Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 47 (21.11.1902)
- Date
- 1902-11-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 77t die Unterstützungswürdigkeit seiner Bestrebungen. Und in der That trägt der am 19. October d. I. gegründete Bikur-Chaulim- Berein einem dringenden Bedürfniß Rechnung. Denn was immer die zu den hiesigen Spitälern sich drängenden auswärtigen Kranken an Jammer und Schmerz auszustehen haben — verdoppelt werden ihre Qualen durch die Trennung von ihrer oft Tagereisen entfernten Heimat, die Vereinsamung in den nüchternen, sie gefesselt haltenden Krankenzimmern und die finanzielle Unmöglichkeit, sich kleine Erleichterungen zu verschaffen. Mit böchster Genugthuung ist daher ein Verein zu begrüßen, der diesen Unglücklichen durch fleißigen Besuch und Trosteszuspruch, sowie durch Darreichung von Erfrischungen Linderung ihrer Leidenstage gewähren will. Begeistertes Interesse gab sich schon in der constituirenden Generalversammlung des Vereines kund, in welcher nach lebhafter Debatte die folgenden Damen ins Counts gewählt wurden: Frl. Gisela Kohn, Präsidentin; Frl. Hannia Korall, Bicepräsidentin; Frau Erna Bienenfeld und Frl. Lea Bondi, Schriftführerinnen; Frl. Paula Schellinger und Frau Frieda Wittmann, Cassierinnen; Frl. Mimi Berliner, Frl. Helene Goldbaum, Frl. Helene Halberthal, Frl. Regine Kauftheil, Frl. Malvine Korall und Frl. Therese Kornmehl, Comitsmitglieder ohne Function. Um seine Mitglieder zu der oben geschilderten Thätigkeit geeigneter zu machen, veranstaltet der Verein Borträge populär-medicinischen Inhalts. In liebenswürdiger Weise hatten sich Herr Dr. I. Sadger am 2. November d. I. und Dr. I. W. Frieses am 16. November d. I. in den Dienst des Vereines gestellt und sprachen vor einem zahlreich erschienenen und die Dankbarkeit durch reichen Beifall bezeugenden Auditorium über: Hygiene des Nervenlebens und über Prophylaxe der Jnfectionskrankheiten. Beitrittserklärungen nimmt die Präsidentin des Vereines, IX., Sobieskigaffe Nr. 14, entgegen. Das 70. Geburtsfest Gottlieb Bondy's. Die ^Politik" vom 13. November 1902 meldet: Großindustrieller Gottlieb Bondy feiert am 15. d. M. sein 70. Wiegenfest. Nicht blos seine Verdienste um die Schaffung neuer Erzeugnisse in dem von ihm errichteten Eisenwerke in Bubna sind es, welche ihm einen ehrenvollen Namen in der Geschichte unserer Elsenbahnindustrie sichern, sondern auch sein Wirken in der Prager Handels- und Gewerbekammer. Ein treuer Anhänger der böhmischen Partei, trat er 1877 in diese Institution und seine Referate und Anregungen waren stets ein werthvolles Material für diese Körperschaft. Er war der erste Präsident der Handels- und Gewerbekammer, als diese eine böhmische Majorität erhalten hatte. Unvergeßliche Dienste knüpfen sich an den Namen Bondy bezüglich des Kunstgewerbemuseums in Prag, dessen erster Präsident er auch war und das er reich beschenkte. Auch als Landtagsabgeordneter, als Mitglied des Stadtverordneten- Collegiums durch 18 Jahre und später als Stadtrath hat er sehr ersprießlich gewirkt. Besondere Verdienste erwarb sich auch der Jubilar als Obmann der Finanzsection der Landes-Jubiläums- Ausstellung 1891. Seine Wohlthätigkeit ist eben so groß, als sie der Oeffentlichkeit wenig bekannt wird. Im Anschluffe bringen wir ein kurzes eurrieuluru vitae dieses verdienstvollen böhmischen Großindustriellen. Gottlieb Bondy ist am 15. November 1832 in Prag geboren. Sein Vater war Besitzer einer bedeutenden Eisengroßhandlung und ließ ihn sorgfältig erziehen und ausgedehnte Studienreisen im In- und Auslande unternehmen. Im Jahre 1860 wurde Bondy Mitinhaber und später Alleininhaber des ^schäftes. Im Jahre 1867 errichtete Bondy in Bubna ein Eisenwalzwerk, welches anfänglich 150, in den Achtziger-Jahren bis über 400 Arbeiter zählte. Weil Bondy zu einer Betheiligung an dem im Jahre 1886 abgeschlossenen Eisencartell nicht zu bewegen war, entspann sich zwischen den cartellirten und seinem außerhalb des Cartells verbliebenen Werke ein heftiger Concurrenzkampf, welchen Bondy viele Jahre hindurch aushielt, endlich aber, der Uebermacht weichend, das Walzwerk aufgeben mußte. Im Jahre 1867 hatte Bondy zugleich mit dem Walzwerke eine Draht- und Drahtstiftefabrik errichtet, welche er weiter beibehielt und fortwährend vergrößerte, so daß sie zn den größten in Oesterreich gehört. Gegenwärtig beschäftigt er in derselben 150 Arbeiter. Bondy hat die Erzeugung von T^legraphendraht bei uns zuerst eingeführt, wodurch die Nothwendigkeit des Importes ausländischen