Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 830 Dr. Bloch's WvchenschrM. Nr. 51 Correspondenzen. Oeffentliche Plenarsitzung des Cuttusvorstandes am 14. Deeember 1902. unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Aus dem Einlaufe werden bekanntgegeben: Spenden: Von Herrn Philipp Frankl zur Vertheilung an Arme (zugewiefen an die Armenanstalt).X 200.— , Herrn Ferdinand Gombrich für Zwecke des israelitischen Siechenhauses.. „ 35.— für Zwecke des ifraelit. Altersversorgungshaufes „ 25.— „ Herrn Dr. Siegfried Brüll zur Anschaffung und Vertheilung von Kohle an jüdische Arme. . . „ 50.— „ Julius Braun zur Verköstigung armer ifraelit. Schulkinder in der Brigittenau.„10.— „ Herrn Dr. Alfred Berger, Kcanken-Utensilien für die ifraelit. Versorgungsanstalt „ Frau Fanny Kann für das israelitische Altersversorgungshaus. 100.— „ Jonas und Pauline Bergmann anläßlich ihrer goldenen Hochzeit für hiesige Arme (zugewiesen an die Armenanstalt). 100.— Den Spendern wird der Dank votirt. Zur Verlesung gelangt ferner ein Dankschreiben des Comites zur Entgegennahme von Liebesgaben für die Armen der österr.-ungar. Gemeinden im heiligen Lande für die vom Vorstande bewilligte Spende von X 1000.—. Agnoscirung der durch die höherbesteuerten Mitglieder der Cultusgemeinde vorgenommenen Wahlen: Präsident kais. Rath Klinger bemerkt, daß gegen diese Wahl keinerlei Einwendungen erhoben wurden und oaß dieselbe daher im Sinne des § 17 der Wahlordnung vom Vorstande anzuerkennen wäre. Die Wahl der Herren Dr. Josef Breuer, Doctor Felix Katzau, Oberbaurath Sigmund Tausftg und kais. Rath Jonas Weil für eine sechsjährige, des Herrn Moriz B. Eißler für eine vierjährige Mandalsdauer, ferner die Wahl von 36 Vertrauensmännern wird sohin anerkannt. Präsident kais. Rath Klinger berichtet, daß im Sinne des Stiftbriefes der Freiherrlich von Rothschild'schen Künstler-Stiftung dem Vorstande die Nominirung zweier Mitglieder des Curatoriums der genannten Stiftung zustehe. Nachdem das Mandat der bisher vom Vorstände zu Stiftungs-Curatoren gewählten Vorstandsmitglieder, der Herren Architekt Max Fleischer und Bice-Präsident Dr. Alfred Stern, mit Ende des yeurigen Jahres abläuft, sei die Neuwahl zweier Curatoren für die nächste dreijährige Functionspeciode erforderlich. Herr Bice-Präsident Doctor Alfred Stern bitter, von seiner Wiederwahl abzusehen. Bei der hierauf folgenden Abstimmung werden die bisherigen Curatoren Architekt Fleischer und Dr. Stern per aeelalnationem einstimmg wiedergewählt. Cultusvorsteher Ober-Ingenieur Arthur Edler v. Mises berichtet namens des Vertreter-Collegiums über Aufnahmen in das Bersorgungs- und Siechenhaus. Das Vertreter-Collegium habe in seiner Sitzung vom 7. December 1902 22 Personen (13 Frauen und 9 Männer) für die Aufnahme in das Siechenhaus, und 23 Personen (4 Frauen 9 Männer und 5 Ehepaare) für das Altersversorgungshaus in Vormerkung genommen. Die Aufnahme dieser Personen erfolgt nach Maßgabe der eintretenden Vakanzen. Der Referent nimmt Anlaß, gegen den von mancher Seite erhobenen Anwurf dahingehend, daß bei den Aufnahmen dte Protection maßgebend sei, entschiedenst Stellung zu nehmen. Die einlaufenden Gesuche werden bezüglich der Dürftigkeit der Bewerber auf das Objectivste geprüft, die Bewerber selbst ärztlich untersucht und auf Grund des ärztlichen Gutachtens und aller in Betracht kommenden Umstände erfolgt der Vorschlag zur Aufnahme durch eine fpeciell hlesür bestehende Aufnahms-Commission. Referent entwirft sooann ein Btld des derzeitigen Standes der Versorgungsanstalt. Seit der Eröffnung der Anstalt im Jahre 1890 haben 550 Personen in derselben Aufnahme gefunden. Hlevon sind 330 theils gestorben, theils ausgetreten, so daß der derzeitige Stand 220 beträgt. Die Einrichtung des dritten Stockwerkes, welche gegenwärtig im Zuge ist und voraussichtlich in den ersten Monaten des kommenden Jahres vollendet sein wird, bedeute einen Zuwachs von 26 Betten, eine Vermehrung, die, so bedeutend sie auch an sich sei, im Vergleiche zu der Anzahl der vorliegenden Gesuche, welche bisher nicht berücksichtigt werden konnten, geradizn verschwinde. Für das Siechenhaus liegen 20 solcher Gesuche vor; für das Altersversorgungshaus 56 