Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-21 · 47 (21.11.1902) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021487--12250-3036833
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 772 Dr. Bloch's WochrnschrM. Nr. 47 Hausgenoffen Antisemitismus voraussetzen können. Ganz abgesehen davon, daß eine solche Maffenentlaffung unthunlich ist. da sie für die Juden selbst eine Verlegenheit schaffen würde, heißt es deren Lage vollkommen verkennen, wenn man ihnen eine G-waltmaßregel empfiehlt, welche von unberechenbaren Folgen für sie begleitet sein müßte. In einer Zeit, in welcher Leffiug's Worte: ,Thut nichts, der Jude wird verbrannt^, traurigste, sei es auch nur moralische Geltung haben, würde eine Unbesonnenheit, wie die empfohlene, ganz gewiß zu Repreffalien führen, denn das Recht der jüdischen Nothwehr ist nicht anerkannt. Wer es mit den Juden gut meint, muß ihnen rathen, das Leben seinen Gang gehen zu laffen und, unbeirrt von Haß und Verfolgung, den von ihnen hoch gehaltenen Geboten der Vernunft und Humanität zu folgen, wie schwer ihnen auch christliche Rohheit dies macht. Wir Juden dürfen uns von der Roth der Zeit nicht verrohen, auf die tiefe sittliche Stufe unserer Gegner herabdrücken laffen, denn nur „unverzagt auf Gott vertraut, es muß ja Frühling werden*. Der Optimismus hat die Juden viel schwerere Zeitläufte ertragen lassen, und er muß sie auch jetzt stützen und erheben. Indem ich Sie um Veröffentlichung dieser Zellen bitte, zeichne ich achtungsvoll Ein Abonnent. Wien. (Siegmund Ritter v. Bauer gestorben.) Am 14. d. M., halb 1 Uhr Nachts, ist nach langem Leiden der Bicepräfident des Giro- und Caffenvereines Siegmund Ritter v. Bauer im Alter von 61 Jahren gestorben. Eine der markantesten Erscheinungen der Wiener Finanzwelt, einer unserer bedeutendsten Financiers, der sich sowohl seiner außerordentlichen Tüchtigkeit wegen als auch infolge seines lauteren Charakters allgemeiner Hochschätzung und Beliebtheit erfreute, ist mit Ritter v. Bauer dahingegangen. Der Verstorbene war in Trebitsch in Mähren geboren; er kam Ende der Fünfziger-Jahre nach Wien und widmete sich hier dem Bankfach. Anfangs der Sechziger- Jahre trat er in das Bankhaus Edmund Wiener als Procürist pm und bekleidete vom Jahre 186? an dieselbe Stellung im Hause L. Epstein. Bei Gründung der Anglo-österreichischen Bank wurde er zum Director dieses Unternehmens ernannt. Im Jahre 1873 liquidirte dieses Institut, wonach Bauer ein eigenes Bankhaus errichtete, welches aber nie zu großer Bedeutung gelangte. Bis zu seinem Hinscheiden fungirte er als Berwaltunqsrath des Giro- und Caffenvereines und der Ersten Brünner Maschinenfabrik und bekleidete das Amt eines Revisors bei der Oesterreichisch-ungarischeu Bank und bei der Donau-Dampsschiffsahrts- Gesellschaft. Ritter v. Bauer war mit einer Tochter des mährischen Zuckerindustriellen May vermählt. Die Ehe ist jedoch kinderlos geblieben. Die Wiener Börse betrauert in Siegmund Ritter v. Bauer eines ihrer angesehensten, sympathischesten und kenntnißreichsten Mitglieder. Wiederholt hatte er aus Anlaß von Enqueten Gelegenheit, sein stupendes Fachwissen zu verwerthen. Bauer gehörte zu den ältesten Mitgliedern der Wiener Börse, er war der älteste Schiedsrichter und der älteste