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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-28 · 48 (28.11.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
48 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 788 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 46 Kenutniß und die richtige Würdigung des Judenthums abhanden gekommen; wir müssen uns durch die Erziehung zur Wahrheit und zur Sittlichkeit dessen würdig machen, seine Träger zu sein, wie wir es früher waren. Entweder glauben wir noch an eine große Zukunft, dann dürfen wir nicht in den elenden Zuständen versumpfen; oder wir glauben nicht mehr daran, dann ist Alles eine abscheuliche Maskerade. Die Halbheit mag überall ihre Berechtigung haben; aber eine große Idee, eine Religion, gedeiht in solchem ewigen „Maßhalten" und Erwägen nie und nimmer. Uns muß das Judenthum das sein, was es unseren großen Propheten war: „ein loderndes Feuer". Hätten unsere Propheten stets nach rechts uud links gesehen, hätten sie ihre Zeitgenossen erst um gütige Erlaubniß gebeten, ihnen ihre „unmaßgebliche Meinung" zu sagen — das Judenthum wäre schon längst vergessen und verschollen gewesen! Nur freie Männer können eine freie Wissenschaft, können überhaupt etwas Großes schaffen. Berlin. Dr. S. Bernfeld. Correspondenzen. Eingesendet. Geehrte Redact ion! Es liegt mir daran, zu constatiren, daß ich in der jüngsten Wählerversammlung der Cultusgemeinde nicht — wie es in Ihrem Berichte irrthümlich heißt — zur Affaire Bergmann das Wort genommen habe, sondern in einer tatsächlichen Berichtigung erklärte, daß die „Oesterreichisch-Jsraelirische Union* als solche an der Wahlagitation nicht theilgenommen habe. Ich bitte höflichst um gefälligen Abdruck dieser Zeilen. Wien, den 22. November 1902. Mit vorzüglicher Hochachtung Siegfried Fleischer Secretär der „Oesterr.-Jsrael. Union". Löbliche Redaction! Ich ersuche höflichst um Aufnahme folgender Erklärung in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes: „Heute erhielt ich die Candidatenliste der oppositionellen Parteien und finde zu meiner größten Verwunderung unter den vorgeschlagenen Vertrauensmännern auch meine Wenigkeit. Ich beeile mich, noch vor der Wahl zu erklären, daß diese Candidatur ohne meine Einwilligung erfolgte, daß ich dem Parteigetriebe überhaupt fernestehe und mich am allerwenigsten den Reihen der Opposttion anschließe.* Für die Veröffentlichung im voraus bestens dankend, zeichnet Wien, den 22. November 1902. Hochachtungsvoll S. Preis. Sehr geehrter Herr Redacteur! Sie würden mich zu großem Danke verpflichten und der Wahrheit die Ehre geben, wenn Sie den folgenden Zeilen Raum in Ihrem aeschätzten Blatte gewähren. Ohne mein Wiffen wurde mein Name in Circularform wie auch im „Neuen Wiener Tagblatt* auf einer Candidatenliste für die Wahl in den Wiener Cultusvorstand abgedruckt. Auf von mehreren Seiten an mich ergangene Aufforderung zu candidiren, habe ich in entschiedener unzweideutiger Weise abgelehnt. Ich habe weder eine Wählerversammlung besucht, noch in irgend einer Weise an der Wahlbewegung theilgenommen. Ich stehe den religiösen Parteien überhaupt ganz ferne. Ohne mein Wiffen wurde dennoch mit meinem Namen Mißbrauch getrieben. Mit dem besten Danke für Ihre Liebenswürdigkeit ganz ergebenst D. K o h n. Sehr geehrter Herr Redacteur! Wir erlauben uns hiemit, Sie um die gefällige Aufnahme nachstehender Erklärung in die Spalten Ihres geschätzten Organes höflichst zu ersuchen und Ihnen hiefür im Voraus unseren verbindlichen Dank zu sagen: Anläßlich der am 23. d. M. stattgehabten Wahlen in den Cultusvorstand erhielten wir unmittelbar vor denselben einen gedruckten Wahlaufruf „an die strenggläubigen Herren Cultuswähler*, aus welchem zu unserem nicht geringen Erstaunen unsere Unterschriften figurirten. Da wir nun weder dem Wahlcomita, welches diesen Aufruf erlassen, als Theilnehmer angehörten, noch auch dasselbe ermächtigten, unsere Namen unter diesen Aufruf zu setzen, so erklären wir hiemit diese eigenmächtige Fertigung unserer Namen als einen schnöden