Drahtes entfiel und seit 1874 der ganze Bedarf an Telegraphendrobt im Inlands gedeckt werden kann. Bondy war stets ein sehr humaner Arbeitgeber; er versicherte seine Arbeiter gegen Krankheit und Unfall schon in den Sechziger- Jahren, er baute für dieselben billige Wohnungen, er errichtete einen Unterstützungsfond, der noch heute besteht und gab bei Auflösung seines Walzwerkes den Beamten und Arbeitern, die er entlassen mußte, Abfindungen im Betrage von über 60.000 Kronen. Bondy war ferner der Mitbegründer der großen Eisenwerke in Zenica (Bosnien). Er wurde schon in jungen Jahren von der böhmischen Partei in die Prager Handels- und Gewerbekammer candidirt, konnte aber, da die Böhmen sich in der Kammer damals in der Minorität befanden, erst im Jahre 1871 auf ein Jahr an Stelle eines verstorbenen Mitgliedes in die Kammer einrücken. Schon damals zeichnete er sich, außer anderen Referaten, namentlich durch ein Gutachten über die Erstellung neuer Zollsätze für die Eisenindustrie aus. Im Jahre 1881 wurde Bondy als Mitglied in die Kammer gewählt, woer seither ununterbrochen thätig ist. Besondere Erwähnung verdient seine hervorragende Betheiligung an den Kämpfen um die neue Kammerwahlordnung in den Jahren 1883—84. Nachdem 1884 die Kammer eine böhmische Majorität erhalten hatte, wurde Bondy zum Präsidenten derselben gewählt und hat sich als solcher durch seine Umsicht und seinen feinen Tact große Verdienste erworben. Die fachmännischen Anregungen und Referate Bondy's waren für die Kammer sehr werthvoll. Die über seine Anregung erstattete Denkschrift der Kammer über die Errichtung eines ständigen Ausstellungsgebäudes im königlichen Thiergarten war der Ausgangspunkt der Prager Landesjubilönmsausstklluna vom Jahre 1891, deren vorzüglicher finanzieller Erfolg hauptsächlich Bondy als dem Präsidenten des Finanzausschusses zu danken war. Bondy erwarb sich besondere Verdienste um die Landeseisenbahnangelegenheiten, Schiffbarmachung der Moldau und Elbe und um die Moldauhäfen in Prag. Seit dem Jahre 1884 vertritt er die Kammer im Staatseisenbahnrathe und ist eines der thätigsten und verdientesten Mitglieder derselben. Auch im Landeseisenbabnrathe ist Bondy in gleicher Weise thätig. Er ist ferner Curator des k. k. Oesterreich'schen Handelsmuseums. Ganz besondere Verdienste hat sich Bondy um das Kunstgewerbemuseum der Prager Handels- und Gewerbekammer erworben, dessen erster Präsident er war und dem er namhafte Geschenke widmete. Als Landtagsabgeordneter der Kammer hat er viel zur Gewährung der Landesdotation für den Bau eines neuen Museumsgebäudes beigetragen, zu welchem Baue er selbst munificente Widmungen spendete. Bondy war bereits im Jahre 1863 Mitglied des Prager Stadtverordnetencollegiums, von welchem er später auch in den Stadtrath gewählt wurde. Auch hier entwickelte er eine überaus rege und verdienstvolle Thätigkeit und sind manche ersprießliche Gemeindeunternehmungen, so z. B. die Gasanstalt, die städtische Spareaffa и. s. w. unter seiner eifrigen Mitwirkung ins Leben gerufen worden. Sehr verdient machte er sich bei der preußischen Occupation im Jahre 1866. wo er eine gefahrvolle Mission des Prager Stadtrathes nach Wien übernahm und mit Erfolg durchüh rte. Bondy wurde von Sr. Majestät wiederholt ausgezeichnet. Im Jahre 1866 wurde ihm für seine eben erwähnten Verdienste während der preußischen Occupation das goldene Berdienstkreuz mit der Krone verliehen und ist er deshalb auch Besitzer der Jubiläumsmedaille vom Jahre 1898. Im Jahre 1882 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens und im Jahre 1888 den Orden der Eisernen Krone III. Claffe. Bondy genießt die Verehrung breiter Bevölkerungsschichten Prags auch wegen seiner intensiv gepflegten Wohlthätigkeit, von welcher freilich die Oeffentlichkeit, die er hiebei scheut, nur selten erfährt. Der Präsident der Handels- und Gewerbekammer beglückwünschte in der Sitzung vom 12. November dieser Körperschaft den abwesenden Jubilar und wies dabei auf seine zahlreichen Verdienste hin. Prag. (Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten.) Bei der unter Vorsitz des Herrn к. Rathes Falkowicz am 16. d. M. stattgehabten Generalversammlung dieses Vereines erstattete der Geschäftsleiter Herr Dr., W e l t s ch Bericht über die abgelaufene Verwaltungsperiode in dem nach der den verstorbenen Mitgliedern gewidmeten Erinnerung die Wirksamkeit des Vereines nach Außen und im Innern, dann die leitenden Gesichtspunkte, sowie die Stellungnahme des Vereines zu den mannigfachen Strömungen und