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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-28 · 48 (28.11.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
48 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 790 Dr. Bloch's Wochenfthrifk. Nr. 48 der gleichen Tonart ging es weiter, und kurz vor Großgerau meinte er: „Was wird sich das Rebeckche freue\ä Hofbuchhändler Reitzel witzelte: „Wie kann man sich als Germane beschneiden laßen; ich hätte mich doch lieber umgebracht/ Der andere Reitzel meinte: „(Sc ist ja gar kein Germane, sondern ein Semite". Rechtsanwalt Dr. Geßner betheiligte sich zwar nicht an den antisemitischen Redensarten der Uebrigen, rieth ihnen vielmehr ab, dafür aber drohte er dem Hirsch, der empört ausrief, er werde die Herren in Großgerau feststellen lassen und zur Rechenschaft ziehen: „Was wollen Sie denn überhaupt, es hat Ihnen ja Niemand etwas gethan, gehen Sie her, ich werde Ihnen einen Tritt versitzen". Hirsch verließ in Großgerau in furchtbarer Aufregung und weinend das Coups und veranlaßte den Stationsvorsteher, die Sistirung seiner Peiniger auf dem Bahnhof in Darmstadt vornehmen zu lasten. Das geschah auch auf telephonisches Ansuchen. Es konnte nicht in allen Punkten festgestellt werden, wer die verschiedenen Beleidigungen ausgestoßen hatte, wohl aber ergab die Beweisaufnahme, daß Mahr und die beiden Reitzel unter Mahr's Führung sich an der eigenartigen Belustigung, die sie lediglich als Ausfluß einer übermüthigen Stimmung angesehen wissen wollten, betheiligt hätten, während dem Dr. Geßner nur die oben erwähnte Äeußerung zur Last fiel. Die Angeklagten stellten mit Ausnahme des Dr. Mahr, der einige Beleidigungen zugab. ihre Schuld in Abrede, und ihre Bertheidiger, in erster Linie der Geheime. Justizrath Dr. Osann, thaten das Möglichste, die eidlichen Aussagen des Hauptbelastungszeugen Hirsch zu erschüttern. Dr. Osann erlaubte sich dabei einige recht seltsame Redewendungen gegen die Zeitung, die den „unschuldigen" Vorgang ganz niederträchtig aufgebauscht habe, um im Aufträge und Interesse der Juden eine strenge Bestrafung des harmlosen Ulks zu erzwingen. — Der Gerichtshof erachtete die Angaben des Hirsch, von einzelnen belanglosen Widersprüchen abgesehen, für glaubwürdig und kam auf sie bin zu einer Verurtheilung der vier Angeklagten. Amtsrichter Dr. Mahr erhielt als Rädelsführer eine Geldstrafe von 150 Mk. (15 Tage Gefängniß) Rechtsanwalt Dr. Geßner 70 Mk. (7 Tage Gefängniß), Overrechnungsrevisor Reitzel 70 Mk. (7 Tage Gefängniß), Hofbuchhändler Reitzel 50 Mk. (5 Tage Gefängniß), Dazu wurden ihnen die Kosten des Verfahrens einschließ.ich der dem als Nebenkläger auftretenden Julius Hirsch erwachsenden notwendigen Auslagen auferlegt. Der Staatsanwalt — die Klage war ex officio erhoben worden — hatte gegen Dr. Mahr 300 Mk., für Geßner und die beiden Reitzel Freisprechung mangels Beweises beantragt. Die Verhandlung dauerte bei überfülltem Zuschauerraum über 5 Stunden bis in den späten Nachmittag hinein. — Bleibt abzuwarten, was disciplinarisch gegen den Amtsrichter und den Oberrechnungsrevisor geschieht. Hamburg. Die „Neue Hamburger Zeitung" vom Samstag den 15. d. M. und das „Hamburger Fremdenblatt"' vom Dienstag den 18. d. M. bringen aus der Feder der Fachredacteure eine Besprechung der neuesten Gemäldeausstellung im hiesigen Kunstsalon von Louis Bock u. Sohn, und unter Anderem das folgende höchst anerkennende Urtbeil über einen Glaubensgenossen, den hiesigen Kunstmaler Daniel L e w e n st e i n. („Neue Hamb. Zeitung"). Der jetzt in Hamburg wohnhafte Maler D. L e w e n st e i n erzielt vermöge einer eigenartigen, von ihm. ersonnenen Technik recht geschickte und oft interessante Wirkungen. Lewenstein setzt die einzelnen Töne des Pastells ungewischt übereinander, so etwa, wie die französischen Impressionisten ihre Oeltupfen. Er erreicht damit eine besondere Frische des Tons. Eigenartig vor allem ist das Verfahren der Lichtzeichnung, bei dem der Maler mit dem Licht, den Farben über dunkle Untergründe geht. Diese Manier wußte Lewenstein, wie sein „In der Kirche" beweist, zu thatsächlich bedeutender Finesse zu entwickeln. („Hamb. Fremdenblatt"). Im Kunstsalon von Louis Bock u. Sohn ist seit einigen Tagen eine Collection von 26 Pastellen und Zeichnungen des Hamburger Malers D. L e w e n st c i n ausgestellt, welche die Aufmerksamkeit der Besucher im hohen Grade ans sich zieht. Dem Stoffe nach sind es meistens Studienköpfe und Actbilder, die indessen durch die Ausführung bemerkenswerth sind. Sowohl im Pastell wie in der Zeichnung bringt der Künstler mit wenigen Strichen Effecte, namentlich Lichteffecte hervor, die geradezu staunenswerth sind. In allen diesen Figuren und Köpfen steckt frisches pulsirendes Leben. Der