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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-28 · 48 (28.11.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
48 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 7S1 zur Eisfabrikation haben lange im Jaffaer Zollschuppen liegen müssen, bis die türkische Zollbehörde sich darüber schlüssig geworden ist, unter welcher Zollrubrik fie die ihr unbekannten seltsamen Dinge rubriciren soll. Jetzt sind aber die Maschinen freigegeben und der Eisgefrier-Apparat arbeitet exact und liefert große Massen von Eis, als zum Preise von 15 Centimes pro Kilo willige Abnehmer findet. Jüdische Bürger- und Oberbürgermeister in England. Die Wahl des Sir Marcus Samuel zum Lord-Mayor der City of London hat mit Recht großes Aufsehen erregt, weil seit 1897, dem Jahre, in dem Sir George Faudel Philipps Lord-Mayor von London war, der Antisemitismus in ganz Europa einen ungeahnten Aufschwung genommen hat und alle Freunde der Menschheit daher die Thatsache, daß im Jahre 1902 ein Jude wieder einmal zum Oberbürgermeister der volkreichsten und intelligentesten Stadt der Welt gewählt worden ist, mit Recht als freudiges Ereigniß begrüßt haben. An und für sich ist es aber keine besondere Seltenheit, daß das höchste städtische Amt, das das englische Volk zu vergeben hat, an Juden vergeben wird. Sir Marcus Samuel hatte bereits sechs Vorgänger in England und vier in London selbst. Der erste jüdische Lord-Mayor von London war der 1869 zum Baronet erhobene Sir David Salomo n, der berühmte und unermüdliche Vorkämpfer für die Emancipation der Juden in England. In den zwei Decennien von 1835—1855 wurde ihm in- und außerhalb Londons mehreremale ein höheres communales Amt anvertraut, ohne daß er dies Amt antreten konnte, da die dabei zu leistende Eidesformel es jeder nicht zur englischen Staats- Kirche angehörenden Person unmöglich machte, ein städtisches Amt zu bekleiden. Erst die Aufhebung dieser Eidesformel durch den Parlamentsact von 1844 ermöglichte es ihm, 1847 ein Amt als „Ward" und 1855 das eines Lord-Mayors von London zu bekleiden. David Salomon starb 1875 reich an Ehren, nachdem er es erlebt hat, daß die Judeneman cipation, für die er ein volles Menschenalter mit ebensoviel Muth als Geschick gekämpft hat, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens gesetzlich und auch gesellschaftlich zur vollen Anerkennung gelangt ist. Besonders war die Bahn zu dem Amt eines Bürgermeisters durch ihn für die Juden gründlich geebnet worden. Einige Jahre nach seinem Tode wurden Sir Benjamin Philipps und 1887 Sir Henry Jsaacs und endlich 1897 Sir George Faudel Philipps, der Sohn des Lord- Mayors Sir Benjamin Philipps, zu Lord-Mayors von London gewählt Außerhalb London wurde 1899 Mr. Louis S. Cohen in Liverpool Lord-Mayor und 1899—1900 bekleidete Sir Otto Jaffs, Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde und deutscher Consul daselbst, das Amt eines Lord-Mayors in Belfast. Zahlreich sind die Juden, welche in den letzten 40 Jahren in England das Amt eines Bürgermeisters bekleidet haben. So wurde schon 1863 ein gewisser Charles Mozley zum Mayor von Liverpool gewählt. Sir Israel Hart wurde viermal zum Bürgermeister von Leicester gewählt, während sein Bruder, der älteste Friedensrichter und Alderman von Canterbury, dreimal zum Mayor dieser Stadt gewählt wurde. Alderman A. L. E m a n u e l bekleidete zweimal das Amt eines Bürgermeisters in Portsmouth und Alderman Levy ebenso oft in Rochester. In Southampton bekleideten Mr. S. Emanuel und Michael Emanuel, Vater und Sohn, das Amt eines Stadtoberhauptes, während in Gravesend, wo in diesem Jahre Stadtrath H. S. Davis Bürgermeister wurde, dies Amt sogar von einem Rabbiner, dem verstorbenen Rev. H.Berk o w i tz, bekleidet wurde. Endlich mögen noch der im vorigen Jahre