Börserath. Anläßlich der Einführung der sechspercentigen ungarischen Goldrente in London erhielt Bauer als Generaldirector der Franko-österreichischen Bank den Orden der Eisernen Krone und wurde dann in den Adelsstand erhoben. Große Verdienste erwarb sich Bauer als Schatzmeister der Baron Hirsch-Stiftung; überhaupt gehörte der Verblichene zahlreichen Wohlthätigkeitsinstituten an, so auch der Kaiser Franz Josef-Jubiläumsstiftung der Wiener Börse. Das Leichenbegängniß fand Sonntag Vormittags 10 Uhr vom Trauerhause, Schottenring 25, aaä unter ung-wöhnlich starker Betheiligung statt. Nicht nur die Bank- und Finanzkceise waren sehr stark vertreten, auch aus den anderen Sphären der Wiener Gesellschaft waren überaus zahlreiche Trauergäste erschienen. Es waren zu bemerken: Die Herrenhausmitglieder Dr. Millanich und.iRitter v. Schoeller, Abg. Dr. Vogler, die Sectionschefs Dr. Ritter v. Roza, Dr. Liharzik und Ritter v. Herz, Ministerialrath Dunkl, Präsident der Staatseisenbahn-Gesellschaft Ritter v. Tauffig mit seinem Secretär Dr. Max Wilhelm, der Director der Credttanstalt Julius Blum, General-Dircctor Palmer. Gustav Freiherr v. Springer, Hofrath Dr. Ritter v. Frydmann, Hofrath Ritter v. Borkenau, Hofrath Generalconsul Ritter v. Hahn, der Vice-Gouverneur-Stellvertreter der Oesterreichisch-ungarischen Bank Leopold v. Lieben, Generalrath Friedrich Sueß mit Sohn, der Präsident der Börsekammer Miller v. Aichholz mit den Beamten der Kammer, viele Börsenräthe und Börsensensale, Sectionsrath Freiherr v. Clauer, die Procuristen des Bankhauses S. M. v. Rothschild Commercialrath Stiedry und Emil Horner, der Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde kaiserl. Rath Kliuger mit dem Bicepräsidenten Dr. Stern und fast sämmtlichen Vorstandsmitgliedern, die Gemeinderäthe Dr. Mittler und Z'fferer, Hofschauspieler Ritter v. Sonnenthal, die Bankdirectoren Bauer, Hammerschlag, Herz, Kanitz, Gemeinderath Klein, Krasny, Lohnstein, Moyerhofer, Minkus, Suschny und Wiedmann, Regierungsrath Wiesmeyer, Baurath Stiaßny, Professor Dr. Frankl v. Hochwart, Docent Dn Joseph Grünfeld, Präsident Lenz» Schuldirector Fischer, die Bankiers Hutterstraßer und Leopold Langer, die Großindustriellen Armbruster, Gustav Ritter Leon v. Wernburg, die Industriellen Jacques und Paul Ritter v. Leon, Wilhelm Freyburg, Siegmund und Leopold Trebitsch, Generalrath v. Wiesenburg, die kaiserlichen Räthe Wilhelm Pollak, Julius Pollak, S. Kohnberger, Gottlieb und Weil, Bezirksrath Heit, zahlreiche Aerzte und Advocaten, eine Abordnung der Ersten Brünner Maschinenfabrik. Abordnungen humanitärer Vereine rc. Obercantor Singer stimmte, vom Chorpersonal begleitet, die Traucrgebete an, und während des gesanglichen Vortrages wurde der reich mit Kränzen geschmückte Sarg aus dem im zweiten Stockwerke gelegenen Sterbezimmer vor das Trauerhaus getragen. Ein vierspänniger Leichenwagen führte den Sarg auf den Centralfriedhof. In der Ceremonienhalle der israelitischen- Abtheilung wurden die vorgeschriebenen Trauergebete verrichtet, worauf Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen warmempfundenen Nachruf widmete. Der Sarg mit der Leiche Siegmund Ritter v. Bauers wurde sodann im eigenen Grabe bestattet. Wien. (BereinFrauenhort.) Der Verein „Frauetthort* betheilt, wie in jedem Jahre, am 19. November, dem Namenstage unserer verewigten, unvergeßlichen Kaiserin Elisabeth, auch Heuer 200 arme Schulkinder mit vollständiger Winterkleidung und Wäiche. Am 15. November d. I. veranstaltete derselbe im Saale des Handwerkervereines, IX., Grüne Thorgasse 26, eine Ausstellung seiner diesjährigen Bekleidung, um seinen Gönnern und Mitgliedern Gelegenheit zu geben, sich persönlich davon zu überzeugen, in welcher Weise die von ihnen zu diesem Zwecke gewidmeten Gaben Verwendung gefunden haben. Man sah da aufgestapelt auf Tischen Bekleidungsstücke aller Art, Wäsche, Schuhe, Handschuhe rc. Jedes Stück trug den Namen eines zu betheilenden Kindes und war nach Maß angefertigt. An einer Wand standen die Reihen von Schachteln, welche dazu bestimmt waren, die jedem einzelnen Kinde gewidmeten Gaben aufzunehmen, um sodann durch eine hiesige erste Speditionsfirma am Namenstage der verewigten Kaiserin dem glücklichen Empfänger direct ins Haus zugestellt zu werden. Hier bemerken wir, daß der Verein „Frauenhort^ seit Jahren von einer öffentlichen Betheilung, beziehungsweise einer Schaustellung der armen Kinder abgekommen ist und wird diese discrete Art der Betheilung sicherlich von den Betheilten dankbarst empfunden und darf der Anerkennung aller wahren Wohlthäter und Spender sicher sein. Wir sahen aber auch Körbe mit Atpfel und Süßigkeiten, einen Tisch mit Spielsachen und einer großen Anzahl von Büchern und Unterhaltungslectüre, bestimmt durch ihren Beischluß zu den Bekleidungsstücken auch die poetische Seite des Kindergemüthes zu erwecken, weiters eine große Menge von Schulrequisiten, Heften, Federkästen, überdies einen Tisch mit Seife, Zahnbürsten und Reibsäckchen. Hier fehlte nichts, was zum Leben eines Kindes gehört, und wir können uns lebhaft vorstellen, welche Freude da an dem Gedenktage unserer seligen Kaiserin in den Häusern der sonst vom Glücke wenig Begünstigten herrschen mag. Die Damen des Vorstandes empfingen die zahlreich erschienenen Gäste, unter welchen man insbesondere die Herren S. Brod, Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Baurath Wilhelm Stiaßny, Magistratsrath Trabauer sammt Gattin, Schuldirector Franz Waas, das Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde Adolf Stiaßny die Mitglieder des Vorstandes des Tcmpelvereines im tX. Bezirke: Herren Dr. Schnepp. Julius Kopstein, Isidor Trebitsch, den Industriellen Arnold Fröhlich und viele andere Persönlichkeiten bemerkte. Alle Besucher waren einig, daß sie noch selten eine so reichliche und sinnige Art der Betbeilung gesehen haben. Es wäre nur zu wünschen, daß der Verein „Frauenhort", dessen humanitäres Wirken sich auf die verschiedensten Gebiete erstreckt, sich immer mehr Freunde und Gönner erwerbe, um seiner ersprießlichen Thätigkeit immer größere Ausdehnung verleihen zu können. 6. 6. Wien. (Mädchen- und Frauen verein B i k u r- Chaulim.) In einer Zeit, wo zu der schon bestehenden Legion von V reinen tagtäglich neue sich gesellen, begegnet jede Neugründung begreiflicherweise mißtrauischer Zurückhaltung. Wenn trotzdem ein Verein schon nach vierwöchentlichem Bestand einer ansehnlichen Blüthe sich erfreut, so ist das der beste Beweis für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.