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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-12-05 · 49 (5.12.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
49 (5.12.1902)
Date
1902-12-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 804 Dr. Bloch's Wochonschrifl. Nr. 49 Dr. Ignaz Goldziher. Dr. Wilhelm Goldzieher, Berthold Goldberger de Buda, Dr. M. Kayserling, Sigmund Kohner, Doctor Josef Köröjy, Dr. Paul Mandel, Dr. Moriz Mezei, Jakob Pollak, Dr. Moriz Rethy, Martin Schweiger, Doctor Sigmund Schweiger. Dr. Max Somogyi, Adolf Sternthal, Dr. Berthold Stiller, Dc. Philipp Weinmann, Dr. Franz Wittmann und Dr. Moriz Tihanyi; Rechnungsrevisoren: Ludwig Adler, Doctor Anton Baumgarten und Adolf Sternthal. Lemberg. Diese Woche war eine bedeutungsvolle für unsere Gemeinde, da in derselben das große mit allen hygienischen Behelfen erbaute Spital des Philanthropen Directvr M. Lazarus sowohl, wie auch das Mädchenwaisenhaus und die renovirte Waisenhaus-Synagoge, die der Bicepräsident der Cultusgemeinde Dr. S. Schaff und seine Gattin Frau M. Schaff zur Erinnerung an ihre verewigte Tochter Fräulein Rachel Schaff errichteten, der allgemeinen Benützung übergeben wurden. Bei der feierlichen Eröffnung des Spitals hielt Herr Directvr Lazarus nachstehende Rede: Sehr geehrte Herren! Das L^ben des Menschen ist von Freud und Leid durchwoben. Die Freuden des Lebens verrauschen und gerathen bald in Vergessenheit, die Leiden dagegen graben Furchen in die menschliche Seele, die nie mehr schwinden. Die Freude dieser Stunde jedoch, der schönsten meines Lebens, wird mir unvergeßlich bleiben und viele Leidensfurchen in meiner Seele verwischen Ich und meine Frau haben diese humane Anstalt erbaut und eingerichtet, da das Gebot der Nächstenliebe ein Ideal unserer Lchre, ein Ideal des Judenthums ist. Leider hat der herrschende Materialismus dieses Ideal zuweilen verdrängt und Ehre und Gewiffen wie mit einem Schleier bedeckt. Mir aber hat dies Ideal in meinem ganzen Leben vorangeleuchtet, ich bemühte mich stets, es auch in die That umzusetzen, bis dann der Entschluß in mir reifte, dieses Spital zu erbauen. Ich hoffe, daß der geehrte Cultusrath und der von ihm eingesetzte Ausschuß Alles thun werden, um die Anstalt auf die Höhe der Zeit zu bringen und zu erhalten, damit sie eine Musteranstalt werde zum Wohle der Leidenden und zur Edre der Gemeinde. Unser Krankenhaus hat leider keinen guten Ruf in der Gemeinde; es wird da zwar Vieles übertrieben, aber ein groß-s Stück Wahrheit liegt den Klagen doch zu Grunde. Fragt nion sich um die Ursache derselben, so muß man gestehen, daß wir alle Schuld daran tragen. Wir haben zuviel falsche Nachsicht und Rückstcht walten lassen, zuviel Protection auf Einflüsterungen hin geübt. Ich hoffe, daß das anders werden wird, daß wir den Boden der Objectivität niemals verlassen werden, daß wir nur das Wohl und Gedeihen der Anstalt vor Augen haben und auf alle anderen Rücksichten verzichten werden. Nur so können wir die Anstalt zu jener Höhe erheben, die wir anstreben. Es wird nun zwar von mancher Seite behauptet, ja darauf hingearbeitet, daß die Gemeinde dieses Krankenhaus in seiner ganzen Ausdehnung mit allen erforderlichen Einrichtungen nicht wird erhalten können. Aber laffen Sie sich, meine Herren, dadurch nicht irreführen; wir werden Mittel dazu finden: Zahlstock, Büchsensammlung, Bettstiftungen, Subventionen, endlich ein geringer Beitrag der Gemeinde werden die Bedürfnisse decken. Und schließlich ist doch die Wohlthätigkeit in der Gemeinde nicht ausgestorben und wir dürfen uns das Armuthszeugniß nicht ausstellen. daß wir dieses Haus nicht erhalten konnten. Mögen die Unglücklichen, die hier Heilung suchen werden, durch liebevolle, aufmerksame Behandlung, und gewissenhafte Pflege dies's Haus gesund verlassen, um die Gemeinde für die Wohlthat zu segnen. Ich sehe mich verpflichtet, jenen Herren, welche soviel Mühe und Zeit geopfert und mir ein großes Stück Arbeit während der ganzen Zeit des Baues abgenommen haben, hier öffentlich meinen verbindlichsten Dank auszuiprechen: Es sind dieses die Herren Kurzer, Czower und Hescheles. Und nun übergebe ich dieses Haus dem Präsidenten des Cultusrathes mit den besten Wünschen für das Wohlergehen der Gemeinde. Bei der Uebergabe des Mädchenwaiienhauses an den Cultuspräsidenten Dr. Byk hielt Herr Dr. Schaff tiefbewegt folgende Ansprache: „Ich übergebe Ihnen, Herr Präsident dieses Waisenhaus, das auf den Namen unserer geliebten, gottseligen Tochter Rachel Schaff errichtet wurde, mit der Bitte, dasselbe in die Verwaltung der Cultusgemeinde zu nehmen und es gemäß unseren Intentionen als eine Stätte der Humanität, Pietät