verstorbene Mr. Jacobs, der in Taunton, sowie Capitän M. I e s s e l, der in diesem Jahre in London-Westminster zum Bürgermeister gewählt wurde, erwähnt werden. Im Ganzen hat England seit dem Jahre 1855 nicht weniger als 7 Juden als Oberbürgermeister und 11 Juden als Bürgermeister gewählt. Alle diese Samuels, Davids, Levys und Jacobs haben im Ganzen 18 englische Gemeinden 25 Jahre lang verwaltet, ohne daß die englische Nation dadurch irgendwie an Glanz und Größe eingebüßt hätte. Was aber würden unsere Antisemiten sagen, wenn ein Jude zum Oberbürgermeister von Berlin oder selbst von Posen gewählt und von der Regierung bestätigt worden wäre. Vermischtes. Enquete über jüdische Orientcolonisation. Der „Verein znr wirthschaftlichen Erforschung Palästinas'1, welcher im Vorjahre unter der Leitung bewährter Freunde des jüdischen Colonisationswerkes in Berlin entstanden ist, versendet soeben eine Serie von Fragebogen, welche den Zweck hat, dem bis jetzt so schmerzlich empfundenen und für die bisherige Colonisationsthätigkeit so verhängnisvollen Mangel an zuverlässigen wirthschaftlichen Informationen betreffs Palästinas und der umliegenden Länder abzuhelfen. Die Enquete wurde von den Mitgliedern des Berliner Comites Leo M o t z k i n, Dr. Alfred N o s s i g, Davis Trietsch ausgearbeitet und nach den Angaben der auswärtigen Mitglieder des Comites Dr. U. Ginsberg (Aehad H a’a m) in Odessa, A. Aaronsohn, Dr. S. S o s k i n, J. Treidel und Dr. H. Y o f e in Palästina ergänzt. Sie besteht aus folgenden Fragebogen-Serien: A. Allgemeine Fragen über die Methode und den Umfang der jüdischen Orientcolonisation. B. Detailfragen: I. Landwirthschaftliche 0 oIonisation. a) Das Gebiet der jüdischen Colonien. b) Die von der jüdischen Colonisation noch nicht berührten Gebiete. II. Städte und Industrie. Eine aufmerksame Prüfung der Enquete lässt es erkennen, dass sie einerseits allen wissenschaftlichen Forderungen der Volkswirtschaftslehre, anderseits allen Eigentümlichkeiten der Orientverhältnisse und des jüdischen Emigrationsmaterials Rechnung trägt. So ist zu hoffen, dass die sorgsam vorbereitete Enquete wesentlich dazu beitragen wird, eine neue, gesunde und zielbewusste Colonisationsthätigkeit ins Leben zu rufen. Die Ergebnisse der Enquete, welche in wenigen Monaten vorliegen werden, gedenkt der Verein einerseits für eine grundlegende wissenschaftliche Publication, anderseits für einen populären Führer für jüdische Emigranten nach dem Orient zu verwerthen. Die Enquete, wurde an alle competenten Persönlichkeiten, deren Adressen dem Vereine bekannt waren, verschickt. Personen, welche sich für die Enquete interessiren und denen die Fragebogenhefte nicht zugekommen sind, erhalten dieselben auf Verlangen von der Expedition der Zeitschrift „Palästina“, Berlin - Halensee, Ringbahnstrasse 125. Kranzab lösungsspenden zu Gunsten der ,.CHewra-Kadischa" in Wien, 1., Seitenstettengasse 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Sig. R. v. Bauer: Von Familie Bauer K 400.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Julius Mittler: Von Herrn Wilhelm Heller, VII., Dreilaufergasse, K 5.-; Ignaz und Hermine Paselka. VII., Andreasgasse 7, K 5.—; Wilhelm Bichler in Budapest K 20.—; Otto Herz, VII., Appollogasse 14, K 5.—; Josef Spitzer, VI., Webgasse 14, K 10.—; Ignaz Wilhelm Mayer, VI., Damböckgasse 2, K 10.—; Brüder Mittler, VI., Amerling- Platz 2, K 26.—; Markus Mandl, VI., Liliengasse, K 5.—; Doctor Jakob Ornstein, XI., Hauptstraße 94. K 10.—; Moriz Ornstein, II., Afrikanergasse 11. K 10.—; Johann Ornstein, II., Afrikanergasse 11, K 10.—; Heinrich Freund, IX., Liechtensteinstraße 1, K 5.—. Zusammen K 120.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn L. E. Neumann: Von Herrn Leopold Graf in Gablonz X 10.—.

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