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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-12-12 · 50 (12.12.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
50 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 822 Dr. Bloch's WochVNflhrist. Nr. 50 Tief ergriffen traten die Trauergäste an das Grab, das die Hülle eines der Besten unseres Volkes aufnahm, und warfen drei Schäuflein Erde hinein, als letzten Tribut und Scheidegruß an Hieronymus Lorm. Brün«. (Israelitische Cultus gemeinde.) Kürzlich fand die Ergänzungswahl des Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde statt. Die Betheiligung an der Wahl war eine sehr schwache, denn von den 1246 Wahlberechtigten übten nur 293 ihr Wahlrecht aus. Gewählt wurden, und zwar mit sechsjähriger Functionsdauer die Herren: Dr. Hieronymus Fialla mit 292, Philipp Roth mit 291 und Sigmund Schwarz mit 293 Stimmen wieder, ferner Malzfabritant Alexander Stein mit 292 und Gemeinderathssecretär Dr. Michael Feith mit 284 Stimmen neu; schließlich wurde Herr Jonas Karpeles, welcher seine Berzichtleistung auf eine Wiedercandidatur zurückgezogen hatte, mit 293 Stimmen für eine vierjährige Functionsdauer wiedergewählt. Das Herrenhausmitglird Herr Julius Ritter v. Gomperz, welcher durch eine lange Reihe von Jahren als Vorsteher an der Spitze der israelitischen Cultusgemeinde stand und diesmal satzuvgsgemäß gleichfalls zur Ausscheidung gelangte, hatte die bestimmte Erklärung abgegeben, nicht mehr zu candidiren. Die Wahlcommiffion bestand aus den Herren: Dr. H. Fialla (Vorsitzender), Heinrich Kätscher, Ludwig Straßer, Bernhard Rischawy und Ludwig Troller. Falkenau. Bei der Wahl der Bertretungsorgane der hiesigen Cultusgemeinde wurden gewählt: in den Vorstand Carl Pollak, Joh. Steiner, Alfred Fischer, Leopold Mohr, Dr. S. Kohn, k. k. Bezirksarzt, Dr. Ludwig Steininger, David Steininger, Moriz Löw, Adolf Hirsch in Falkenau, Jacob Kohn in Graslitz. Als Ersatzmänner: Alfred Läppert, Leopold Kohn, Carl Heller, Eduard Reichler. Josef Lang. In den vexstärkten Ausschuß: Dr. Ludwig Unger. Angelus Wassermann, Adolf Hermann, Ernst Steininger, Simon Rosner in Falkenau, Wilh. Schulz in Graslitz, Adolf Schlesinger in Kirchenbirk, Ignaz Steininger in Elbogen, Arthur Maler in Poschezau. In die Umlags-Commission: Josef Lang, Dr. Adolf Stark. Philipp Steininger in Falkenau, Ariel Hönig in Kirchenbirk. Jacob Kohn in Graslitz, Wilhelm Schwabach in Chodau. Als Cassa- Revisoren: Berthold Hansel und Leopold Zentner in Falkenau. Paris. (Gründung eines Abwehrvereines.) Nachdem der lärmende Antisemitismus seit dem energischen Auftreten Waldeck Rosseau's sich feig ins Hundeloch verkrochen hat und die Juden wenigstens vor pöbelhaften Insulten auf der Straße gesichert sind, finden sie nunmehr Muße, auch an die Zukunst zu denken und weise Vorbereitungen für die Zeit zu treffen, wo unter einem anderen Ministerium die französischen Antisemiten beffere Geschäfte zu machen hoffen dürfen und wieder beginnen werden, auf den Pariser Boulevards neue Orgien zu feiern. Die französischen Juden haben daher beschlossen, ein Schutzcomitä gegen antisemitische Angriffe zu gründen, und haben zu diesem Behufe eben einen Aufruf an sämmtliche Juden in Frankreich und Algier erlassen. Der Aufruf trägt die Unterschriften der Herren Aron, Mitglied des Centralconsistoriums, des Dr. Dreyfus-Brisac, Mitglied des Centralconsistoriums der Alliance, Narcis Leven, Präsident der Alliance, Salomon Reinach, Mitglied der französischen Akademie, und des Mr. Lrvaillant, gewesener Präfect und Director der Abtheilung für öffentliche Sicherheit im Ministerium des Innern. Der Aufruf betont, daß der neue Verein alle religiöse Meinungsverschiedenheit im französischen Judentbum außer Betracht lassen werde, da der Antisemit sich ebenfalls darum nicht kümmert, ob der von ihm angegriffene Jude liberal oder orthodox gesinnt ist. Auch will der Verein seine Thätigkeit ausschließlich auf Frankreich beschränken. Die Notb der Juden in außerfranzösischen Ländern geht zwar dem Count« sehr nahe, was auch durch die Thatsache bewiesen wird, daß einige seiner Mitglieder an der Spitze der Alliance stehen, allein bei der in Betracht kommenden Frage muffen die Mitglieder des Vereines nicht als in Frankreich wohnende Juden, sondern als Franzosen handeln, deren Bürgerrechte mit Füßen getreten werden. Natürlich frohlocken die französischen Anttsemiten und reden wieder von dem jüdischen Syndicat, das sich