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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-28 · 48 (28.11.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
48 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 792 Dr. Blmtz's Wochonschrift. ifir. 48 Wien. (Verlobung.) Fräulein Mathilde Pasternak, Tochter des Herrn Carl P a st e r u a k, hat sich mit Herrn Max G e i r i n g e r verlobt. Wien. (Trauung) Sonntag den 30. November l. I. um ’/43 Uhr Nachmittag findet im israelitischen Tempel IX., Müllnergaffe 21, die Trauung des Fräulein Rosa P i s k e r, Tochter des Herrn Jac. Pisker in Hardegg, mit Herrn Heinrich Jäger, k. k. Postofflcial in Wien, statt. Wie«. (Mariahilfer Frauen-Wohlthätigk e i t s v e r e i n.) Die diesjährige Vertheilung von Winterkleidern für 50 schulpflichtige Kruder findet am Sonntag den 30. November um 10 Uhr Vormittags in der Vereuiskanzlei, VI.. Schmalzhofgasse 3, statt. Wien. Der israel. Frauen -Wohlthätigkeitsverein für den IV. und V. Bezirk hat Sonntag den 23. d. M., wie alljährlich, ein Kindervekleidungsfest veranstallrt und es wurden 25 Knaben und 25 Mädchen vollständig bekieioet und erhielten noch andere Geschenke. An dem Feste haben theilgenommen: Frau Amalie Trebitsch, Frau Charlotte Lichtblau, Frau Emma Bamberger, Frau Karoline Hofmann, Frau E. W a l t e r. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein .Jugendfreunde" zur Unlerstützung armer Schulkmder ohne Unterschied der Confesiion gab bei der diesjährigen Wohlthätigkeits-Akademie den zahlreichen Besuchern derselben die Gelegenheit, den bestbekannten Cantor Don Fuchs auch als ausgezeichneten Concertsänger kennen und schätzen zu lernen. Das prachtvolle Organ, die treffliche musikalische Bildung und die vollendete Vortragskunst erzwangen Herrn Don Fuchs einen großen und berechtigten Erfolg, der sich in geradezu enthusiastischen, nicht endenwollenden Beifallsäußerungen kundgab. Die Ottakringer Gemeinde ist mit Recht auf ihren Cantor stolz. Wie». (Humanitär-geselliger Verein.Zwanglos" zur Bekleidung armer Schulkinder in Wien.) Der unter dem Protectorate Ihrer Excellenz der Frau Gräfin Anastasia Kielmansegg stehende humanitär-gesellige Verern .Zwanglos", veranstaltet Sonntag den 30. November, 5 Uhr Nachmittags im Festsaale des Wiener kaufmännischen Vereines, I., Johannesgaffe 4, die festliche Bekleidung von 150 armen Schulkindern. Um 8 Uhr Abends findet im Restaurationssaale desselben Locales ein gemüthlicher Unterhaltungsabend mit Vorträgen statt. Wien. Der in weiten Kreisen bestens bekannte Herr Ignaz Löwy, IV.. Paniglgaffe 19, feiert mit seiner Gattin Leontine am 2. December d. I. das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. (Rumänische Auswanderer.) Immer und wieder kommen neue Schaaren ausgewiesener rumänischer Juden nach Wien, um von hier aus ihre Reise nach Amerika fortzusetzen, in der meist wohl trügerischen Hoffnung, sich dort eine neue Existenz zu gründen. Eine neue Existenz! Wer jemals im Leben Schiffbruch gelitten, weiß, welche Energie vor Allem dazu gehört, sich aufzuraffen und in andere Verhältnisse einzugewöhnen. Betrachtet man die 200 Personen mit den vielen, oft nur wenige Monate alten Kindern, welche unlängst aus dem Nordwestbahnhofe angelangt sind und Mitleid und Aufsehen erregten, so drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Wie viele von ihnen werden die neue Heimat auch nur erreichen? Klattau, 25. November. (Leichenbegängniß.) Gestern wurde hier das gründende und älteste Mitglied der hiesigen Chewra- Kadischa und Cnltusgemeinde, Herr Philipp Treichlinger unter ungeheuerer Betheiligung aller Bevötkerungssu,ichten beerdigt. Der Verblichene, der im 85. Jahre stand, zeichnete sich durch besondere Biederkeit aus. Auf dem Friedhofe hielt Herr Rabbiner Dr. M. L. Wolf eine ergreifende Leichenrede, während Herr Obercantor L. Kornitzer mit gewohnter Meisterschaft die Trauergefänge vortrug. Der einzige Sohn des Verblichenen bekleidet durch viele Jahre das Amt des Cultusvorstehers der hiesigen Gemeinde. Prag. Eine Abordnung des Vereines jüdischer Hoch- »chüler .Bar Kochba" erschien bei dem Rector der deutschen Universität, um ihn zu seiner Wahl zu beglückwünschen. Auf die vom Obmanne des Vereines Jur. Gütig gehaltene Ansprache erwiderte Se. Magnificenz in warmen Worten und gab die Versicherung, die Interessen des von der Deputation vertretenen Theiles der Studentenschaft stets im Auge behalten zu wollen. Prag. In Gablonz ist Landesadvocat Dr. Hermann A d l e r im 70. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene, der im Jahre 1868 die Advocaturskanzlei Dr. Alfred Knoll's übernommen hatte, erfreute sich allgemeiner Werthschätzung. Er bekleidete durch eine lange Reihe von Jahren die Stelle des Obmannes des deutschen Nationalvereines, der Ortsgruppe des Deutschen Schulvereines und eines ersten Vorstehers der israelitischen Cultusgemeinde. Bischofteinih. In die hiesige Cultusgemeinde sind folgende Herren gewählt worden: MUDr. Hahn Arzt; Geschäftsmann Jacob Eckstein; Kaufmann Samuel Schleißner; Handelsmann Sigmund S ch l e i ß n e r und Handelsmann Moritz K o h n. Pribram. Bei der am 11. November d. I. stattgefundenen Constituirung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde wurden gewählt: Herr Max Kohn, Cultusvorsteher; Herr B. Löwi, Stellvertreter; Herr Hermann Langer, Cassier; Herr Jindrich Mühlstein, Rechnungsführer. Als Vorstandsmitglieder sind gewählt die Herren: JU. Dr. Jindrich Steiner, Hermann Schönhauser, k. k. Bezirks-Thierarzt, David Per el es, Bohumil Reinisch, Ludwig Ed l st ein, Karl R e i ch n e r. Im Tempelvorstande sind die Herren : B. Löwi, Max Kohn, Jindrich Mühlstein, Hermann Langer. Feuilleton. Am Mrichseistrand. Von Sz. Asz. Uebersetzt von Malwine Blumberg. Es ist Nacht. Die hie und da zerstreuten, von einander entfernten Häuser treten Einem nicht dreist entgegen; sie wollen sich nicht vereinen, nicht fest Zusammenhalten, um, einer unzerstörbaren Mauer gleich, den Kampf mit Luft und Raum aufzunehmen, und, von Gottes Welt getrennt, eine besondere, eigene Stadt zu gründen. Im Gegentheil, sie sind zerstreut im Raum, verlieren sich in der Ferne, mit der sie Eins zu sein scheinen. Von Zeit zu Zeit siehst du einen schwarzen Fleck: eine Bauernhütte. Sie blickt auf dich herab und es macht den Eindruck, als wäre sie, wie das Gras jener Wiese, wie ein Baum jenes Waldes, ohne Mithilfe menschlicher Hände dem Boden entsprossen. Der barmherzige Schlaf, ein Sendbote Gottes, hüllt Alles ein; Alles schmiegt sich an die Brust der Mutter Erde, schlummert an dem Busen Gottes. Alles scheint zufrieden mit dem Schicksal, mit der Bestimmung, die ihm geworden; nichts verlangt nach einem anderen, besseren Lose, nichts protestirt, und die über den Dächern in die Höhe ragenden Schlote scheinen ihre Arme gegen Himmel auszustrecken, mit der stummen Bitte: .Barmherziger Gott! möge es uns niemals schlimmer ergehen!" Ich setze meinen Weg fort. Die Häuser blicken durch den Schleier der Nacht; sie gähnen und fragen erstaunt: .Wer ist das?" Bald jedoch flüstern sie: .Ist nicht der Mühe werth!" und versinken wieder tu ihren früheren Schlaf. Bor mir erhebt sich ein Hügel; ich besteige ihn. Das ist ein alter Bekannter. Wie ein greiser Großvater streckt er den Enkeln seinen Bart entgegen und bittet: .Zaust, Kinderchen, zaust nach Herzenslust, wenn es euch Freude macht!" Der Hügel ist der Großvater aller Kinder unseres Städtchens. .Spielt mit mir", ruft er .mit meinem Sand, meinen Steinchen, seid ihr mir doch Alle gleich lieb!" Ich steige empor, auf des Großvaters Rücken. Ich schaue rückwärts. Von unten sehen die Häuser mir nach. Ein dunkelblauer Himmel breitet sich über meinem Haupte aus; jenseits des zarten, durchsichtigen Schleiers sieht man den Kirchthurm mit dem hoch emporragenden Kreuze und daneben verschwindet in der Entfernung die kleine, auf dem Dache der Synagoge befindliche Fahne. Wie weit sind doch am Tage Häuser und Menschen von einander entfernt! und wie nahe, wie freundschaftlich und verwandt fühlen sie sich des Nachts! Selbst der schlanke Kirchthurm scheint seinen ewigen Kampf mit der kleinen Fahne auf der Synagoge aufgegeben zu haben und in Frieden und Eintracht mit

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