und Arbeit zu leiten. Ich schließe mit dem hebräischen Segen: Gesegnet sei der allmächtige Gott, der mich am Leben erhalten, um dies zu vollenden." In seinen Erwiderungen sprach der Cultuspräsident Reichsrathsabgeordneter Dr. E. Byk sowohl Herrn Directvr Lazarus, wie auch Herrn Dr. Simon Schaff den Dank im Namen der Gemeinde aus, betonte, wie wohl es thue, in schwerbewegter Z?it solche Männer zu finden, und schloß seine Rede mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Die Waisen-Capelle spielte die Volkshymne, die stehend mitgesungen wurde. Bei der Einweihung der renovirten Waisenhaus-Synagoge sprachen die Rabbinen Schmelkes, Dr. Caro und Halpern und segneten die Spender Directvr Lazarus und Dr. S. Schaff. Herr M. S a x s aus Kiew spendete 6000 Kronen für die beiden wohlthätigen Anstalten. Pilsen. Die Wahlen in den hiesigen Cultusgemeinde-- Vorstand ergaben nachstehendes Resultat: Erster Wahlkörper: Zu Vorstandsmitgliedern: Ludwig Bruml, Josef Hofmann, Albert Klein, Alfred Recht, Simon S e m l e r, Hermann Z u ck e r m a n n. In die Umlagecommission Rudolf Auer, Ernst B e ck, Ludwig F r i e d l e r, Emil Fürth, Jacob Klauber, Adolf Sachs. Zweiter Wahlkölper: Zu Vor:andsmitgliedern: Gustav Auer, Ludwig Baum, Josef Eisler, Alfred Erben, Dr. Josef Fuchs, Marcus Weiner. In die Umlagecommission: Josef E ck st e i n, Albert Fischl, Sigismund K o t t l a r z i g, Hermann K u s s i, David W a l d st e i n, Isidor Weiß. Dritter Wahlkörper: Zu Vorstandsmitgliedern: Adolf Burg, Richard Löwy, Joses Ohrnst i e l, Philipp Pollak, Dr. Josef S ch a n z e r und Doctor Julius Wollner. In die Umlagecommission: Eduard Fischl, Friedrich G u t f r e u n d, Hermann H i r s ch f e l d, Siegfried R u d i n g e r, Adolf Saue r, Carl Steindler. Melnik. Die Wahlen in der Cultusgemeinde fanden hier am 16. November unter äußerst schwacher Betheiligung statt. Obwohl es verlautete, daß einige junge Mitglieder eine Stelle im engeren Ausschüsse anstreben, wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder mit einer einzigen Ausnahme wiedergewählt u. zw. die Herren Dr. S. Treulich als Vorsteher, Herr E. Eisner als Stellvertreter, Herr Dr. Straka als Cassier, H?rr Alf. Epstein als Tempelvorsteher, Herr A. Oplatka als Rechnungsführer, als Beiräthe die Herren W. Kafka, G. Pick und K. Kantor. Herr Dr. Treulich gehört dem Vorstande nunmehr seit vierzig Jahren an, u. zw. anfänglich als Beisitzer, dann als Cassier. Bon 1881 bis 1895 bekleidete er das Vorsteheramt; von 1881 bis 1898, in welchem Jahre gegen seinen W llen leider die jüdische Schule aufgelöst wurde, war er Schnlauiseher und seit 1899 ist er abermals Vorsteher. Diese Daten sprechen deutlich. Auch Herr Eisner ist nunmehr 25 Jahre im Vorstände thätig. Jahre lang war er Cassier, während einer Wahlperiode Vorsteher und nun seit Längerem Stellvertreter. Durch seine Thatkraft wurden schon manche widerspenstige Zrhler auf gütlichem Wege zum Zahlen gebracht. Der Friede in der Gemeinde ist ein ungetrübter. Von der Gemeinde als solcher werden jährlich Vereinen mehr als 100 Kronen zugewendet. Ueberdies steuern auch die meisten Mitglieder dem Prager Centralvereine für jüdische Angelegenheit, dem Kreuzervereine für israelitische Waisenmädchen und dem Lehrerpensionsfonde Jahresbeiträge bei. Im heurigen Frühjahr bildet sich hier auch ein Zweigverein des Hilfsvereines für die armen jüdischen Galizianer, der sich aber bis jetzt noch nicht coustituirt hat. Wahrscheinlich sind die Statuten noch nicht bestätigt. Bukarest. (Neue Verfolgungsmaßregel gegen die Juden.) Der Disciplinarrath des hiesigen Advocatenbarreaus hat durch Anschlag am Justizpalais folgenden Beschluß zur allgemeinen Kenntniß gebracht: „Es wird hiemit zur Kenntniß der Advocaten des Barreaus Jloof gebracht, daß in Hinkunft nur solche Studenten der Rechtsfacultät, welche rumänische Bürger und unbestraften Vorlebens sind und welchen man entsprechende Legitimationskarten ausfolgen wird, Secretäre der Advocaten sein können." Nach dieser Kundmachung ist also der Discipliuarrath des Bukarester Advocatenbarreaus wieder auf einen bereits früher gefaßten, aber in Folge des Widerspruches zahlreicher hiesiger Advocaten nicht sofort zur Ausführung gebrachten Beschluß zurückgekommen, dessen Effect zunächst in der Entfernung und Brodlosmachung der bisher in den Advocatenkanzleien als Secretäre beschäftigten zahlreichen Israeliten bestehen wird. B-lligerweise würde angesichts der großen Anzahl beschäftigungsloser junger Juristen wohl Niemand etwas dagegen einzuwenden haben, wenn in Hinkunft die Ausübung der Functionen und Vollmachten der

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