endlich ans Tageslicht wagt. Allein auch die französischen Juden sind durch die bitteren Erfahrungen während der Tage der Dreyfus-Affaire klüger geworden und fragen bei ihrem Thun und Lassen nicht mehr darnach: „Was werden wohl die Anttsemiten dazu sagen London. (Auflösung der Liga der „.Britischen Brüder".) Die famose Liga der „Britischen Brüder", welche seit zwei Jahren in London den Fremdenhaß propagirt und durch einige tumultarische Versammlungen im Stile der Wiener und Berliner Antisemiten die arme jüdische Bevölkerung Ostlondons in hohem Grade beunruhigt hat, wird sich demnächst auflösen. Der Antisemitismus ist eben in England noch nicht spruchreif und eine Gesellschaft, welche den Judenhaß, wenn auch noch so versteckt, auf seine Fahne geschrieben hat, ist in London auf die Dauer nicht lebensfähig. Daher wurden die „Britischen Brüder" von den classenbewußten Arbeitern ignorirt und von den bessern Ständen ostentativ gemieden. Von den angeblich nach Zehntausenden zählenden Mitgliedern haben kaum 3000 das Eintrittsgeld und nur wenige Hunderte die regelmäßigen Mitgliedsbeiträge entrichtet. Der Gründer und erste Vorsitzender der Liga, Mr. William Shaw, hat sich von ihr zurückgezogen, als er merkte, daß eine Anzahl dunkler Existenzen sich in derselben breit zu machen anfangen und daß die Liga immermehr zum Tummelplätze des Antisemitismus gemacht wird. Als endlich auch Major Evans Gordon nach seiner Rückkehr aus Rußland seine früheren Ansichten über die Schädlichkeit der Fremdeneinwanderung gründlich revidirt hat, sah sich die Liga ihrer letzten Stütze beraubt und beschloß, sich aufzulösen. Aus den Trümmern derselben sollen die Bausteine zur Gründung einer neuen Gesellschaft entnommen werden, die sich zur Aufgabe machen wird, auf die strenge Durchführung der bereits bestehenden Wohnungsgesetze zu dringen, wodurch die Uebervölkerung und die Wohnungsnoth Ostlondons wesentlich gemildert werden könnte. Hoffentlich wird dieser Versuch ernst gemeint und kein Vorwand sein, um unter diesem unschuldigen Deckmantel weiter in England im Antisemitismus zu machen. Vermischtes. Wien. Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, Wien, l., Seitenstetten gaffe 4, findet Sonntag den 14. December 1902, halb 11 Uhr Vormittags, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bestellung von 2 Curatoren für die Freiherrlich von Rothschild'sche Künstlerstiftung für die Periode 1902—1905; 2. Bericht des Vertreter-Collegiums über Aufnahmen in die Versorgungsanstalt; 3. Anstellung weiblicher Lehrkräfte für den israelitischen Religionsunterricht; 4. Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der israelitischen Cultusgemeinde, sowie sämmtlicher unter ihrer Verwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1903. Wien. (Probepredigten im Leopold st ädter und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. Marcus Braude aus Stanislau hält Freitag den 12. December 1902 bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 15 Minuten beginnt, im Leopoldstädter Tempel. Tempelgaffe, die Predigt, und am Samstag den 13. d. M. bei den um 3 Uhr 15 Minuten stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe die Exhorte vor den Mittelschülern. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadi* scha" in Wien, I., Seitenstettengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Für weiland Johanna Eisenberger: Von Frau Anna Hein, II., Lielienbrunngasse 2, X 2.—; von Frau Vilma Fischer, IV., Gußhausstraße, X 2.—; von Frau Jenny Horner, I., Elisabethstraße 26, X 2.—; von Herrn Marcus Fellner, I., Getreidemarkt 4, X 10.—; von Herrn Leopold Bittner, I., Franz Josefs-Quai 51, X 2.—; von Frau Elsa Thein, II., Obere Donaustraße 89 a, X 3.—; von Frau Rosa Theumann, II., Aloisgasse 3, X 2.—; von Frau Olga Gönner, IV., Apfelgasse 2, X 5.—; von Herrn Dr. Wurmfeld X 100; zusammen: X 128.—. Für weiland Georg Schulhof: Von Herrn Josef Schulhof, Mariahilferstraße 111, X 60.—. Für weiland Max Mayer in Frankfurt a. M.: Von Frau B. M. X 20.—. Für weiland Johanna Kadelburg: Von Herrn Heinrich Kadelburg, VI., Mariahilferstraße 1a, X 20.—. Wien. (GeneralconsulThalberg gestorben.) In seiner Wohnung, Alsergrund. Berggaffe 14, ist am 8. d. M. der türkische Generalconsul Josef Tbalberg an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Josef Thalberg, eine in der Wiener Finanzwelt bekannte Persönlichkeit, stand im Alter von vierund*

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