren muß, handelt es sich hier um keine Gratulations ablösung zu Gunsten der Wohlthätigkeit, sondern blos um Einführung von für alle Theile gleichwerthiger, jedoch vernünftigerer Form der Gratulation; daß armen Bräuten dadurch geholfen wird, ist doch wahrlich nicht schlimm. Für gefällige Aufnahme herzlichst dankend, hochachtungsvoll ergebenst M. L., II., Adambergergasse 5. Wien. Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, einen Jrrthum richtig zu stellen, der in dem Artikel: »Der Schluß meiner Schemini-Azereth-Predigt von Dr. S. Stern, Saaz" in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes enthalten ist. Dort heißt es in der Anmerkung, daß »R. Gamaliel II. am Beginn des zweiten Jahrhunderts das Beispiel zur einfachen, statt der vorher üblichen prunkvollen Leichenbestattung gab." Das Beispiel gab jedoch nicht R. Gamaliel II. und nicht erst zu Beginn des zweiten Jahrhunderts, sondern R. Gamaliel der erste, der in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts blühte. Zwischen dem ersten und dem zweiten R. Gamaliel lag die Zerstörung des Tempels und die Vernichtung der jüdischen Nation durch Titus. Die Ueberlieferung, welche noch heute actuelle Bedeutung hat, findet sich in einer Baraitha Moed Katari 276 und lautet: »Ehedem waren die Auslagen für die Todtenbestattung schwerer als der Tod selbst, so daß die Verwandten die Leiche liegen ließen und sich davon machten. Da ordnete R. Gamaliel eine geringere Behandlung seiner selbst an, so daß er in einfachen linnenen Gewändern zu Grabe gebracht wurde, und alles Volk nahm dann nach ihm den Brauch an, die Todtenbestattung in einfachem Linnengewande vorzunehmen." — Für diese Anordnung wußte man R. Gamaliel Dank (jer Beraekot 3, 1, Lewaeliot 6. 14 gegen Ende Kethuboth babl. 8b), hienach wurde angeordnet, daß zu den beim Trauermahle üblichen Bechern auch einer zum Andenken an Gamaliel hinzugefügt wurde. (Vgl. Geiger jüd. Zeitsch. 1869, S. 133.) Ein fleißiger Leser. Wien. (Der Präsident und Begründer des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus Arthur Gundaccar Freiherr v. Suttner gestorben.) Der Gemal der Baronin Bertha Suttner und ihr eifriger Mitkämpfer an dem großen Werke der Friedensbewegung, Arthur Gundaccar Freiherr v. Suttner, ist am 10. d. M. auf seinem Schlosse Harmannsdorf in Niederösterreich im 53. Lebensjahre gestorben. Baron Suttner wurde am 21. Februar 1850 zu Wien geboren und vermälte sich am 12. Juni 1876 mit Gräfin Bertha Kinsky. Bald nach der Hochzeit beqab sich das junge Paar nach dem Kaukasus und ließ sich in Tiflis nieder. Die hier gesammelten Eindrücke und Erfahrungen verwerthete Suttner in mehreren Romanen und Novellen, die in den Jahren 1881 bis 1890 erschienen. Im Jahre 1885 gab er seine Aussätze über den Kaukasus gesammelt heraus. All diesen Werken ist besonders nachzurühmen, daß sie das Colorit dieses fernen Landes natürlich und lebendig wiedergeben. Im Jahre 1886 kehrte das Ehepaar wieder in die Heimat zurück und wohnte theils in Wien, theils auf Schloß Harmannsdorf. Im Laufe der Neunziger-Jahre wendete Suttner sein Augenmerk auch den socialen Fragen zu. Als Frucht dieser Studien veröffentlichte er eine Reihe Romane, in denen er die Schwächen der österreichischen Aristokratie ohne Voreingenommenheit schilderte. Suttner war ein aufgeklärter, freisinniger Aristokrat, der, frei von allen Vorurtheilen, stets für den Fortschritt und die

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