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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-12-12 · 50 (12.12.1902) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
50 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 814 Dr. Bloch's WmhVNlÄrrM. Nr. so keit Wolf's über die Provenienz der Gelder. Mochten sie woher immer kommen, ihm war das gleich gütig. Ec wollte nicht Nachdenken darüber und wollte »nichts wissen". Die Anderen mochten thun, was sie wollen, wenn nur Herrn Wolf nicht die Mitschuld nachgewiesen werden kann. Die Geschwornen ui Brüx haben erklärt, es seien dem K. H. Wolf ehrenrührige Handlungen nicht nachgewiesen worden. Gewisse Dinge lassen sich nun überhaupt nicht beweisen, und auch die Behauptung, Wolf habe die Herkunft des Geldes gekannt, das Herr Gurmann, der Angestellte Wolf's, so bereitwillig dem von ihm selbst verwalteten Blatte zur Verfügung stellte, läßt sich nicht »beweisen". Allein es widerspricht aller Erfahrung, daß der Inhaber eines kleinen Zeitungsunternehmens nicht wissen sollte, woher sem Administrator mehrere Tausende Gulden bringt, und ungeachtet des Verdicies der Jury m Brüx erklären wir die Angabe des K. H. Wolf als gänzlich unglauowLrdig. Wir glauben nicht daran, daß Herr Gutmann angeblich nur für sich nahm, um bas erhaltene Geld dem K. H. Wolf zu leihen. Daß Wolf ihn fragte, woher das Geld stammt, spricht geradezu gegen ihn und deutet daraus hin, daß es sich nicht um em Darlehen handelte, denn das ist doch nicht üblich, daß der Schuldner den, der ihm ein Darlehen gewährt, fragt: ,Sre, haben Sie das Geld vielleicht gestohlen?" Die Frage nach der Provenienz ist auffallend, wenn es sich um ein Darlehen handelt; sie ist Dagegen ganz natürlich, wenn es sich um Geld handelte, das der »Oftoemichen Rundschau" selbst zufloß. Daß aber der Gutmann eme Handlung unternehmen sollte, hinsichtlich derer er im Falle der Entoeckung befürchten mußte, von seinem Cyef sofort entlassen zu werden, nur um diesem Chef Geld zu borgen, dazu gehört eine Selbstaufopferung, die Herrn Gutmann zum Ideal eines treuen Dieners frempelt. Und nunmehr wird seine Aufopferung damit gelohnt, daß er wie ein Geächteter sich ans der Mute oer Partergenoffen schleichen muß, während K. H. Wolf aus der Feuerprobe des Processes verklärt heroorgeyt, einem Phönix gleich, der aus der Asche oder aus der Tasche des Zucker carte lls emporsteigt. Was aber jene oielbesproryene Affaire betrifft, bezüglich deren Wolf selbst gesteht, baß er eine Schlechtigkeit begangen, so wurde der Wahrheitsbeweis nicht zugclassen. Mit großem Befremden lesen wir in einem Berichte, oaß oer Vorsitzende in seinem Resumä gesagt haben soll: »Nach dem Wortlaute des Gesetzes muffen dem Krüger mindestens zwei entehrende Handlungen nachgewlefen sein, um den Wahrheitsbeweis als erbracht anzusehen." Wir müssen annehmen, daß der Berichterstatter schlecht gehört hat. Im Gesetze steht allerdings: »Entehrende Handlungen und nicht „eme entehrende Handlung". Aus dem Wortlaute des Gesetzes heraus darf man aber doch dem Gerste des Gesetzes Nicht Gewalt anlhun. Wenn beispielsweise Jemand an seinem besten Freunde einen schmählichen Verrath begeht, ist er darum nicht ehrlos, weil er nur eme entehrende Handlung begangen hat? Im Uebrlgen wollen wir auf juristische Spitzfitldigkeuen uns nicht einlassen. Gewiß ist, daß der nicht zum Volksvertreter und noch weniger zum catonischen Sittenrichter oerufen ist, dem auch nur eine entehrende Handlung nachgewiefen worden ist. Und von demselben K. H. Wolf, der nach Milderungsgründen für die von ihm selbst eingestandene Schlechtigkeit suchen muß, ist es eine absolut unerlaubte Anmaßung und Heuchelei, in seinem Blatte von »semitischer Brunst" zu schreiben. Die Sittenrichter der Juden müssen, bas mag sich oer abgetakelte Cherusker emfür allemal gesagt sein lassen, vor Allem ihrer eigenen sittlichen Integrität sicher sem. Honorige Menschen, falls sie von Vorurtheilen gegen die Juden besangen sein unb diese Ansichten äußern sollten, kann man höflich zu belehren und zu widerlegen suchen. Bon fragwürdigen Charakteren, von wurmstichigen Genrlemen brauchen sich die Juoen jene niedrigen Beschimpfungen nicht gefallen zu lassen, wie man sie in der unter Wols-Gutmann'scher Leitung für Pauschalien und Best, chungen zugänglich gewesenen »Ostdeurfchen Rundschau" lesen konnte. Demselben Herrn K. H. Wolf, der einst erklärte, er gebe keinem Juden die Hand, dem ist es, nach seinem glänzenden Siege in Brüx, zu sagen an der Zeit, daß kein anstänolger Jude es sich zur Ehre rechnen würde, ihm die Hand zu reichen, und wenn er in seinem Plaidoyer so anmaßend und geschmacklos war, zu sagen, er hänge nicht wie die