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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
51 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51 Sette 831 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. Streichung der zur Renovirung der Mikwah ins Budget eingestellten L 10.000 stimmen. Der Cultusvorstand müsse eine neue, der Wiener Cultusgemeinde würdige Mikwah erbauen. Bei der im Zuge befindlichen Rabbinerbestellung müsse in erster Linie darauf geachtet werden, daß der zu Bestellende auch ein hervorragender Prediger sei. Er wünsche nicht einen Rabbiner, der nebenbei auch Prediger ist, sondern die Bestellung eines glänzenden Predigers, würdig der Wiener Gemeinde. Zum Capitel Religionsunterricht bemerkt der Redner, daß der Vorstand hier vor einer der schwierigsten, ja kaum zu lösenden Aufgaben steht. Mit dem geringen Ausmaß von wöchentlich zwei Unterrichtsstunden soll die Jugend mit dem Misten des Judenthums ausgerüstet, mit der Begeisterung für die Geschichte und die Ideen des Judenthums erfüllt werden. Deswegen wird man immer von beiden Seiten Klagen vernehmen: den Einen ist das Gebotene und Geleistete zu wenig, den Anderen ist es zu viel. Es sei unabweisbare Pflicht des Vorstandes Bibelschulen in möglichst großer Anzahl zu errichten, um den zweistündigen Religionsunterricht zu ergänzen, und ist auf diesem Gebiete bereits Vieles geschehen. Unbestritten nothwendig sei die Errichtung einer Bildungsanstalt für Religionslehrer. Jeder Beruf hat seine Vorschulen, seine Fachanstalten, nur für den jüdischen Religionslehrer fehlt eine Bildungsanstalt. Redner bespricht anssührlich die Bedeutung eines solchen jüdischen Pädagogiums und lenkt die Aufmerksamkeit des Vorstandes auf die Nothwendigkeit, für die Fachausbildung der Cantoren zu sorgen, überhaupt auf Heranbildung tüchtiger Cultusgemeinde-Beamten Bedacht zu nehmen. Nach all diesen Richtungen würde ein jüdisches Pädagogium Segensreiches leisten. Redner urgirt die Erweiterung der Gemeinde-Bibliothek und ihre Ausgestaltung zu einer jüdischen Lesehalle. Und ähnlich wie in der Toynbee-Halle, welche gewiß segensreich wirkt, soll der Vorstand die angestellten und anzustellenden Rabbiner einladen, allabendlich abwechselnd Borträge aus der jüdischen Literatur und Geschichte abzuhalten, und bin ich überzeugt, daß dieselben einem solchen ehrenvollen Rufe gerne Folge leisten werden. Zur Post »Verlassene Kinder" bemerkt Redner, daß in dieser Hinsicht viel geleistet worden sei. Insbesondere sei es dankenswerth, daß die Kinder nunmehr in großer Mehrheit bei jüdischen Pfl-geparteien untergebracht werden und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dies baldigst bezüglich Aller geschehen werde. Zum Capital Steuern übergehend, erkennt Redner an, daß die Bedürfnisse immer größere werden, während es schwer sein werde, die Steuern noch weiter zu erhöhen. Es müsse an eine Steuerreform gedacht werden. Endlich fordert Redner, daß auch die Beerdigung armer Personen mit größerer Feierlichkeit vollzogen und daß zu den Sitzungen der Friedhofs- Commission wieder wie früher Delegirte der Chewra-Kadischa eingeladen werden. Zum Schluffe erklärt Herr Dr. Spitzer, daß wer das Gemeindebudget objectiv und ohne Voreingenommenheit prüft, werde anerkennen, daß dieses Budget ein echt jüdisches ist; er wird Aufgaben und Leistungen begegnen, welche an der äußersten Peripherie des jüdischen Pflichtenkreises liegen und er werde deswegen aus vollem Herzen bis auf einzelne Details für das Budget stimmen. Cultusvorsteher Herr Eltbogen: Wenn wieder ein Jahr verfloffen und wir zur Berathung des Budgets schreiten, so werden wir uns wohl die Frage vorlegen: Wie wurden die Steuergelder verwaltet, in welcher Weise hat sich der Gesammtvorstand an der Verwaltung betheiligt und in welcher Weis? wurde jedem einzelnen Vorstandsmitgliede bei der Verwaltung Gelegenheit zur Bethätigung geboten. Wir haben einen ausgezeichneten Finanzminister, vorzügliche Buchrevision, sehr genaue Cassenscontrirung, gewissenhaftes Personal und bleibt diesbezüglich wohl nichts zu wünschen übrig. Es muß nur befremden, daß mit einer solchen übermäßigen Vorsicht budgetirt und ein unbedecktes Gesammterforderniß von Kronen 160.000 constatirt wurde, welches thatsächlich nicht vorhanden ist. Es werden Posten eingesetzt, die überhaupt nicht zur Ver Wendung kommen, wie zum Beispiel 10.000 Kronen für die Mikwah, 10.000 Kronen für den Wahlkataster u. dgl. m. Eine auffallende Post ist Subvention an Bethausvereine, die mit 20.000 Kronen figurirt. Während der geehrte Herr Bicepräfident