noch jugendliche Künstler bat durch diese Pastelle und Zeichnungen den Beweis erbracht, daß er in der Technik der Malerei bereits Großes leistet. Man kann begierig auf die fernere Entwicklung dieses Talentes sein. Wir dürfen uns somit beglückwünschen, zu der erfreulich großen Anzahl aufstrebender jüdischer Talente, welche sich in letzter Zeit die Anerkennung einer vorurtheilsfreien Kritik errungen haben, einen neuen Zuwachs verzeichnen zu können. Herr Lewenstein, Bruder des Haager Oberrabbiners, wird, so hoffen wir, seine Vertrautheit mit dem jüdischen Milieu, vor Allem dem seiner holländischen Heimat, welche so vielen bedeutenden Künstlern treffliche Sujets geliefert hat, recht bald dazu verwenden, das Gebiet der jetzt sogenannten jüdischen Kunst anzubauen, jener Kunst, welche es versteht, jüdische Motive mit intimen Verständniß und inniger Herzenswärme wiederzugeben. Nach Lewenstein's bisherigen Arbeiten, welche neben tüchtiger Zeichnung besondere Feinheit der Farbe erkennen lassen, hegen wir die Ueberzeugung, daß er auch jüdische Gegenstände mit gleichem Erfolg behandeln wird, zumal einzelne frühere Leistungen von ihm auf diesem Gebiete zu solcher Hoffnung berechtigen. Dr. G. Rumänischer antisemitischer Congreß. „Adeverul" veröffentlicht in seinem heutigen Morgenblatte einen geheimen Aufruf des großen Antisemitencomitss, durch welchen die Mitglieder der rumänischen antisemitischen Allianz zum 7. Congresse eingeladen werden, der am 8/21. November unter Betheiligung des Sectionspräsidenten und Delegirten aus der Provinz stattfinden wird. Als Programm des Congreffes wird Folgendes angegeben; Donnerstag 8 (21.) November Vormittag um 9 Uhr: 1) Eröffnungsrede des Präsidenten des Congreffes; 2) Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit des Congreffes; 3) Wahl der Controlcommission für die Berificirung der Finanzgebahrung der Gesellschaft im Laufe des Jahres 1901—1902. Nachmittag um 3 Uhr: 4) Programm der Thätigkeit der Gesellschaft für das künftige Jahr; 5) Bericht der Controlcommission; 6) Votirung des Budgets; 7) Anträge der Mitglieder. Petersburg. (Zwei reiche Spenden) sind in letzter Zeit den Juden von Lodz und Kertsch zugefallen. In ersterer Stadt hat Herr Jacob Derz, Schwiegervater Posnanski's, 150.000 Rubel zur Errichtung eines jüdischen Gymnasiums gespendet. Der Betrag kommt natürlich erst zur Auszahlung, wenn die Regierung die Eröffnung eines solchen Gymnasiums gestatten wird, was freilich einstweilen noch in weiter Ferne liegt. Eine zweite weit geringere, dafür aber gleich zu verwendende Spende hat die jüdische Gemeinde in Kertsch erhalten. Dort hat ein Herr Charitonow der Gemeinde 60.000 Rubel zum Bau einer Handwerkerschule hinterlassen. Die I. K. A. hat zu diesem Betrag ihrerseits einen einmaligen Beitrag von 15.000 und eine Jahressubvention von 2000 Rubel unter der Bedingung bewilligt, daß die Stadt den Platz zum Bau der Schule gratis hergibt und die jüdische Gemeinde ihrerseits die Anstalt mit 500 Rubel jährlich subventionirt. Die Stadtgemeinde hat nun einen 100 Quadratklafter umfaffenden Bauplatz für den Preis von 2^ Rubel, d. i. gratis hergegeben, der Bau wird 50.000 Rubel kosten, so daß die Handwerkerschule inclusive der Zinsen aus dem verbleibenden Capital von 45.000 Rubel über ein Einkommen von 5000 Rubel jährlich verfügen wird. Jaffa. (Eine neue Templercolonie in Jud äa.) Auch die Deutschen geben sich große Mühe, ihren Grundbesitz in Palästina zu vergrößern und die Zahl ihrer Colonisten daselbst zu vermehren. Die Bemühungen der Templer, ihre bisher im heiligen Lande bestehenden vier Colonien um eine zu vermehren, ist endlich vom Erfolge, gekrönt worden. Nach dreijährigem Suchen gelang es ihnen, in der Nähe der jüdischen Colonie Pethach-Tikwah ein 600 Hektar großes Terrain zu erwerben, auf dem eine Colonie mit 500 Familien gegründet werden soll. Der Grundbesitz eines jeden Colonisten wird von 4'/« bis 17 Hektarschwanken. Die erfahrenen Deutschen halten es also für möglich, in Palästina von einem Grundstück von nur 4 Hektar zu existiren, während unsere jüdischen Colonisten im heiligen Lande schon nunmehr seit 4 Jahren bei jeder Gelegenheit erklären, zu ihrer auskömmlichen Existenz mindestens einen Besitz von 27 Hektar zu bedürfen. Als ein weiterer Unterschied z vischen ihnen und uns muß die Thatsache hervorgehoben werden, daß die Deutschen die einzelnen Landantheile an die zukünftigen Colonisten nicht verschenken, sondern verkaufen, und zwar zu dem hohen Preise von 230 Mark pro Hektar verkaufen wollen. Jerusalem. Die heilige Stadt wird allmälig ganz modern. Zu der neulich eingeführten Wafferleituvg ist in der letzten Zeit noch eine Eisfabrik hinzugekommen. Die Maschinen

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