Mißbrauch, gegen welchen wir die nachdrücklichste Verwahrung einzulegen uns bemüssigt fühlen. Wien, 24. November 1902. David H o r w i tz. Obmann des Schönlatern-Bethaus-Vereines. S e m i Simon, Obmann des Vereines Achdus Israel. Marcus B o n d i. Wien. Samstag den 22. d. M., Abends, fand im Lesesaal des „Wiener Kaufmännischen Vereines* die Generalversammlung des „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis* statt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Alois Klemperer begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, sowie die Vertreter der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, des Humanitätsvereines „Wien" („B'nai B'rith*), des Vereines zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Kleingewerbetreibender und des Vereines zur Hebung der Gewerbe. Hierauf erstattete der Obmann des Executivcomites, Herr Commercialrath Eduard Wiener den Rechenschaftsbericht für das Amtsjahr 1901/02 und Herr Dr. Gustav L a n g st e i n, Schriftführer des Vereines, verlas die dazu gehörigen Tabellen. Das Publicum gab seiner Befriedigung über die Fortschritte des Vereines durch lebhaften Beifall Ausdruck und genehmigte einhellig den Bericht einschließlich des vom Vereinscassier Herrn Dr. Bela T a u ß i g verlesenen Cassaberichtes. Herr Dr. Gustav K o h n sprach dann namens der Wiener Cultusgemeinde dem Vorstande die Anerkennung für die Leistungen des Vereines aus. Derselbe habe den doppelten Beruf, prophylaktisch gegen die Verarmung zu wirken und die feindlicherseits gegen die Juden erhobenen Vorwürfe der Untüchtigkeit und Arbeitsscheu zu widerlegen. Im Namen der „B'nai B'rith* dankte der Präsident Herr Dr. Isidor Schnabel dem Vorstande für seine ausdauernde und ersprießliche Thätigkeit. Der Vorsitzende des Vereines, Herr Dr. Klemperer, ergriff nun noch einmal das Wort. Er erklärte, aus den gehörten Anerkennungen schließen zu dürfen, daß sich der Verein auf dem rechten Wege befinde, und schloß mit einem Appell an die Versammelten, auch für die jüdischen Unternehmer eiuzustehen, damit dieselben in die Lage kämen, mehr jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Nachdem noch Herr S. B r o d namens des Vereines zur Hebung der Gewerbe dem Vorstande gedankt und versprochen hatte, daß der von ihm repräsentirte Verein für denselben nach wie vor eintreten werde, wurde die Versammlung geschlossen. Wien, 22. November. (Der Ritualmordwahnsinn) spukte gestern zur Abwechslung wieder einmal in Wien. Gestern Vormittags erschien der Schneider Wenzel H l a s s a k im Geschäfte des Händlers mit Schneiderzugehörartikeln Adolf Morgenstern im XVH. Bezirk, Haslingergasse Nr. 74, und behauptete, er habe seine kleine Tochter Morgens zu Morgenstern geschickt, um bei diesem etwas zu kaufen, sie sei aber nicht mehr zurückgekommen. Morgenstern sagte ihm, die Kleine sei nicht bei ihm gewesen. Hlassak erklärte aber, er habe selbst gesehen, daß seine Tochter das Local Morgenstern's betrat, dieser müsse das Kind bei sich im Hause haben. Hlassak eilte auch zur Polizeiwachstube und erstattete die Anzeige gegen Morgenstern. Es erschienen ein Jnspector und Wachleute bei Morgenstern und fragten auch nach dem Mädchen. Frau Morgenstern konnte den Wachleuten auch keine andere Auskunft geben. Die Affaire war unterdessen in dem Bezirkstheile bekannt geworden, es entstand Aufregung, und vor dem Geschäfte Morgenstern's bildeten sich Ansammlungen. Nalürlich ging das Ritualmordmärchen von Mund zu Mund. Plötzlich erschien die Frau des Schneiders Hlaffak und theilte mit, ihre Tochter sei zurückgekommen, und zwar mit den eingekauften Sachen, die sie einfach wo anders gekauft hatte. Hlaffak bleibt trotzdem bei seiner Behauptung, er habe gesehen, wie sein Kind in das Geschäft Morgenstern's ging. Morgenstern hat bei der Polizei und bei der Staatsanwaltschaft die Anzeige über den Vorfall erstattet. Bielitz-Biala. (Hilfsverein für die not tzleidenden Juden in Galizien.) Die B.-B. Ortsgruppe des obengenannten Centralvereines mit dem Sitze in

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