Hebräer am Leben, so imponirr uns diese Todesverachtung des Herrn K. H. Wolf nicht und sie ist nichts als schauspielerische Pose. Als sein Mandat in Gefahr war, drohte er den Wählern mit dem Selbstmord, und mit der gleichen Drohung setzte er den Geschwornen die Pistole an die Brust. Am politischen Leben hängt Herr Wolf, aber nicht wie ein Hebräer, sondern wie eine Klette, und wir müssen es dem Geschmack und den Ehrbegriffen seiner Wähler überlassen, ob sie durch eine Erscheinung seiner Art sich noch fernerhin vertreten lassen wollen, und es stünde traurig um das deutsche Volk, wenn dieser Mann sich als dessen »Führer" betrachten dürfte. Sein Platz ist nicht mehr in der großen Politik, sondern in der Redaction eines deutsch-böhmischen oder sächsischen Localblättchens. * -i- Die Iden des Märzen sind berühmt in der Geschichte, als der Tag; an welchem der große Cäsar ermordet wurde. Mehr als 1900 Jahre hat der 15. März nichts gethan, um die Welt mit diesem Makel auf seiner Kalenderehre zu versöhnen. Erst der 15. März 1848 revanchirte sich für den todten Cäsar durch den lebendigen Ernst Bergani, der an diesem Tage, wie uns sein Biograph im »Deutschen Volksblalt" mittheilt, geboren worden ist. Wo aber wurde er geboren? Warum erzählt uns das die fünftausendste Nummer des »Deutschen Volksblattes" nicht, deren Erscheinen uns einen Festartikel mit den so viel einnehmenden Zügen des zaubergewaltigen Mannes brachte? Wenn man das ganze Jahr hindurch von »Eingewanderten" und »Zugereistenspricht, so wird man freilich nicht gerne daran erinnert, daß man in Sollenz in Galizien das Licht der Welt erblickt hat. Wenn Sollenz sich nicht seines dick gewordenen Sohnes schämt, vom Bergani ist es nicht schön, daß er seine gallzrsche Vaterstadt verschweigt. Die Biographie ist überhaupt recht lückenhaft geblieben. Allzu rasch nach feiner Geburt ist er Bürgermeister und Ehrenbürger des Marktes Mühldorf geworden, und lückenhaft ist auch bte Darstellung, wie der Gefeierte aus dem politischen Leben hinausgefeuert wurde. »In Folge der steten persönlichen Anfeindungen der Schönerianer leistete er auf die Thätigkeit in den Vertretungskörpern Verzicht und widmete sich ganz dem »Deutschen Volksblatt", das zu einem der ersten Tagesblätter des Reiches emporgestiegen ist." Mit welcher rührenden Diskretion wußte der Biograph gewisse überaus schmerzliche Stellen aus den Erlebnissen Vergani's zu übergehen! Wir wollen die stille Heiterkeit, in welche uns diese Selbstverherrlichung des antlsemitischen Cäsar versetzte, nicht stören. Ja wohl, er ist emporgestiegen nicht wie Cäsar zum Capitol, sondern zum Capital. Es ist wahr, er ist seinem Volke ergeben «tu »Herz und Hand", namentlich aber mit der Hand. »Unbeirrt von allen Einflüssen" ist er geblieben, obgleich so viel in feine Casse »eingeflossen" ist. Die größten Bestechungen, die er von jüdischen Geldinstituten nahm, konnten ihn in der antisemitischen »Idee" nicht wankend machen, und er hat geradezu heroische Experimente unternommen, um zu zeigen, wie man sittliche G^oße mit erpreßten Pauschalien vereinen kann. Daß er an der Vcrpöbelung des Volkes, an der Aufhetzung des dummen Kerls von Wien, an der fchmutzigsten Ausbeutung der niedrigsten Jnstlncte hervorragenden Antheil genommen, sei anläßlich der fünstausendsten Gemeinheit, die das Erscheinen jener Festnummer darstellt, rückhaltlos anerkannt. Zur Zeit seiner Bürgermeisterschast in Mühldorf hätte er wohl kaum gewagt, sein Bild in einer Zeitung zu veröffentlichen, in der begründeten Besorgniß, daß es eventuell als illustrirter Steckbrief verwendet werden könnte. * * * Tausende von Weißnäherinnen frieren und hungern. Auch die wenigen Kreuzer, die sie durch mühselige Arbeit verdienten, haben sie nicht mehr, seitdem ein reactionäres Gesetz den Wäschesabrlkanten verbietet, durch Reisende Bestellungen zu sammeln. Das sind zumeist christliche Arbeiterinnen, und nicht blos jüdische, sondern Tausende von christlichen Hausirern werden durch das neue Gesetz ins Elend hinausgestoßen. Sie Alle mögen sich bei der christlich-socialen Partei bedanken, und sie müssen es sich gefallen lassen, wenn die Antisemitenpreffe sie noch verhöhnt. »So Jemand nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen", diese Worte des Apostel Paulus stellt das dümmste Antisemitenblatt Wiens einem Artikel voran, in welchem es die der Brotlosigkeit preisgegebeneil Blumenhausirerinnen verspottet. Zu einem verächtlicheren Beginnen sind Aussprüche eines Kirchenvaters wohl niemals verwendet worden. Ich glaube, jeder intelligente und gläubige Christ müsse empört sein ob einer solchen Blasphemie. I » « g r i m.

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