Gesuche von Personen über 70, und 86 Gesuche von Personen über 60 Jahre, zusammen 162 Gesuche. Präsident kaiserl. Rath Klinger spricht dem Referenten für seine Mühewaltung den besten Dank aus (Lebhafter Beifall.) Nach Eintritt in die Berathung des Voranschlages pro 1903 ergreift zur Generaldebatte das Wort Herr Bice-Präsident Dr. Alfred Stern: Den Voranschlag der Gemeinde bringt der Redner in eine zifftrmäßige Beleuchtung. Im Budget der Gemeinde seien einige Conti enthalten, welche er besonders hervorheben wolle. Es sind dies: Mannheimer Kinderasyl, Kinderspital, Aushilfscasse für das Spital der Cultusgemeinde. Für die Zwecke des „Mannheimer Kinderasyles" sei derzeit schon ein Capital von X 73.930 vorhanden; er glaube, daß es jetzt an der Zeit sei, darüber schlüssig zu werden, ob nicht der Vorstand durch seine moralische Autorität bewirken solle, daß nach dieser Richtung etwas geschaffen werde. Es bestehe ein größerer, mehrere hunderttausend Kronen betragender Fond für ein Knaben-Waisenhaus, welcher sich durch ein im Jahre 1903 freiwerdendes, bisher gebundenes Capital noch vermehren werde. Ferner sei ein Institut für verkrüppelte Kinder in Bildung begriffen. Es frage sich nun, ob es nicht möglich wäre, eine Vereinigung dieser Institute herbeizuführen. Für das Kinderspital ist bisher ein Capital von X 275.400 vorhanden. Daß mit diesem Betrage an ein selbstständig zu errichtendes Institut nicht gedacht werden könne, sei klar. Doch sei vielleicht auch hier eine Vereinigung unter Wahrung etwaiger stifterischer Rechte anzustreben. Die Spitals-Aushilfscaffa, welche über jährliche Einnahmen von X 10.480'— verfügt, sollte unter Wahrung aller stifterischen Rechte in das Budget der Gemeinde einbezogen werden. Das Budget der Gemeinde weise einen Ausgaben-Etat von rund X 2,169.000 auf. Hierin sind auch einige Posten enthalten, welche eigentlich nur durchlaufend sind und nicht in das Budget gehören, so z. B. Zinsen von Stiftungen und Fonden. Bringt man diese in Abrechnung, so verbleibt ein Budget von Kronen 2,032.000. Unbedingt gebunden hievon sind die Zinsen von sundirten Schulden und Amortisationen im Betrage von X 72.227, so daß ein reines Budget von rund X 1,959.000 verbleibt. Hievon werden verwendet: Für Cultus- und rituelle Angelegenheiten ca. 23 Percent, für den Religionsunterricht 1472 Percent, für den Friedhof hxJ2 Percent, für die allgemeine Verwaltung 17V2 Percent. Für verschiedene Wohlthätigkeitszwecke werden ca. 33 Percent des Gesammtbudgets verausgabt. Redner glaubt, daß man in Bezug auf die Wohlthätigkeit an der Grenze deffen angelangt fei, was eine Cultusgemeinde leisten könne. Dagegen findet die Pflege des Cultus im Budget nicht in jenem vollen Maße Ausdruck, als es wünschenswerth wäre. Unter den vielen unberechtigten Klagen, welche anläßlich der jüngsten Wahlen laut wurden, kann die Klage, daß wir mit unseren gottesdienstlichen Einrichtungen im Rückstände seien, insolange als nicht unberechtigt angesehen werden, als wir nicht dafür Sorge tragen, daß diese Errichtungen von einer sehr großen Anzahl Glaubensgenossen benützt werden können. Nach dieser Richtung sollte sich zunächst die Thätigkeit des Vorstandes leiten lassen. Herr Cultusvorsteher Doctor Markus Spitzer er greift die Gelegenheit der Budgetberathung, um eimge Anregungen vorzubringen. In formaler Beziehung bemängelt der Redner, daß die Fehlbeträge für die einzelnen Verwaltungszweige in Form von erforderlichen „Zuschüssen" notirt werden. Biel klarer und natürlicher wäre die einfache Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben. Redner anerkennt, daß auf dem Gebiete der Synagogen-Verwaltung im Laufe der letzten Jahre vielfache Verbefferungen eingetreten sind, die man mir Dank anerkennen müsse. Nur die Leopoldstadt werde stiefmütterlich behandelt. Der Bau eines zweiten Tempels für die Leopoldstadt werde sich noch früher nothwendig erweisen als in der Inneren Stadt. Ueberhaupt sollten alle Institutionen der Wiener Cultusgemeinde auf der Höhe der Zeit stehen. Das kann man zum Beispiel von der Mikwah nicht sagen, welche in ihrer heutigen Einrichtung den Zweck zu haben scheint, die Leute von der Benützung abzuhalten. Darum werde Redner für die