bemerkt hat. daß 38.000 Kronen Subvention, an die Bechäuser bewilligt wurden, wurden thatsächlich nur 18.000 Kronen verausgabt. Eine ernste Abficht und ein guter Wille besteht nicht, den Betrag von 18.000 Kronen zu überschreiten, nachdem die erste Commisfion, der auch ich anzugehören die Ehre habe, für unseren Bethausverein eine mäßige Erhöhung beansprucht hat, dieselbe aber nicht bewilligt wurde. Alle diese Posten, wie fie in den meisten Capiteln Vorkommen, sind also nur fictive, und ein unbedecktes Deficit ist nicht vorhanden. Unser hochgeehrter und verdienstvoller Präfident hat schon im Jahre 1897, in jener Zeit, da er Präsident wurde, in dem Jahresberichte nachgewiesen, daß eine Steuerreform nöthig und eine Steuerorganisation nach dem Beispiel der großen Gemeinden im Deutschen Reiche am Platze wäre. Und gerade in diesen großen deutschen Städten gibt es eine Cultussteuer von 5 Mark und bei uns will man nun eine 5 Guldensteuer nur facultativ einführen. Wenn jene 10.000 Kronen die schon lange für Anlage eines Wahlkatasters eingestellt wurden, zur Verwendung gebracht worden wären, so hätte man gefunden, daß, wie sich bei den letzten Landagswahlen gezeigt, im II. u. XX. Bezirke mehr als 9000 jüdische Wähler waren, während in diesen beiden Bezirken kaum mehr als 3000 Juden Cultussteuer bezahlen. Ich gestatte mir nun die zweite Frage: Wie hat fich der Gesammtvorstand an der Verwaltung betheiligt und wie wurde den einzelnen Mitgliedern zur Betheiligung an den gemeinsamen Arbeiten Gelegenheit geboten?! Lassen wir ganz einfach Zahlen sprechen. Während in früheren Jahren die Plenarsitzungen eine größere Zahl beansprucht haben, waren im heurigen Jahre in 8 Monaten 13 Plenarsitzungen und — sage — 64 Vertreterfitzungen. Meine Herren! Wenn man Gelegenheit gehabt hat, die Tagesordnungen der Vertreter fitzungen zu sehen, waren fie stets ungeheuer große, und wir müffen anerkennen, daß das Bertretercollegium mit ungeheuerem Fleiße, ja geradezu aufopfernd thätig gewesen. Wenn wir aber in Anbetracht ziehen, daß die Herren Vertreter außerdem zumeist noch Obmänner von Commissionen und in der Gemeinde noch anderweitig thätig find, so ist die Arbeitsanstrengung eine überaus große, und so wie Alles Licht- und Schattenseiten hat, so ist die Folge dieser dankenswerthen Anstrengung, daß manchmal auch Vertreterfitzungen die knappe Beschlußfähigkeit haben und es wohl nicht in den Intentionen des Statutes und der Wähler liegt, daß blos ein kleiner Theil des Vorstandes die Agenden zu erledigen hat und viele von den Herren Vorstehern von vielen Vorgängen in der Gemeinde gar nicht oder nur schlecht unterrichtet find. Mir, sowie vielen anderen Herren wird es gewiß nicht darum zu thun sein, mehr Sitzungen zu haben, denn wir haben auch andere BerufspfOchten, aber im Interesse der Sache, bei der mitzuwirken wir uns bereit erklärt haben, wünschen wir, daß auch die Commissionen in den Stand gesetzt werden, nicht wie bis allher, daß den Herren Obmännern derselben zur Berathung keine Agenden zugewiesen sind: Es soll diesbezüglich, wenn auch keine Statutenänderung, so doch eine gründliche Verbesserung der Geschäftsordnung geschaffen werden. Wie der geehrte Herr Vorredner bemerkt hat, daß der Gesammtvorstand gewiß bestrebt ist, Allerbestes zu leisten und in Interesse der Gemeinde zu wirken, so stimme ich dieser Anerkennung gerne bei und werde ich ebenfalls der Vorlage des Budgets meine Zustimmung nicht versagen. Vorsitzender kaiserl. Rath K l i n g e r bemerkt zu den Ausführungen des Cultusvorstehers Eltbogen, daß der Besuch der Bertreter-S'tzungen nahezu immer ein vollzähliger sei. Die Klage des Herrn Eltbogen, daß die einzelnen Cultusvorsteher zu wenig Einblick in die Geschäfte haben, sei wohl nicht gerechtfertigt. Es stehe ja laut Geschäftsordnung den Vorstandsmitgliedern frei, in den Protokollen der Vertreter-Sitzungen jederzeit Einblick zu nehmen. Cultusvertreter Herr Dr. Steiner hält Dr. Stern's Behauptung, daß das Budget ein volles Drittheil der Gesammtausgaben für Wohlthätigkeitszwecke widme und daß damit die äußerste Grenze des Zulässigen erreicht fei — für unstatthaft. Zunächst käme es darauf an, ob dre Ausgaben für Spital und Bersorgungshaus — welche aus politischen und rituellen Gründen unerläßlich find — ins eigentliche Wohlthätigkeitsbudget gehören. Schaltet man diese aus, so bleiben kaum 10 Percent für die wirkliche Armenpflege, eine Quote, welche angesichts der rapid steigenden Verarmung und der kommunalen Bedrängniß entschieden gering ist. Eine V?r-

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